Der erste Schnee fiel leise in den Wald. Kleine Flocken tanzten vom Himmel. Bär Brumm stand am Fenster seiner Höhle. Er pustete Atemwolken in die kalte Luft. „Wie schön“, flüsterte er. Sein Herz wurde warm.
Brumm zog seinen dicken Mantel an. Nicht zu dick, sagte er sich. Nur so viel, dass es kuschelig ist. Er setzte die rote Mütze auf und stapfte hinaus. Der Wald war weiß wie Zucker. Die Zweige trugen Schneehäubchen. Der Weg knirschte unter seinen Pfoten. Knirsch, knirsch, machte der Schnee.
Im Wald traf Brumm seine Freundin Maus Mimo. Mimo zitterte ein wenig. Ihre kleinen Ohren waren rot. „Ich mag nicht rutschen“, sagte Mimo leise. Ihre Stimme war wie ein Blatt im Wind. „Was ist, wenn ich falle?“
Brumm setzte sich neben sie. Er nahm Mimos Pfote in seine große Pranke. „Ich helfe dir“, sagte er ruhig. „Wir gehen langsam. Wir lachen, wenn es kitzelt. Und ich bleibe bei dir.“ Mimo nickte. Ein kleiner Funken Mut blinkte in ihren Augen.
Sie gingen zum Hügel. Der Hügel war rund und freundlich. Kinder und Tiere hatten dort schon kleine Spuren gemacht. Der Schnee war frisch und weich. Brumm zeigte Mimo, wie man sich setzt. „Stell dich hin. Schieb dich leicht. Atme tief.“ Mimo atmete tief ein. Die Luft roch nach Tannenzapfen und kalter Milch.
Brumm rutschte zuerst. Er legte sich hin und glitt wie ein kleiner Schlitten. „Wheee!“ rief er fröhlich. Der Wind kitzelte sein Gesicht. Er lachte laut und warm. Am Fuß des Hügels blieb er liegen und klopfte mit der Pfote den Schnee ab. „Ganz einfach“, sagte er. „Du kannst es auch.“
Mimo stand zaghaft. Brumm schob sie sacht an. Sie glitt. Ein kleines Lachen sprang aus ihr. „Noch einmal!“, piepste sie. Brumm strahlte. Sie rutschten zusammen. Manchmal fielen sie in den weichen Schnee. Sie lachten und pusteten Schneebälle. Dann standen sie auf und klopften sich den Schnee ab. Es tat nicht weh. Es war weich und kühl.
Die Sonne machte kurze Pausen. Schatten wurden länger. Der Tag war kurz und goldig. Brumm merkte, wie der Bauch ein bisschen knurrte. „Zeit für Tee“, sagte er. Mimo nickte zustimmend. Sie gingen zu Brumms Höhle. Der Weg war voller Eiskristalle, die wie kleine Sterne funkelten. Brumm zeigte Mimo, wie man vorsichtig geht. „Schau auf deine Pfoten. Kleine Schritte“, sagte er. Mimo folgte.
In der Höhle war es warm. Brumm kochte Wasser. Die Tasse dampfte. Mimo bekam ein bisschen warme Suppe und einen Honigkeks. Sie hockten nahe am Feuer. Ihre Nasen wurden wieder rosa. „Danke, Brumm“, sagte Mimo leise. „Ich hatte Angst. Aber mit dir war es schön.“ Brumm lächelte. Sein Herz fühlte sich wie Honig an.
Nach der Pause gingen sie wieder raus. Die Dämmerung kam schnell. Der Himmel wurde rosa und blau. Die Tannen warfen lange Schatten. Der Wald wurde stiller. Brumm und Mimo sammelten kleine Tannenzapfen. Sie stellten sie in einer Reihe. „Eine Zapfenbahn“, sagte Brumm. „Für die Mäuse und die Vögel am Morgen.“ Mimo kicherte. Sie ordneten die Zapfen wie kleine Häuser. Die Arbeit war langsam und gemütlich.
Plötzlich rutschte Igel Isi den Hügel hinunter. Er war ein wenig unbeholfen. Seine Stacheln hatten Schnee. „Oh!“ rief Isi. Er lag auf dem Rücken und zappelte mit den Beinchen. Mimo wollte helfen. Aber ihre Pfötchen waren klein. Brumm ging langsam hinüber. Er sprach sanft: „Keine Eile, Isi. Wir sind hier.“ Brumm half Isi, sich umzudrehen. Isi atmete tief ein und lächelte. „Danke“, murmelte er. „Ich dachte, ich bleibe liegen.“ Brumm lachte leise. „Wir bleiben nicht liegen. Wir stehen auf und probieren's noch mal.“
Alle drei setzten sich an den Fuß des Hügels. Sie sahen den Sternen beim Aufwachen zu. Die ersten Sterne funkelten wie kleine Laternen. Der Mond war eine sanfte Sichel. Es war ruhig. Der Wald atmete leise. Mimo kuschelte sich an Brumm. „Heute habe ich viel gelernt“, flüsterte sie. „Dass man helfen kann. Dass man lachen kann. Dass es okay ist, ein bisschen Angst zu haben.“
Brumm nickte. Er sah auf den Himmel. „Und dass der Tag endet“, sagte er. „Das ist gut. Dann kommt Ruhe. Dann kommen Träume.“ Sie hörten das leise Tropfen von schmelzendem Schnee. Es klang wie eine Flöte.
Bevor sie heimkehrten, legten sie eine warme Decke vor Brumms Höhle. Sie stellten eine kleine Laterne auf. Das Licht war weich und sicher. „Gute Nacht“, sagte Isi. „Gute Nacht“, flüsterte Mimo. Brumm gab jedem einen sanften Kuss auf die Stirn. „Schlaft schön“, sagte er. „Morgen ist ein heller Tag, auch wenn es grau beginnt.“
Sie krochen in ihre kuscheligen Nester. Draußen funkelte der Winter leise. Drinnen war es warm und sicher. Mimo dachte an das Rutschen und lächelte im Halbschlaf. Brumm atmete tief ein. Sein Herz war ruhig. Der Wald schlief ein. Die Nacht legte sich weich wie ein Tuch.
Und irgendwo in den Träumen lachten sie noch leise, weil selbst graue Tage voller kleiner Freuden sein können.