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Humorvolle Fantasy 11/12 Jahre Lesen 25 min.

Das Schaumfels-Schloss und der Kapitän Glitsch

Der schüchterne Milo baut heimlich ein Schloss aus Schaum im Badezimmer, begleitet von einer sprechenden Abflussstimme, einem Shampoo-Kapitän und seiner mutigen Schwester Juna; zusammen erleben sie magische Überraschungen und lernen auf leise Weise, was Mut und Rücksicht bewirken können.

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Milo, 12-jähriger schüchterner aber stolzer Junge mit rundem, gerötetem Gesicht und zerzaustem braunem Haar, hält eine graue Feder zwischen den Fingern und lächelt sanft, Juna, etwa 9, schelmisch mit zwei Zöpfen, stellt links eine kleine Pappbrücke auf den Badewannenrand, Kapitän Glitsch, ein hellblauer Shampoo-Tröpfchencharakter mit expressivem Gesicht und winzigen Armen, salutiert auf einem umgestürzten Joghurtbecher, Sir Pling, eine freundliche winzige glänzende Metallkreatur vom Abfluss mit schelmischen Augen, erscheint unten rechts und bläst kleine Bläschen; sonniges Badezimmer mit weiß-blauen Fliesen, aufgehängten Handtüchern, teilweisem beschlagenem Spiegel und Kippfläschchen; Hauptsituation: Milo und Juna vollenden ein voluminöses Schaumschloss auf der Wanne — weiche Türme, unregelmäßige Zinnen, funkelnde Bläschen — die in die Feder gesteckte Bannerschmückung zittert leicht, die magischen Figuren feuern an; Stil: kräftige Kontraste, klare Konturen, einfache Formen, weiche leuchtende Schaumtextur, klare Gesichtsausdrücke, warm-verspielte Stimmung. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Kapitel 1: Der Plan mit den viel zu vielen Blasen

Milo war zwölf und konnte sehr gut leise sein. So leise, dass sogar die Fußleisten manchmal erschraken. In der Schule war er der Junge, der erst dann lachte, wenn alle anderen schon wieder aufgehört hatten. Zuhause war er der, der seine Gedanken so vorsichtig aussprach, als könnten sie runterfallen und zerbrechen.

Heute stand Milo vor der Badewanne und sah einen Berg Schaum an, der aussah wie eine Wolke, die sich verlaufen hatte.

„Du willst wirklich ein Schloss bauen“, murmelte er.

Der Schaum gluckste. Das klang fast wie Zustimmung. Oder wie ein kleiner, sehr nasser Rülpser.

Milo hatte den Plan seit Wochen im Kopf. Ein Schloss aus Schaum. Mit Türmen, Zinnen und einem Thronsaal. Kein Sand, kein Lego. Etwas, das nur kurz existierte – und gerade deshalb wichtig war. Es war ein stiller Traum, der nicht laut genug war, um ausgelacht zu werden.

Er nahm die Seifenflasche. Auf dem Etikett stand: „Zitronenfrisch – gegen den Alltagsschmutz.“ Milo fand, der Alltagsschmutz war eher gegen Milo.

Er drückte. Ein Schwall Seife platschte ins Wasser. Milo rührte mit dem Arm, als würde er eine Zaubersuppe kochen. Schaum wuchs. Schaum stieg. Schaum bekam Ambitionen.

Dann klopfte es.

„Milo?“, rief Mama. „Alles gut? Es klingt, als würdest du einen Wal baden.“

„Alles gut!“, rief Milo schnell. Zu schnell. Seine Stimme machte einen kleinen Purzelbaum.

„Nicht den halben Ozean auslaufen lassen!“

„Ich… bade einen sehr sauberen… Gedanken!“, sagte Milo.

Stille.

„Aha“, meinte Mama. „Dann denk leise.“

Milo grinste. Er war schüchtern, ja. Aber manchmal konnte er komisch sein, ohne es zu merken.

