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Geschichte über die Trennung und die Scheidung 5/6 Jahre Lesen 17 min.

Zwei Zuhause, ein großes Herz: Miras Sicher-Kreis

Die fünfjährige Mira erlebt, wie ihre Eltern sich trennen, und findet mit Unterstützung von Freundinnen, der Erzieherin und einem Sicherheitsplan Wege, ihre Ängste und Gefühle zu benennen.

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Drei Personen: Mira, 5 Jahre, kurz kinnlange kastanienbraune Haare, große braune Augen, Schlafanzug mit Sternen, hält ihr Kuscheltier Hopsi (beiger Plüschhase mit blauem Halstuch) und sitzt mittig auf dem Sofa, zeigt eine bunte Zeichnung mit dem Titel „Sicher-Kreis“; links die Mutter, ca. 35, helle Haut, lange braune Haare zu einem Pferdeschwanz, cremefarbener Pullover und Jeans, nach vorn geneigt, sanfter Blick, offene Hände, hält ein Blatt mit einem Kalender; rechts der Vater, ca. 37, helle Haut, leichte Bartstoppeln, kurze braune Haare, hellblaues Hemd und olivfarbene Hose, leicht zu Mira gedreht, Stift in der Hand, lächelt, eine dampfende Teetasse auf dem Couchtisch. Ort: gemütliches Wohnzimmer am Abend, warme Stehlampenbeleuchtung, rot-mustardfarbener gewebter Teppich, heller Holzboden, beiges Sofa mit bunten Kissen, Holzcouchtisch mit verstreuten Buntstiften, hinter dem Sofa ein sichtbarer Kühlschrank mit zwei kleinen Magnetkalendern (blaue und grüne Felder) und Kinderzeichnungen, Fenster mit indigoblauem Dämmerungshimmel. Situation: intime, ruhige Szene, Eltern und Tochter besprechen einen beruhigenden Plan, Mira zeigt die Zeichnung, Eltern hören aufmerksam zu und zeigen den Kalender, sanfte, vertrauensvolle und leicht emotionale Mimik, mittlere Nahaufnahme, warme weiche Farbpalette, realistische Stoff- und Plüschtexturen, leichte Schärfentiefe, sichere unaufgeregte Atmosphäre. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Teil 1: Die Stimmen in der Küche

Mira war fünf und konnte gut hören, wenn etwas anders klang. An diesem Nachmittag klang die Wohnung leiser als sonst. Nicht still, aber wie eine Decke über den Geräuschen.

Sie saß am Teppich und sortierte Bauklötze nach Farben. Rot, blau, gelb. Neben ihr lag ihr Stoffhase Hopsi. Mira drückte ihn kurz an die Wange. Hopsi roch nach Waschmittel und ein bisschen nach Kakao.

Aus der Küche kamen Stimmen. Mama und Papa. Sie sprachen nicht laut, aber auch nicht fröhlich. Mira hielt den Atem an, als würde das helfen, besser zu verstehen.

„Wir schaffen das mit der Mediation“, sagte Mama. Ihre Stimme war weich, aber sie zitterte ein bisschen.

„Ja“, antwortete Papa. „Am Donnerstag um vier. Ich habe schon angerufen. Frau Keller hat noch einen Termin frei.“

Mira kannte das Wort nicht. Me-di-a-ti-on. Es klang wie ein kompliziertes Spiel, das Erwachsene spielen.

Sie stand auf und ging leise zur Küchentür. Der Flur war kühl unter ihren Socken. An der Tür blieb sie stehen, so wie sie es oft machte, wenn sie nicht stören wollte.

Mama bemerkte sie zuerst. „Mira, Schatz? Komm ruhig rein.“

Mira trat ein. Auf dem Tisch lagen zwei Tassen Tee. Dampf stieg auf. Papa hatte die Stirn gerunzelt, aber als er Mira sah, ließ er die Schultern sinken.

„Was ist Mediation?“, fragte Mira. Sie hielt Hopsi fest, als könnte er die Antwort festhalten.

Papa schob ihr einen Stuhl hin. „Das ist ein Treffen mit einer Person, die uns hilft, gut zu reden.“

„Gut zu reden?“, wiederholte Mira.

