Kapitel 1: Der Morgen, an dem alles schiefging
Wenn man in der Stadt Krummschnabel aufwächst, gewöhnt man sich an manche Dinge: Krumme Schornsteine, sprechende Haustiere und die regelmäßigen Explosionen aus der Zauberschule Eckige Eule. Doch für Malina Funkelfeder, elf Jahre alt und offiziell die ungeschickteste Zauberlehrling Göbelwalds, war heute ein ganz besonderer Tag. Heute sollte ihr erster Tag als offizielle „Questerin in Ausbildung“ sein.
Der Morgen begann – wie üblich – mit Chaos. Malina wachte auf, als ihr Bett plötzlich drei Meter in die Luft schwebte. „Nicht schon wieder!“, stöhnte sie. Sie hatte vergessen, den Schwebezauber von gestern Abend rückgängig zu machen. Mit einem Rumpeln landete das Bett wieder auf dem Boden, als sie es ungekonnt mit einem Zauberstab-Hieb stoppte. Ihre kleine Eule Knuffel, die unter der Decke geschlafen hatte, blickte sie empört an.
„Du solltest wirklich üben, wie man Zauber beendet!“, gurrte Knuffel und flatterte mit den Flügeln.
Malina grinste schief. „Der Tag hat erst angefangen, Knuffel. Da ist noch viel Zeit, was richtig falsch zu machen.“
Sie zog sich schnell an – Socken mit unterschiedlichen Streifen, Umhang verkehrt herum, und ihren Zauberstab, der ein bisschen wie eine Karotte aussah. Dann rannte sie die knarrende Treppe hinunter, bereit für ihr erstes Abenteuer.
Kapitel 2: Ein Auftrag, zwei Probleme
Im großen Saal der Zauberschule Eckige Eule warteten schon die anderen Lehrlinge. Der oberste Magier – Professor Brummbär – räusperte sich, was klang, als würde ein Frosch im Klo stecken.
„Heute ist euer Tag!“, verkündete er. „Jede Questerin, jeder Quester erhält eine Aufgabe. Wer sie löst, bekommt...“ – er machte eine dramatische Pause, in der sein Bart weiterwuchs – „...eine Tüte Zauberbohnen!“
Die Lehrlinge jubelten. Wer hätte keine Zauberbohnen gewollt? Man konnte sie werfen und bekam entweder einen Regenbogen, einen Witz oder einen plötzlichen Schnurrbart.
Professor Brummbär wedelte mit einem Stück Pergament. „Malina Funkelfeder! Deine Aufgabe: Bringe das legendäre Glibberpudding-Rezept aus der Spukmühle zurück! Aber, äh, pass auf die Puddinggeister auf.“
Malina schluckte. Die Spukmühle lag am Rande des Dümpelmoors, wo angeblich alles klebte und spukte – und das Rezept war berüchtigt: Wer es falsch zubereitete, verwandelte die eigene Zunge in eine Kaulquappe. Aber Malina wollte sich beweisen. „Ich schaff das!“, rief sie, und Knuffel rollte mit den Eulenaugen.
„Falls du zum Frosch wirst, sag Bescheid“, murmelte Knuffel.
Kapitel 3: Die Reise ins DĂĽmpelmoor
Mit einem zu großen Rucksack und Knuffel auf der Schulter marschierte Malina los. Die Sonne schien, die Vögel zwitscherten schiefe Lieder, und ein Zaun versuchte, sie zu fressen („Sorry, bin holzhungrig!“, nuschelte er, als Malina ihm einen Apfel zuwarf).
Schon bald betrat sie das Dümpelmoor. Überall blubberte, schmatzte und gluckerte es. Ein Frosch mit Hut winkte ihr zu. „Willkommen im Dümpelmoor! Pass auf, wo du trittst – die Latschen sind hungrig!“
Malina lächelte. „Danke, Herr Frosch!“
Sie stolperte, als ihr ein Schuh von einem schmatzenden Moorloch angesaugt wurde. „Hey, lass das!“, rief sie und zog. Mit einem lauten „PLOPP!“ schoss der Schuh heraus – leider samt einer schleimigen Moorwurst, die an ihrem Bein festklebte.
Knuffel lachte. „Jetzt bist du offiziell im Moor angekommen.“
Schließlich, nach vielen rutschigen Schritten und einer Begegnung mit einer politisch sehr engagierten Gänseblümchengesellschaft („Wir fordern weniger Gänse, mehr Blumen!“), stand sie vor der Spukmühle.
Kapitel 4: Puddinggeister und andere Katastrophen
Die Spukmühle war alt, windschief, und überall hingen Spinnen, die Strickmuster häkelten. Mit klopfendem Herzen schlich Malina zur Tür. Sie knarrte so laut, dass selbst die Spinnen zusammenzuckten.
Drinnen war es dunkel. „Hallo? Ist jemand da?“, flüsterte Malina.
