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Geschichte über die Trennung und die Scheidung 5/6 Jahre Lesen 13 min.

Mila und der Wochenplan der zwei Häuser

Mila, fünf Jahre alt, erlebt die Trennung ihrer Eltern und lernt, mit ihren Ängsten, dem neuen Wechsel zwischen zwei Wohnungen und kleinen Ritualen umzugehen.

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Ein sechsjähriges Mädchen mit rundem Gesicht und Sommersprossen, braunen Zöpfen und glänzenden Augen umklammert sein Kuscheltier Hopsi, lächelt schüchtern und stößt ein kleines „pff“ aus, sitzt mittig auf dem Sofa; links sitzt die etwa 35-jährige Mutter mit zusammengebundenen hellbraunen Haaren, liebevollem, besorgtem Blick, hält die linke Hand des Kindes und lehnt sich zu ihr, rechts der etwa 37-jährige Vater mit Drei-Tage-Bart und kurzem Haar, ruhigem, sanftem Ausdruck, hält die rechte Hand des Kindes, auf dem Tisch vor ihm liegt eine Zeichnung mit zwei Häuschen und einem Weg; das Wohnzimmer wirkt warm und häuslich mit gedämpftem Licht, Wolldecke auf dem Sofa, Holzcouchtisch mit Buntstiftpapier, einem Regal mit zwei gleichen Hopsi-Figuren und einem Fenster, das die Nacht mit einem Stern zeigt; die Szene zeigt die Familie als liebevolles Dreieck — das Kind zwischen den Eltern — in einem ruhigen Moment, in dem die Trennung erklärt wird, mit weichem Licht, Pastellfarben, sichtbarer Gouachestruktur, einfachen ausdrucksstarken Strichen und trotz Traurigkeit einer beruhigenden Atmosphäre. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Anfang

Mila war fünf Jahre alt und konnte sehr gut Quatsch machen. Wenn sie lachte, wackelte ihre kleine Nase, und manchmal machte sie dabei ein leises „Pff“, als wäre sie ein Minidrachen. In der Kita erzählte sie gern lustige Tiernamen. Zuhause baute sie aus Kissen eine Höhle und nannte sie „Wolkenburg“.

In den letzten Tagen fühlte sich Mila aber manchmal komisch. Nicht nur lustig. Eher wie ein Knoten im Bauch, der hin und her rutschte. Mama räumte öfter still auf. Papa schaute mehr aufs Handy und atmete schwer, wenn er dachte, niemand merkt es.

Eines Abends gab es Nudeln mit Tomatensoße. Mila drehte die Nudeln ganz langsam auf die Gabel, so wie ein Schneckenhaus. Mama und Papa saßen beide am Tisch, aber ihre Hände lagen weit auseinander.

Nach dem Essen setzte Mama sich mit Mila aufs Sofa. Papa setzte sich dazu, aber ein bisschen seitlich, als hätte er auf dem Sofa einen eigenen kleinen Platz.

Mama sagte, dass sich Dinge verändern werden. Papa sagte, dass Mama und Papa nicht mehr in einer Wohnung wohnen werden. Sie würden sich trennen.

Mila blinzelte. In ihrem Kopf war ein Bild: Mama links, Papa rechts, Mila in der Mitte. Und plötzlich war da ein Spalt, wie eine Ritze in einem Keks.

Mila fühlte Tränen in den Augen, obwohl sie gar nicht weinen wollte. Dann machte sie aus Versehen ihr „Pff“-Geräusch. Das klang so albern, dass sie kurz kichern musste. Und gleich danach wurde ihr wieder schwer.

Mama nahm Milas Hand. Papa nahm die andere. Beide Hände waren warm.

Mama erklärte langsam: Mila habe nichts falsch gemacht. Niemand habe Mila „weggegeben“. Mama und Papa hätten beide Mila sehr lieb, genau gleich stark wie vorher. Nur das Wohnen würde anders werden.

Papa holte ein Blatt Papier und bunte Stifte. Er zeichnete zwei kleine Häuser. In das eine malte er ein Fenster mit einer Sonne. In das andere malte er ein Fenster mit einem Mond. Dazwischen zeichnete er einen Weg mit kleinen Punkten, wie Schritte.

