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Absurde und verrückte Geschichte 11/12 Jahre Lesen 19 min.

Milo und die ploppende Schneekugel im Bonbon-Sumpf

Ein neugieriger Junge namens Milo schüttelt eine geheimnisvolle Schneekugel und landet in einem klebrigen Süßigkeitensumpf, wo er mit Hilfe seltsamer Bewohner lernen muss, wie man Chaos wieder ins Gleichgewicht bringt.

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Der zwölfjährige Milo, erstaunt und neugierig, mit zerzaustem hellbraunem Haar, Sommersprossen und zu großer blauer Jacke, hält eine große transparente magische Schneekugel an die Brust und steht halb in einem klebrigen rosa Süßwarenmoor; Frau Kicherbohne, ältere Dame mit weißem Dutt, runden Brillen und gepunktetem Kleid, lächelt im Hintergrund vor einer alten Ladenfront; Kapitän Praliné, winziges süßes Wesen mit Waffelhut und glänzendem Zuckergussmantel, steht auf einem Keksstein rechts von Milo und zeigt auf einen Zuckerstangenpfad; Inspektorin Baiser, aus Schlagsahne geformt mit Zitronenscheibenbrille, sitzt auf einer Nougat-Säule in einem Waffelturm und beobachtet die Szene ernst-mild; das Moor ist farbenfroh mit rosa-bernsteinfarbener Sirupbrühe, Marshmallow-Inseln, dunklen Lakritzrohren, Zuckerstangenbrücken und regnenden Mini-Bonbons; Milo ist gerade gelandet, seine Schuhe kleben im Sirup, Streusel im Haar, die Kugel ploppt mit irisierenden Blasen, die Figuren sind um ihn versammelt in einer dynamischen, leicht absurden Szene. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Kapitel 1: Die Schneekugel, die „PLOPP“ sagte

Milo war elf, hatte Sommersprossen wie kleine Zimtkrümel auf der Nase und eine besondere Begabung: Er konnte aus allem eine gute Idee machen. Aus Mathehausaufgaben machte er „Zahlen-Jogging“, aus Brokkoli „Baumknuspern“ – und aus einem seltsamen Fundstück machte er… na ja, gleich ein Abenteuer.

Es begann an einem ganz normalen Dienstag, der sich für einen normalen Dienstag viel zu wichtig nahm. Milo kam vom Kiosk zurück, die Jackentasche voller Kleingeld, der Kopf voller Gedanken, als er im Schaufenster des Trödelladens „Frau Kicherbohne & Sohn“ etwas Glitzerndes sah.

Eine Schneekugel.

Nicht irgendeine. Diese Kugel war so groß wie eine Grapefruit und sah aus, als hätte sie zu lange überlegt, ob sie lieber dekorativ oder geheimnisvoll sein wollte. Drinnen stand ein winziges Häuschen, ein krummer Baum – und statt Schnee: kleine, bunte Flocken, die wie Zuckerstreusel aussahen.

Milo drückte seine Nase ans Glas. In dem Moment machte die Kugel ein leises Geräusch.

„PLOPP.“

Milo blinzelte.

„Hast du… gerade geploppt?“, murmelte er.

Die Schneekugel ploppte noch einmal, als würde sie lachen: „PLOPP.“

Drinnen im Laden tauchte Frau Kicherbohne auf, eine Dame mit einem Dutt, der aussah wie eine aufgerollte Wolke. Sie winkte Milo heran, als hätte sie ihn erwartet.

„Du guckst so, als würdest du gleich eine Frage stellen“, sagte sie.

„Äh… ja“, gab Milo zu. „Kann eine Schneekugel… ploppen?“

„Diese schon“, meinte Frau Kicherbohne. „Sie ist… sagen wir… etwas übermütig.

Milo hielt die Kugel in den Händen. Sie war erstaunlich warm, wie eine Tasse Kakao, die man eigentlich nicht tragen sollte. Am Sockel hing ein Schildchen: „Nur schütteln, wenn du wirklich neugierig bist.“

Milo war nicht nur neugierig. Milo war Neugier in Turnschuhen.

„Ich bin wirklich neugierig“, sagte er feierlich.

Frau Kicherbohne nickte ernst, als würde sie gerade einen Ritter schlagen. „Dann schüttel sie. Aber nicht hier drin. Sonst klebt mir wieder alles.“

„Wieder?“ Milo hob eine Augenbraue.

