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Reisegeschichte unter dem Meer 11/12 Jahre Lesen 21 min.

Das Muschel-Siegel und die Rettung der Unterwasserstation

Zwei Mädchen, Mila und Juna, liefern ein wichtiges Paket zur Unterwasser-Forschungsstation und müssen auf dem Weg Gefahren und Rätsel überwinden, die ihren Mut und ihre Loyalität prüfen.

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Zwei etwa 11-jährige Mädchen unter Wasser: ein rothaariges, sommersprossiges Mädchen mit schelmischem Blick in einem dunkelblauen Tauchanzug mit gelben Verstärkungen hält fest ein versiegeltes Paket mit Muschelaufdruck und schwimmt leicht nach links, das andere, kurz dunkelbraunhaarig und lächelnd, trägt einen türkisfarbenen Tauchanzug mit Taschen, schwimmt rechts und reicht ihr mit schützender Miene ein Seil; sie liefern ein lebenswichtiges Paket an eine Unterwasserstation in einem posidoniegesäumten Garten mit smaragdgrünen Seegrasbüscheln, rosa-orangefarbigen Turmkorallen, silbrig-transparenten Fischschwärmen, einer rauchglasigen Stationskuppel im Hintergrund, beigeem Sand mit vereinzelten Muscheln und einem teilweise vergrabenen alten Metallrohr; ihre Gesten sind angespannt, aber ruhig, Silberblasen steigen auf und ein grünes Leuchtstäbchen liegt neben dem Paket. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Kapitel 1: Das Paket mit dem Muschel-Siegel

Mila und Juna waren beide elf, und beide konnten auf eine Art schauen, als würden sie gleich ein Rätsel knacken. Mila hatte Sommersprossen und einen klugen, schnellen Blick. Juna hatte kurze, dunkle Haare und lachte oft, selbst wenn es gerade schwierig war.

Sie lebten in einem kleinen Hafenort, wo die Boote morgens knarrten und abends die Möwen wie schlechte Sänger über die Dächer schrien.

An diesem Nachmittag kam Kapitän Rike aus dem Lagerhaus und winkte sie heran. In seiner Hand hielt er ein flaches Päckchen. Es war in Wachstuch gewickelt, mit einem runden Siegel, das wie eine Muschel aussah.

„Ihr zwei“, sagte er leise, „ich brauche euch. Kein Quatsch diesmal.“

Juna zog eine Augenbraue hoch. „Wir machen nie Quatsch.“

Mila flüsterte: „Manchmal.“

Der Kapitän tat, als hätte er das nicht gehört. „Dieses Paket muss zu den Seegrasgärten. Zu einer Forschungsstation unter Wasser. Dr. Miro wartet darauf. Es ist… nützlich.“

„Unter Wasser?“, fragte Juna. „Also richtig unter Wasser?“

„Richtig“, sagte Rike. „Und bevor ihr fragt: Ja, ihr könnt tauchen. Ihr kennt das Riff. Ihr seid vorsichtig. Und ihr habt diese.“

Er reichte ihnen zwei kleine Tauchmasken und einen wasserdichten Beutel mit einem dünnen Seil, zwei Leuchtstäbchen und einem Kompass.

Mila nahm das Paket. Es fühlte sich überraschend schwer an. „Was ist drin?“

Rike sah kurz zum Meer. „Ein Ersatzfilter für den Sauerstoff-Recycler. Ohne den wird die Station bald… eng.“

Juna pfiff leise. „Dann ist das nicht nur nützlich. Das ist wichtig.“

„Genau“, sagte Rike. „Und ich vertraue euch. Das ist keine Mutprobe. Das ist eine Aufgabe.“

Mila drückte das Paket an sich. „Wir liefern es ab.“

Juna grinste. „Natürlich. Wir sind schließlich… Paket-Heldinnen.“

„Ihr seid vor allem vorsichtig“, murmelte Rike, aber seine Augen lächelten.

Als sie losgingen, rief er ihnen nach: „Und bleibt zusammen! Loyalität ist keine Deko, die ist ein Rettungsring!“

Juna stieß Mila mit dem Ellenbogen an. „Hast du gehört? Wir sind ein Rettungsring.“

Mila lachte kurz. Dann wurde sie ernst. „Wir schaffen das. Aber wir dürfen uns nicht verzetteln.“

„Keine Sorge“, sagte Juna. „Wenn du der Kopf bist, bin ich… die Beine.“

„Das klingt komisch.“

„Ist aber praktisch.“

Sie liefen zum kleinen Steg, wo ihr schlankes Schlauchboot lag. Das Meer war heute klar, als hätte jemand die Welt frisch gespült.