„Das bist du“, sagte er und malte eine kleine Mila mit Zöpfen. Mila schaute auf die Zeichnung. Der Weg sah nicht gefährlich aus. Er sah aus wie ein Spazierweg.

Mama sagte auch etwas Wichtiges: Mila dürfe jederzeit reden, wenn sie möchte. Sie müsse nicht alles in sich behalten. Wenn ihr Herz voll ist, könne sie es leeren wie einen Becher, damit wieder Platz für Luft wird. Mila verstand nicht alles, aber sie mochte das Bild.

Dann machten sie zusammen drei Dinge aus, ganz konkret, damit Mila sich sicher fühlt:

Erstens: Mila hat an beiden Orten ihr Kuscheltier Hopsi. Ein Hopsi bleibt bei Mama, einer bei Papa. Papa würde morgen einen zweiten, gleichen Hopsi besorgen.

Zweitens: Es gibt einen Wochenplan mit Bildern. Ein Haus für Mama-Tage, ein Haus für Papa-Tage.

Drittens: Wenn Mila traurig oder wütend oder verwirrt ist, darf sie es sagen. Auch wenn sie dabei laut ist oder leise. Mama und Papa würden zuhören.

Mila ging später ins Bett. Sie drückte ihren Hopsi ganz fest und flüsterte in sein Ohr: „Du musst auch mutig sein.“ Hopsi sagte nichts, aber sein weiches Fell fühlte sich an wie eine kleine Decke fürs Herz.

Mitte

Am nächsten Morgen roch es nach Kakao. Mila zog sich an und machte dabei absichtlich ihre Socken falsch herum, einfach weil sie das witzig fand. Sie hüpfte ins Wohnzimmer. Da lag auf dem Tisch ein neuer Plan. Er war groß, bunt und hatte Kleberester von Stickern.

Auf dem Plan waren sieben Kästchen. In manchen Kästchen war ein kleines Bild von Mamas Wohnung. In anderen ein Bild von Papas neuer Wohnung. Mila sah, dass es heute ein Mama-Tag war. Morgen auch. Übermorgen ein Papa-Tag.

Mila spürte wieder den Knoten. Der Knoten war kleiner als gestern, aber er war da.

In der Kita spielte Mila im Sand. Sie baute eine Straße mit Kurven. Die Straße führte zu zwei Burgen. Sie machte eine Brücke dazwischen, weil sie fand, dass Burgen eine Brücke brauchen. Dann kam ein Junge und trat aus Versehen auf die Brücke. Mila wollte schreien, aber sie merkte, dass es ein Versehen war. Die Brücke war kaputt, aber Mila konnte sie wieder bauen. Sie atmete einmal tief ein. Der Knoten blieb, aber Mila konnte trotzdem weiter spielen.

Als Mama sie abholte, hatte Mama rote Wangen vom Wind. Auf dem Heimweg hielt Mila Mamas Hand fest. Zuhause fragte Mila, ob Mama und Papa wieder „zusammen“ werden. Mama blieb stehen, so als müsste sie erst die richtige Stelle finden, wo die Worte nicht pieksen.

Mama sagte ehrlich: Sie wisse es nicht, aber im Moment sei es nicht so. Mama und Papa könnten gut für Mila sorgen, auch wenn sie nicht zusammen wohnen. Mama sagte auch: „Sicherheit ist: Du wirst abgeholt. Du bekommst Essen. Du hast dein Bett. Du wirst gehört.“ Mila nickte langsam.

Am nächsten Tag war der erste Papa-Tag. Papa kam pünktlich. Er hatte eine Tasche dabei, und in der Tasche saß ein neuer Hopsi. Der neue Hopsi roch nach Laden und ein bisschen nach Papier. Mila drückte ihn an die Nase. „Pff“, machte sie wieder, weil das ihr Mut-Geräusch geworden war.

Papás neue Wohnung war kleiner. Die Wände waren noch etwas leer. Aber in Milas Ecke stand ein kleines Regal mit ihren Bildern und ein Nachtlicht in Form eines Sterns. Papa hatte sogar eine Schüssel mit Apfelstücken bereitgestellt, so wie Mila es mochte, mit ein bisschen Zimt. Mila fühlte sich überrascht. Der Knoten im Bauch rutschte ein kleines Stück weiter nach hinten, als würde er einen anderen Platz suchen.