„Raus mit dir“, lachte sie. „Und wenn's komisch wird: lächle. Das hilft.“

Milo trat nach draußen, stellte sich unter die Kastanie vor dem Laden und hielt die Kugel vor sich. Die Zuckerstreusel-Flocken klebten innen an der Wand, als würden sie sich festhalten.

„Okay“, flüsterte Milo. „Einmal schütteln. Ganz normal.“

Er schüttelte.

Es machte nicht „schschsch“, wie bei normalem Schnee. Es machte:

„SCHLABBER-WUSCH-FIZZ!“

Die Welt wurde kurz weich, als hätte jemand den Bürgersteig gegen Pudding ausgetauscht. Milo fühlte, wie seine Füße keinen Boden mehr hatten. Um ihn herum wirbelten Streusel, als wäre er in einer riesigen Donutmaschine.

„Oh“, sagte Milo, während er fiel. „Das ist… definitiv nicht normal.“

Kapitel 2: Landung im Marais de Bonbons

Milo landete nicht hart. Er landete… federnd.

„Boing“, machte es unter ihm.

Er saß in etwas, das aussah wie Schlamm, aber glitzerte wie nasser Zucker. Der Geruch war eine Mischung aus Erdbeere, Minze und dem Moment, wenn man eine Tüte Gummibärchen aufreißt.

Milo hob vorsichtig eine Hand und zog sie wieder heraus. An seinen Fingern klebte ein zähes, rosafarbenes Zeug.

„Wenn Schlamm so schmecken würde, hätte ich als Kleinkind dauernd im Garten gegraben“, murmelte er.

Er leckte ganz vorsichtig an einem Finger.

„…Okay. Das ist kein Schlamm. Das ist… Karamell?“

Um ihn herum erstreckte sich ein riesiger Sumpf. Aber statt Matsch gab es klebrige Pfützen aus Sirup, Inselchen aus Marshmallows und Schilf, das wie grüne Lakritzstangen wuchs. Kleine Bläschen stiegen aus dem Boden auf und platzten mit einem fröhlichen „Plopp“, als würden sie applaudieren.

Über dem Sumpf schwebte ein Schild, als hätte es jemand an unsichtbare Luftfäden gehängt:

„Willkommen im Marais de Bonbons. Bitte nicht rennen. Es klebt.“

„Marais… de… Bonbons?“, las Milo. „Sumpf… aus… Süßigkeiten. Natürlich. Warum auch nicht.“

Neben ihm plumpste die Schneekugel ins Karamell und trieb wie ein rundes Boot.

„PLOPP“, machte sie zufrieden.

Milo starrte sie an. „Du hast mich hierher gebracht.“

Die Schneekugel antwortete, indem sie… noch einmal ploppte. Milo beschloss, das als „Ja“ zu übersetzen.

Er stand auf, so gut es ging. Seine Schuhe machten bei jedem Schritt „schlürf“ und „klatsch“, als würden sie sich beschweren.

„Ich bin Milo“, sagte er laut, falls der Sumpf sich vorstellen wollte. „Und ich habe keine Ahnung, wie man aus einem Bonbon-Sumpf rauskommt.“

Da bewegte sich etwas im Lakritzschilf. Es raschelte und wackelte, als würde ein unsichtbarer Bauch kichern. Dann tauchte ein kleines Wesen auf: etwa so groß wie ein Schultaschenanhänger, mit einem Hut aus Waffel und einer Jacke, die wie Zuckerguss glänzte.

„Halt!“, rief das Wesen mit einer Stimme, die klang wie ein zu schnell abgespieltes Hörbuch. „Wer betritt mein Klebegebiet?“

Milo hob die Hände. „Ähm… Milo. Ich wollte eigentlich nur… schütteln.“

„Schütteln?“, wiederholte das Wesen entsetzt und gleichzeitig begeistert. „Oh nein. Oh ja. Du bist einer von DEN Schüttlern!“

„Ich bin eher ein… Einmal-Schüttler“, sagte Milo vorsichtig.

Das Wesen trat näher, blieb aber auf einem trockenen Keksstein stehen. „Ich heiße Kapitän Praliné. Offiziell bin ich Sumpfführer, inoffiziell bin ich Retter verlorener Naschkatzen und Entknoter von Lakritzproblemen.“

Milo zeigte auf die Schneekugel. „Kannst du mir helfen… zurück?“

Kapitän Praliné schob seinen Waffelhut hoch. „Zurück ist möglich. Aber nur, wenn der Sumpf zufrieden ist.“

„Wie macht man einen Süßigkeitensumpf zufrieden?“, fragte Milo.

