Es ist Winter. Draußen ist es kalt. Der Himmel ist grau, und die Luft ist frisch und klar. Kleine, weiße Flocken tanzen langsam vom Himmel.
Noah, ein kleiner Junge von drei Jahren, steht am Fenster. Seine Nase drückt gegen die Scheibe. Die Scheibe ist ein bisschen kalt.
„Schau, Mama, Schnee“, sagt Noah leise.
Mama lächelt. „Ja, Noah. Es schneit. Der Winter ist da.“
Noah findet den Schnee schön, aber auch ein bisschen fremd. Alles draußen sieht anders aus. Die Bäume haben keine Blätter mehr. Das Gras ist nicht mehr grün, es ist weiß und nass. Die Tage sind kürzer. Draußen wird es schnell dunkel.
„Ist der Winter böse?“, fragt Noah.
Mama schüttelt den Kopf. „Nein, mein Schatz. Der Winter ist nicht böse. Er ist nur kalt. Aber im Winter gibt es viele schöne, warme Momente. Wir machen es uns gemütlich.“
Noah denkt über das Wort „gemütlich“ nach. Er mag es, wenn Mama das sagt. Gemütlich fühlt sich weich und warm an.
„Wollen wir kurz rausgehen und den Schnee begrüßen?“, fragt Mama.
Noah nickt. Mama hilft ihm in seine dicke Hose, seine warme Jacke, die Mütze, den Schal und die Handschuhe. Noah fühlt sich ein bisschen wie ein kleiner, runder Schneeball.
Draußen ist die Luft kalt und beißt ein bisschen an seiner Nase. Er pustet in die Luft. Kleine, weiße Wölkchen kommen aus seinem Mund.
„Schau, meine eigene Wolke“, sagt Noah und kichert.
Mama lacht. „Ja, deine warme Atemwolke.“
Noah geht langsam durch den Schnee. Er macht kleine Schritte. Der Schnee knirscht leise unter seinen Stiefeln: knirsch, knirsch, knirsch. Er findet das Geräusch lustig.
Er streckt die Hand aus und fängt eine Schneeflocke auf seinem Handschuh. „Sie ist so klein“, flüstert er. Aber kaum schaut er hin, ist die Flocke schon geschmolzen.
„Wo ist sie hin?“, fragt Noah.
„Sie ist zu Wasser geworden“, erklärt Mama. „Schnee ist gefrorenes Wasser.“
Noah nickt. Er findet das ein bisschen magisch.
Nach einer Weile wird ihm kalt an den Wangen. „Mama, ich will wieder rein“, sagt er.
„Natürlich“, sagt Mama freundlich. „Drinnen machen wir es warm und gemütlich.“
Im Haus zieht Mama ihm langsam die nassen Sachen aus. Noah spürt, wie seine Wangen warm werden. Drinnen riecht es nach Holz und ein bisschen nach Kakao.
„Heute kommt Oma uns besuchen“, sagt Mama. „Es ist kalt draußen, da tut ein warmes Getränk gut.“
Noah nickt. Warmes Getränk klingt gut.
Mama stellt einen großen Topf mit Milch auf den Herd. „Magst du mir helfen, die Tassen für alle hinzustellen?“, fragt sie.
Noah richtet sich stolz auf. Helfen gefällt ihm. Er fühlt sich dann groß. „Ja, ich helfe.“
Mama holt die Tassen aus dem Schrank. „Wir brauchen eine Tasse für dich, eine für mich und eine für Oma. Und eine für Opa, falls er mitkommt. Kannst du die Tassen auf den Tisch stellen?“
Noah nimmt jede Tasse mit beiden Händen. Er geht langsam, ganz vorsichtig, damit nichts herunterfällt.
Er stellt zuerst seine kleine bunte Tasse hin. Dann Mamas Tasse. Dann die große Tasse für Oma. Und dann noch eine für Opa, falls er kommt.
„Ich habe für alle Tassen hingestellt“, sagt Noah stolz.
Mama schaut auf den Tisch. „Das hast du wunderbar gemacht, Noah. Du bist sehr verantwortungsvoll. Du passt gut auf die Tassen auf.“
Noah lächelt. Er mag das Wort „verantwortungsvoll“. Es klingt ein bisschen schwer, aber auch wichtig.
Es klingelt an der Tür. „Das ist bestimmt Oma“, sagt Mama.
Noah läuft zur Tür. Oma steht draußen mit einem warmen Schal und roten Wangen. „Oh, hallo, mein kleiner Schneemann“, sagt sie und lacht.
Noah nimmt ihre Hand und führt sie in die Küche. „Ich habe schon Tassen hingestellt“, sagt er ernst.
Oma schaut auf den Tisch. „Das seh ich, mein Schatz. Du kümmerst dich um uns. Das ist sehr lieb von dir.“
Noah fühlt sich warm im Bauch, obwohl es draußen kalt ist.
Mama schenkt den warmen Kakao in die Tassen. Er duftet süß und schokoladig. Ein bisschen Dampf steigt nach oben.
„Vorsichtig“, sagt Mama. „Der Kakao ist noch heiß. Erst pusten.“
Alle pusten: „Pffff.“ Das klingt lustig. Noah lacht.
Sie sitzen zusammen am Tisch. Draußen wird es dunkler. Die Lichter im Haus leuchten warm und gelb. Der Wind weht leise an die Fenster, aber drinnen ist es ruhig und sicher.
„Im Winter“, sagt Oma langsam, „ist es draußen kalt. Aber in unseren Herzen und in unserem Haus kann es sehr warm sein. Vor allem, wenn wir gut aufeinander aufpassen.“
Noah denkt daran, wie er die Tassen hingestellt hat, ganz vorsichtig. Er hat aufgepasst. Er hat mitgeholfen, dass alle es gemütlich haben.
„Ich passe auf“, sagt er leise.
Mama streicht ihm über das Haar. „Ja, das tust du.“
Noah schaut wieder zum Fenster. Die Schneeflocken tanzen noch immer draußen.
Da denkt er an seinen kleinen Freund Ben aus der Kita. Ben wohnt zwei Häuser weiter. Heute hat er ihn nicht gesehen.
„Ich hoffe, Ben hat auch warmen Kakao“, sagt Noah.
Mama lächelt. „Bestimmt. Vielleicht sitzt er jetzt auch am Tisch und trinkt etwas Warmes. So wie du.“
Noah stellt sich vor, wie Ben in seinem Haus sitzt, mit einer Tasse in der Hand, warm und fröhlich.
„Gute Nacht, Ben“, flüstert Noah in Gedanken. „Sei auch warm und fröhlich.“
Er fühlt sich ruhig und müde. Der Winter draußen ist nicht mehr fremd. Er ist nur kalt. Drinnen ist es warm, freundlich und sicher.
Noah lehnt sich an Mama, hält seine Tasse gut fest und weiß: Er kann helfen, er kann aufpassen, und er kann an andere denken. Und das fühlt sich schön und stark an.