Am Abend kam ein Mini-Regen. Es tropfte ans Fenster. Mila wurde plötzlich traurig. Sie dachte an früher, als Mama und Papa zusammen in der Küche waren. In Papas Wohnung war es stiller.

Mila nahm ihren neuen Hopsi und setzte ihn auf den Boden. Sie setzte den alten Hopsi daneben. Dann stellte sie sich selbst dazwischen. Sie machte einen sehr ernsten Blick, wie eine kleine Chefin.

In ihrem Kopf spielte sie „Familien-Zug“. Der Zug hatte zwei Waggons: einen Mama-Waggon und einen Papa-Waggon. Mila war die Lok und zog beide Waggons mit. Das klang schön, aber dann dachte Mila: Wenn ich ziehe, wird es schwer. Mila merkte, dass das nicht ihre Aufgabe war.

Sie ging zu Papa ins Wohnzimmer. Papa saß da und faltete Wäsche. Mila setzte sich nah dazu. Sie sagte leise, dass sie traurig ist und dass sie manchmal denkt, sie müsse beide „zusammenkleben“. Papa legte die Wäsche weg und hörte zu. Er sagte, Mila müsse niemanden zusammenkleben. Mila dürfe einfach Mila sein. Papa sagte auch: „Du darfst uns beide lieben. Das ist sicher. Liebe wird nicht weniger, wenn sie zwei Wege hat.“ Mila verstand wieder nicht jedes Wort, aber sie fühlte die Wärme darin.

Später rief Papa Mama an, und Mila hörte, wie sie ruhig miteinander sprachen. Nicht fröhlich, aber freundlich. Mila war überrascht. Sie hatte gedacht, Trennung bedeutet nur Streit. Jetzt merkte sie: Man kann getrennt sein und trotzdem respektvoll.

In den nächsten Wochen gab es weitere kleine Veränderungen. Mila hatte an beiden Orten Zahnbürsten, einen Schlafanzug und ein Paar Hausschuhe. Mama und Papa schrieben in ein kleines Heft, was Mila gegessen hatte und ob sie müde war. Das Heft wanderte mit, wie ein kleiner Begleiter. Mila nannte es „Das Ehrlich-Heft“, weil darin echte Dinge standen, keine Geheimnisse.

Manchmal war Mila wütend. Einmal wollte sie ihren Becher werfen, weil sie auf einmal nicht wusste, wo ihr Lieblingsbuch war. Mama blieb ruhig und sagte: „Wir suchen zusammen. Und du darfst wütend sein. Aber wir werfen nichts.“ Mila stampfte. Dann suchten sie. Das Buch lag bei Papa. Das war doof, aber nicht schlimm. Mama schrieb es ins Ehrlich-Heft: „Lieblingsbuch ist bei Papa. Mila war wütend. Wir haben gekuschelt.

Als Mila bei Papa war, las Papa ihr abends oft vor. Einmal fragte Mila, ob Papa Mama noch mag. Papa dachte nach und sagte ehrlich: Er mag viele Dinge an Mama, und sie seien Milas Eltern. Er sagte auch: Manchmal passen Erwachsene als Paar nicht gut zusammen, aber als Eltern können sie weiter gut sein. Mila spürte, dass das eine wichtige Wahrheit war. Sincerität, dachte Mila in ihrem Kinderkopf, klingt wie „Sonne“, nur anders.

Ende

Eines Nachmittags war Mila wieder bei Mama. Draußen war es schon früh dunkel, und drinnen roch es nach Mandarine. Mama hatte eine Kerze an, aber nur kurz, weil Mila die Flamme spannend fand. Mama machte sie dann aus und stellte eine kleine Lampe hin, sicher und warm.

Mila hatte einen Kita-Zettel im Rucksack. Es stand drauf, dass bald ein Laternenlauf ist. Mila schaute auf das Papier und dachte: Wen nehme ich mit? Früher waren Mama und Papa zusammen dabei. Der Knoten im Bauch meldete sich wieder.

Mama setzte sich mit Mila an den Tisch und holte Buntpapier. Sie bastelten eine Laterne. Mila klebte Sterne drauf, viele, viel zu viele. Die Laterne sah aus wie ein kleiner Nachthimmel, der runtergefallen war.