Er schöpfte Schaum mit einem Plastikbecher und setzte ihn auf den Wannenrand. Das Fundament. Dann ein zweiter Becher. Noch mehr Schaum. Ein Turm. Er wackelte wie ein Pudding auf Rollschuhen.

„Bleib“, flüsterte Milo. „Bitte.“

Der Turm blieb. Für zwei Sekunden. Dann sackte er in sich zusammen, als hätte er plötzlich an die Hausaufgaben gedacht.

Milo seufzte. „Ich brauche… Magie.“

Und als ob das Wort ein Signal gewesen wäre, zog ein winziger Windhauch durchs Badezimmer. Die Handtücher bewegten sich, obwohl das Fenster zu war. Der Spiegel beschlug in einer Ecke, als hätte jemand heimlich draufgeatmet.

Aus dem Abfluss kam ein Geräusch. Nicht gluck-gluck, sondern eher hmm-hmm.

Milo beugte sich vor. „Hallo?“

Eine Stimme antwortete, als würde jemand unter Wasser sprechen und gleichzeitig so tun, als wäre das ganz normal: „Hüstel. Endlich mal jemand, der das richtige Ziel hat.“

Milo schluckte. „Wer… wer ist da?“

„Der Abfluss. Also… das Abflusswesen. Ich heiße Sir Pling. Und du machst hier gerade eine strategisch hochinteressante Schaumlandschaft.“

Milo starrte auf den Abfluss. Er sah aus wie immer. Rund. Metall. Ein bisschen genervt.

„Du… kannst reden?“

„Nur, wenn die Seife ehrlich ist“, sagte Sir Pling. „Und die Zitronenfrische ist heute erstaunlich aufrichtig.“

Milo musste lachen. Kurz. Dann wurde er rot, als hätte er sich beim Lachen erwischt.

„Ich will ein Schloss aus Schaum bauen“, sagte er leise, als würde er es dem Wasser anvertrauen.

„Wundervoll“, sagte Sir Pling. „Aber Schaum ist empfindlich. Er hat das Selbstbewusstsein einer Seifenblase in einem Fußballstadion. Du brauchst Stabilität. Und… Helfer.“

Milo dachte an Helfer und bekam sofort einen Knoten im Bauch. Helfer bedeuteten Menschen. Menschen bedeuteten Fragen. Fragen bedeuteten… na ja, alles.

„Ich… mache das lieber allein“, murmelte Milo.

Sir Pling schnaubte. Dabei spritzte eine winzige Blase hoch. „Allein ist überbewertet. Allein ist ein Keks ohne Milch.“

Milo wollte antworten, doch da klirrte es. Nicht laut, eher wie ein Löffel, der sich schick macht. Der Shampoo-Flakon neben dem Waschbecken vibrierte.

Und dann kippte er um.

Ganz langsam.

Als wäre er ein Schauspieler, der dramatisch sterben will.

Der Deckel sprang auf. Ein Tropfen Shampoo rollte heraus und landete auf dem Boden. Er glänzte wie ein kleines, blaues Auge.

„Oh nein“, flüsterte Milo.

Sir Pling sagte: „Oh ja. Willkommen in der Alltagsmagie. Sie tut so, als wäre sie harmlos, und zack—“ Er machte ein Geräusch, das wie ein nasser Blitz klang. „—hat man einen verzauberten Badezimmerboden.“

Der Tropfen zog sich in die Länge. Er wuchs. Er bekam Beine. Vier Stück. Dann zwei winzige Arme. Und ein Gesicht, das aussah, als hätte jemand ein Smiley in Götterspeise geritzt.

„Guten Abend!“, piepste das Ding. „Ich bin Kapitän Glitsch. Wer hat mich gerufen?“

Milo zeigte auf sich. Dann auf den Tropfen. Dann wieder auf sich. Sein Finger zitterte.

