Lina ist eine kleine Meeresschildkröte. Lina lebt im warmen Meer. Sie hat ein grünes Panzerchen und große, neugierige Augen. Lina liebt das Wasser. Sie liebt die bunten Fische. Sie liebt die weichen Wellen.
Eines Morgens schwimmt Lina nahe der Oberfläche. Die Sonne glitzert. Eine sanfte Brise streicht über das Meer. Lina sieht etwas Fernes. Zwei helle Pfähle ragen aus dem Wasser. „Das sind Amers“, sagt eine Stimme.
Lina dreht den Kopf. Ein kleiner Krabbenfreund sitzt auf einem Stein. Er winkt mit einer Schere. „Ich bin Karo“, sagt er. „Die Amers zeigen den Weg zur Muschel-Bucht. Aber heute sind sie nicht genau ausgerichtet. Viele Tiere suchen die Bucht. Sie brauchen Hilfe.“
Lina lächelt mit ihrem Schnabel. „Ich helfe gern“, sagt sie. Sie paddelt näher. Die Amers scheinen weit auseinander. Lina denkt an die Muschel-Bucht. Sie weiß: Wenn die Amers richtig stehen, zeigt ihr Licht den Weg durch den Korallengarten.
„Wir müssen zwei Amers ausrichten“, sagt Karo. „Einen roten und einen blauen. Wenn sie hintereinander stehen, leuchten sie hell. Dann finden alle Tiere die Bucht.“ Karo klappert vor Aufregung mit seinen Scheren.
Lina nickt. Sie ruft: „Kommt mit! Zusammen schaffen wir das.“ Bald sind mehr Tiere da. Ein bunter Fisch namens Fips glitzert wie ein Regenbogen. Eine kleine Qualle, Plop, schwebt freundlich. Ein Seestern, Sterni, klebt an einem Stein. Alle wollen helfen.
Die Gruppe schwimmt los. Zuerst geht es durch Seegras. Das Gras wiegt sanft. „Vorsichtig“, flüstert Lina. „Wir stoßen nichts um.“ Alle bewegen sich langsam. Sie singen leise ein kleines Lied, um ruhig zu bleiben. „Schwimm, schwimm, wir sind zu zweit. Schwimm, schwimm, wir sind bereit.“
Bald kommen sie zum Korallengarten. Er ist groß und bunt. Dort wohnen viele Fische. Die Korallen sehen aus wie kleine Bäume. Lina klopft an eine Koralle. „Entschuldige“, sagt sie. „Wir müssen die Bahn haben.“ Die Korallen neigen sich freundlich. Ein kleiner Fisch zeigt den Weg tiefer.
Unter den Korallen finden sie den blauen Amer. Er liegt halb im Sand. Plop die Qualle schwebt hin. „Ich bin weich“, sagt Plop. Mit ihren zarten Armen schiebt Plop den Amer ein wenig. Doch er bewegt sich kaum. „Ich brauche Kraft“, sagt Plop leise.
Lina denkt nach. Sie atmet tief ein. „Wir alle zusammen“, sagt sie. Karo winkt mit den Scheren. Fips bläst kleine Luftblasen. Sterni drückt mit seinen Armen. Alle drücken, schieben und ziehen. Schritt für Schritt rückt der blaue Amer aus dem Sand. Er rollt ein Stück. Plötzlich steht er aufrecht. Alle jubeln leise.
„Gut gemacht“, sagt Karo. „Weiter zum roten Amer!“ Die Freunde winken. Gemeinsam schwimmen sie weiter. Das Wasser wird wärmer. Bunte Pflanzen wiegen sich. Kleine Seepferdchen beobachten sie schüchtern.
Der rote Amer liegt auf einer kleinen Anhöhe. Er lehnt an einer großen Muschel. Ein Muränenfreund hat sich gemütlich nahebei eingerollt. Er sieht müde aus. „Entschuldigung“, sagt Lina sanft. „Wir müssen den Amer ausrichten. Können wir kurz vorbei?“
Die Muräne räkelt sich. „Ich schlief“, sagt sie. „Aber ich helfe.“ Sie wickelt sich behutsam weg. Mit einer langen, eleganten Bewegung schiebt die Muräne den roten Amer ein Stück. Doch er bleibt schief. Er kippelt.
Lina beobachtet. Dann hat sie eine Idee. „Wir machen eine Reihe“, sagt sie. „Jeder drückt am richtigen Platz.“ Fips springt vor und drückt oben. Karo schiebt seitlich. Plop hält mit weichen Armen das Gleichgewicht. Sterni stößt von unten. Die Muräne zieht sanft. Lina gibt den Takt. „Eins, zwei, drei!“ Gemeinsam drücken sie. Der rote Amer steht gerade.
Nun schwimmen sie zu den beiden Amers. Die Sonne funkelt durch das Wasser. Der blaue und der rote Amer stehen in einer Linie. Lina nimmt einen tiefen Atemzug. „Zählt mit mir“, sagt sie. „Eins, zwei, drei!“ Plötzlich leuchtet ein mildes Licht aus beiden Pfählen. Das Licht fällt zusammen und zeigt auf eine kleine, geschützte Bucht.
Ein warmes Glühen füllt das Wasser. Kleine Fische folgen dem Licht. Eine Mutter-Seehund-Familie paddelt glücklich hinterher. „Die Muschel-Bucht!“, ruft jemand. Die Tiere lächeln. Lina fühlt ein warmes Kribbeln im Bauch. Sie ist stolz. Doch sie merkt auch: Ohne Freunde hätte sie es nicht geschafft.
Sie schwimmt in die Bucht. Das Wasser ist ruhig und klar. Viele Muscheln glitzern am Strand. Die Tiere setzen sich auf weiche Sandpolster. Sie teilen ihre kleinen Schätze. Fips schenkt eine bunte Schuppe. Karo bringt eine kleine Perle. Plop pustet sanfte Luftblasen. Alle lachen leise.
Die Älteste, eine alte Schildkröte, sagt: „Ihr habt gut zusammengearbeitet. Ihr habt Mut gezeigt und geholfen. So macht das Meer Freude.“ Lina sieht ihre Freunde an. Ihre Augen leuchten. „Danke“, flüstert sie. „Gemeinsam ist alles leichter.“
Die Sonne sinkt langsam. Das Licht wird warm und gold. Die Wellen singen ein leises Lied. Die Tiere kuscheln sich. Lina legt sich auf einen weichen Algenpolster. Sie hört die sanften Atemzüge von Karo, das leise Plätschern von Fips und das leuchtende Summen von Plop.
Bevor Lina einschläft, schaut sie noch einmal zum Strand. Die Amers leuchten schwach und freundlich. Sie zeigen weiterhin den Weg. Lina denkt: Morgen werden wir wieder spielen. Morgen werden wir vielleicht wieder helfen.
Sie schließt die Augen. Das Meer wiegt sie. Das Licht der Amers ist wie eine warme Decke. Lina fühlt sich sicher. Sie träumt von neuen Abenteuern. Und sie weiß: Mit Freunden ist kein Weg zu weit.
Gute Nacht, Meer. Gute Nacht, kleine Schildkröte. Gute Nacht, Freunde.