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Weltraumfantasie 11/12 Jahre Lesen 19 min.

Die Sprungstation Lichterkranz und das Echo namens Lumo

Mira entdeckt, dass sie das Ätherfeld der Sprungstation fühlen und beeinflussen kann, und zusammen mit der Aufseherin Sorya und dem Mechaniker Jax muss sie ein rätselhaftes, verloren wirkendes Äther-Echo bändigen, das die Station bedroht.

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Die Szene zeigt Mira, etwa 17, rundes Gesicht mit Sommersprossen, kurz zerzaustes hellbraunes Haar und große neugierige Augen, konzentriert und gelassen, die Hände zu einem leuchtenden Netzwerk ausgestreckt und ein dunkler Ring am Handgelenk, der blaues Licht abstrahlt; rechts Sorya, etwa 40, uniformiert, streng doch wohlwollend, mit Dutt, legt ermutigend die Hand auf Miras Schulter und blickt stolz auf dasselbe Ziel; links leicht zurückgesetzt Jax, etwa 22, schelmisches Mechanikergesicht, graue Latzhose und schmierigere Hände, hält eine Tablet und schaut aufgeregt auf die Bildschirme; im Hintergrund schwebt die lichtdurchflutete Schattenkugel „Lumo“ in einer kleinen Kristallkapsel, blassblau und gold schimmernd mit lichtenden Filamenten; Schauplatz ist die Plattform einer Sprungstation: großer runder Metallsteg, goldene kristallene Ætherbojen als Netzwerk leuchtender Fäden, retro-futuristische Bedienfelder, blinkende Anzeigen und Sterne durch große Fenster; Handlung: Mira lenkt einen Lichtstrahl aus ihrem Ring, um eine dunkle Verzerrung im Bojen-Netz zu versiegeln, Atmosphäre angespannt, aber hoffnungsvoll, dominierende Farben Mitternachtsblau, warmes Gold und Cyan, kontrastreiche Beleuchtung; Stil: 90er-Cartoon, klare Konturen, satte Farben, gut lesbare Mimik, dynamische Kompositionen und leicht erkennbare Silhouetten für ein junges Publikum. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Kapitel 1: Das Relais zwischen den Sternen

Die Sprungstation Lichterkranz hing im Nichts wie eine gläserne Glocke, umspült von Nebelschleiern und dem leisen Knistern der Leere. Von außen sah sie aus wie ein Ring aus Metall und Kristall, doch innen roch es nach Ozon, warmem Tee und dem Öl der Wartungsdrohnen.

Mira Venn schob die Ärmel ihres Raumanzugs hoch und beugte sich über das Geländer der Hauptplattform. Unter ihr brummten die Spulen des Sprungantriebs, und in der Mitte schwebten die Ätherbojen: neun leuchtende Säulen aus schwarzem Stein, in denen goldene Linien wie eingeschlossene Blitze wanderten. Sie nannten sie „Bojen“, aber Mira hatte immer das Gefühl, es seien uralte Kerzen, die jemand im All angezündet hatte.

„Du starrst schon wieder, als würdest du gleich hineinspringen“, sagte Jax, der Stationsmechaniker, und hielt ihr einen Becher hin. Auf dem Becher stand in schiefen Buchstaben: NICHT IN DIE ÄTHERLEITUNG KIPPEN.

Mira nahm den Tee. „Ich starre nicht. Ich lausche.“

„Auf was?“, fragte Jax und zog eine Augenbraue hoch.

Mira legte den Kopf schief. „Auf den Takt. Die Bojen haben einen Rhythmus. Wie… wie ein Herzschlag.“

Jax schnaubte. „Das ist der Wartungszyklus. Wenn du anfängst, Wartungszyklen für romantisch zu halten, brauchst du Urlaub.“

Mira grinste, aber ihr Blick blieb an den Bojen hängen. Seit zwei Tagen spürte sie etwas, das nicht in die Messwerte passte. Ein Ziehen in den Handflächen, als hätte sie unsichtbaren Staub berührt, der nach Sternen schmeckte. Und manchmal – ganz selten – flackerte die Luft um ihre Finger wie Hitzewellen über heißem Stein.

