Teil 1: Die leuchtende Laterne
Es ist Halloween. Die Sonne geht langsam schlafen. Kleine Laternen glimmen in den Fenstern. Im Haus riecht es nach Kürbis und warmer Milch.
Tim ist drei Jahre alt. Tim hat ein kleines Herz. Tim hat große Augen. Er ist verkleidet als freundlicher Gespenst-Fuchs. Sein Kostüm ist weich. Es raschelt nur leise. Tim freut sich.
Im Kinderzimmer sitzt die kleine Lena. Lena ist noch jünger. Sie hält ihr Kuscheltier fest. Lena schaut auf die Tür. Sie sieht die Schatten spielen. Manchmal macht ihr das ein bisschen Angst. Heute fühlt sie sich unsicher.
Tim sieht Lena. Tim setzt seine Laterne auf den Boden. Die Laterne ist bunt. Sie leuchtet orange und blau. "Komm her", sagt Tim mit leiser Stimme. "Ich habe Licht."
Lena rutscht näher. Sie streicht mit den Fingern über das Papier. Das Licht macht bunte Kreise an der Wand. Die Kreise tanzen. Lena lächelt. Tim lächelt zurück.
"Wir gehen heute zusammen", sagt Tim. "Ich passe auf dich auf." Tim nimmt Lenas Hand. Sie ist warm. Tim drückt sie sanft. Lena nickt. Ihr Herz klopft nicht mehr so schnell.
Teil 2: Die freundlichen Häuser
Sie treten vor die Tür. Der Mond schaut zu. Er ist rund und freundlich. Der Garten ist voller Laub. Es raschelt unter den Schuhen. Das Geräusch klingt wie ein leises Lied.
Auf der Straße leuchten Kürbisse. Manche haben lustige Gesichter. Manche haben Augen wie Sterne. Ein Kürbis grinst besonders breit. Tim zeigt auf ihn. Lena lacht. Das Lachen klingt wie kleine Glocken.
Sie treffen einen Nachbarn. Er hat eine Hexenmütze. Sie ist nur bunt und weich. Die Nachbarin winkt. "Hallo ihr beiden", sagt sie. "Schöne Kostüme!" Sie reicht kleine Leckereien. Tim sagt "Danke" und nimmt ein Bonbon. Er bietet Lena eines an. Lena schüttelt den Kopf und zeigt auf einen kleinen Keks. Tim teilt seinen Keks. Teilen ist gut. Teilen ist freundlich.
Weiter vorne steht ein großer Schatten. Er sieht am Anfang etwas seltsam aus. Doch als sie näher kommen, merken sie, dass es nur ein großer Baum ist. Der Wind macht seine Äste wie Arme. "Hallo Baum", flüstert Tim. Der Baum antwortet nicht, aber das Blätterrauschen klingt wie: "Hab keine Angst."
Sie gehen weiter. An einer Tür sitzt ein Hund mit einem kleinen Hut. Er bellt leise und wedelt. Tim kniet sich hin. "Guter Hund", sagt er. Lena streichelt den Hund vorsichtig. Ihre Finger sind sanft. Der Hund legt den Kopf schief. Alles ist in Ordnung.
Manche Menschen haben gruselige Masken. Manche haben lustige Hüte. Einige tragen bunte Tücher. Tim zeigt Lena, wie jeder anders aussehen darf. "Das ist okay", sagt er. "Wir mögen alle, wie wir sind." Lena versteht. Sie lächelt breit.
Ein alter Mann an der Ecke erzählt eine kurze Geschichte. Seine Stimme knistert wie Feuer. Er spricht von einem kleinen Stern, der auf Halloween leuchtet. Tim hört aufmerksam zu. Lena hört zu. Die Geschichte ist geheimnisvoll und freundlich. Am Ende sagt der Mann: "Mut ist warm wie eine Decke."
Tim denkt an die Decke. Er fühlt seine kleine Brust. Er fühlt Mut. Er drückt Lenas Hand fester. Lena fühlt Mut auch.
Teil 3: Das heimliche Kichern
Es wird dunkler. Die Straßenlampen machen weiche Kreise auf dem Boden. Tim und Lena sitzen auf einer Bank. Tim nimmt seine Laterne. Er bewegt sie langsam. Die Schatten tanzen wieder.
Plötzlich hören sie ein leises Kichern. Es klingt wie Puderzucker, der in die Luft fällt. Tim und Lena schauen sich um. Hinter einer Hecke glitzert etwas. Tim steht auf. "Komm", sagt er. "Ich schau nach."
Sie kriechen leise an die Hecke. Dahinter sitzt ein kleiner Fuchs. Er hat eine Maske auf. Er hat auch eine Laterne. "Ich wollte nur spielen", sagt der Fuchs schüchtern. "Ich habe mich versteckt."
Tim lacht leise. "Wir auch", sagt er. "Willst du mit uns gehen?" Der Fuchs nickt. Er wirkt froh. Sie gehen zusammen weiter, drei Laternen im Gleichschritt.
Auf dem Rückweg schenken sie einem einsamen Kürbis ein Lächeln. Der Kürbis sieht zufrieden aus. Vor dem Haus halten sie an. Es ist Zeit nach Hause zu gehen. Die Eltern warten mit warmen Säcken und einer Decke.
Tim trägt Lena nach Hause. Seine Beine sind kurz, aber stark. Lena gähnt. Sie kuschelt sich an Tim. "Danke", murmelt sie. "Danke, Tim."
Tim setzt Lena vorsichtig in das Bett. Er stellt die Laterne auf das Fensterbrett. Das Licht fällt wie kleine Sonnen auf die Decke. Die Eltern singen ein kurzes Lied. Es ist leise und rund.
Bevor sie schlafen, schaut Lena noch einmal zur Tür. Draußen tanzen die Lichter weiter. Der Mond ist noch wach. Tim legt seine kleine Hand über Lenas Hand. "Ich passe auf dich", flüstert er. "Immer."
Lena schließt die Augen. Sie träumt von tanzenden Laternen, freundlichen Kürbissen und einem Fuchs mit einer Maske, der Kicherblüten regnet. Tim schleicht zur Tür. Er wirft einen letzten Blick auf die Straße. Alles ist freundlich. Alles ist sicher.
Die Nacht ist warm. Sie ist ruhig. Die Welt atmet leise. Tim legt sich auch schlafen, mit einem Lächeln. Er träumt davon, wie er immer wieder die Hand seiner Schwester nehmen kann. Wie er immer Licht bringt, wenn Schatten kommen.
Und draußen, auf der Straße, winken die Kürbisse. Sie flüstern: "Gute Nacht."