Mama nickte. „Wenn Erwachsene traurig sind oder sich streiten, vergessen sie manchmal, wie man ruhig spricht. Bei der Mediation üben wir das. Damit wir gute Lösungen finden.“

Mira schaute von Mama zu Papa. „Hab ich was falsch gemacht?“

Die Frage rutschte aus ihrem Mund, bevor sie sie stoppen konnte. Ihre Brust wurde eng, als hätte jemand einen Knoten gemacht.

Mama streckte sofort die Hand aus und berührte Miras Finger. „Nein. Du hast nichts falsch gemacht.“

Papa beugte sich zu ihr. „Das ist ganz wichtig: Du bist nicht schuld. Manchmal ändern sich Dinge zwischen Erwachsenen. Das hat mit dir nichts zu tun.“

Mira spürte, wie die Tränen in ihren Augen kitzelten. „Aber… ihr seid doch Mama und Papa.“

„Das bleiben wir“, sagte Mama. „Immer.“

Papa nickte. „Auch wenn wir nicht mehr so zusammen wohnen wie früher.“

Mira verstand nicht alles, aber sie verstand das Wort „wohnen“. Ihr Bauch machte einen kleinen Hüpfer, als wäre er erschrocken.

„Heißt das… zwei Zimmer?“, fragte sie leise.

„Vielleicht zwei Wohnungen“, sagte Mama. „Aber du wirst in beiden sicher sein. Und wir werden dich immer lieben.“

Mira schaute auf die Tasse Tee. Der Dampf machte kleine Wolken. Sie wollte fragen, wie Liebe in zwei Wohnungen passt. Doch die Worte blieben stecken.

Mama sah sie an, als könnte sie die steckengebliebenen Worte sehen. „Du darfst alle Gefühle haben, Mira. Traurig, wütend, verwirrt. Und du darfst uns alles sagen.“

Mira nickte langsam. In ihrem Kopf war es trotzdem wie in einer Schublade, die nicht richtig zugeht.

Teil 2: Die vier Freundinnen und der Plan

Am nächsten Tag im Kindergarten war die Luft nach Regen frisch. Mira rannte nicht wie sonst sofort zur Schaukel. Sie setzte sich an den kleinen Tisch im Gruppenraum und malte ein Haus. Dann malte sie noch eins daneben. Zwischen die Häuser malte sie einen Weg und auf den Weg viele kleine Herzen, damit er nicht so leer aussah.

„Was malst du?“, fragte Leni und setzte sich zu ihr. Leni hatte kurze Haare und lachte schnell.

„Zwei Häuser“, sagte Mira.

Sana kam dazu, mit ihrem bunten Haarband, das immer ein bisschen schief saß. „Warum zwei?“

Mira zuckte die Schultern. „Weil… Mama und Papa vielleicht… nicht mehr zusammen wohnen.“

Sana machte große Augen. „Oh.“

Jule setzte sich auch an den Tisch. Jule hatte ein Bein, das manchmal schneller müde wurde, und sie trug eine kleine Schiene. Im Kindergarten war das nichts Besonderes. Manchmal fuhr sie mit dem Laufrad, manchmal lief sie langsam. Heute legte sie ihre Hand auf Miras Arm.

„Fühlt sich das komisch an?“, fragte Jule.

Mira nickte. „Mein Bauch ist wie ein Knoten.“

Leni zog die Stirn kraus. „Meine Cousine hat auch zwei Häuser. Sie sagt, sie hat dann zweimal Zahnbürsten.“

Sana kicherte kurz, dann wurde sie wieder ernst. „Und zweimal Gute-Nacht-Geschichten.“

Mira lächelte ein kleines bisschen, aber der Knoten blieb.

Frau Berger, die Erzieherin, kam näher. „Ihr seht aus, als würdet ihr etwas Wichtiges besprechen.“

Mira drückte den Stift fest. „Mama und Papa machen… Mediation. Und vielleicht wohne ich dann… mal dort und mal dort.“

Frau Berger setzte sich zu ihnen auf einen kleinen Stuhl. „Danke, dass du das sagst. Das ist ein großes Thema.“

„Ist das schlimm?“, fragte Mira.