Sie presste die Hand um den Becher. „Heute kommt ein Konvoi durch. Wenn beim Sprung wieder diese Störung auftritt, will ich direkt an die Bojen.“

„Direkt an die Bojen ist mein Lieblingssatz“, sagte Jax trocken. „Du weißt, was die Aufseherin dazu sagt.“

Als wäre sie gerufen worden, glitt Aufseherin Sorya über die Plattform. Ihre Uniform war so ordentlich, als hätte sie sie mit einem Lineal angezogen. „Ich sage: nicht ohne Sicherung, nicht ohne Team und nicht ohne Grund.“

Mira stellte sich gerade hin. „Ich habe einen Grund. Die Bojen… reagieren auf mich.“

Soryas Blick wurde für einen Moment weich, dann wieder streng. „Oder du reagierst auf sie. Das ist ein Unterschied. Und Unterschiede sind an Sprungstationen gern tödlich.“

Mira nickte. Trotzdem spürte sie es wieder: Dieses kribbelnde Ziehen, als würde jemand an einer Saite in ihr zupfen.

„Konvoi in drei Minuten“, rief eine Stimme aus den Lautsprechern. „Ätherfeld wird aufgebaut.“

Die Lichter dimmten. Die Bojen begannen heller zu glühen. Goldene Linien schossen auf, verbanden sich zu einem Netz, das wie ein Spinnennetz aus Sonnenlicht in der Luft stand. Mira schluckte. Es war wunderschön. Und es fühlte sich an, als würde das Netz auch durch sie hindurchgehen.

Kapitel 2: Der Sprung, der nicht sauber war

Als das erste Schiff des Konvois in den Sprungkanal glitt, vibrierte die Station bis in Miras Zähne. Auf den Anzeigen tanzten Zahlen, und das Äthernetz flimmerte wie Wasser in einem Sturm.

„Stabilität bei 94 Prozent“, meldete Jax.

„Halten“, sagte Sorya.

Mira starrte auf die Bojen. Ihr Atem ging schneller. In ihrem Inneren baute sich ein Druck auf, als würde sie eine Tür zuhalten, hinter der Wind wütete.

Das Schiff verschwand in einem ovalen Schnitt aus Licht. Für eine Sekunde war alles ruhig.

Dann – ein Knacken. Kein Geräusch aus Metall, eher wie das Brechen von Glas in der Luft. Eine der Bojen zuckte. Die goldenen Linien zuckten zurück wie erschreckte Schlangen.

„Was war das?“, rief Jax.

Auf den Monitoren entstand ein dunkler Fleck im Ätherfeld, rund und tief wie ein Loch in einer Laterne.

Mira hob unwillkürlich die Hand. Der Fleck zog an ihr. Nicht wie Schwerkraft, eher wie ein Versprechen.

„Mira, Hand runter!“, scharfte Sorya.

Zu spät. Aus Miras Fingerspitzen sprang ein feiner Strahl, blassblau, wie Mondlicht. Er traf das Äthernetz – und statt es zu zerstören, zog er Fäden zusammen, knotete sie, als hätte jemand gelernt, Sternenlicht zu flechten.

Der dunkle Fleck zitterte, schrumpfte ein Stück. Gleichzeitig schoss eine Welle durch Miras Arm. Sie keuchte. Ihr Herz hämmerte, und vor ihren Augen tanzten winzige funkelnde Zeichen, als würde der Raum selbst kurz eine Schrift zeigen.

„Was… machst du da?“, flüsterte Jax, nicht mehr spöttisch.

Mira konnte nicht antworten. Der Strahl aus ihrer Hand wurde stärker. Er schmeckte nach kaltem Schnee und nach Kupfer, obwohl sie nur Luft atmete. Die Bojen antworteten, eine nach der anderen, und das Netz spannte sich neu.

Der Fleck schloss sich mit einem leisen Plopp, als hätte jemand eine Blase zerdrückt.

Stille.

Das nächste Schiff sprang problemlos.

Sorya packte Mira am Arm und zog sie vom Geländer weg. „In mein Büro. Sofort.“

Mira ließ die Hand sinken. Sie zitterte. Nicht vor Angst, eher vor dem Gefühl, gerade etwas geweckt zu haben, das geschlafen hatte. Etwas, das jetzt wusste, wie sie hieß.