„Man schüttelt nicht wild herum“, sagte Kapitän Praliné streng, „und man bringt Ordnung in die Streuselflut. Gerade ist nämlich… Schüttelwetter.“

Als hätte der Sumpf zugehört, begann es über ihnen zu nieseln. Nicht Wasser. Winzige Bonbons fielen vom Himmel, pingten auf Marshmallow-Inseln und hüpften wie freche Flummis.

„Siehst du?“, seufzte Kapitän Praliné. „Schüttelwetter.“

Milo schluckte. „Okay. Was muss ich tun?“

Kapitän Praliné grinste. „Erstmal: Schuhe retten. Sonst bleiben die hier bis zur Rente kleben.“

Kapitel 3: Die Mission „Schuhbefreiung“

Kapitän Praliné führte Milo über eine Reihe von Kekssteinen, die aussahen wie sehr ernste Butterkekse. Milo versuchte, nicht zu treten, als würde er einen Keks beleidigen.

„Wohin gehen wir?“, fragte Milo.

„Zum Minzbach“, sagte Kapitän Praliné. „Minze löst Karamell. Nicht alles – aber genug, damit du nicht wie eine wandelnde Toffee-Skulptur endest.“

„Das klingt beruhigend“, sagte Milo. „So halb.“

Der Weg war… kompliziert. Eine Brücke aus Zuckerstangen bog sich wie ein übermütiger Regenbogen. Ein Haufen Gummibärchen saß am Rand und sang:

„Kleeeeb, kleeeeb, kleeeeb – wer klebt, der lebt!“

Milo konnte nicht anders. „Warum singen die?“

Kapitän Praliné zuckte mit den Schultern. „Sie haben einmal angefangen und nie wieder aufgehört. Manche nennen das Tradition. Andere nennen es… Ohrwurm.“

Am Minzbach angekommen, sah Milo glasklares Wasser, das so kühl wirkte, dass allein das Hingucken die Zunge frischer machte. Es roch nach Zahnpasta, aber auf eine freundliche Art.

„Rein mit den Schuhen“, befahl Kapitän Praliné.

Milo setzte sich auf einen Fels aus Nougat und tauchte erst den linken Schuh, dann den rechten in den Bach. Es zischte leise, als würde das Karamell beleidigt abdampfen.

„Ahhh“, machte Milo. „Das ist… überraschend angenehm.“

„Minze kann streng sein“, sagte Kapitän Praliné. „Aber gerecht.“

Milo zog die Schuhe heraus. Sie waren noch klebrig, aber nicht mehr so, als würden sie den Sumpf heiraten wollen.

„Danke“, sagte Milo.

Kapitän Praliné verbeugte sich so tief, dass sein Waffelhut fast ins Wasser fiel. „Gern. Jetzt zur Sache: Du hast eine Schneekugel geschüttelt. Und jedes Mal, wenn hier jemand schüttelt, geraten die Streusel aus dem Gleichgewicht.“

„Streusel können aus dem Gleichgewicht geraten?“, fragte Milo.

„Oh ja“, sagte Kapitän Praliné. „Dann stauen sich die Bonbonwolken, der Sirup steigt, und die Lakritzstangen bekommen… Knoten im Bauch.“

„Lakritz hat einen Bauch?“

„In diesem Sumpf hat alles einen Bauch. Sogar die Ruhe“, sagte Kapitän Praliné. „Und gerade hat die Ruhe einen Knoten.“

Milo dachte an Frau Kicherbohne. „Sie hat gesagt: lächeln hilft.“

„Hilft immer“, nickte Kapitän Praliné. „Aber wir brauchen auch eine Streusel-Ordnung. Dazu musst du zur Streuselwarte. Dort steht der Große Streuselsieb.“

Milo blickte über den Sumpf. In der Ferne ragte ein Turm aus gestapelten Waffeln auf, mit einem Dach aus Schokolade, das in der Sonne glänzte.

„Da lang?“

„Da lang“, bestätigte Kapitän Praliné. „Und nimm die Schneekugel mit. Sie ist der Schlüssel… und ein bisschen das Problem.“

Milo nahm die Schneekugel aus dem Karamell, wischte sie an seinem Ärmel sauber und hielt sie fest.