Kapitel 2: Der Einstieg ins Blau

Sie paddelten hinaus, bis das Wasser unter ihnen dunkler wurde. Das Riff schimmerte wie ein riesiger Teppich aus Stein und Leben. Mila überprüfte den Knoten am wasserdichten Beutel. Juna zählte laut: „Masken, Leuchtstäbchen, Kompass, Seil. Und das Super-Paket.“

Mila nickte. „Und wir.“

Sie zogen ihre Flossen an. Der Wind roch nach Salz und Abenteuer. Für einen Moment war Mila nervös. Nicht panisch. Eher so, als würde ihr Bauch ein kleines Rad schlagen.

„Du denkst gerade zu viel“, sagte Juna, als hätte sie es gehört.

Mila blinzelte. „Ich denke nie zu viel. Ich denke nur… gründlich.“

„Dann denk gründlich daran, dass wir das können.“ Juna hielt ihr die Hand hin. „Gemeinsam.“

Mila schlug ein. Ihre Hände waren kalt vom Wasser, aber der Druck war warm.

Sie ließen sich rückwärts ins Meer fallen. Das Wasser umarmte sie, kühl und schwerelos zugleich. Geräusche wurden weich. Die Welt über ihnen wurde eine glänzende Decke.

Mila befestigte das Paket mit dem Seil an ihrem Gürtel. Es baumelte neben ihr wie ein treuer Hund, der nicht schwimmen kann.

Sie tauchten tiefer. Zwischen den Korallen huschten bunte Fische, als würden sie sich gegenseitig Geheimnisse zuflüstern. Ein Papageifisch knabberte an einem Stein und sah dabei aus, als wäre er sehr zufrieden mit sich.

Juna zeigte nach links. Dort stand eine Schlucht im Riff offen, wie ein dunkler Mund.

Mila schüttelte den Kopf und tippte auf den Kompass. Der Pfeil zeigte geradeaus. Sie deutete auf eine Reihe hoher Korallen, die wie Türme aussahen. Hinter ihnen lag der Weg zu den Seegrasgärten.

Sie schwammen im Rhythmus ihrer Flossenschläge. Mila achtete auf jede Strömung. Juna schaute nach oben und unten, als wäre sie die Wächterin des Himmels und des Meeres zugleich.

Plötzlich zog etwas an Milas Seil.

Mila erstarrte. Das Paket ruckte nach hinten. Juna drehte sich sofort um. Ihre Augen hinter der Maske wurden groß.

Ein dicker Seetangstrang hatte sich um das Seil gewickelt. Er zerrte, als hätte er eigene Laune.

Juna machte eine Grimasse und deutete auf ihren kleinen Tauchmesser-Anhänger, den sie nur im Notfall benutzten. Mila schüttelte den Kopf. Erst denken.

Sie zog am Seil, aber der Tang hielt fest. Wenn sie zu stark ruckte, würde sie vielleicht das Siegel beschädigen.

Mila hielt den Atem ruhig. Sie nahm ein Leuchtstäbchen, knickte es. Grünes Licht floss heraus. Sie steckte es zwischen Seil und Tang, als würde sie eine Zange bauen. Der Tang glitt ein Stück. Mila schob nach, langsam, geduldig. Juna half, indem sie den Tang mit beiden Händen führte, ohne zu reißen.

Nach einer halben Minute löste er sich. Das Paket schwebte wieder frei.

Juna hob den Daumen. Mila nickte zurück. Kein hektischer Schnitt. Keine Panik. Nur klug und ruhig.

Sie schwammen weiter. Und Mila merkte: Mut fühlt sich manchmal genau so an. Wie ruhig bleiben, wenn etwas zieht.

Kapitel 3: Die Glasfische und der falsche Weg

Die Seegrasgärten sollten hinter einer flachen Sandbank liegen. Doch als sie dort ankamen, wirkte alles anders. Das Wasser war voller winziger, glänzender Fische. Sie waren fast durchsichtig, als hätten sie aus Glasflaschen gelernt, wie man leuchtet.

Juna blieb stehen und starrte. „Wow.“

Die Glasfische bewegten sich wie ein einziger Körper. Sie schoben sich an den Mädchen vorbei, kreisten, formten Spiralen. Es sah aus wie eine lebendige Schrift, die niemand lesen konnte.

