Heute ist der Himmel grau und leise. Im Wald liegt frischer Schnee. Die kurze Wintersonne schaut nur kurz vorbei.
Leni, das kleine Kaninchen, sitzt am Fenster ihrer warmen Höhle. Sie drückt die Pfoten an die Wangen. „Brrr“, flüstert sie. Draußen sieht alles so kalt aus.
Mama Hase stellt eine Schale mit warmem Kräutertee hin. Der Tee duftet gut. „Der Winter ist da“, sagt sie sanft. „Er ist anders als der Sommer. Aber auch schön.“
Leni schaut auf die weißen Hügel. „Aber im Winter ist es dunkel“, sagt sie leise.
„Ja“, sagt Mama. „Die Tage sind kurz. Darum machen wir es drinnen gemütlich. Und draußen ziehen wir uns warm an.“
Leni nickt. Sie zieht ihre dicke Mütze über die Ohren. Sie bekommt auch einen langen Schal. Der Schal kitzelt ein bisschen am Kinn. „Ich bin bereit“, sagt Leni.
Draußen knirscht der Schnee unter ihren Pfoten. Das Geräusch ist lustig. Knirsch, knirsch. Leni macht extra kleine Schritte. Knirsch, knirsch. Sie lächelt.
Am Waldrand wartet Benni, das junge Eichhörnchen. Es trägt eine rote Wollmütze. „Hallo, Leni!“, ruft es. „Wollen wir Schneemänner bauen?“
„Ja!“, sagt Leni. „Aber ich weiß nicht, ob ich das kann.“
Benni schüttelt den Kopf. „Das können wir zusammen.“
Sie rollen eine kleine Schneekugel. Dann eine größere. Dann noch eine. Die Kugeln sind kalt. Leni spürt das an den Pfoten. Sie reibt kurz die Hände am Schal. Das tut gut.
„Schau“, sagt Benni. „So stapeln wir sie.“
Plopp. Die große Kugel steht unten. Plopp. Die mittlere sitzt drauf. Plopp. Die kleine oben. Leni staunt. „Er ist schon da“, sagt sie.
Leni sucht zwei dunkle Steinchen. „Das werden die Augen.“ Benni bringt eine dünne Karotte. „Das ist die Nase.“ Leni findet zwei Stöckchen. „Das sind die Arme.“
Der Schneemann steht still und freundlich. Leni schaut ihn an. „Du brauchst einen Namen“, sagt sie ernst.
Sie denkt kurz nach. Dann sagt sie: „Du heißt Bruno.“
„Bruno Schneemann“, wiederholt Benni. „Hallo, Bruno!“
Sie bauen gleich noch einen. Dieser wird kleiner und rund. Leni setzt ihm einen alten Blatthut auf. Benni legt ihm ein grünes Blatt als Schal um. Der Schneemann sieht aus, als würde er gleich winken.
„Und du?“, fragt Benni.
Leni kichert. „Du heißt Milla.“
„Milla Schneemann“, sagt Benni. „Hallo, Milla!“
Der Wind weht leise. Ein paar Schneeflocken tanzen. Leni schaut in den Wald. Die Bäume haben weiße Hüte. Alles ist ruhig. Das gefällt ihr.
„Im Winter ist der Wald so still“, sagt Leni.
„Ja“, sagt Benni. „Die Tiere sparen Kraft. Sie ruhen mehr.“
Leni nickt. „Dann ist es okay, wenn ich auch ruhiger bin.“
Sie bauen noch einen dritten Schneemann. Er bekommt besonders dicke Backen aus Schnee. Leni drückt sie sanft rund. Benni steckt ihm drei kleine Zapfen als Knöpfe an. Leni findet ein kleines Stöckchen für einen Mund. Der Mund ist ein Lächeln.
„Er sieht fröhlich aus“, sagt Leni.
„Dann braucht er einen fröhlichen Namen“, sagt Benni.
Leni sagt: „Er heißt Lolo.“
Sie treten einen Schritt zurück. Drei Schneemänner stehen nebeneinander: Bruno, Milla und Lolo. Leni fühlt sich groß. Nicht groß wie ein Bär. Aber groß im Herzen.
Plötzlich merkt Leni, dass ihre Pfoten kalt werden. Sie wackelt mit den Zehen. Benni schaut auch auf seine Finger. „Zeit für Wärme“, sagt es.
„Ja“, sagt Leni. „Winter ist kalt. Aber wir wissen, was hilft.“
Sie gehen zurück zur Höhle. Drinnen ist es warm. Mama Hase hat eine Decke bereitgelegt. Der Tee duftet wieder. Leni setzt sich hin. Benni darf auch kurz bleiben.
Leni erzählt: „Wir haben Schneemänner gebaut. Sie heißen Bruno, Milla und Lolo.“
Mama lächelt. „Wie schön. Im Winter bleibt nicht alles gleich. Der Schnee kommt und geht. Aber die Freude kann bleiben.“
Leni schaut in die dunkler werdende Ecke der Höhle. Die Lampe leuchtet weich. „Ich mag den Winter“, sagt sie. „Er ist still. Und er hat warme Momente.“
Benni nickt. „Und Schneemänner mit Namen.“
Später liegt Leni im Bett aus Heu. Draußen ist die Nacht ganz ruhig. Leni denkt an Bruno, Milla und Lolo im Schnee. Sie stellt sich vor, wie sie im Mondlicht glänzen.
Mama Hase streicht Leni über die Stirn. „Gute Nacht“, flüstert sie.
Leni flüstert zurück: „Gute Nacht, Winter.“
Da muss sie plötzlich lachen. Es ist ein kleines, helles Lachen. Benni kichert mit. Mama lacht auch leise. Das Lachen macht den Abend weich, und dann wird es ganz gemütlich still.