Teil 1: Der Luftballon
Im Kindergarten ist es bunt. Es ist Halloween. Vier kleine Mädchen stehen im Raum. Lila hat ein lila Kleid. Mira trägt Katzenohren. Suse hat einen Kürbis-Pullover. Tami hat kleine Feenflügel. Alle sind drei Jahre alt. Alle lachen und hüpfen.
Auf dem Tisch liegt ein großer, oranger Luftballon. Er hat ein fröhliches Kürbis-Gesicht. Lila nimmt den Ballon in die Hand. Ihr Ziel ist klar. Sie will den Ballon aufblasen. Jetzt. Gleich. Ganz groß.
„Ich schaffe das“, sagt Lila. Sie atmet ein. Sie pustet. „Pfffff.“ Der Ballon macht ein leises Quietschen. Ein kleines bisschen rund. Nur ein bisschen.
„Bravo, Lila“, sagt Mira. „Noch mal.“
Lila pustet noch einmal. „Pfffff.“ Der Ballon wird runder. Lila lacht. Dann setzt sie sich kurz hin. „Mir ist ein klitzekleines bisschen schwindelig“, sagt sie.
„Wir machen langsam“, sagt Suse. „Ein. Aus.“ Die Mädchen atmen zusammen. „Ein. Aus.“ Das tut gut.
Da raschelt ein Vorhang. Ganz leise. „Huuu“, macht es. Ein winziger, netter Geist schaut hervor. Er ist weiß wie Watte. Er hat ein freundliches Gesicht. Er winkt.
„Hallo“, sagt Tami und lächelt. „Willst du mitfeiern?“
Der Geist nickt. „Bö“, flüstert er und kichert. Es klingt wie „Böh“. Nicht gruselig. Nur weich und lustig.
„Bei uns darf jeder mitmachen“, sagt Mira. „Auch ein Geist.“
Der Geist freut sich. Er schwebt neben den Ballon. „Langsam pusten“, flüstert er. „Und Pause machen.“
Lila nimmt den Ballon wieder. Sie pustet kurz. Pause. Pustet kurz. Pause. Der Ballon glitzert im Licht. Er riecht nach Gummi. Er fühlt sich glatt an.
„Ich höre ein Kratzen“, sagt Suse. Alle hören hin. Kratz. Kratz. Ein kleiner Schatten huscht an der Wand. Eine Fledermaus! Sie ist klein und weich. Sie klappt die Flügel. Sie ist neugierig.
„Hallo, Fledermaus“, sagt Lila. „Keine Sorge. Hier ist es freundlich.“
Die Fledermaus piept leise. Sie setzt sich an die Lampe. Die Lampe hat kleine, sichere Lämpchen. Alles ist hell und warm.
Teil 2: Kleine Spuk-Hilfe
„Ich puste weiter“, sagt Lila. „Aber wenn es zu viel wird, sag ich Stopp.“ Die anderen nicken.
„Ich zähle mit“, sagt Tami. „Eins, zwei, Stopp! Eins, zwei, Stopp!“ Das ist lustig. Alle kichern.
Lila pustet im Takt. „Pfffff.“ Der Ballon wird groß. Er ist jetzt so rund wie ein kleiner Mond. „Ich hab Bäckchen wie Äpfel“, sagt Lila und lacht.
„Ich halte fest“, sagt Mira. Sie hält den Hals vom Ballon. Ganz vorsichtig. „Er will nicht weghüpfen.“
„Ich male später ein Gesicht drauf“, sagt Suse. „Ein freundliches. Mit großen Augen und einem krummen Lachen.“
Der Wind draußen flüstert. „Huuu.“ Die Blätter tanzen vor dem Fenster. Es klingt wie ein Lied.
„Das Huuu sagt Hallo“, sagt der Geist. „Es ist nur der Wind.“
„Hallo, Wind!“, rufen die Mädchen. Alle winken. Das fühlt sich mutig und ruhig an.
Lila pustet ein letztes Mal. „Pfffff!“ Der Ballon ist jetzt wirklich groß. „Jetzt brauche ich Hilfe beim Knoten“, sagt sie.
„Zusammen“, sagt Mira. Mira hält. Tami drückt die Luft nicht raus. Suse macht den Knoten. Der Geist pustet einen winzigen, warmen Luftkuss dazu. Knoten geschafft!
„Geschafft!“, rufen alle. Die Fledermaus klatscht mit den Flügeln. „Piep!“
Suse malt mit einem dicken, schwarzen Stift. Sie malt zwei große, runde Augen. Sie malt eine krumme, nette Kürbis-Schnute. Der Ballon grinst. Er sieht freundlich aus.
„Du bist schön“, sagt Lila zum Ballon. „Du bist unser Halloween-Ballon.“
„Alle anders, alle schön“, sagt Tami. Sie schaut die Fledermaus an. „Du auch.“
Der Geist nickt. „Zusammen ist es weich wie Watte.“
Teil 3: Ein guter Abend
Die Mädchen machen eine kleine Parade. Sie gehen im Kreis. Schritt, Schritt. Schwing, schwing. Der Ballon wippt an einer Schnur. Er macht „wubb, wubb“. Das klingt lustig.
„Klopf, klopf“, sagt Mira an der Tür vom Spielhaus. „Süßes oder Saures?“
„Süßes!“, ruft Suse. Sie teilt Apfelstücke und kleine Kekse. „Für alle. Auch für unseren Geist.“
Der Geist tut so, als ob er knabbert. „Mmmh, Luftkeks“, sagt er und kichert. Alle lachen.
Die Fledermaus bekommt ein Stück Apfel auf einen Teller. Sie schnuppert. Dann piept sie zufrieden. „Piep.“
„Hier darf jeder mitfeiern“, sagt Lila. „Wer nett ist, gehört dazu.“ Die anderen nicken. Das fühlt sich gut an. Warm. Richtig.
Sie singen ein leises, fröhliches Lied. „Huhu, hallo, Halloween ist so. Lichter klein, Herzen fein.“ Der Raum klingt weich und hell. Die Lämpchen glühen. Der Ballon schwankt und lächelt.
Draußen wird der Himmel dunkelblau. Der Mond guckt rund. Ein Stern blinzelt. Es ist ruhig. Es ist schön.
Die Mädchen räumen zusammen auf. Sie legen Stifte in die Kiste. Sie stellen Becher an die Spüle. Niemand ist allein. Alles geht schnell und freundlich.
„Mein Ziel ist geschafft“, sagt Lila. Sie hält die Schnur fest. „Der Ballon ist groß und fröhlich.“
„Du warst stark und klug“, sagt Tami.
„Und wir waren ein Team“, sagt Mira.
„Zusammen ist gut“, sagt Suse.
Der Geist schwebt zur Tür. Die Fledermaus klappt die Flügel. „Bis bald“, flüstert der Geist. „Danke für euer Lachen.“
„Kommt wieder“, sagen die Mädchen. Sie winken. Das Herz ist ruhig. Die Luft ist weich.
Die Lämpchen werden leiser. Die Stimmen werden klein. Ein Gähnen hier. Ein Gähnen dort. Der Ballon schwebt neben Lila. Er passt auf. Ganz sanft.
„Gute Nacht, Ballon“, flüstert Lila. „Gute Nacht, Halloween.“ Alle kuscheln sich in Decken. Warm. Sicher. Fröhlich.
Der Mond lächelt durch das Fenster. Der Wind sagt „Huhu und gute Nacht“. Der Tag geht zu Ende. Alles ist gut. Alle sind willkommen.