Kapitel 3: Ein Geheimnis im Ätherstaub

Soryas Büro war klein, aber die Fenster zeigten direkt in den Sternenstrom, als hätte jemand den Kosmos als Tapete gewählt. Sorya schloss die Tür so leise, dass es gefährlich klang.

„Du hast das Ätherfeld berührt“, sagte sie. „Ohne Interface. Ohne Handschuhe. Ohne… alles.“

Mira rieb sich die Handflächen. „Es hat mich berührt.“

Sorya sah sie lange an. „Als ich jung war“, begann sie, „gab es Geschichten über Ätherkundige. Menschen, die den Sprung nicht nur rechnen, sondern… fühlen konnten.“

Mira blinzelte. „Das klingt wie ein Märchen.“

„Märchen sind oft nur Nachrichten, die zu lange unterwegs waren“, sagte Sorya. „Und sie kommen in Verkleidung an.“

Jax, der sich offenbar trotz Verbot hereingeschlichen hatte, lehnte an der Wand. „Okay, ich bin offiziell neugierig und inoffiziell panisch. Was passiert, wenn Mira wieder… leuchtet?“

Mira verzog das Gesicht. „Ich will nicht leuchten. Ich will verstehen.“

Sorya öffnete eine Schublade und holte einen flachen Kasten heraus. Darin lag ein Ring aus dunklem Metall, in den kleine Kristalle eingelassen waren. „Ein Ätheranker. Alt. Aus einer Zeit, als Technik und Magie nicht so taten, als würden sie sich nicht kennen.“

Mira beugte sich vor. Der Ring fühlte sich schon beim Anschauen warm an. „Und was macht er?“

„Er gibt der Kraft einen Rahmen“, sagte Sorya. „Wie ein Geländer an einer Treppe. Du kannst rennen, ohne zu stürzen.“

Jax murmelte: „Oder du rennst gegen das Geländer.“

Sorya ignorierte ihn. „Du wirst ihn tragen, wenn du an die Bojen gehst. Und du gehst nur an die Bojen, wenn du mir versprichst, nicht allein zu sein.“

Mira nickte. „Versprochen.“

In diesem Moment flackerte das Licht. Ein Alarmton schnitt durch die Station.

„Unbekanntes Objekt am Rand des Sprungfensters“, meldete die Lautsprecherstimme. „Kein Transponder. Ätherverzerrung steigt.“

Mira spürte das Ziehen wieder, stärker. Wie eine Hand, die an ihrem Ärmel zupfte. „Das ist nicht nur eine Störung“, flüsterte sie. „Das ist… etwas, das versucht reinzukommen.“

Sorya schob den Kasten zu Mira. „Dann wirst du heute lernen, nicht nur zu fühlen, sondern zu führen.“

Mira nahm den Ätheranker. Als sie ihn überstreifte, schnappte er sanft zu, als hätte er auf sie gewartet.

Kapitel 4: Die Stimme hinter dem Sprungfenster

Die Hauptplattform füllte sich mit hektischen Schritten. Drohnen sirrten, Techniker riefen Werte. Auf den Bildschirmen wuchs die Verzerrung zu einem ovalen Schatten, der am Rand des Sprungkanals klebte wie ein dunkler Samen.

„Wenn das in den Kanal fällt, reißt es uns das Feld auf“, sagte Jax und wischte sich Schweiß von der Stirn. „Und dann haben wir eine schöne neue Öffnung ins Nirgendwo.“

„Oder etwas Neues kommt zu Besuch“, murmelte Mira.

Sorya stellte sich neben sie. „Du gehst mit mir zur Bojenbrücke. Jax, du hältst die Spulen stabil. Und wenn du noch einen Witz machst, schraube ich dir persönlich das Mundwerk ab.“

„Das klingt nach echter Zuneigung“, sagte Jax und rannte los.

Mira und Sorya betraten die schmale Brücke, die direkt zwischen zwei Ätherbojen führte. Von hier aus sah man das Netz wie eine riesige, leuchtende Harfe. Jede Boje summte einen Ton, und zusammen klang es wie ein Chor aus Glas.