Mila fand das wunderschön. Und gefährlich. „Wir dürfen uns nicht verlieren“, deutete sie mit der Hand.

Juna nickte, aber ihr Blick hing an dem Schwarm. Ein Teil von ihr wollte hinterher, nur kurz, nur einen Meter.

Da bemerkte Mila etwas: Der Kompass drehte. Nicht wild. Aber er zitterte.

„Metall“, dachte Mila. „Oder Magnet.“

Sie deutete auf einen dunklen Fleck im Sand. Dort ragte etwas heraus, wie ein altes Rohr.

Juna schwamm näher. Mila packte sie am Handgelenk und zog sie zurück. Juna sah kurz beleidigt aus, dann verstand sie. Sie folgte Milas Blick.

Im Sand lag ein versunkenes Stück von etwas Menschlichem. Vielleicht ein alter Anker. Vielleicht Schrott. Es glitzerte. Und es zog die Nadel.

Mila zeigte: Umgehen.

Sie schwammen einen Bogen. Der Schwarm Glasfische folgte ihnen, als wären sie neugierige Zuschauer.

Dann passierte es trotzdem: Juna wurde von einer kleinen Strömung erfasst, die wie eine unsichtbare Hand an ihr zog. Nicht stark. Aber genau genug, um sie ein paar Meter abtreiben zu lassen.

Mila spürte, wie ihr Herz schneller wurde. Sie wollte hinterher. Doch das Paket hing an ihr. Und zwischen ihnen tanzte der Schwarm, verwirrend, flimmernd.

Juna sah Mila an. Ihre Augen sagten: Ich bin da. Und auch: Ich komme nicht schnell zurück.

Mila dachte blitzschnell. Sie zog das Seil aus dem Beutel, legte es um ihre Hand und ließ das Ende zu Juna gleiten. Ein ruhiger Wurf, keine Hast. Juna packte es sofort.

Mila zog nicht. Sie hielt nur Verbindung. Ein dünner Faden Loyalität im weichen Blau.

Juna nutzte das Seil, um gegen die Strömung zurück zu kommen, Schritt für Schritt mit den Flossen. Mila blieb an Ort und Stelle, damit der Zug nicht ruckte.

Als Juna wieder bei ihr war, stupste sie Mila gegen die Schulter. Unter Wasser war das mehr ein Schubsen als ein Stupsen.

„Nicht böse sein“, sagte Juna, ohne Worte, nur mit Blick und einer entschuldigenden Handbewegung.

Mila schüttelte den Kopf. Dann zeigte sie: Zusammen.

Der Schwarm Glasfische löste sich plötzlich, als hätte er genug gesehen. Er zog davon und hinterließ eine stille Klarheit.

Vor ihnen wogte das Seegras. Lange, grüne Bänder, die im Rhythmus der Wellen tanzten. Dahinter schimmerte etwas Unnatürliches: ein runder Schatten, glatte Kanten. Die Station.

Juna machte ein triumphierendes Zeichen. Mila lächelte hinter ihrer Maske. Das schwierigste Stück, dachte sie, kommt oft kurz vor dem Ziel.

Kapitel 4: Die Seegrasgärten und die leise Gefahr

Sie glitten über das Seegras, ohne es zu knicken. Mila achtete darauf, wie die Halme lebten: kleine Schnecken, die daran klebten, winzige Krebse, die zwischen den Blättern verschwanden. Alles war beschäftigt. Alles hatte seinen Platz.

Die Station lag halb im Sand, halb zwischen Felsen. Eine Kuppel aus dickem Glas, mit einem kurzen Tunnel und einer Metallluke. Daran blinkte ein kleines Licht: gelb, dann rot, dann wieder gelb.

„Nicht gut“, dachte Mila.

Juna zeigte auf ein Schild an der Kuppel. Es war beschlagen, aber Mila konnte die Buchstaben lesen: O2 / FILTER.

Mila zog das Paket nach vorn. Das Muschel-Siegel glänzte noch.

Sie schwammen zur Luke. Daneben war ein kleines Bedienfeld in einer Plastikhülle. Mila drückte vorsichtig. Nichts.

Juna zeigte nach oben. Über der Luke war ein Ventil, von Seepocken bedeckt. Es sah aus, als wäre es lange nicht bewegt worden.

Mila zog den Beutel auf, nahm das zweite Leuchtstäbchen und knickte es. Das blaue Licht machte die Kanten klarer. Sie schob das Licht so, dass es unter die Seepocken leuchtete. Da war ein kleiner Hebel, fast versteckt.

Juna deutete: Ich.

