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Halloween-Geschichte 11/12 Jahre Lesen 15 min.

Das kleine Licht und der große Mut

Der Bär Lumo und die Eule Funke machen sich an Halloween auf den Weg in die Sternenecke, um eine LED-Kerze anzuzünden und die Tiere des Waldes mit Licht zu erfreuen, während sie mutig den geheimnisvollen Nebel und ihre eigenen Ängste überwinden. Gemeinsam entdecken sie den Wert von Freundschaft und Teilen in der Dunkelheit.

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Ein großer Braunbär namens Lumo steht in der Mitte einer Lichtung, die von sanftem goldenem Licht erhellt wird. Er trägt eine orangefarbene Filzmaske mit runden Augen und einem breiten Lächeln, das eine fröhliche und begeisterte Ausdruck zeigt. Seine Pfoten sind leicht erhoben, als ob er gleich tanzen möchte. Neben ihm sitzt eine kleine Eule namens Funke mit großen glänzenden Augen und hellbraunem Gefieder auf einem Stein. Sie sieht neugierig und aufgeregt aus und beobachtet die Szene mit einem schelmischen Lächeln. Die Lichtung ist von großen Bäumen mit dicken Stämmen umgeben, deren Blätter im Mondlicht glitzern. Leuchtende Pilze in Blau- und Violetttönen bedecken den Boden und schaffen eine magische und geheimnisvolle Atmosphäre. Lumo und Funke bereiten sich darauf vor, eine kleine herzförmige Laterne anzuzünden, die ein warmes Licht ausstrahlt, während kleine Waldtiere wie Mäuse und ein Fuchs sie bewundernd ansehen. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Der flüsternde Abend

Der Mond hing über den Baumwipfeln wie eine dünne Scheibe aus Milchglas. Ein kühler Wind strich durch den Wald und schüttelte die letzten Blätter von den Zweigen. Es roch nach feuchter Erde, nach Pilzen und ein wenig nach Kürbis. Schritte raschelten, schwer, aber vorsichtig.

Der Bär hieß Lumo. Er war nicht nur groß und teddymitternachtsbraun, sondern er liebte Überraschungen. Er versteckte Nüsse für den Dachs, legte Eicheln in Form von Herzen, und einmal hatte er einen ganzen Ast voller bunter Bänder in den Bach gelegt, damit die Fische etwas zum Staunen hatten. Heute war Halloween. Lumo wollte etwas leuchten lassen, etwas Warmes, Freundliches, das durch den Nebel schimmerte. Er wollte eine LED-Kerze anmachen. Nicht irgendeine, nein. Die besondere Kerze sollte in der Sternenecke brennen, dort, wo der Wald den Himmel fast berührt.

In seiner Tasche klapperte die Kerze leise. Lumo schnaufte. "Nur eine kleine Sache," murmelte er. "Anmachen. Leuchten lassen. Alle überraschen. Kein Problem." Er grinste. Dann zog er eine Maske aus dem Rucksack. Sie war aus orangefarbenem Filz, mit schrägen Augen und einem Grinsen wie eine Kürbislaterne. Halloween ohne Maske? Kam nicht infrage. Lumo setzte sie auf, straffte seine Schultern und stapfte los, hinein in die Falten der Nacht.

Die kleine Eule und der große Plan

Je tiefer Lumo in den Wald ging, desto dichter wurde der Nebel. Er kroch zwischen den Bäumen hindurch, wisperte in den Sträuchern, legte sich wie ein Schal um Lumos Hals. Von oben hörte man leises Flügelrauschen.

"Wer da?" rief Lumo und blieb stehen.

Ein dunkler Schatten löste sich vom Ast und landete mit einem weichen Plopp auf einem Stein. "Ich bin Funke," sagte die Eule. Ihre Augen glänzten wie zwei Murmeln. "Und du bist groß. Und du riechst nach Kürbis."

"Ich bin Lumo," brummte der Bär. "Und ich habe eine Überraschung vor. Für alle. In der Sternenecke."

Funke legte den Kopf schief. "Die Sternenecke? Da, wo die Pilze glitzern? Wo die Steine so tun, als wären sie Sterne, die vom Himmel gefallen sind?"

"Genau da," sagte Lumo und nickte. "Ich will eine LED-Kerze anmachen. Damit sich niemand im Dunkeln fürchten muss. Damit Halloween ein bisschen leuchtet."

Funke hüpfte näher, schnippte mit den Flügelspitzen. "Ich liebe Licht. Und ich kenne den Weg. Aber er ist… na ja. Er ist ein bisschen unheimlich."