Mira hob die Hände. Der Ätheranker an ihrem Handgelenk leuchtete schwach. „Ich spüre den Schatten“, sagte sie. „Er ist hungrig. Aber nicht böse. Eher… verloren.“

„Verloren kann gefährlicher sein als böse“, sagte Sorya.

Der Schatten zuckte, als hätte er sie gehört. Aus seinem Inneren drang ein Flüstern, nicht als Worte, sondern als Gefühl: Kälte. Weite. Alleinsein.

Mira schluckte. „Es hat Angst.“

„Du kannst mit Angst arbeiten“, sagte Sorya ruhig. „Angst ist ehrlich.“

Mira schloss die Augen. Sie stellte sich vor, sie stünde an einem Strand aus Sternensand. Vor ihr ein Meer aus schwarzem Licht. In ihrer Hand eine Laterne. Nicht, um zu kämpfen, sondern um zu zeigen: Hier ist ein Weg.

Der Ätheranker wurde warm. Mira ließ die Kraft durch ihre Arme fließen, aber diesmal nicht wie ein unkontrollierter Strahl. Sie formte sie, als würde sie Ton kneten. Ein breites Band aus blassem Blau spannte sich vom Netz zur Verzerrung.

„Nicht ziehen“, warnte Sorya. „Leiten.“

Mira atmete aus. „Ich leite.“

Das Band berührte den Schatten. Ein Ruck ging durch Miras Körper, als hätte sie ein wildes Tier an der Leine. Kurz drohte die Kraft zu entgleisen, hochzuschießen, zu reißen. Mira presste die Zähne zusammen.

„Mira!“, rief Sorya, und in ihrer Stimme lag nicht nur Befehl, sondern Glaube. „Du bist nicht das Feld. Du bist die Hand, die es lenkt.“

Mira öffnete die Augen. Sie sah die Bojen. Neun Lichter. Neun feste Punkte. Hoffnungspfähle im dunklen Meer.

„Okay“, flüsterte sie. „Dann… zeige ich dir den Weg.“

Sie stellte sich vor, dass der Schatten nicht durchbrechen musste, sondern an einem sicheren Ort landen konnte. Ein kleiner Nebenraum im Äther, eine Bucht, in der das Netz ihn umschloss, ohne ihn zu zerquetschen.

Das Band wurde zu einer Schleuse aus Licht. Der Schatten zitterte, tastete sich vor, wie ein Tier, das den Boden prüft. Dann glitt er hinein.

Das Netz sang auf. Die Bojen leuchteten hell, und die Station bebte – diesmal nicht wie vor einer Katastrophe, sondern wie vor einem großen Akkord.

„Stabilität fällt!“, rief Jax über Funk. „Mira, was auch immer du tust, tu es schneller!“

Mira spürte, wie ihr die Kraft entglitt, wie Wasser durch Finger. Der Ätheranker glühte. Sie musste abschließen, bevor die Schleuse riss.

„Sorya“, keuchte sie. „Wenn ich es schließe, bleibt es… dort.“

Sorya nickte. „Besser dort als in unserem Kanal.“

Mira zog die Schleuse zusammen. Nicht mit Gewalt, sondern mit einem klaren Gedanken: Halt. Hier. Sicher.

Mit einem sanften Klick, der eher gefühlt als gehört wurde, schloss sich das Licht.

Der Schatten war verschwunden. Aber in der Luft blieb ein warmer Nachklang, als hätte jemand Danke gesagt, ohne Worte zu kennen.

Kapitel 5: Die Kammer der leisen Sterne

Im Wartungssektor hinter den Bojen lag ein Raum, den Mira vorher nie bemerkt hatte. Eine Tür, die nicht auf Plänen stand, war in der Wand erschienen, als hätte die Station selbst sie hervorgeatmet. Auf der Tür leuchteten dieselben goldenen Linien wie in den Bojen.

Jax stand davor, die Hände in die Hüften gestemmt. „Also… entweder ist das ein geheimer Lagerraum, oder wir sind in einer dieser Geschichten, wo man besser nicht in den Keller geht.“

Mira legte die Hand auf den Ätheranker. Er vibrierte wie eine Katze, die schnurrt. „Das ist die Bucht. Die Schleuse hat… einen Ort gemacht.“

Sorya schaltete ihre Lampe ein. „Wir gehen vorsichtig. Und wir gehen zusammen.“

Die Tür glitt lautlos auf. Dahinter war kein normaler Raum, sondern eine kleine Kuppel aus dunklem Kristall. In der Mitte schwebte ein Bündel aus Schatten und Licht, so groß wie ein Rucksack. Es pulsierte leise.