„Es ist eine Veränderung“, sagte Frau Berger. „Veränderungen können traurig machen. Und manchmal auch erleichtern, wenn es weniger Streit gibt. Wichtig ist: Erwachsene entscheiden das. Kinder sind nicht schuld.“

Jule nickte. „Wie bei einem Puzzle. Die Großen legen es um.“

„Genau“, sagte Frau Berger. „Und ihr dürft sagen, was ihr braucht, damit ihr euch sicher fühlt.“

Sana hob die Hand, als wäre es Unterricht. „Was kann Mira brauchen?“

Frau Berger lächelte. „Zum Beispiel einen Plan. Und kleine Dinge, die gleich bleiben.“

Leni klatschte in die Hände. „Wir machen einen Plan!“

„Einen Sicherheits-Plan“, sagte Sana wichtig.

Mira schaute ihre Freundinnen an. Es fühlte sich warm an, dass sie da waren, wie eine Decke, nur ohne zu kratzen.

Sie holten ein großes Blatt Papier. Oben schrieb Frau Berger: „Miras Dinge, die helfen“.

Leni malte zwei kleine Zahnbürsten. „Eine bei Mama, eine bei Papa.“

Sana malte einen Kalender mit großen Kästchen. „Damit du weißt, wann du wo bist.“

Jule malte Hopsi. „Hopsi kommt immer mit. Oder du hast einen zweiten Hopsi.“

Mira lächelte. „Hopsi gibt's nur einmal. Aber er kann reisen.“

Frau Berger schrieb dazu: „Lieblingskuscheltier darf immer mit.“

Mira dachte nach. „Und… ich will, dass Mama und Papa mir beide Gute Nacht sagen. Auch wenn ich nicht bei ihnen bin.“

„Wie denn?“, fragte Leni.

„Mit Telefon“, sagte Sana. „Oder Video!“

Frau Berger schrieb: „Kurzer Gute-Nacht-Anruf.“

Mira spürte, wie der Knoten im Bauch ein bisschen lockerer wurde, als hätte jemand vorsichtig daran gezogen.

Am Ende malte Mira einen großen Kreis um alles. „Das ist mein Sicher-Kreis“, sagte sie.

Jule hielt das Blatt fest, damit es nicht rutschte. „Und wenn du traurig bist, sagst du es. Dann hören wir zu.“

Mira flüsterte: „Manchmal hab ich Angst, dass ich Mama verrate, wenn ich Papa lieb hab.“

Die anderen schauten sie an. Sana runzelte die Stirn. „Das ist doch Quatsch. Man kann zwei Eis mögen.“

Leni nickte heftig. „Schoko und Erdbeere!“

Jule sagte leise: „Liebe ist kein Kuchen, der leer wird, wenn man teilt.“

Mira schaute Jule an. Das war ein Satz, der sich gut anfühlte, wie ein warmes Pflaster.

Teil 3: Das Treffen und die kleinen Schritte

Am Donnerstag wurde Mira von Papa aus dem Kindergarten abgeholt. Sein Auto roch nach Pfefferminzbonbons. Mira hielt das Blatt mit dem Sicher-Kreis in der Hand. Sie hatte es in eine Mappe gesteckt, damit es nicht knickte.

„Papa“, sagte sie, als sie vor dem Auto standen. „Ich hab was für euch.“

Papa öffnete die Tür, dann kniete er sich hin. „Zeig mal.“

Mira zog das Blatt heraus. „Das hat Frau Berger mit uns gemacht. Mit Leni und Sana und Jule.“

Papa las langsam. Bei den gemalten Zahnbürsten lächelte er. Beim Kalender nickte er. Als er den Satz „Du bist nicht schuld“ sah, wurde seine Stimme ein bisschen rau.

„Das ist sehr klug“, sagte er. „Darf ich das Mama zeigen?“

Mira nickte schnell. „Bitte. Und… ich will auch was sagen.“

Papa wartete.

„Ich hab Angst“, sagte Mira. „Aber ich will euch beide lieb haben. Und ich will wissen, wann ich wo bin.“

Papa atmete tief ein. „Danke, dass du das sagst. Das ist mutig.“

Zu Hause war Mama schon da. Sie sah müde aus, aber als sie Mira sah, ging sie in die Knie und breitete die Arme aus. Mira lief hinein. Mama roch nach Seife und dem Parfüm, das nach Blumen duftete.

„Heute ist euer Termin?“, fragte Mira, als sie sich löste.

Mama nickte. „Ja. Frau Keller hilft uns.“

Mira reichte ihr das Blatt. Mama las, und ihre Augen wurden glänzend. Sie strich über die Zeichnung von Hopsi.

„Das ist wunderschön“, sagte Mama. „Das hilft mir auch.“

„Mir auch“, sagte Papa.