"Unheimlich ist okay," sagte Lumo und versuchte, tapfer zu klingen. "Unheimlich ist nur ein anderes Wort für 'gleich wird's spannend'."

Funke lachte leise. "Abgemacht. Ich fliege voran. Wenn etwas knackt, war ich's. Und wenn etwas grunzt, warst du's."

"Deal," sagte Lumo und grinste unter der Maske.

Wenn die Maske rutscht

Sie schlichen los. Zweige kratzten über Lumos Schultern, der Nebel kitzelte in seiner Nase. Manchmal glitzerte etwas zwischen den Stämmen, mal grün, mal blau, als ob der Wald zwinkerte. Funke flog in kurzen Sprüngen von Ast zu Ast, immer knapp vor Lumos Nase.

Plötzlich blieb der Bär an einer Wurzel hängen. Seine Pfote rutschte, sein Kopf wackelte, und die Maske – die Maske machte, was Masken manchmal machen: Sie rutschte. Erst ein bisschen. Dann ganz. Über seine Augen. Lumo sah nur Orange. Und Filz. Und dieses doofe Grinsen aus Filz.

"Uff!" machte er und torkelte. "Hilfe! Ich bin ein wandelnder Kürbis!"

Funke kicherte. "Stopp! Nicht bewegen!" Sie landete auf Lumos Rücken, zog mit dem Schnabel an der Maske, die jetzt im Grunde ein Vorhang war. Es piekste ein wenig, es wackelte sehr, und Lumo schnaufte.

"Au! Mein Ohr! Ich hab nur zwei!" jammerte er. "Nein, warte, ich hab zwei. Genau. Das sind genug!"

Mit einem beherzten Ruck war die Maske wieder oben. Lumo blinzelte. Funke sah ihn ernst an. "Du siehst netter aus, wenn man deine Augen sieht," sagte sie. "Diese Filzaugen machen dich… na ja… ein bisschen gruselig."

"Das ist der Sinn der Sache," sagte Lumo und zwinkerte. "Aber gruselig genug, um tapfer zu sein? Kommt drauf an."

Funke tippte ihm gegen die Stirn. "Tapfer ist, wenn man warten kann, bis das Herz nicht mehr so schnell klopft und dann trotzdem weitergeht." Sie lächelte. "Und du bist weitergegangen, obwohl du Orange gesehen hast."

Lumo grinste. "Weil ich die Sternenecke sehen will."

"Und ich auch," sagte Funke. "Komm. Wir sind nah dran. Kannst du den Geruch nach kaltem Sternenstaub riechen?"

Lumo schnüffelte. Es roch nach Moos, nach nassen Steinen, und tatsächlich, da war etwas Seltsames, fein und klar, wie Luft, die vom Himmel kommt. Er nickte.

Die Sternenecke und das stille Flimmern

Die Sternenecke war eine kleine Lichtung, kreisrund, mit weichem Gras. Überall standen winzige Pilze, weiß wie Zucker. Manche leuchteten fahlblau, andere silbern. Zwischen den Wurzeln lagen flache Steine, glatt wie Wasser, und in manchen glitzerten Punkte, als hätten sie funkelnde Sommersprossen.

"Willkommen," flüsterte Funke. "Hier hören sich Geräusche kleiner an. Hör mal."

Lumo lauschte. Sein Atem klang wie der Wind in einer Flasche. Seine Schritte waren Kiesel, die in Watte fallen. Er setzte sich und holte die LED-Kerze aus der Tasche. Sie war klar wie Eis, in einer kleinen Laterne mit einem Drahtgriff. In der Laterne lag die Kerze wie ein winziger Mond.

"Na gut," sagte Lumo fest. "Jetzt wird eingeschaltet."

Er drehte die Laterne um. Es gab einen kleinen Schiebeschalter, so klein wie eine Ameise, die sich schminken will. Lumo schob. Nichts. Er schob fester. Auch nichts.

"Hallo?" fragte Lumo die Kerze. "Wir haben einen Termin."

Funke beugte sich vor. "Vielleicht… Batterie? Manchmal ist da so ein Streifen."

Lumo kniff die Augen zusammen. "Da!" Zwischen Batterie und Gehäuse steckte ein dünner, durchsichtiger Plastikstreifen. "Er ist fest," grummelte er. "Meine Pfoten sind zu groß."

Funke klopfte mit dem Schnabel auf den Rand. "Ich probier's." Sie zog. Der Streifen bewegte sich keinen Hauch. Die Laterne quietschte leise, wie eine Maus, die ein Lied summt.