„Es sieht aus wie… Nebel, der sich nicht entscheiden kann“, flüsterte Jax.

Mira trat näher. Das Bündel zuckte. Ein Bild blitzte in ihrem Kopf auf: ein kleines Schiff, verloren im Sprung, die Karten verbrannt, die Bojen weit weg. Dann ein langer, kalter Drift. Kein Sauerstoff, kein Körper – nur ein Rest, ein Abdruck im Äther. Eine Seele aus Route und Erinnerung.

„Es ist kein Monster“, sagte Mira leise. „Es ist ein Echo. Ein Sprung-Echo.

Sorya atmete langsam aus. „Ein Teil eines Schiffs. Oder… eines Menschen.“

„Kann man es retten?“, fragte Jax, plötzlich sehr ernst.

Mira spürte wieder diese Macht in sich. Sie war da wie ein Sturm am Horizont. Aber jetzt hatte sie ein Geländer. Einen Rahmen. Und Freunde neben sich.

„Vielleicht“, sagte Mira. „Wenn wir ihm einen Namen geben. Und einen Platz.“

Jax verzog den Mund. „Ich bin schlecht in Namen. Mein Werkzeugkasten heißt Werkzeugkasten.“

Mira lächelte. „Dann nenne ich es ‚Lumo‘. Weil es nicht nur Schatten ist.“

Das Echo vibrierte. Ein winziger Funke löste sich daraus und schwebte zu Miras Hand. Er war warm wie ein Sonnenstein. Als er ihre Haut berührte, spürte sie kein Ziehen, sondern ein ruhiges Einrasten, als würde etwas sagen: Ich bin nicht mehr allein.

Sorya legte Mira eine Hand auf die Schulter. „Du hast es gebunden, ohne es zu fesseln.“

„Ich hatte Angst“, gab Mira zu.

„Hoffnung ist nicht die Abwesenheit von Angst“, sagte Sorya. „Hoffnung ist, trotzdem die Hand auszustrecken.“

Jax räusperte sich. „Okay, das war… überraschend schön. Aber was machen wir jetzt mit Lumo? Wir können ja schlecht ein Echo als Stationshaustier anmelden.“

Mira sah zu dem schwebenden Bündel. „Wir helfen ihm, seinen Weg zu finden. Vielleicht kann es uns auch helfen. Es kennt den Sprung von innen.“

In der Kuppel flackerte ein Muster auf: Sternkartenlinien, die sich neu ordneten. Ein Hinweis, ein verborgenes Gleis zwischen den Systemen.

Soryas Augen wurden schmal. „Das ist eine Route, die ich nicht kenne.“

Mira spürte, wie der Ätheranker ruhig wurde. Nicht, weil die Kraft weg war, sondern weil sie endlich etwas zu tun hatte, das richtig war.

„Dann“, sagte Mira, „haben wir eine neue Expedition. Und diesmal verlieren wir niemanden.“

Kapitel 6: Der Sprung, der Hoffnung heißt

Drei Tage später stand Mira wieder auf der Hauptplattform. Der Konvoi war durch, die Station stabil, und die Crew wirkte, als hätte sie gemeinsam ein Gewitter überlebt. Lumo ruhte in der Kammer der leisen Sterne, und jedes Mal, wenn Mira vorbeiging, flackerte es freundlich, als würde es winken.

Sorya hatte die Route geprüft, dreifach gesichert und hundertfach verflucht, weil sie nicht auf offiziellen Karten stand. Jax hatte zusätzliche Spulen eingebaut und behauptet, er habe sie „aus purer Angst kreativ zusammengeschraubt“.

Jetzt war es so weit: ein Testsprung. Kein großes Schiff, nur eine kleine Sonde. Und ein Feld, das Mira lenken würde – bewusst, kontrolliert.

