Unter den weichen Wellen, in einer hellen Bucht, lebte Otto, der kleine Oktopus. Er war freundlich und neugierig. Er mochte Rätsel und Ideen. Seine acht Arme waren flink und sanft. Das Seegras tanzte. Muscheln glitzerten. Blasen stiegen wie Silberperlen.
Am Rand der Bucht plantschten kleine Seehunde. Sie waren sicher, denn ihre Mamas ruhten gleich daneben. Trotzdem gähnten sie ein bisschen. „Wir sind langweilig“, sagte ein Seehundkind. Otto hörte das. Sein Herz wurde warm. „Ich erfinde ein Spiel“, sagte Otto. „Ein Spiel, das sicher ist. Ein Spiel für euch!“
Otto dachte nach. Er schaute die Bucht an. Er spürte die Strömung. Er hörte leises Klicken der Krabben. Er roch Salzwasser und Seegras. Otto nickte. Eine Idee wie eine Blase stieg in ihm auf.
„Ist es sicher?“ fragte Tila, die Schildkröte. „Ja, ganz nah und ganz sanft“, sagte Otto. Finn, der kleine Fisch, blinzelte. „Ich helfe!“ rief Finn. „Ich auch“, klickte Karo, die Krabbe.
Otto pustete kleine Blasenringe. Die Ringe glitzerten im Licht. Sie schwammen wie schillernde Reifen. Otto band sie mit weichen Seetang-Schleifen an runden Steinen fest. Eine Blubber-Bahn entstand. Nicht tief. Nicht weit. Ganz in der Nähe. Ganz langsam und ruhig.
Die Seehundkinder klatschten mit den Flossen. Sie staunten. „So schön!“ rief eines. „Warte noch“, flüsterte Otto. „Erst die Regeln.“ Er lächelte. „Ihr schwimmt nacheinander. Ihr bleibt beisammen. Ihr gleitet durch jeden Ring. Ihr zählt bis drei. Dann klatscht ihr einmal. Ganz sanft.“
Ein zarter Schwall kam. Die Strömung zog an einem Band. Ein Ring driftete zur Seite. „Oh nein, die Strömung!“ rief Finn. Otto blieb ruhig. „Ruhig. Wir schaffen das“, sagte Otto. Er tauchte hin. Seine Arme machten einen neuen Knoten. Fest, aber weich. Karo hielt den Stein. Tila schob einen glatten, schweren Kiesel heran. Otto band den Ring doppelt fest. Der Ring blieb. Otto atmete langsam. Er gab nicht auf.
Ein kleiner Seestern klebte an einem Band. Nun hing alles schief. Otto dachte. Er drehte das Band ein bisschen. Er setzte einen zweiten Blasenknoten. Plopp. Alles wurde gerade. Otto lächelte. Otto probierte. Otto gab nicht auf.
Jetzt begann das Spiel. Ein Seehundkind glitt durch den ersten Ring. Eins, zwei, drei. Klatsch! Blasen kitzelten seine Nase. Lachen perlte wie Musik. Alle sahen zu. Niemand drängte. Jeder war dran. Die Mamas lächelten und ruhten.
Finn schwamm nebenher und zählte. Tila schattete mit ihrem Panzer das Licht. So war es weich und freundlich. Karo passte auf die Bänder auf. Otto beobachtete. Er nickte stolz. Die Ringe leuchteten. Kleine Fische funkelten wie Sterne.
„Juhu!“ riefen die Seehundkinder. Sie spielten wieder und wieder. Wenn ein Ring wackelte, band Otto nach. Wenn eine Blase platzte, pustete er neu. Geduld wie ein langer Atem. Mut wie ein stiller Felsen. Kopf und Herz zusammen.
Als die Sonne tiefer stand, wurde das Wasser gold. Alles wurde ruhig. Die Seehundkinder kuschelten dicht aneinander. Die Mamas blinzelten zufrieden. Otto schwebte weich im Seegras. Sein Herz war warm und still. Das Spiel war sicher. Das Spiel machte Freude. Und morgen, dachte Otto, erfinden wir noch eine Blase mehr.