Es war Winter im Wald. Der kleine Wolf Lupo wachte auf. Draußen war alles still.
Er ging zum Höhleneingang und schaute hinaus.
Der Wald war weiß. Schnee lag auf den Bäumen. Schnee lag auf dem Boden.
„Alles ist so anders“, dachte Lupo. „So leise. So kalt. So schön.“
Mama Wolf kam zu ihm.
„Lupo, heute ist ein kalter Tag“, sagte sie. „Du brauchst warme Sachen.“
Sie zog ihm einen dicken Schal um den Hals. Sie setzte ihm eine warme Mütze auf.
„So ist es gut“, sagte sie und lächelte.
Lupo atmete tief ein. Die Luft war kalt und klar.
Er sah seinen Atem. Er war wie kleine, weiße Wölkchen.
„Schau, Mama, mein Atem macht Wolken!“, rief Lupo.
„Ja“, sagte Mama. „Das macht die kalte Luft.“
Draußen wartete seine Freundin, der kleine Fuchs Fino.
„Komm, Lupo! Lass uns im Schnee spielen!“, rief Fino.
Die beiden Freunde liefen durch den frischen Schnee.
Der Schnee knirschte leise unter ihren Pfoten.
Lupo hörte ganz genau hin.
„Knirsch, knirsch“, machte es bei jedem Schritt.
Das fand er lustig.
Sie machten Spuren im Schnee.
„Schau, Lupo“, sagte Fino. „Das sind meine Pfoten.“
„Und das sind meine Pfoten“, sagte Lupo.
Sie sahen die verschiedenen Spuren. Lupos Spuren waren größer. Fino lachte.
Dann wollten sie einen Schneehaufen bauen.
„Hier“, sagte Lupo. „Wir bauen ihn ganz groß.“
„Nein, dort!“, sagte Fino. „Dort ist es besser.“
Lupo schüttelte den Kopf.
„Hier ist es schöner. Da ist ein kleiner Baum.“
Fino wurde ein bisschen ärgerlich.
„Du hörst gar nicht zu“, sagte er. „Ich will da hinten.“
Lupo spürte, wie sein Bauch eng wurde.
„Du hörst auch nicht zu“, sagte er leise. „Ich habe auch eine Idee.“
Jetzt waren beide still.
Der Wald war wieder ganz ruhig.
Lupo hörte einen Raben krächzen.
Er sah, wie ein kleiner Schneeflocken-Regen vom Baum fiel.
Er bemerkte die feinen Eiskristalle am Gras.
Er dachte: „Der Winter zeigt so viele kleine Sachen. Wenn ich genau hinschaue, ist nichts schlimm.“
Er atmete tief ein und aus.
Dann schaute er Fino an.
„Fino“, sagte Lupo sanft, „wir können beide schauen. Lass uns zusammen entscheiden. Vielleicht ist hier gut und da auch gut.“
Fino blinzelte.
Er sah Lupo lange an.
„Du hast recht“, sagte Fino. „Wir können zwei Schneehaufen bauen. Einen hier und einen dort.“
Lupo lächelte.
„Ja“, sagte er. „Wir teilen. Und wir hören zu.“
Sie bauten zuerst einen Schneehaufen beim kleinen Baum.
Dann bauten sie einen zweiten weiter hinten.
Sie lachten, als der Schnee von ihren Nasen fiel.
Als es langsam dunkel wurde, wurde der Himmel grau und rosa.
Die Schatten wurden länger.
Die Luft wurde kälter.
„Ich muss nach Hause“, sagte Lupo. „Es wird Abend.“
Fino nickte.
„Heute war schön“, sagte er. „Deine Idee mit zwei Schneehaufen war klug. Ohne dich wäre es langweilig.“
Lupo fühlte etwas Warmes in seiner Brust.
„Fino mag mich“, dachte er. „Ich bin wichtig.“
Zu Hause kuschelte er sich an Mama Wolf.
Er erzählte ihr vom Schnee, von den Spuren, von den zwei Schneehaufen.
Mama hörte zu und streichelte sein Fell.
„Du hast gut beobachtet“, sagte sie leise. „Den Wald. Den Schnee. Und auch deine Gefühle und Finos Gefühle. Das ist ein kleiner großer Mut.“
Lupo wurde müde.
Draußen war es dunkel und still.
Drinnen war es warm und hell.
Er schloss die Augen.
Er dachte an den weißen Wald, an die knirschenden Schritte und an Fino, der gesagt hatte: „Ohne dich wäre es langweilig.“
Mit einem kleinen Lächeln schlief der kleine Wolf ein.
Der Winter war kalt.
Aber in Lupos Herz war es warm.