Eine Stimme antwortete. „Wer stört meinen Schönheitsschlaf? Ich war gerade dabei, mich zu polieren!“
Vor ihr schwebte ein Puddinggeist: durchsichtig, wackelig und eindeutig beleidigt. „Bist du gekommen, um das Rezept zu stehlen? Tz-tz-tz!“
Malina schluckte. „Ähm, nicht stehlen. Nur borgen. Und zurückbringen. Vielleicht.“
Der Puddinggeist lachte glucksend. „So einfach geht das nicht! Du musst drei Prüfungen bestehen. Aber vorsicht, ich bin ein Meister des Glibbers!“
Die erste Prüfung: Sie musste einen Puddingkreis überqueren, ohne hineinzufallen. Malina versuchte es mit einem Fliegen-Zauber, doch stattdessen schwebte ihr Rucksack weg. „Oh nein! Da sind meine Ersatzsocken drin!“, jammert sie.
Knuffel schüttelte den Kopf. „Denk nach, Malina!“
Da hatte sie eine Idee. Mit einem „Glibberus-Schlitterus!“ zauberte sie Schlittschuhe an ihre Füße. Natürlich verwandelten sich die Schuhe in Bananenschalen. Sie rutschte kreischend über den Pudding, landete kopfüber – aber immerhin auf der anderen Seite.
„Na ja, kreativ!“, lobte der Puddinggeist.
Die zweite Prüfung: Sie sollte einen Pudding singen lassen. Malina warf einen „Sing-sang-Zauber“, doch der Pudding brummte nur wie eine verstimmte Tuba.
„Du musst ihn überzeugen, nicht erzwingen!“, raunte Knuffel.
Malina setzte sich vor den Pudding, sang selbst ein Lied über Pfannkuchen und Magie. Der Pudding begann zu wackeln – erst zaghaft, dann immer lauter, bis er eine Oper schmetterte. Sogar die Spinnen applaudierten.
Die dritte Prüfung: Sie musste ein Rätsel lösen. „Was ist wackelig, weich und doch mutig?“, fragte der Geist.
Malina dachte nach. „Ein... Puddinggeist?“
„FALSCH!“, rief der Geist – und kicherte dann. „Ach, das ist auch nicht so wichtig. Du bist lustig, du bekommst das Rezept.“
Er überreichte es ihr feierlich in einer Puddingschale. „Aber lies es nicht rückwärts! Sonst regnet es Frösche.“
Kapitel 5: Alles glibbert zurĂĽck
Triumphierend machte sich Malina auf den Rückweg. Unterwegs stolperte sie über einen reisenden Zaubertrankhändler, der ihr einen „Wundertrank für mehr Mut“ andrehen wollte. Sie probierte einen Schluck – und verwandelte sich für zehn Minuten in einen sehr mutigen Goldfisch, der Knuffel mit Wasser bespritzte.
„Nächstes Mal lies die Anleitung!“, kicherte die Eule.
Zurück in Krummschnabel warteten alle neugierig auf Malina. Professor Brummbär schob seine Brille zurecht. „Und, hast du das Rezept?“
„Hier!“, rief Malina stolz und winkte mit dem Papierschnipsel.
„Hast du es ausprobiert?“, fragte er misstrauisch.
„Ähm... nein?“
Brummbär grinste. „Dann tu das JETZT. Vor allem: Denk an die Warnung!“
Malina kramte in ihrer Tasche, stellte eine Puddingschüssel auf den Tisch und las laut vor. Leider – in ihrer Aufregung – las sie die letzten Zeilen rückwärts. Es blitzte und donnerte, und plötzlich regnete es Frösche.
„SUPER!“, riefen die anderen Lehrlinge und fingen Frösche, als wären es Bonbons.
Knuffel lachte Tränen. „Das ist typisch Malina.“
Kapitel 6: Ein Held ist, wer lacht
Als der Froschregen nachließ und die Pfützen voller quakender Zaungäste waren, setzte sich Malina auf die Treppe. Sie war ein bisschen verzweifelt. Immer schien etwas schiefzugehen.
Professor Brummbär setzte sich neben sie. „Weißt du, Malina, ein echter Zauberprofi ist nicht, wer nie Fehler macht. Sondern wer darüber lachen kann – und daraus lernt.“
Malina überlegte. Sie lachte. Dann stand sie auf und rief: „Wer will Glibberpudding mit Froschgeschmack probieren?“
Alle kreischten – und probierten trotzdem. Der Pudding glänzte, die Frösche quakten, und sogar Knuffel trällerte ein Lied.
Und so wurde aus Malina Funkelfeder die berühmteste (und lustigste) Questerin Krummschnabels – Expertin für magische Missgeschicke und Froschregen. Wer immer mal wieder das Rezept falsch liest, kann das bestätigen.
Und wenn in Krummschnabel heute jemand lacht, dann hat meistens Malina etwas damit zu tun.