Mila zögerte. Juna war mutig, aber manchmal zu schnell. Doch hier brauchte es Kraft. Mila nickte.

Juna packte den Hebel mit beiden Händen und zog. Erst passierte nichts. Dann knirschte es. Eine Wolke aus Sand stieg auf.

Mila legte eine Hand auf Junas Arm: Langsam.

Juna zog erneut, in kleinen Stufen. Schließlich sprang der Hebel frei. Das gelbe Licht an der Luke wurde grün.

Die Luke öffnete sich nicht sofort. Aber sie klickte, als würde sie sich bereit machen.

Dann kam etwas Unerwartetes: Eine kleine Muräne schoss aus einer Spalte neben der Luke. Nicht riesig, aber schnell. Sie war wahrscheinlich nur erschrocken. Trotzdem: Ihr Kopf sah aus wie ein grimmiger Pfeil.

Juna zuckte zurück, stieß dabei gegen Mila. Das Paket knallte gegen die Kuppel. Mila hielt es fest. Ihr Atem wurde schneller.

Die Muräne blieb einen Moment in der Nähe, als würde sie prüfen, ob die Mädchen Ärger bedeuteten. Dann verschwand sie wieder im Seegras.

Mila hob eine Hand: Ruhig.

Juna nickte, aber ihre Augen waren immer noch groß. Sie formte stumm: Sorry.

Mila legte kurz ihre Stirn gegen Junas Maske. Ein kleines, komisches Unterwasser-Kopf-an-Kopf. Juna musste lachen. Man sah es an ihren Wangen.

Mila deutete auf die Luke und das Paket. Fokus.

Sie drückte das Paket gegen die Öffnung. Innen war ein kleiner Schacht mit einer Gummidichtung. Ein Lieferschacht, wie ein Briefkasten. Mila schob das Paket hinein, vorsichtig, bis es einrastete.

Ein leises Summen begann. Das rote Licht im Inneren wurde gelb.

Juna zeigte: Geschafft?

Mila wollte gerade nicken, da flackerte das grüne Licht an der Luke. Es wurde wieder gelb. Dann rot.

Mila spürte, wie die Situation sich veränderte. Nicht dramatisch wie im Film. Eher wie ein Wetterwechsel.

„Wir müssen Dr. Miro erreichen“, dachte sie. „Oder die Station merkt nicht, dass das Paket da ist.“

Juna zeigte auf ein kleines Mikrofon-Symbol am Bedienfeld.

Mila drückte. Ein Knistern. Dann eine müde Stimme, verzerrt durch Wasser und Technik: „Wer… ist da?“

Mila beugte sich näher. „Hier sind Mila und Juna. Lieferung aus dem Hafen. Filter.“

Kurze Stille. Dann: „Gut… gut. Schacht… öffnen… ich muss…“

Die Stimme brach ab.

Juna schaute Mila an. „Wir können nicht rein“, sagte ihr Blick. „Und wir können nicht einfach gehen.“

Mila spürte Angst wie eine kalte Muschel im Bauch. Aber sie hielt sie fest, damit sie nicht aufging.

„Wir bleiben“, deutete Mila. „Bis sicher.“

Juna nickte sofort. Loyalität war bei ihr nicht laut. Sie war schnell.

Kapitel 5: Die Entscheidung im Dämmerlicht

Das Licht in der Station blieb rot. Das Summen wurde schwächer. Mila sah durch das Glas der Kuppel. Innen bewegte sich ein Schatten, langsam, als würde jemand gegen zähen Honig laufen.

„Dr. Miro ist da“, dachte Mila. „Aber vielleicht zu schwach.“

Juna zeigte auf den Tunnel. Dort gab es einen zweiten kleinen Kasten, mit einem Symbol für Notfall-Luft. Mila erinnerte sich: Manche Stationen hatten eine Außenreserve, die man von außen aktivieren konnte. Aber nur, wenn man wusste, wie.

Sie schwammen näher. Der Kasten war mit einer Plastikkappe geschützt. Darunter: ein Drehknopf mit Zahlen.

Juna machte eine ratlose Geste. Mila auch. Dann sah Mila etwas: Neben dem Knopf klebte eine Muschel mit eingeritzten Kerben. Drei kurze, eine lange. Es sah aus wie ein Zeichen.

„Das ist kein Zufall“, dachte Mila. „Das ist eine Anleitung.“

Sie erinnerte sich an Kapitän Rikes Satz: Loyalität ist ein Rettungsring. Ein Rettungsring hat… einen Kreis. Und manchmal ein Seil.