„Bereit?“, fragte Jax über Funk. „Wenn nicht, sag es jetzt, damit ich dramatisch seufzen kann.“

Mira lachte kurz. „Bereit.“

Sorya stand neben ihr, die Hände hinter dem Rücken. „Du führst. Wir sichern.“

Mira atmete ein. Die Bojen leuchteten. Das Netz spannte sich. Und die Kraft in ihr hob sich wie ein Vogel, der endlich weiß, wohin er fliegen darf.

Sie legte die Hände in die Luft, nicht wie eine Zauberin aus alten Büchern, sondern wie eine Navigatorin, die Sterne als Zeichen liest. Der Ätheranker pulsierte im Takt der Bojen.

„Lumo“, flüsterte Mira. „Zeig uns den sicheren Faden.“

In der Ferne, unsichtbar für Augen, aber spürbar für Mira, antwortete das Echo: eine sanfte Neigung, ein Hinweis, wo das Feld nachgeben sollte und wo es fest sein musste. Wie eine zweite Stimme im Chor.

Mira formte den Sprungkanal. Kein Riss, kein Gewaltlicht. Eher eine Tür, die jemand höflich öffnet.

„Sonde startet“, meldete Jax.

Die Sonde glitt in das Licht und verschwand. Ein Moment, der sich dehnte.

Dann erschien auf den Monitoren ein Signal. Klar. Stabil. Am Zielpunkt. Genau auf der neuen Route.

Jax jubelte so laut, dass es in den Lautsprechern kratzte. „Ha! Ich wusste, Angst macht genial!“

Sorya erlaubte sich ein kleines Lächeln. „Gut gemacht, Mira.“

Mira ließ die Hände sinken. In ihr war noch immer Kraft, groß und wild, aber nicht mehr fremd. Sie gehörte nicht ihr wie ein Besitz. Sie war eher eine Verantwortung, ein Wind, den man nicht stoppen, aber segeln kann.

Sie trat ans Fenster. Draußen zogen Sterne vorbei, unendlich viele, und doch wirkte das All heute weniger kalt.

„Weißt du“, sagte Mira leise zu Sorya und Jax, „ich dachte immer, Hoffnung sei etwas Kleines. Eine Kerze.“

Sorya stellte sich neben sie. „Und?“

Mira sah zu den Ätherbojen, die wie goldene Wächter im Dunkel standen. „Vielleicht ist Hoffnung auch ein Relais. Ein Ort, an dem man kurz anhalten, neu ausrichten und weitergehen kann.“

Jax nickte und tat so, als hätte er was im Auge. „Staub. Sternenstaub. Sehr aggressiv heute.“

Mira lachte, und das Lachen klang in der Station nach, als würde selbst Metall es behalten wollen.

Bevor sie ging, legte sie die Hand auf den Ätheranker. „Danke“, flüsterte sie, an Lumo, an die Bojen, an die Sterne.

Und irgendwo im Summen des Netzes lag eine Antwort, warm und klar:

Weiter.

Kleiner Schlussgruß: Wenn du dich manchmal verloren fühlst, such dir ein Licht, das dir den nächsten Schritt zeigt. Das reicht, um wieder Hoffnung zu finden.

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Sprungstation
Ein Ort im All, wo Schiffe von einem Ort zum anderen springen.
Nebelschleiern
Dünne, nebelige Wolken, die alles etwas verschwommen machen.
Sprungantriebs
Die Maschine, die ein Schiff oder eine Station durchs All springen lässt.
Ätherbojen
Leuchtende Säulen, die das Sprungfeld halten und stabil machen.
Ätherfeld
Unsichtbares Lichtnetz, durch das Schiffe springen können.
Äthernetz
Das geordnete Netz aus Lichtlinien im Sprungfeld.
Sprungkanal
Der Weg oder Tunnel im Äther, durch den ein Schiff springt.
Ätherverzerrung
Eine Störung im Ätherfeld, die das Feld komisch macht.
Ätheranker
Ein Ring oder Gerät, das die Kraft lenkt und sicher macht.
Sprung-Echo
Ein Nachbild oder Rest eines früheren Sprungs im Äther.
Schleuse
Eine Tür oder Verbindung aus Licht, die etwas sicher hineinführt.
Transponder
Ein Gerät, das Signale sendet, damit Schiffe sich zeigen können.

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