„Hör zu“, sagte er leise zur Kugel. „Keine Extra-Plopps, okay?“

„Plopp“, machte die Schneekugel, sehr unschuldig.

„Das war schon ein Extra-Plopp“, murmelte Milo.

Kapitän Praliné kicherte. „Sie mag dich.“

„Ich hoffe, sie mag auch… zurückgehen“, sagte Milo.

Sie marschierten los. Der Bonbonregen hörte auf, dafür begann der Boden an manchen Stellen zu blubbern, als würde der Sumpf kitzlige Geheimnisse erzählen.

Kapitel 4: Die Streuselwarte und der Große Sieb-Hickhack

Die Streuselwarte war innen größer als außen, was Milo sofort auffiel, weil er schon oft in seinem Zimmer versucht hatte, das Gleiche mit seiner Schublade zu machen – ohne Erfolg.

Im Turm hing ein riesiges Sieb von der Decke, so groß wie ein Trampolin. Darunter standen Eimer voller Streusel: rote, blaue, grüne, goldene, und eine Sorte, die aussah wie winzige Sterne.

Auf einem Podest saß ein Wesen, das aus Sahne zu bestehen schien, aber sehr entschlossen guckte. Es trug eine Brille aus kandierten Zitronenscheiben.

„Halt!“, rief es. „Wer stört die Streuselstatistik?“

„Ich“, sagte Milo ehrlich. „Und er…“ Er nickte zur Schneekugel.

Kapitän Praliné salutierte. „Kapitän Praliné, im Auftrag der Schuhbefreiung und Sumpfberuhigung.“

Das Sahnewesen seufzte so tief, dass ein kleines Sahnewölkchen aufstieg. „Ich bin Inspektorin Baiser. Und ja, ich spüre es: Streusel sind zu hektisch. Sie fallen zu schnell, zu bunt, zu überall.“

Milo hielt die Schneekugel hoch. „Ich habe sie geschüttelt. Aus Versehen mit… sehr viel Neugier.“

Inspektorin Baiser schob ihre Zitronenbrille höher. „Neugier ist gut. Aber ungebremste Neugier macht Streusel nervös. Streusel sind wie Fische: Wenn man zu stark winkt, denken sie, es ist ein Sturm.“

„Ich kann… weniger winken?“, bot Milo an.

„Wir machen es anders“, sagte Inspektorin Baiser. „Du musst die Schneekugel noch einmal schütteln.“

Milo riss die Augen auf. „Noch einmal?!“

Kapitän Praliné flüsterte: „Logik des Sumpfes. Manchmal muss man ein Problem genau an der Stelle anfassen, wo es kichert.“

Inspektorin Baiser nickte. „Aber diesmal mit Rhythmus. Nicht wild. Nicht zackig. Sondern… wie ein Lied.“

„Ein Lied?“, wiederholte Milo.

„Ein Streusel-Lied“, erklärte Inspektorin Baiser und klatschte in die Hände. Sofort sprangen die Gummibärchen von vorhin irgendwo im Turm hervor, als hätten sie auf ihren Einsatz gewartet.

„Kleeeeb, kleeeeb—“

„Nein!“, rief Inspektorin Baiser. „Nicht das! Das andere.“

Die Gummibärchen räusperten sich und sangen dann in einem erstaunlich sanften Takt:

„Eins-zwei, Streu vorbei,

drei-vier, ruhig sind wir!“

Inspektorin Baiser zeigte Milo die Bewegung: zwei kleine Schüttler nach rechts, zwei nach links, dann kurz stillhalten. Es sah aus, als würde man einer sehr kleinen unsichtbaren Katze zuwinken.

Milo atmete tief durch. „Okay. Wenn das schiefgeht…“

„Dann klebt es“, sagte Kapitän Praliné. „Aber wir kleben zusammen.“

Milo musste lachen. Das half tatsächlich.

Er begann zu schütteln. Vorsichtig. Im Takt.

Rechts-rechts. Links-links. Pause.

In der Schneekugel wirbelten die Streusel-Flocken, aber diesmal nicht chaotisch. Sie ordneten sich wie eine Parade, die endlich wusste, wo vorne ist. Draußen im Turm begann der Große Streuselsieb leise zu summen, als wäre er ein riesiger zufrieden gestimmter Kühlschrank.

