Es ist das Jahr 2080. Die Stadt ist groß und freundlich. Die Häuser haben grüne Dächer. Auf den Dächern wachsen Blumen und Kräuter. Der Himmel ist weit und blau. Luftbusse gleiten flüsterleise. Das Wasser in Kanälen glitzert klar. Der Boden ist weich. Er hat Wege aus hellen Fliesen. Die Fliesen summen ganz leise, wie Bienen im Schlaf. Die Stadt achtet den Himmel, das Wasser und den Boden. Alle passen gut auf.
Lina ist vier Jahre alt. Lina liebt es leise. Sie hat einen kleinen Ort. Er heißt das Leise Eck. Dort plätschert eine kleine Fontäne. Der Stein ist warm von der Sonne. Lavendel duftet. Vögel picken am Rand. Ein Schmetterling sitzt auf einem Blatt. Lina sitzt oft dort. Sie atmet ruhig ein und aus. Sie hört das leise Pling der Tropfen. Sie wünscht sich, dass es hier immer still bleibt.
Am Morgen fährt ein Rad an ihr vorbei. Es fährt von selbst. Es hat runde Augen aus Licht. Es hat einen Korb vorn. Es lächelt mit einer kleinen Lampe. Das Rad stoppt und macht Ding.
"Hallo, Lina", sagt das Rad. "Ich bin Velo. Möchtest du eine Fahrt?"
"Ja, aber leise, bitte", sagt Lina und nickt.
"Wir fahren sanft", sagt Velo. "Wir achten den Himmel, das Wasser und den Boden."
Lina setzt sich auf den kleinen Sitz. Ein weicher Gurt klickt. Velo rollt los. Die Straße ist glatt. Bunte Pfeile leuchten schwach. Sie zeigen den Leisestreifen. Die Luft riecht frisch. Eine Windturbine dreht sich langsam. Sie singt kaum hörbar.
"Schau, ein Garten auf dem Dach", sagt Lina.
"Und dort ein Wasserweg", sagt Velo. "Fische haben Platz."
Sie fahren an einem Teich vorbei. Kinder gießen Pflanzen mit Wasser aus dem Teich. Eine Sonne aus Glas sammelt Licht. Sie gibt Strom. Ein Baum aus Metall hält Nester für Vögel. Alles ist ruhig und freundlich.
Plötzlich brummt es kurz. Eine kleine Reinigungsdrohne kommt. Sie will die Fliesen fegen. Sie brummt ein bisschen zu laut, nur einen Moment.
"Entschuldige, ich bin zu laut", brummt die Reinigungsdrohne.
"Kein Problem", sagt Lina. "Bitte flüstern."
"Ich stelle mich leise", sagt die Drohne und dimmt ihr Licht.
Das Brummen wird wie ein Hauch. Das Wasser plätschert wieder am lautesten. Lina lächelt. Velo fährt langsam weiter.
Am Rand des Weges glitzert etwas im Licht. Lina beugt sich vor. Da liegt ein kleiner Aufkleber. Er ist silbern. Darauf steht "merci" in feinen Buchstaben. Er klebt noch gut. Lina hebt ihn auf und pustet einen Staubkrümel weg.
"Der ist schön", sagt Lina. "Ein Danke-Aufkleber."
"Ein Geschenk", sagt Velo. "Vielleicht passt er zu deinem Leisen Eck."
Sie fahren zurück zum Leisen Eck. Die Fontäne macht Pling Pling. Der Lavendel duftet noch immer. Lina streicht über das glatte Schild am Rand. Darauf steht: Bitte leise. Sie klebt den "merci"-Aufkleber daneben. Er glänzt freundlich.
"Das ist für alle, die leise sind", sagt Lina. "Merci."
Ein Kiezroboter kommt heran. Er hat runde Schultern und ein warmes, gelbes Licht. Er trägt einen kleinen Besen. Er sieht das Schild. Er bleibt stehen. Dann verneigt er sich langsam und höflich. Sein Licht blinkt weich.
Velo klingelt leise Ding. Die Fontäne plätschert. Der Wind streicht über die Blätter. Die Stadt atmet ruhig. Lina sitzt, hört, und ist ganz still. Ihr Wunsch fühlt sich erfüllt an. Alles ist gut.