Lumo sah sich um. Der Nebel hing wie ein Gedanke zwischen den Stämmen. Die Pilze glühten. Er spürte, wie etwas in seinem Bauch kribbelte. Es war kein Hunger. Es war Mut, der wachsen wollte und noch nicht wusste, wie groß er sein darf.

"Wir brauchen etwas Dünnes," sagte er. "Etwas, das ziehen kann."

Funke nickte. "Ein Tannennadel-Haken. Oder ein Grashalm. Oder…"

Plötzlich schwirrte etwas Grünes vorbei. Ein Glühwürmchen. Dann noch eins. Und noch eins. Sie tanzten wie winzige Funken über der Laterne. "Hallo," sagte Funke freundlich. "Könnt ihr—?"

Die Glühwürmchen setzten sich in einer Reihe an den Rand der Laterne. Sie glommen hell und schafften Licht für eine Bühne. Lumo sah etwas, das er vorher nicht gesehen hatte: Ein kleiner Spalt, ganz am Rand, so schmal wie die Luft zwischen zwei Seiten eines Buches. "Wenn ich die Laterne an den Moosstein lehne," murmelte er, "und du mit dem Schnabel…"

Funke nickte. "Und du hältst sie fest. Ganz fest. Nicht wieder in Orange denken."

"Ich denk an Blau," sagte Lumo und grinste.

Mut, der leuchtet

Sie legten die Laterne auf den Moosstein. Er war kalt und roch nach Regen. Funke setzte ihren Schnabel an den Streifen, ganz vorsichtig, als würde sie eine Nuss mit einem Geheimnis knacken. Lumo hielt die Laterne mit beiden Pfoten, drückte sie gegen den Stein. Irgendwo knackte ein Ast. Der Nebel seufzte. Lumo spürte, wie sein Herz hüpfte. Er wollte nicht zurückweichen.

"Es ist nur ein Geräusch," sagte er leise zu sich selbst. "Nur der Wald, der atmet."

"Bereit?" fragte Funke.

Lumo nickte. "Bereit."

Funke zog. Der Streifen zitterte. Die Laterne rutschte ein Stück. Lumo hielt sie. Seine Pfoten fühlten sich warm an vor Anstrengung. "Noch mal," sagte Funke und zog fester. Der Streifen gab nach, ganz leicht, wie ein Kaugummi, der aufgibt.

"Ja!" rief Lumo. "Noch ein bisschen!"

"Ich… hab… ihn!" keuchte Funke und fiel beinahe rückwärts in das weiche Gras. Der Streifen lag zwischen ihren Krallen wie ein besiegter Wurm.

"Und jetzt," sagte Lumo. Er atmete tief. Der kleine Schiebeschalter wartete. Mit der Spitze seiner Kralle drückte er ganz behutsam. Ein Klick, so leise wie ein Geheimnis. Zuerst passierte nichts. Dann glomm in der Laterne ein warmes Licht auf. Es war gelb, weich, freundlich. Es flackerte ein wenig, wie eine echte Flamme, aber ohne Hitze.

"Hallo," flüsterte Funke, als hätte die Kerze Ohren. "Da bist du ja."

Die Sternenecke veränderte sich. Die Pilze antworteten. Sie wurden heller, als würden sie sagen: Gut gemacht. Die glitzernden Steine schienen tiefer zu funkeln. Der Nebel schob sich beiseite, zärtlich, als mache er Platz. Lumo spürte, wie der Mut in seinem Bauch zu einem warmen, runden Gefühl wurde, das bis in seine Tatzen stieg.

"Ich hab's geschafft," sagte er, ein bisschen ungläubig. "Wir haben's geschafft."

Funke strich mit dem Flügel über die Laterne. "Zusammen," sagte sie. "Mut hat Flügel, wenn Pfoten ihn festhalten."

Aus dem Dunkel kamen leise Schritte. Ein Igel steckte seine Nase heraus. Ein Fuchs lugte ums Eck. Zwei Feldmäuse hielten an Zwirnsfäden aus Gras Händchen. Sie blinzelten. Dann sahen sie das Licht. Und ihr Blinzeln verwandelte sich in Lächeln.

"Es ist schön," flüsterte der Igel. "Es macht die Schatten nicht kleiner. Aber sie fühlen sich freundlicher an."

"Das ist der Trick," sagte Lumo. "Freundliche Schatten laufen nicht hinter dir her. Sie gehen neben dir."

Funke kicherte. "Und sie tragen keine Filzmasken."