„Ich… ich hab niemanden gerufen.“

„Doch“, sagte Kapitän Glitsch stolz. „Dein Traum hat geplanscht. Und Träume sind in Badezimmern sehr laut.“

Sir Pling brummte: „Wenn du ein Schloss willst, brauchst du einen Baumeister. Kapitän Glitsch ist… sagen wir… klebrig motiviert.“

Kapitän Glitsch salutierte. Dabei rutschte er aus und landete auf dem Rücken. Er salutierte weiter. „Ich bin bereit! Wo ist der Feind?“

„Der Feind ist… Schwerkraft“, sagte Milo.

„Pah!“, machte Kapitän Glitsch. „Die kenne ich. Die rutscht immer aus.“

Milo atmete ein. Aus. Er war immer noch schüchtern. Aber jetzt war sein Badezimmer voll mit einer sprechenden Abflussstimme und einem Shampoo-Tropfen, der sich für einen Kapitän hielt. Da konnte man auch gleich ein Schaum-Schloss bauen.

„Gut“, sagte Milo. „Dann fangen wir an. Aber leise.“

„Leise“, wiederholte Kapitän Glitsch und rief: „ALLE MANN AN DECK!“

Der Schaum bebte.

Milo presste die Lippen zusammen. „Das war… nicht leise.“

„Entschuldigung“, flüsterte Kapitän Glitsch. „ALLE MANN AN DECK.“ Dann klatschte er sich die Hände vor den Mund. „Oh. Das ist wieder laut, oder?“

Sir Pling gluckste. „Das wird ein Abenteuer.“

Kapitel 2: Die Zinnen, die kichern

Milo holte heimlich Küchenutensilien aus der Schublade. Einen Pfannenwender als Schaufel. Zwei Teelöffel als Kranarme. Eine leere Joghurtdose als Turmform.

„Wenn Mama fragt“, sagte Milo, „waren die… schon immer hier.“

Sir Pling meinte trocken: „Mütter wissen alles. Sie tun nur so, als wüssten sie es nicht, damit du dich nützlich fühlst.“

Kapitän Glitsch kletterte auf die Joghurtdose, rutschte ab, kletterte wieder hoch und blieb schließlich oben sitzen wie ein König auf einem sehr unsicheren Thron.

„Hier entsteht die Festung Glitschburg!“, verkündete er.

„Sie heißt…“, Milo suchte nach Mut, „Schaumfels.“

„Schaumfels!“, wiederholte Kapitän Glitsch ehrfürchtig, als wäre das ein echtes Land mit Briefmarken und einem Nationalgericht aus Blasen.

Milo arbeitete. Schöpfen, stapeln, drücken. Der Schaum war weich und launisch. Manchmal hielt er. Manchmal sackte er zusammen und tat so, als wäre er nie gefragt worden.

Doch dann passierte etwas Seltsames: Die Zinnen, die Milo mit dem Löffel formte, blieben stehen. Sie standen sogar besonders stolz.

„Magie“, murmelte Milo.

Sir Pling sagte: „Nicht die große Feuerballmagie. Die kleine, die in der Wäscheklammer sitzt und in Socken verschwindet.“

Kapitän Glitsch beugte sich vor. „Ich höre ein Kichern.

Milo hielt inne. Wirklich: ein leises, sprudelndes Kichern. Es kam aus dem Schaum selbst.

„Warum… kichert mein Schloss?“, fragte Milo.

„Weil es lebt“, sagte Sir Pling. „Ein bisschen. Es ist Schaum. Schaum ist Luft, Wasser und der dringende Wunsch, etwas zu sein.“

Milo strich vorsichtig über eine Mauer. Der Schaum kitzelte seine Fingerspitzen. Und die Mauer zog sich minimal zurück, als würde sie sagen: He, nicht so doll!

Milo lachte wieder. Diesmal länger.

