Teil 1: Abend im Garten
Die Sonne wird kleiner. Der Himmel ist warm und weich. Vier Freunde sitzen im Gras. Paul, Amir, Ben und Leo. Sie sind vier Jahre alt. Einer von ihnen hat ein Rollstuhl. Er lacht leise. Es ist ruhig und freundlich.
„Heute üben wir Ruhe,“ sagt Paul. Die Jungen nicken. Ihre Atmung wird langsam. Sie legen die Hände auf den Bauch. Sie spüren, wie er sich hebt und senkt. Einatmen. Ausatmen. Immer ruhig.
Amir hat eine kleine, helle Blase in der Hand. „Das ist meine Gedankenblase“, flüstert er. Die Blase schimmert. Alle schauen gespannt. Die Blase ist rund und leicht wie Seife. Sie sieht aus wie ein kleiner Mond.
„Wir lassen sie fliegen“, sagt Ben. „Wir schicken sie fort, damit wir schlafen können.“ Die Jungen lächeln. Sie sind zusammen. Die Nacht ist nah. Die Sterne blinken leise.
Teil 2: Die Bewegungen wie Wolken
„Lasst uns Yoga machen“, schlägt Leo vor. „Sanft wie Wolken.“ Die Freunde legen sich auf den Rücken oder setzen sich bequem. Jeder fühlt sich sicher. Jeder fühlt sich warm.
Zuerst stehen sie wie Berge. „Bergstellung,“ sagt Paul. Die Kinder stellen sich gerade hin. Arme nach oben. Hände zusammen. Die Füße fest auf dem Boden. Atmen tief. Berg stehen bleibt still. Stabil und ruhig.
Dann machen sie den Baum. „Baumstellung,“ sagt Amir. Ein Bein leicht anheben. Fuß an den anderen Schenkel legen oder auf dem Boden bleiben. Arme wachsen wie Äste nach oben. Wer will, kann die Hilfe eines Freundes haben. Sie balancieren kurz. Sie lachen leise. Die Bäume wiegen sich sanft im Wind.
Jetzt rollen sie wie Katzen und Kühe. „Katzen-Kuh“, sagt Ben. Hände und Knie auf dem Boden. Beim Einatmen den Rücken senken, Kopf leicht heben – das ist die Kuh. Beim Ausatmen den Rücken runden, das Kinn zur Brust – das ist die Katze. Sie bewegen sich langsam. Auf. Ab. Wie Wellen. Auf. Ab.
Zum Schluss kriechen sie in die Kindsruhe. „Kindhaltung“, murmelt Leo. Knie am Boden, Po auf den Fersen, Stirn auf dem Boden oder auf den Händen. Arme weit nach vorn oder neben den Körper. So fühlen sie sich geborgen. So fühlen sie sich klein und ganz sicher. Atmen. Still sein.
Zwischen den Übungen schauen sie zur Gedankenblase. Sie ist jetzt größer. Sie leuchtet sanft. Amir hält sie vorsichtig. Er lächelt. „Ich denke an das Meer“, sagt er. „Ich denke an mein Lieblingsspielzeug.“ Leise Gedanken. Kleine Sorgen. Große Freude. Alles in der Blase.
„Lass sie los“, sagt Paul. Alle nehmen ein tiefes Atemzug. Einatmen. Ausatmen. Die Blase hebt langsam ab. Sie schwebt über den Köpfen. Sie glänzt im Abendlicht. Die Jungen folgen mit dem Blick. Die Blase wird leichter. Sie fliegt wie ein Blatt im Wind.
Teil 3: Gute Nacht, kleine Blase
Die Blase schwebt zum Himmel. Sie trifft einen Stern und flüstert ihm die Gedanken zu. Der Stern lächelt und nimmt die Sorgen an. Die Blase wird kleiner. Sie wird heller. Sie fliegt weiter. Bald ist sie nur noch ein winziger Lichtpunkt.
Die Freunde liegen im Gras. Die Welt ist ruhig. „Ich fühle mich leicht“, sagt Amir. „Ich fühle mich warm“, sagt Ben. „Ich fühle mich sicher“, sagt Paul. „Ich bin froh“, sagt Leo. Ihre Stimmen sind weich. Sie wiederholen die Worte leise. Sie hören das Atmen der Freunde. Sie hören die Nacht.
„Noch einmal Berg“, flüstert Paul. Sie strecken sich kurz. Dann gehen sie wieder in die Mitte ihres Körpers. Einatmen. Ausatmen. Die Augen werden schwer. Die Glieder werden weich.
Die Blase ist nun ein Stern. Der Stern wacht über sie. Er sagt nichts. Er leuchtet nur. Die Freunde kuscheln sich in ihre Decken. Die Decken sind warm. Die Decken sind weich. Die Hände berühren sich kurz. Eine kleine Verbindung. Ein kleiner Frieden.
„Gute Nacht“, flüstern sie zusammen. Ein leises Lachen. Ein leises Gähnen. Die Atmung wird tiefer. Einatmen. Ausatmen. Die Welt wird still. Die Kinder fühlen, wie Ruhe in ihren Körper sinkt, wie ein warmes Licht. Ihre Gedankenwolken sind leicht. Ihre Herzen sind ruhig.
Kurz bevor die Augen ganz zugehen, schickt jeder ein kleines Lächeln in die Runde. Ein Lächeln für den Freund. Ein Lächeln für die Blase. Ein Lächeln für den Stern.
Im letzten Atemzug öffnet Amir die Lippen. Er sieht die Freunde an. Er lächelt. Sein Lächeln ist weich. Sein Lächeln ist müde. Sein Lächeln ist glücklich. Es bleibt als leiser Stern in der Nacht.
Die Nacht wiegt die Kinder sanft. Der Garten atmet mit ihnen. Die Sterne singen leise. Und alle schlafen mit einem kleinen Lächeln im Gesicht ein.