Dann schrieb Mama einen kleinen Plan auf: Beim Laternenlauf kommt Mama am Anfang mit. Papa wartet an der Ecke beim Bäcker. Nach dem Lied wechseln sie, und Papa geht den Rest mit. Mila muss nicht entscheiden, wen sie lieber hat. Mila darf einfach laufen und leuchten.

Am Tag des Laternenlaufs war es kalt, aber schön. Mila hielt ihre Laterne. Sie leuchtete gelb und ein bisschen orange. Mila ging neben Mama und hörte die Kinder singen. Ihre Schuhe machten kleine Geräusche auf dem Weg.

Dann sah Mila Papa an der Ecke. Er hob die Hand. Er sah freundlich aus, nicht fremd. Mila fühlte sich plötzlich groß, wie eine, die etwas geschafft hat.

Als es Zeit war zu wechseln, gab Mila Mama einen kurzen Hug und nahm Papas Hand. Es war ein ruhiger Wechsel, wie ein Blatt, das von einem Ast zum nächsten fällt und trotzdem im Wind bleibt.

Später zuhause, im Bett bei Mama, dachte Mila an die letzten Wochen. Es war nicht immer leicht gewesen. Es gab Tage mit Knoten und Tage mit „Pff“-Lachen. Aber Mila hatte gelernt: Sie ist nicht schuld. Sie darf alles fühlen. Und sie darf sprechen, wenn sie es braucht.

Mama kam noch einmal ins Zimmer. Mila fragte, ob es okay ist, wenn sie manchmal auch Papa vermisst, wenn sie bei Mama ist. Mama sagte ja, das sei okay. Und Mama fragte Mila, ob Mila auch manchmal Mama vermisst, wenn sie bei Papa ist. Mila nickte. Mama sagte, das zeige, dass Milas Herz gut lieben kann.

Mila kuschelte ihren Hopsi an sich. Der Stern am Fenster war ein Aufkleber, der im Dunkeln schwach leuchtete. Mila stellte sich vor, dass in Papas Wohnung auch ein Stern leuchtet, bei seinem Hopsi.

Der Alltag wurde einfacher. Nicht perfekt, aber klarer. Der Wochenplan hing an der Wand, und Mila konnte jeden Morgen schauen. Das Ehrlich-Heft lag in ihrem Rucksack. Mama und Papa blieben beide da, auf zwei Wegen, aber in einem Leben.

Mila schloss die Augen. Der Knoten im Bauch war jetzt eher ein kleines Band, das manchmal zieht, aber nicht mehr weh tut. Mila dachte: Ich bin sicher. Ich bin geliebt. Und ich darf ehrlich sein.

Dann schlief sie ein, mit einem leisen, zufriedenen „Pff“.

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Quatsch
Etwas Lustiges oder Unsinn, das man sagt oder macht, um zu lachen.
Minidrachen
Ein kleiner, erfundener Drache, hier als lustiges Geräusch-Bild.
Kita
Kurz für Kindertagesstätte, ein Ort, wo Kinder tagsüber spielen und lernen.
Höhle
Ein kleiner, geschützter Platz zum Verstecken oder Ausruhen, oft aus Decken gebaut.
Knoten im Bauch
Ein Gefühl von Sorge oder Angst, das sich im Bauch fest anfühlt.
Ritze
Ein schmaler, kleiner Spalt oder Riss, wie in einem Keks oder einer Wand.
Trennung
Wenn zwei Erwachsene nicht mehr zusammen wohnen oder ein Paar sind.
Abgeholt
Wenn jemand kommt, um dich wegzubringen oder nach Hause zu bringen.
Ehrlich-Heft
Ein kleines Heft, in das Eltern aufschreiben, wie es dem Kind ging.
Laternenlauf
Ein Umzug mit Laternen, bei dem Kinder abends zusammen laufen und singen.
Laterne
Ein Behälter mit Licht, den Kinder beim Laternenlauf tragen.
Wütend
Ein starkes, ärgerliches Gefühl, bei dem man laut oder sauer sein kann.
Gekuschelt
Sich nah an jemanden legen und Wärme oder Trost spüren.
Zöpfen
Haare, die geflochten werden und zusammengebunden hängen.

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