Da riss die Badezimmertür einen Spalt auf. Milos kleine Schwester Juna steckte den Kopf rein. Sie war neun und hatte die Fähigkeit, genau in dem Moment aufzutauchen, wenn man etwas nicht erklären konnte.

„Was machst du?“, fragte sie.

Milo erstarrte. Er fühlte, wie sein Gesicht heiß wurde.

Kapitän Glitsch flüsterte hektisch: „Versteck die Festung! Versteck die… äh… sehr offensichtliche Festung!“

Sir Pling sagte: „Zu spät. Kinder sehen alles. Sie tun nur so, als würden sie nichts sehen, um später damit zu handeln.“

Juna trat ein. Ihre Augen wurden groß. „WOW.“

Milo wollte sagen: Bitte nicht lachen. Aber die Worte klebten fest.

Juna beugte sich näher. „Ist das… ein Schloss aus Schaum?“

Milo nickte, klein wie ein Punkt.

Juna grinste. „Das ist das Beste, was ich heute gesehen habe. Und ich habe heute einen Hund gesehen, der versucht hat, seine eigene Leine zu jagen.“

Milo blinzelte. „Du… findest es gut?“

„Natürlich!“ Juna streckte die Hand aus, hielt aber inne. „Darf ich helfen? Ich kann Türme machen. Und Geheimgänge. Und… eine Zugbrücke!“

Milo fühlte, wie der Knoten im Bauch sich lockerte. Helfer waren vielleicht nicht nur Fragen. Vielleicht waren Helfer auch… Warmhalte-Decken für Mut.

„Okay“, sagte Milo. „Aber vorsichtig.“

Juna flüsterte: „Ich bin die Vorsicht in Person.“

In dem Moment stolperte sie und stieß fast die Joghurtdose um.

Kapitän Glitsch kreischte: „ERDBEBEN!“

Milo fing die Dose ab. „Vorsicht“, sagte er.

Juna wurde rot. „War ein Test. Bestanden.“

Sie lachten beide. Der Schaum kicherte mit. Und Sir Pling brummte zufrieden aus dem Abfluss.

Doch dann begann der Schaum plötzlich zu wachsen. Nicht nur ein bisschen. Richtig. Er wölbte sich über den Rand der Wanne. Er kroch wie ein neugieriges Tier auf die Fliesen.

„Ähm“, sagte Juna. „Soll das so?“

Milo schüttelte den Kopf.

Sir Pling klang plötzlich ernst. „Oh. Das ist die Übermütigkeit. Wenn Alltagsmagie merkt, dass man sie beachtet, will sie Applaus. Und sie nimmt sich ihn notfalls selbst.“

Kapitän Glitsch zog sein unsichtbares Schwert. „Ich werde sie aufhalten!“

„Du bist ein Tropfen Shampoo“, sagte Juna.

„Genau! Ein rutschiger Held!“

Der Schaum schob sich vor. Die Zinnen wackelten. Ein Turm bekam eine Beule wie ein beleidigtes Gesicht.

Milo atmete tief durch. „Wir müssen… das Schloss retten.“

„Und das Badezimmer“, ergänzte Juna, als der Schaum sich an ihrem Socken zu schaffen machte.

Sir Pling sagte: „Dann braucht ihr das Gegenmittel: ein gutes Werk. Alltagsmagie liebt Aufmerksamkeit, aber sie beruhigt sich, wenn man sie für etwas Nettes benutzt.“

Milo schaute Juna an. „Ein gutes Werk… mit Schaum?“

Juna grinste. „Schaum kann man teilen.“

Kapitel 3: Die Schaum-Rettung des Nachbarskellers

Sie schleppten Schaum in einer Schüssel aus der Wanne. Das klappte ungefähr so gut wie Nebel in eine Lunchbox zu packen, aber Kapitän Glitsch dirigierte wie ein Admiral.