Dann hockten sie sich alle drei aufs Sofa. Papa holte einen Stift. „Wollen wir zusammen einen Kalender machen? Ganz einfach.“

Mira holte ihre Buntstifte. Mama holte ein Blatt mit großen Kästchen.

„Schau“, sagte Papa. „Diese Woche schläfst du bis Sonntag bei Mama. Dann zwei Nächte bei mir. Und wir hängen den Kalender an den Kühlschrank.“

„Und ich will einen zweiten Schlafanzug bei Papa“, sagte Mira sofort. „Der mit den Sternen.“

Papa grinste. „Ein Sternen-Schlafanzug kommt auf die Liste.“

Mama schrieb: „Sternen-Schlafanzug bei Papa.“

„Und ich will…“, Mira zögerte, „dass ihr nicht vor mir streitet.“

Mama und Papa sahen sich kurz an. Nicht böse. Eher wie zwei Leute, die sich erinnern müssen.

„Das ist ein fairer Wunsch“, sagte Mama.

Papa nickte. „Wir versuchen das. Und wenn wir etwas Wichtiges besprechen müssen, machen wir das, wenn du nicht dabei bist. Oder wir sprechen leise und freundlich.“

Mira schaute auf ihre Hände. „Und wenn ich weine?“

Mama strich ihr über die Haare. „Dann darfst du weinen. Dann halten wir dich. Oder wir hören einfach zu.“

„Und wenn ich wütend bin?“, fragte Mira.

Papa sagte: „Dann kannst du sagen: ‚Ich bin wütend.‘ Du musst nicht hauen oder schreien. Wir können in ein Kissen brüllen. Oder stampfen wie ein kleiner Bär.“

Mira musste kichern. „Ein Bär in Sternen-Schlafanzug.“

„Genau“, sagte Papa.

Es klingelte an der Tür. Mama schaute auf die Uhr. „Wir müssen gleich los. Frau Keller wartet.“

Miras Herz klopfte schneller. „Muss ich mit?“

„Nein“, sagte Mama. „Du bleibst bei Oma. Sie kommt gleich. Du bist sicher.“

Als Oma kam, brachte sie eine Dose mit Butterkeksen. „Für das Mut-Kind“, sagte sie und zwinkerte.

Mira setzte sich ans Fenster und sah Mama und Papa zusammen zur Tür hinausgehen. Sie gingen nicht Hand in Hand. Aber sie gingen nebeneinander. Das war neu. Und irgendwie beruhigend.

Oma setzte sich zu Mira. „Du schaust so ernst.“

„Sie machen Mediation“, sagte Mira.

Oma nickte. „Das ist, damit es friedlicher wird.“

Mira lehnte sich an Oma. „Ich will, dass es friedlich ist.“

„Das wollen wir alle“, sagte Oma.

Als Mama und Papa später zurückkamen, waren ihre Gesichter immer noch ernst, aber nicht so hart. Mama kniete sich zu Mira. „Wir haben viel geredet.“

Papa setzte sich daneben. „Und wir haben beschlossen: Wir machen es Schritt für Schritt. Mit dem Kalender. Und mit deinen Sachen in beiden Wohnungen.“

Mira hielt den Sicher-Kreis hoch. „Und mit dem Gute-Nacht-Anruf!“

Mama lächelte. „Ja. Jeden Abend.“

Teil 4: Zwei Türen, ein Herz und ein ruhiger Abend

Ein paar Wochen später stand bei Papa im Flur ein kleiner Haken mit einem Schild: „Mira“. Daran hing ihr Sternen-Schlafanzugbeutel. Im Bad stand eine Zahnbürste mit gelbem Griff, und daneben ein Becher mit kleinen Sternen drauf.

Mira stellte Hopsi auf Papas Kopfkissen. „Du bist schon da“, sagte sie.

Papa zog die Decke glatt. „Und morgen bringe ich dich in den Kindergarten. Danach bist du bei Mama. Steht alles im Kalender.“

Mira ging zum Kühlschrank in Papas Küche. Dort hing auch ein Kalender, genau wie bei Mama. Die Kästchen waren bunt angemalt. Blau für Papa-Tage, grün für Mama-Tage. Und in manchen Kästchen war ein kleines Herz gezeichnet: Das waren die Tage, an denen sie alle zusammen auf den Spielplatz gingen.

„Heute ist blau“, sagte Mira und strich über das Kästchen.