Mila zog das Seil, das sie schon benutzt hatten, und legte es um den Drehknopf, um mehr Halt zu haben, ohne ihn abzubrechen. „Du hältst, ich drehe“, deutete sie.

Juna packte das Seil fest und stabilisierte den Kasten mit der anderen Hand. Mila drehte langsam. Sie zählte die Kerben: drei kleine Schritte, dann ein größerer.

Klick. Klick. Klick. Kliiick.

Ein leises Zischen. Ein Ventil öffnete sich. Kleine Blasen stiegen auf, glänzend wie Silberkugeln.

Das rote Licht an der Station sprang auf gelb. Dann auf grün. Das Summen wurde stärker, gleichmäßiger.

Juna riss die Augen auf und machte ein Siegeszeichen, so wild, dass Mila fast lachen musste.

Im Inneren der Kuppel richtete sich der Schatten auf. Eine Gestalt kam näher. Ein Mann mit grauem Bart, schwebend in einem Raumanzug-ähnlichen Overall. Er hob die Hand und legte sie gegen die Scheibe. Sein Gesicht sah müde aus, aber seine Augen waren wach.

Über den Lautsprecher kam seine Stimme klarer: „Ihr… habt… die Reserve… aktiviert?“

Mila nickte und sprach ruhig: „Ja. Und der Filter ist im Schacht.“

„Ihr habt mir Zeit gekauft“, sagte Dr. Miro. „Und ihr seid zusammen geblieben. Danke.“

Juna hob den Daumen. „Wir liefern immer“, sagte sie laut, obwohl es nur Blasen gab.

Dr. Miro lachte heiser. „Das ist die beste Berufsehre.“

Die Luke blieb geschlossen, aber das machte nichts. Mila spürte, wie die Spannung aus ihren Schultern floss. Das Wichtigste war getan.

Da vibrierte plötzlich das Wasser. Nicht gefährlich. Aber deutlich. Wie ein ferner Trommelschlag.

Mila sah nach draußen, Richtung offenes Meer. Ein Schatten glitt vorbei. Groß. Ruhig. Ein Rochen, vielleicht. Oder ein kleiner Wal?

Dann tauchte er aus dem Blau auf: ein riesiger Mantarochen. Schwarz wie Nacht mit weißen Punkten, als hätte jemand Sterne darauf gemalt. Er glitt, als würde er fliegen.

Juna blieb fast der Atem weg. Mila auch.

Der Mantarochen zog eine Kurve über den Seegrasgärten, ohne ein einziges Blatt zu berühren. Er war mächtig und sanft zugleich. Ein König, der niemanden herumkommandiert.

Mila dachte: „So sieht Stärke aus, wenn sie freundlich ist.“

Der Rochen verschwand wieder, und das Meer wurde still.

Dr. Miro sagte: „Schwimmt zurück. Der Weg ist sicherer, solange das Licht an ist. Und… danke. Ich vergesse das nicht.“

Mila antwortete: „Wir auch nicht.“

Sie lösten das Seil, steckten alles wieder ein und machten sich auf den Rückweg. Das Paket war weg. Aber die Aufgabe war noch nicht ganz zu Ende. Sie mussten auch selbst wieder heimkommen.

Kapitel 6: Heimkehr und die Tisane am Hafen

Der Rückweg war leichter, und doch blieben sie aufmerksam. Mila führte mit dem Kompass. Juna hielt Ausschau nach Strömungen und merkte sich auffällige Korallen, als wären es Straßenschilder.

Als sie wieder an der Sandbank vorbei kamen, tauchte der Schwarm Glasfische erneut auf. Diesmal blieb er auf Abstand. Es wirkte, als würde er sie begleiten, wie eine glitzernde Eskorte.

Juna flüsterte durch den Schnorchel: „Die feiern uns.“

Mila prustete fast Wasser. „Die feiern, dass wir sie nicht umgerannt haben.“

„Auch gut“, sagte Juna. „Respekt ist ja quasi Applaus in leise.“

Sie tauchten auf, kletterten ins Boot und paddelten zurück. Die Sonne stand schon tiefer. Das Wasser färbte sich golden. Der Hafen roch nach Holz, Teer und Pommes, weil irgendwo jemand immer Pommes machte.

Kapitän Rike stand am Steg und wartete. Als er die Mädchen sah, atmete er hörbar aus, als hätte er die Luft die ganze Zeit festgehalten.

„Und?“, fragte er, obwohl er es an ihren Gesichtern schon sah.