„Noch einmal“, sagte Inspektorin Baiser leise, fast wie bei einem Schlaflied.

Milo wiederholte den Rhythmus. Und plötzlich passierte etwas Eigenartiges: Aus dem Sieb stieg ein sanfter Glitzer auf und schwebte über den Sumpf hinaus, als würde jemand die Luft aufräumen.

Draußen senkte sich der Sirupspiegel ein bisschen. Die Lakritzstangen entknoteten sich mit einem „Pffft“, das nach Erleichterung klang.

Inspektorin Baiser nickte zufrieden. „Sehr gut. Der Sumpf atmet wieder gleichmäßig.“

Milo hielt die Schneekugel still. „Und… komme ich jetzt zurück?“

„Fast“, sagte Kapitän Praliné. „Es fehlt noch der Abschiedsgruß.“

Milo schaute verwirrt. „Der was?“

Inspektorin Baiser lächelte streng. „Der Sumpf ist höflich. Er lässt niemanden gehen, der nicht ‚Danke‘ sagt. Und zwar richtig.“

Kapitel 5: Danke sagen, aber bitte ohne Kleckern

„Richtig Danke sagen“ stellte sich als eigene Kunst heraus. Inspektorin Baiser führte Milo zu einem Balkon der Streuselwarte. Von dort sah man den ganzen Marais de Bonbons: Marshmallow-Inseln wie Wolkenstücke, Sirupkanäle wie glänzende Wege, und hier und da kleine Bonbonfische, die in Limonadepfützen blubberten.

„Du musst dem Sumpf etwas zurückgeben“, erklärte Kapitän Praliné. „Keine Sorge. Nichts Großes. Nur… etwas, das du ehrlich meinst.“

Milo kramte in seiner Tasche. Da war noch sein Kaugummi – nein, das wäre unhöflich, weil schon angekaut. Ein zerknitterter Kassenzettel – auch nicht. Und ein kleines, rundes Bonbon vom Kiosk, das er eigentlich für später aufgehoben hatte.

Er hielt es hoch. „Das hier?“

Inspektorin Baiser schüttelte den Kopf. „Nicht dein Bonbon. Dein Gedanke.“

Milo blinzelte. „Mein Gedanke?“

„Sag dem Sumpf, was du gelernt hast“, sagte Kapitän Praliné. „Und sag es so, dass es nicht wie Hausaufgabe klingt.“

Milo stellte sich an die Balkonbrüstung. Der Wind roch nach Vanille und Abenteuer.

Er räusperte sich. „Ähm… lieber Bonbon-Sumpf! Danke, dass du mich nicht… komplett aufgegessen hast.“

Unten blubberte es belustigt. Ein paar Streusel hüpften wie Applaus.

Milo wurde mutiger. „Danke, dass du gezeigt hast, dass selbst etwas Klebriges freundlich sein kann. Und dass Neugier… gut ist, aber… man sollte sie nicht wie einen Mixer benutzen.“

Kapitän Praliné grinste. „Schön gesagt.“

Milo fuhr fort, ein bisschen leiser: „Und danke, dass es hier nach Erdbeere riecht. In meiner Straße riecht es manchmal nur nach nasser Hund. Das ist… weniger poetisch.“

Der Sumpf antwortete mit einem sanften „Plopp… plopp“, wie ein zufriedenes Nicken. Der Himmel wurde ruhiger, das Licht goldener, als würde die Sonne sich auf ein Nickerchen vorbereiten.

Inspektorin Baiser hob einen Finger. „Jetzt der letzte Schritt: Die Schneekugel muss still sein. Ganz still. Sonst nimmt sie dich wieder mit in eine Extra-Schleife. Niemand will Extra-Schleifen. Extra-Schleifen sind wie Socken, die immer verschwinden.“

„Ich will keine Extra-Schleife“, sagte Milo sofort.

Er hielt die Schneekugel fest an seine Brust. Drinnen lagen die Streusel ruhig, als hätten sie sich in Decken eingewickelt.

„Und was mache ich?“, fragte Milo.

Kapitän Praliné deutete auf den Boden. Dort war ein Kreis aus weichen Marshmallows, wie ein Sprungpolster.

„Du stellst dich da drauf, schließt die Augen und denkst an den Ort, an den du willst. Nicht an den Ort, vor dem du weg willst. Das ist wichtig.“

Milo nickte. Er stellte sich in den Marshmallow-Kreis. Es fühlte sich an, als würde man auf sehr höflichen Kissen stehen.