„Links schäumen! Rechts schäumen! Nicht den Schaum verschütten, er hat Gefühle!“, rief er.

„Leise“, zischte Milo.

„LEISE SCHÄUMEN!“, flüsterte Kapitän Glitsch so laut, dass es wahrscheinlich im Wohnzimmer staubte.

Juna hielt die Schüssel. Milo trug die zweite. Der Schaum waberte. Er roch nach Zitrone und Abenteuer.

Im Flur trafen sie Herrn Wuttke, den Nachbarn, der immer aussah, als hätte ihm jemand den Humor geklaut und vergessen, ihn zurückzugeben. Er stand vor seiner Kellertür und starrte auf einen nassen Fleck am Boden.

„Wasserleitung“, brummte er. „Tropft. Genau heute. Als ob der Keller Geburtstag hätte.“

Milo blieb stehen. Sein Herz machte das, was es immer machte: Es wollte sich verstecken.

Juna aber trat vor. „Herr Wuttke, wir… äh… haben Schaum.“

Herr Wuttke blinzelte. „Was bitte?“

Kapitän Glitsch sprang aus der Schüssel auf Milos Ärmel und salutierte. „Kapitän Glitsch, zu Ihren Diensten! Wir bringen taktische Blasenverstärkung!“

Herr Wuttke starrte Milo an. „Spricht… dein Ärmel mit mir?“

Milo räusperte sich. „Äh… das ist… eine sehr… moderne Faser.“

Sir Pling hatte Milo im Kopf erklärt, dass Erwachsene Alltagsmagie oft übersehen, weil sie zu beschäftigt sind, alles normal zu finden. Milo hoffte sehr, dass das stimmte.

Juna sagte schnell: „Wir können den Tropfbereich abdecken, damit es nicht überall hinläuft. Schaum ist wie… eine weiche Mauer.“

Herr Wuttke schnaubte. „Schaum hält doch kein Wasser auf.“

„Doch“, sagte Milo leise, und diesmal meinte er es. „Wenn er will.“

Sie knieten sich hin. Milo legte den Schaum um den nassen Fleck, formte eine Art Damm. Juna machte kleine Wälle. Der Schaum wuchs nicht mehr wild. Er wurde ruhig. Fast aufmerksam.

Kapitän Glitsch flüsterte: „Er hört auf dich. Du bist der Schaumflüsterer.“

Milo hätte fast gesagt: Quatsch. Aber der Damm hielt tatsächlich. Das Tropfwasser sammelte sich in einer kleinen Mulde, statt über den Boden zu laufen.

Herr Wuttke schaute, als hätte ihm jemand heimlich ein Lächeln in die Tasche gesteckt. „Na… das ist ja…“ Er suchte nach einem Wort, das nicht zu freundlich klang. „…praktisch.“

Juna grinste. „Sehen Sie? Schaum ist nicht nur zum Planschen.“

Herr Wuttke kratzte sich am Kopf. „Ich hole einen Eimer. Und… danke.“

Als er weg war, sagte Milo: „Das war… ein gutes Werk?“

Sir Pling murmelte zufrieden aus dem Abfluss in Milos Erinnerung: „Ja. Und dein Schloss wird es merken.“

Auf dem Rückweg war der Schaum in der Schüssel leichter. Als hätte er beschlossen, dass er nicht mehr alles allein sein muss.

Im Badezimmer wartete Schaumfels. Die Mauern standen noch. Die Zinnen kichern leise. Aber jetzt klang es nicht übermütig. Es klang… freundlich.

Juna tippte an eine Mauer. „Es hat sich beruhigt.“

Milo nickte. Er fühlte sich auch beruhigt. Als hätte jemand in ihm die Lautstärke der Sorge runtergedreht.

Kapitän Glitsch sprang zurück auf die Joghurtdose. „Gut! Dann: Zugbrücke!“

Juna machte aus einem Stück Pappe eine Brücke. Milo stützte sie mit Schaum. Es hielt. Nicht perfekt. Aber mutig.