„Und morgen ist grün“, sagte Papa.

Mira spürte den Knoten im Bauch kaum noch. Manchmal kam er wieder, wie eine kleine Wolke. Dann sagte sie es.

Heute Abend kam die Wolke, als Papa das Licht im Flur dimmte. Mira setzte sich auf die Bettkante. „Papa?“

„Ja, Sternchen.“

„Ist Mama traurig, wenn ich bei dir bin?“

Papa setzte sich neben sie. „Mama kann dich vermissen. So wie ich dich vermisse, wenn du bei ihr bist. Vermissen heißt: Du bist wichtig.“

Mira dachte nach. „Und… ist es okay, dass ich dich gerade am liebsten hab, weil du mir Pfannkuchen machst?“

Papa lachte leise. „Das ist okay. Und morgen findest du Mama vielleicht am liebsten, weil sie mit dir malt. Liebe darf hüpfen, wie ein Ball.“

„Liebe ist kein Kuchen“, murmelte Mira.

„Sehr richtig“, sagte Papa. „Sie wird nicht weniger.“

Dann klingelte das Telefon. Mama. Papa stellte es auf Lautsprecher, so wie sie es beschlossen hatten.

„Gute Nacht, Mira“, sagte Mama. Ihre Stimme klang warm, als würde sie eine Decke schicken.

„Gute Nacht, Mama“, sagte Mira. „Ich bin bei Papa. Hopsi auch.“

„Das freut mich“, sagte Mama. „Ich liebe dich bis zum Mond und zurück.

„Ich dich auch“, sagte Mira. Dann zögerte sie kurz und fügte hinzu: „Und ich hab Papa auch lieb.“

Es wurde einen Moment still. Mira spürte wieder einen kleinen Stich, wie eine Nadel. Dann sagte Mama ruhig: „Das ist wunderbar. Du darfst Papa lieb haben. Ganz sicher.“

Mira atmete aus. Der Stich verschwand.

Papa sagte: „Gute Nacht, wir sehen uns morgen. Ich bringe Mira um acht.“

„Danke“, sagte Mama. „Gute Nacht, ihr zwei.“

Als das Telefon aus war, legte Papa es weg. „Wie fühlt sich dein Bauch an?“

Mira legte eine Hand darauf. „Ruhiger.“

Papa nickte. „Magst du noch eine Seite lesen?“

Mira kuschelte sich mit Hopsi ins Bett. Papa las langsam. Die Worte waren weich, und die Lampe machte einen warmen Kreis an die Wand.

Draußen fuhr ein Auto vorbei. Drinnen war es still genug, um Miras Atem zu hören. Sie dachte an Leni, Sana und Jule und an den Sicher-Kreis. Sie dachte an den Kalender und an die zwei Zahnbürsten. An Oma und die Butterkekse. Und daran, dass Mama gesagt hatte: „Ganz sicher.“

Mira flüsterte in Hopsis Ohr: „Ich hab zwei Türen. Aber ein Herz. Und das ist groß genug.“

Papa beugte sich vor und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. „Gute Nacht, Mira. Du bist geliebt. Bei Mama. Bei mir. Immer.“

Mira schloss die Augen. In ihrem Kopf war es nicht mehr wie eine Schublade, die nicht zugeht. Es war wie ein Regal mit zwei Fächern. Und in beiden lag etwas Gutes: Sicherheit, Zuhören, und Liebe, die nicht weniger wurde.

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Mediation
Ein Gespräch mit einer neutralen Person, die hilft, ruhig Lösungen zu finden.
Zitterte
Der Körper bebt ein bisschen, weil man nervös oder kalt ist.
Die Stirn gerunzelt
Die Haut über den Augen wird zusammengezogen, wenn man nachdenkt oder besorgt ist.
Kästchen
Ein kleines Feld in einem Kalender oder auf einem Blatt zum Ausfüllen.
Veränderung
Etwas wird anders als vorher, zum Beispiel bei Tagesablauf oder Wohnort.
Erleichtern
Etwas wird weniger schwer oder macht weniger Sorgen.
Sicher sein
Sich gut und geschützt fühlen, ohne Angst zu haben.
Bis zum Mond und zurück
Eine Art zu sagen: ‚Ich liebe dich sehr, sehr viel.‘
Mut-Kind
So heißt ein Kind, das etwas Mutiges probiert oder tapfer ist.
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