Lumo streifte seine Maske ab. "Vielleicht später," sagte er. "Für erschreckend nette Grüße."

Ein leises Teilen

Die Tiere setzten sich in einem Kreis um die Laterne. Keiner redete laut. Man hörte den Mond über die Kante einer Wolke schieben. Man hörte das Gras atmen. Die LED-Kerze flackerte, als ob sie mit der Nacht sprachen wollte und sich doch schämte, weil sie nur Licht war.

Lumo zog aus seinem Rucksack ein Päckchen hervor. "Überraschung," sagte er und grinste. "Getrocknete Apfelringe. Und ein paar geröstete Kürbiskernchen. Knuspern erlaubt."

Der Igel schnupperte. "Darf ich?"

"Bitte," sagte Lumo.

Sie reichten die Apfelringe herum, langsam, bedacht, wie einen Schatz. Jeder nahm eins, manche zwei, niemand drei. Funke pickte einen Kern, warf ihn hoch und fing ihn mit offenem Schnabel. Alle kichern. Die Feldmäuse machten leise "Mjam". Der Fuchs rührte sein Schnäuzchen nur ein bisschen schneller.

"Was teilen wir noch?" fragte Funke, nachdem die erste Apfelrunde verschwunden war.

Lumo sah in die Runde, dann hinauf in den Himmel. Zwischen den Zweigen hingen Sterne wie Stecknadeln in einem großen, dunklen Kissen. "Wir teilen das Leuchten," sagte er. "Nicht nur das von der Kerze. Auch das von uns. Das, was man nicht sieht, wenn man wegschaut."

Der Igel nickte. "Und wir teilen die Stille," sagte er. "Sie ist nicht leer. Sie ist voll."

Lumo lächelte. "Ich hatte ein bisschen Angst," gab er zu. "Vor dem Weg. Vor dem Nebel. Vor dem Rutschen meiner Maske. Aber dann warst du da, Funke. Und dann waren wir viele. Da ist die Angst kleiner geworden. Und das Licht größer."

Funke blinzelte. "Mut ist wie eine LED-Kerze," sagte sie. "Er brennt, auch wenn der Wind pusten will."

"Und er braucht Freunde als Batterie," fügte der Fuchs hinzu und grinste schief.

Alle lachten leise. Leises Lachen ist warm und steckt nicht in den Ohren, sondern in der Brust. Sie saßen und knabberten und schauten ins Licht. Die Schatten waren da, wie immer, aber sie blieben brav an den Rändern der Lichtung und schauten scheinbar neugierig zurück.

Als der Mond höher stieg, nahm Lumo die Laterne am Drahtgriff. "Sie bleibt hier," sagte er. "In der Sternenecke. Damit jeder den Weg findet, der eine winzige Spur Mut sucht."

"Ich passe auf," sagte Funke. "Wenn die Batterie müde wird, wecke ich sie mit einem Lied. Oder ich finde eine neue. Ich kenne Leute."

Die Glühwürmchen schwebten auf und ab, wie ein Ja-Nicken in Lichtform. Der Igel rollte sich halb ein, nur aus Gewohnheit. Die Feldmäuse kuschelten aneinander. Der Fuchs gähnte höflich, als wäre es ein Kompliment.

Lumo stand auf. "Danke," sagte er. "Fürs Helfen. Fürs Leuchten. Fürs Teilen."

"Bis bald," antwortete Funke. "Und bring beim nächsten Mal zwei Masken mit. Eine für mich. Ich mag Filz. Aber ohne Grinsen."

"Abgemacht," sagte Lumo.

Er ging langsam zurück durch den Wald. Schritte im Moos. Ein Zweig knackte. Der Nebel war weich geworden. Er roch wieder nach feuchter Erde und ein bisschen nach Apfel. Hinter ihm blieb das Licht in der Sternenecke. Es war nicht laut. Es schrie nicht. Es war einfach da. Warm. Geduldig. Wie Mut, der beschlossen hat zu bleiben.

Auf dem Heimweg summte Lumo eine Melodie, die nach Flügelschlag klang. Er trug seine Maske nicht auf dem Gesicht, sondern an der Pfote. Sie schlenkerte und grinste in die Nacht. Und als der Wind einmal kräftiger tat, als sei er gefährlich, hob Lumo die Pfote und winkte.

"Ich weiß, wer du bist," murmelte er. "Du bist nur die Luft, die tanzen will."

Und der Wind lachte. Ganz leise. So leise, dass nur die, die teilten, es hören konnten. Ende? Nein. Nur eine Nacht, die sich hinlegt. Und ein Licht, das bleibt.

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