Da piepte es vom Fensterbrett. Ein Spatz saß dort und schüttelte sich, als wäre er gerade aus einer Pfütze gestiegen. In seinem Schnabel hielt er… etwas.

Eine Feder.

Sie war klein, grau und hatte einen hellen Rand. Der Spatz ließ sie fallen. Genau in den Schaum.

Die Feder blieb stecken wie ein Flaggenmast.

„Das ist…“, flüsterte Milo.

Sir Pling sagte: „Ein Zeichen. Oder der Spatz macht Deko. Beides möglich.“

Kapitän Glitsch stellte sich daneben. „Eine Standarte! Schaumfels hat ein Wappen!“

Juna beugte sich vor. „Die Feder passt.“

Milo spürte ein Kribbeln in der Brust. Nicht das nervöse. Ein anderes. Ein warmes.

Kapitel 4: Der Besuch der äußerst beleidigten Taube

Am nächsten Nachmittag war das Schloss größer. Milo und Juna arbeiteten wie ein Team: Juna machte wilde Ideen, Milo machte die vorsichtigen Lösungen, damit nichts zusammenklappte.

Kapitän Glitsch kommentierte alles. „Dieser Turm hat Haltung! Diese Mauer hat Charakter! Diese Ecke… ist eindeutig ein Verräter!“

„Ecken können nicht verraten“, sagte Milo.

„Sicher?“, fragte Kapitän Glitsch. „Ich habe schon sehr schiefe Ecken gesehen.“

Sie lachten. Selbst Milo lachte, ohne sich danach zu schämen.

Dann klopfte es ans Fenster. Nicht von außen, eher von innen. Als würde jemand die Scheibe testen.

Eine Taube saß auf der Fensterbank. Sie sah aus, als hätte sie einen Anzug an, der nie gebügelt wurde. Und sie schaute beleidigt. Sehr beleidigt.

„Gurr“, machte sie. Das klang wie: Unverschämtheit.

Juna öffnete das Fenster einen Spalt. „Hallo?“

Die Taube gurrte länger. Milo verstand nichts, aber Kapitän Glitsch nickte plötzlich, als würde er ein wichtiges Protokoll lesen.

„Oh nein“, sagte der Kapitän. „Das ist die Federbehörde.“

„Die was?“, fragte Milo.

„Die Federbehörde! Tauben verwalten Federn. Zumindest glauben sie das sehr fest. Und wenn eine Feder ohne Antrag im Schloss steckt, gibt es… Papierkram.“

Die Taube pickte gegen die Scheibe und gurrte so laut, dass der Spiegel beschlug.

Sir Pling meldete sich aus dem Abfluss, als hätte er die Szene schon hundertmal gesehen: „Tauben sind wie kleine Beamte mit Flügeln. Sie lieben Ordnung, solange sie niemand anders machen muss.“

Juna flüsterte Milo zu: „Wir können ihr die Feder zurückgeben.“

Milo schaute auf die Feder im Schaum. Sie war mittlerweile das schönste am Schloss. Nicht, weil sie glitzerte. Sondern weil sie sich wie ein Abschluss anfühlte.

„Wenn wir sie zurückgeben“, sagte Milo leise, „fehlt dem Schloss… etwas.“

Juna überlegte. Dann grinste sie. „Dann geben wir ihr etwas anderes. Etwas Besseres.“

„Was denn?“, fragte Milo.

Juna zeigte auf den Schaum. „Ein Feder-Bad.“

Kapitän Glitsch rieb sich die Hände. „Genial! Bürokratie mit Wellness bestechen!“

Milo schluckte. Eine Taube zu bestechen war nicht in seinen Plänen gewesen. Aber seine Pläne hatten auch keinen sprechenden Abfluss vorgesehen. Also…

Sie machten eine kleine Schaumwanne auf dem Fensterbrett. Ein Häufchen Schaum, weich wie Sahne. Juna stellte einen Deckel daneben als „Spa-Teller“. Milo legte ein paar Seifenblasen drauf, die er vorsichtig aus der Wanne puste.