Inspektorin Baiser sagte: „Bereit?“

Milo atmete ein. „Bereit.“

Kapitän Praliné rief: „Und denk dran: lächeln hilft.“

Milo lächelte. Nicht breit, eher wie ein Geheimnis.

Er schloss die Augen.

Kapitel 6: Zurück mit Streuseln im Haar

Es war, als würde jemand die Welt umdrehen wie ein Kopfkissen. Milo spürte kurz ein Kitzeln an den Ohren, dann ein leises Summen – und schließlich: festen Boden.

Er öffnete die Augen.

Er stand wieder unter der Kastanie vor dem Trödelladen. Die Luft roch nach Stadt und ein bisschen nach warmem Asphalt. In seiner Hand hielt er die Schneekugel, ganz ruhig, ganz brav. Nur ein einziger Streusel klebte außen am Glas, als Erinnerung.

Milo strich sich durchs Haar. Ein paar bunte Streusel rieselten auf seine Stirn.

„Aha“, sagte er. „Beweisstück A.“

Die Ladentür ging auf. Frau Kicherbohne steckte den Kopf heraus.

„Na?“, fragte sie. „War's komisch?“

Milo schaute auf seine Schuhe – überraschend sauber, als hätten sie einen Minzurlaub gemacht. Dann auf die Schneekugel. Dann wieder zu Frau Kicherbohne.

„Ein bisschen“, sagte er. „Ich habe gelernt, dass Neugier nicht geschüttelt werden sollte wie eine Limo.“

Frau Kicherbohne lachte. „Klug.“

Milo zögerte. „Und… wenn die Kugel wieder ploppt?“

Als hätte sie das gehört, machte die Schneekugel ganz leise: „plopp.“

Milo hielt sie fest und sagte streng, aber freundlich: „Nur ein Mini-Plopp. Wir haben einen Deal.“

Frau Kicherbohne zwinkerte. „Und? Willst du sie behalten?“

Milo schaute auf das Glas, in dem die Streusel nun ordentlich lagen, als würden sie schlafen. Er erinnerte sich an Kapitän Praliné, an Inspektorin Baiser, an den Sumpf, der höflich „Plopp“ gesagt hatte.

„Ja“, sagte Milo. „Aber ich schüttele sie nur noch… mit Rhythmus. Und nur, wenn ich wirklich Danke sagen kann.“

Er steckte die Schneekugel vorsichtig in seinen Rucksack, als wäre sie ein empfindliches Haustier.

Auf dem Heimweg hörte Milo das leise Geräusch der Stadt: Fahrräder, Stimmen, ein Hund, der so klang, als würde er über nasse Hund-Gerüche diskutieren. Milo ging langsamer, Schritt für Schritt, und die Welt fühlte sich angenehm normal an.

Nur manchmal, wenn er den Rucksack bewegte, hörte er ein winziges, zufrieden klingendes:

„Plopp.“

Milo lächelte, ganz ruhig, und dachte: Manche Abenteuer kleben nicht an den Schuhen, sondern sanft im Kopf – wie Streusel, die man später noch findet, ohne dass es stört.

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Sommersprossen
Kleine braune Punkte auf der Haut, oft auf der Nase oder den Wangen.
Begabung
Eine besondere Fähigkeit, etwas sehr gut und leicht zu können.
übermütig
Sehr fröhlich und ein bisschen wild, manchmal ohne Vorsicht.
Trödelladens
Ein Laden, der alte oder gebrauchte Gegenstände verkauft.
Grapefruit
Eine große, saftige Zitrusfrucht mit leicht bitterem Geschmack.
Dutt
Haare, die hinten am Kopf zu einer runden Rolle gedreht sind.
Marshmallow-Inseln
In der Geschichte: weiche Inseln aus Marshmallows, süß und fluffig.
Lakritzstangen
Lange, feste Stücke aus Lakritz, oft schwarz und zäh.
Karamell
Zucker, der geschmolzen und braun geworden ist, süß und klebrig.
Minzbach
In der Geschichte: ein Bach mit Minzduft, dessen Wasser rein und frisch wirkt.
Nougat
Süße Masse aus Nüssen und Zucker, oft in Riegeln oder als Füllung.
Streuselwarte
Ein Turm oder Ort in der Geschichte, wo Streusel sortiert werden.

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