Mila stellte den Beutel auf den Steg. „Geliefert. Filter im Schacht. Reserve aktiviert.“

Rikes Augen wurden groß. „Ihr habt was?“

Juna grinste. „Drei Klicks und ein großer. Ganz einfach.“

„Ganz einfach“, wiederholte Rike und schüttelte den Kopf. Dann legte er ihnen beiden eine Hand auf die Schulter. „Ich bin stolz auf euch. Und… danke, dass ihr zusammen geblieben seid.“

Mila sagte leise: „Allein wäre das dumm gewesen.“

Juna nickte. „Und langweilig.“

Rike lachte. „Kommt. Ihr seht aus, als hättet ihr ein Bett verdient. Aber zuerst: etwas Warmes.“

Sie gingen zur kleinen Hafenbude, wo eine alte Frau, alle nannten sie Oma Suse, immer einen Topf auf dem Ofen hatte. Heute duftete es nach Minze und Zitronenmelisse.

Oma Suse stellte zwei Tassen hin. „Tisane für zwei Meeresforscherinnen“, sagte sie, als wäre das das Normalste der Welt.

Juna nahm einen Schluck und verzog das Gesicht. „Heiß!“

„Das ist der Sinn“, sagte Mila und pustete vorsichtig. Dann trank sie. Die Wärme lief ihr in den Bauch und machte den Tag weich.

Sie saßen auf einer Kiste am Hafen, die Füße baumelnd über dem Wasser. Das Meer klatschte ruhig gegen die Pfähle. In der Ferne blinkte ein Licht von einem Boot. Vielleicht von Dr. Miros Station, dachte Mila, nur viel tiefer.

Juna stieß Mila sanft an. „Weißt du, was ich heute gelernt habe?“

„Dass Glasfische keine Wegweiser sind?“

„Auch.“ Juna grinste. Dann wurde sie ernst. „Dass Loyalität wirklich ein Rettungsring ist. Nicht, weil man damit angeben kann. Sondern weil man sonst wegtreibt.“

Mila nickte und hielt ihre Tasse mit beiden Händen. „Und dass Mut manchmal nur bedeutet, nicht zu reißen. Sondern zu halten.“

Sie tranken weiter. Hinter ihnen knarrten die Boote. Vor ihnen atmete das Meer. Und zwischen ihnen lag ein stilles, gutes Wissen: Sie hatten etwas Wichtiges geliefert. Und sie hatten sich selbst auch sicher nach Hause gebracht.

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Hafenort
Ein kleiner Ort am Meer mit Booten, Docks und Häusern nahe dem Wasser.
Lagerhaus
Ein großes Gebäude, wo Dinge aufbewahrt oder gelagert werden.
Wachstuch
Ein dicker, wasserfester Stoff, mit dem man Pakete oder Tische schützt.
Muschel-Siegel
Ein rundes Zeichen aus Wachs mit dem Bild einer Muschel als Verschluss.
Sauerstoff-Recycler
Eine Maschine, die gebrauchte Luft reinigt und wieder atembaren Sauerstoff macht.
Tauchmasken
Brillen zum Unterwassersehen, die Nase und Augen vor Wasser schützen.
Wasserdichten Beutel
Eine Tasche, die kein Wasser hereinlässt, um Sachen trocken zu halten.
Leuchtstäbchen
Plastikstäbchen, die im Dunkeln leuchten, wenn man sie knickt.
Kompass
Ein Gerät mit einer Nadel, das immer nach Norden zeigt zur Orientierung.
Riff
Ein Unterwasserbereich aus Steinen oder Korallen, voller Fische und Leben.
Seetangstrang
Ein dickes Bündel aus Meeresalgen, das wie ein langes Band im Wasser liegt.
Glasfische
Sehr klare, fast durchsichtige Fische, die im Wasser glitzern können.
Gummidichtung
Ein Ring aus Gummi, der verhindern soll, dass Wasser hindurchkommt.
Außenreserve
Eine zusätzliche Luft- oder Energiequelle, die man von außen aktivieren kann.
Drehknopf
Ein runder Knopf, den man mit den Fingern dreht, um etwas einzustellen.
Ventil
Ein Teil, das sich öffnet oder schließt, damit Luft oder Wasser fließen kann.
Mantarochen
Ein großer, flacher Meeresfisch, der wie ein fliegender Rochen durchs Wasser gleitet.
Kuppel
Eine runde, gewölbte Glas- oder Metallabdeckung über einem Raum oder Gebäude.

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