„Bitte sehr“, sagte Milo zur Taube. Seine Stimme war leise, aber fest. „Für Ihre… Federarbeit.“

Die Taube beäugte das Angebot. Dann stieg sie tatsächlich in den Schaum. Ganz langsam. Als wäre sie beleidigt darüber, dass es angenehm war.

Sie gurrte. Diesmal klang es wie: Hm.

Kapitän Glitsch flüsterte: „Sie schmilzt.“

Die Taube schüttelte die Flügel. Schaum spritzte. Milo bekam einen Klecks auf die Nase. Juna prustete los.

„Du siehst aus wie ein Eisbecher“, sagte sie.

„Sehr witzig“, murmelte Milo und wischte sich den Schaum ab, was es nur schlimmer machte. Jetzt sah er aus wie ein Eisbecher, der gerade in eine Schneeballschlacht geraten war.

Die Taube gurrte kurz und spuckte – man muss es so nennen – eine winzige, graue Feder aus. Sie landete neben der Feder im Schloss.

„Sie bezahlt!“, rief Juna.

Sir Pling sagte feierlich: „Tauschhandel. Ein uraltes Ritual. Fast so alt wie das Handtuch, das nie trocknet.“

Die Taube nahm dann die ursprüngliche Feder aus dem Schaum, aber nur halb. Sie zog sie heraus, betrachtete sie, und schob sie wieder zurück, als würde sie sagen: Na gut. Aber nur dieses Mal.

Dann flog sie davon, nicht ohne ein letztes beleidigtes Gurr, das vermutlich „Quittung per Post“ bedeutete.

Milo starrte die Feder an. Sie steckte noch da. Jetzt sogar mit einer zweiten kleinen Feder daneben.

„Wir dürfen sie behalten“, flüsterte er.

Juna nickte. „Weil wir nett waren.“

Milo fühlte, wie sich etwas in ihm breit machte. Nicht laut. Aber stark.

Kapitel 5: Der große Schaumsturm und das leise Heldsein

Am Abend wollten sie Schaumfels vollenden. Der höchste Turm fehlte noch. Milo formte ihn mit zitternden Händen, weil das immer so war, wenn ihm etwas wichtig war.

Kapitän Glitsch stand unten und rief: „Mehr Höhe! Mehr Drama! Mehr…“ Er rutschte aus. „…mehr Boden.“

Juna hielt die Joghurtdose fest. „Langsam, Milo. Atmen. Der Turm muss nicht perfekt sein.“

Milo nickte. Perfekt war sowieso ein Wort, das sich gern wichtig machte.

Dann zog plötzlich ein kalter Luftzug durch das Bad. Das Fenster war zu. Trotzdem tanzten die Handtücher. Der Schaum bebte.

Sir Pling klang alarmiert: „Oho. Das ist nicht Übermut. Das ist Besuch.“

„Noch eine Taube?“, fragte Juna.

„Schlimmer“, sagte Sir Pling. „Der Zug.“

„Der Zug?“, Milo runzelte die Stirn.

„Der Durchzug“, korrigierte Sir Pling. „Ein uralter Geist. Er wohnt zwischen Türspalten. Er liebt es, alles durcheinanderzubringen, besonders Frisuren und sorgfältige Pläne.“

Ein Wuuuusch fuhr durch den Raum, als hätte jemand unsichtbar eine Tür zu schnell geöffnet. Der Schaumturm schwankte.

Milo hielt den Atem an. Der Turm drohte zu kippen. Und mit ihm das Schloss.

Kapitän Glitsch schrie: „ALARM! WINDDRACHE!“

„Es ist kein Drache“, zischte Milo.

