Teil 1
Mila ist drei Jahre alt. Sie trägt einen kleinen Taucherhelm. Der Helm ist rund und glänzt. Mila lächelt.
„Heute male ich eine Karte“, sagt Mila leise.
Neben ihr schwimmt Olli, der kleine Oktopus. Er winkt mit einem Arm. „Ich helfe dir“, sagt Olli.
Sie gleiten ins blaue Wasser. Es ist hell wie ein Morgen. Überall sind Blasen. Mila hält ein Brett mit Papier fest. Daran ist ein Wachsstift.
Vor ihnen liegt das Riff. Es ist bunt. Korallen sind rot, gelb und rosa. Kleine Fische glitzern wie Sternchen.
„Ich mache einen Punkt für die rote Koralle“, sagt Mila.
„Und ich mache einen Punkt für die gelbe“, sagt Olli.
Da sieht Mila etwas Seltsames. Ein Seestern hat ganz lange Arme. Er sieht aus wie eine Blume.
„Hallo“, sagt Mila.
„Hallo“, sagt der Seestern freundlich. „Ich heiße Luma.“
„Wir zeichnen eine Karte“, sagt Mila. „Wo bist du?“
„Ich bin beim sanften Stein“, sagt Luma. „Schreib: Blüten-Seestern.“
Mila nickt. Sie malt einen kleinen Stern.
Dann schwimmt ein Tier vorbei, das wie ein Blatt aussieht. Es ist grün und wackelt langsam.
„Ich bin Nori, das Blattfischchen“, flüstert es.
„Du bist toll“, sagt Mila. „Ich male dich als grünes Blatt.“
Nori kichert. „Danke.“
Teil 2
Mila und Olli schwimmen weiter. Sie zählen: eins, zwei, drei große Korallen. Mila malt. Olli zeigt mit einem Arm nach links.
„Da ist ein Tunnel“, sagt Olli. „Ganz ruhig, wir schauen nur.“
Mila atmet langsam. „Ich bin mutig“, sagt sie. „Ganz mutig.“
Der Tunnel ist nicht dunkel. Er ist wie eine Höhle mit Fenster. Sonnenstreifen tanzen hinein. Drinnen lebt ein Fisch mit einem Lichtpunkt an der Nase. Aber er leuchtet nur ein bisschen, wie eine kleine Lampe.
„Ich heiße Piko“, sagt der Fisch. „Ich bin nicht zum Erschrecken da. Ich zeige nur den Weg.“
„Danke, Piko“, sagt Mila. „Kannst du uns den sicheren Weg zum großen Riff-Bogen zeigen?“
Piko nickt. „Folgt den blauen Steinen.“
Sie folgen den blauen Steinen. Mila malt kleine blaue Punkte auf ihre Karte. Plötzlich steckt ein kleiner Krebs fest. Sein Beinchen klemmt zwischen zwei Steinen.
„Oh nein“, sagt Mila. „Wir helfen.“
Der Krebs zittert ein wenig. „Ich heiße Krabbi“, piepst er.
Olli legt zwei Arme an den Stein. „Ich drücke ganz sachte“, sagt Olli.
Mila schaut genau hin. „Nicht ziehen“, sagt Mila. „Erst schieben.“
Piko leuchtet auf die Steine, damit Mila gut sieht. Luma hält mit einem Arm eine Muschel als Stütze.
„Eins, zwei, drei“, sagt Mila.
Olli schiebt sanft. Mila hält Krabbis Panzer vorsichtig. Krabbi rutscht frei.
„Frei!“, ruft Krabbi. „Danke! Danke!“
„Wir sind ein Team“, sagt Mila warm. Sie malt ein kleines Herz auf die Karte.
Teil 3
Jetzt kommen sie zum großen Riff-Bogen. Er ist wie eine Tür aus Korallen. Viele kleine Fische schwimmen hindurch.
„Hier ist der Bogen“, sagt Mila. „Ich male ihn groß.“
Olli hält das Papier fest, damit es nicht wackelt. Nori zeigt die beste Stelle zum Zeichnen. Piko leuchtet. Luma zählt die Korallen: „Eins, zwei, drei.“
Mila malt einen schönen Bogen. Dann malt sie die Orte dazu: die rote Koralle, die gelbe Koralle, den sanften Stein, den Tunnel mit den Fenster-Lichtern und die blauen Steine.
„Meine Karte ist fertig“, sagt Mila stolz.
Krabbi klatscht mit seinen Scheren. „Mit der Karte finden alle den Weg.“
„Und alle wissen“, sagt Olli, „wo man Hilfe findet.“
Sie schwimmen langsam zurück. Das Wasser ist ruhig. Mila fühlt sich leicht.
„Ich war mutig“, sagt Mila. „Und schlau. Und ich habe geholfen.“
„Ja“, sagt Luma. „Helfen macht das Meer noch schöner.“
Mila winkt allen zu. „Gute Nacht, Meer“, flüstert sie.
Die Fische glitzern noch einmal. Dann ist alles still und freundlich. Mila lächelt im warmen Blau.