„Ein unsichtbarer Drache!“, korrigierte Kapitän Glitsch.

Juna stemmte die Hände an die Wanne. „Was machen wir?“

Sir Pling sagte: „Der Durchzug ist ein Chaosfreund. Er lässt sich nicht mit Befehlen stoppen. Nur mit… Rücksicht.“

Milo schaute auf den Schaum, der zitterte wie ein Tier im Regen. Er dachte an Herrn Wuttke und den Damm. An die Taube im Schaum-Spa. An Juna, die helfen wollte.

„Rücksicht“, wiederholte Milo.

Er nahm einen tiefen Atemzug. Dann stellte er sich vor das Schloss, breitbeinig, als wäre er eine Burgmauer. Das sah wahrscheinlich sehr heldenhaft aus, wenn man nicht bedenkt, dass er in Hausschuhen stand, die „KROKODIL“ drauf hatten.

„Durchzug“, sagte Milo leise. „Du willst spielen, oder?“

Ein weiterer Windstoß antwortete. Die Zahnbürsten im Becher klapperten wie Zähne.

Milo hielt die Hände offen. „Okay. Aber nicht gegen uns. Mit uns.“

Juna verstand sofort. Sie nahm ein Handtuch und hing es über die Türspalte. Milo stopfte ein zweites Handtuch unten an die Tür. Nicht, um den Wind zu fangen. Um ihm eine Bahn zu geben.

„Da“, sagte Milo. „Da kannst du durch. Ein Tunnel. Kein Chaos. Nur… Weg.“

Der Wind zögerte. Ja, Wind kann zögern. Er tat es, indem er weniger wütend klang.

Dann strich der Luftzug tatsächlich durch den Handtuchtunnel. Sanft. Wie ein Tier, das merkt, dass niemand es treten will.

Der Turm blieb stehen.

Kapitän Glitsch flüsterte ehrfürchtig: „Du hast mit dem Wind verhandelt.“

Milo zuckte mit den Schultern. „Ich hab… ihm Platz gemacht.“

Sir Pling brummte stolz: „Altruismus. Du hast nicht nur dein Schloss gerettet, sondern dem Durchzug einen sicheren Weg gegeben. Und das, ohne ihn zu beschimpfen. Das schaffen nicht mal Erwachsene.“

Juna grinste. „Und ohne dass Mama fragt, warum die Handtücher in der Tür stecken.“

„Das kommt noch“, murmelte Milo.

Sie setzten den letzten Turm. Er stand. Schaumfels war fertig: ein schimmerndes, kicherndes Schloss, das nach Zitrone roch und nach Mut aussah.

Milo nahm die große Feder vorsichtig heraus. Der Schaum hielt sie einen Moment fest, als würde er sie ungern loslassen. Dann gab er nach.

Die Feder war leicht. Und doch fühlte sie sich an wie ein echtes Andenken, schwer genug, um nicht zu verschwinden.

„Für dich“, sagte Juna und legte Milo die Feder in die Hand. „Damit du dich erinnerst, dass du Dinge bauen kannst, die… nicht jeder baut.“

Milo nickte. „Und dass Helfen… das Schloss nicht kleiner macht.“

Kapitän Glitsch salutierte. „Schaumfels wird in die Geschichte eingehen! Oder in den Abfluss.“

Sir Pling gluckste: „Vermutlich beides.“

Milo steckte die Feder in sein Notizbuch, zwischen zwei Seiten voller Kritzeleien und geheimer Pläne. Dann sah er sein Schloss an, das schon ein wenig in sich zusammensank, wie Schaum das eben tut. Vergänglich, aber echt.

„Gute Nacht, Schaumfels“, sagte Milo.

Der Schaum kicherte noch einmal, ganz leise.

Und Milo ging ins Bett, mit einer Feder als Erinnerung und einem Mut, der nicht laut war – aber zuverlässig.

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Abflusswesen
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