Laden läuft...
Geschichte der unmöglichen Herausforderung 11/12 Jahre Lesen 18 min.

Die drei unmöglichen Balkonprüfungen und der durstige Schlauchdrache

Leon und seine Nachbarin Mira müssen drei ungewöhnliche Balkonprüfungen bestehen — von einer verlorenen Socke über eine selbstgebaute Brücke bis zu einem „Balkon‑Drachen“ — und meistern sie mit Einfallsreichtum und Freundlichkeit.

Lade diese Geschichte als PDF herunter

Ideal zum Teilen oder Ausdrucken dieser Geschichte!

E-Book herunterladen (.epub)

Lesen Sie diese Geschichte auf Ihrem E-Reader.

Ein etwa 12-jähriger Junge mit leicht zerzausten hellbraunen Haaren und stolzem, ruhigem Ausdruck trägt ein blau-weiß gestreiftes T-Shirt, kniestaubig, und hängt mit zwei Wäscheklammern eine bunte Karte „Gut gemacht“ an den kleinen, überfüllten Balkon; dahinter steht die etwa 11-jährige Mira mit schwarzer Pferdeschwanzfrisur und schelmischem, begeistertem Blick, eine Kapitänsbrille als Spielzeug um den Hals, leicht geneigt, als hätte sie geholfen und hält eine lange Schnur; unten auf dem Treppenabsatz vor dem offenen Fenster steht die etwa 70-jährige Frau Krawczyk mit freundlichen Runzeln und dankbarem Lächeln in einem Blumenkleid und hebt die Hand zum Applaus; auf dem Balkon zwei abgenutzte Holzstühle, ein runder Tisch mit Blumentöpfen (Rosmarin, Basilikum), eine Wäscheleine mit Holzklammern, ein abgewetzter Teppich und ein aufgerollter Gartenschlauch wie ein liegender „Drache“, dazu eine gefunden zusammengerollte Socke auf dem Geländer und eine provisorische Brücke aus Holzlöffel und Eislutschstielen über einer Lücke zwischen den Platten, alles in warmem, sanftem Abendlicht nach dem bestandenen fast unmöglichen Abenteuer. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Kapitel 1: Das Balkon-Gerücht vom Unmöglichen

Auf Leons sonnigem Balkon roch es nach warmem Holz, Basilikum und einer winzigen Portion Ärger. Die Sonne klebte wie Honig auf den Fliesen, und der Wind spielte Tischtennis mit einem losen Serviettenfetzen.

Leon, zwölf Jahre alt und grundsätzlich überzeugt, dass „unmöglich“ nur ein schief gelauntes Wort ist, stand vor seiner neuesten Aufgabe: Er sollte für Frau Krawczyk aus dem dritten Stock das „Unmögliche“ schaffen.

Frau Krawczyk hatte ihm eben im Treppenhaus mit feierlicher Stimme einen kleinen Umschlag überreicht. „Leon, du bist doch ein kluger Junge. Ich brauche…“ Sie hatte kurz tief Luft geholt, als würde sie gleich unter Wasser tauchen. „…eine Karte. Eine ‚Gut gemacht‘-Karte. Aber nicht irgendeine. Eine, die man erst bekommt, wenn man drei unmögliche Balkonprüfungen bestanden hat.“

„Drei?“, hatte Leon gefragt. „Warum nicht… zwei? Oder eine halbe?“

„Weil es Tradition ist“, hatte Frau Krawczyk gesagt, und das klang so, als wäre Tradition ein strenger Hausmeister.

Zu Hause riss Leon den Umschlag auf. Darin lag ein Zettel, auf dem in krakeliger Schrift stand:

1) Bring die verloren gegangene Socke zurück – ohne die Wäscheklammern zu beleidigen.

2) Baue eine Brücke über den „Abgrund“ (der Balkonspalt) – ohne einen Fuß auf den Boden zu setzen.

3) Besänftige den Balkon-Drachen – ohne zu rennen.

Leon starrte auf die Liste. „Balkon-Drache?“, murmelte er.

In diesem Moment klopfte es am Geländer. Es war seine Nachbarin Mira, elf, mit einem Fernglas um den Hals und dem Blick einer Person, die schon dreimal einen geheimen Schatz gefunden hat, ohne überhaupt zu suchen.

„Was glotzt du so?“, fragte sie.

Leon hielt ihr den Zettel hin.

Mira las und pfiff. „Unmöglich? Pff. Das ist doch nur… sehr kreativ formuliert.“

„Ich muss das schaffen“, sagte Leon. „Und am Ende soll ich eine ‚Gut gemacht‘-Karte bekommen.“

„Dann fang an“, sagte Mira. „Und vergiss nicht: Wenn du scheiterst, kann ich sehr glaubwürdig so tun, als hätte ich gar nichts damit zu tun.“

Leon grinste. „Deal.“

Kapitel 2: Die Socke, die beleidigten Klammern und ein Friedensvertrag

Die verloren gegangene Socke war angeblich irgendwo auf dem Balkon verschwunden. Leon fand das seltsam, denn sein Balkon war nicht besonders groß. Er bestand aus: zwei Stühlen, einem kleinen Tisch, drei Blumentöpfen, einem Wäscheständer und einem Teppich, der aussah wie ein erschöpfter Fußballplatz.

„Die Socke kann nicht einfach weg sein“, sagte Leon und kniete sich hin, um unter den Stuhl zu schauen.

Mira lehnte am Geländer. „Socken können alles. Meine haben schon mal einen ganzen Tag Urlaub gemacht.“

Leon zog den Teppich hoch. Nichts. Er schaute in die Blumentöpfe. Nur Erde und eine beleidigte Schnecke, die offensichtlich keine Lust auf Verhöre hatte.

„Oh!“, sagte Mira plötzlich und zeigte auf den Wäscheständer. „Da hängt sie.“

Tatsächlich: Eine einzelne, grau-blaue Socke hing ganz oben. Aber sie hing fest zwischen zwei Wäscheklammern eingeklemmt, als hätten die Klammern sie verhaftet.

Leon las die Regel: „…ohne die Wäscheklammern zu beleidigen.“

„Wie beleidigt man denn eine Wäscheklammer?“, fragte Leon.

Mira zuckte mit den Schultern. „Vielleicht, indem man sagt, sie sei nur ein Holzklotz mit Wutproblemen.“

Leon räusperte sich und trat feierlich an den Wäscheständer heran. „Liebe Wäscheklammern“, begann er, als würde er eine Ansprache halten, „ich schätze eure Arbeit sehr. Ihr haltet Dinge fest, obwohl der Wind gemein ist. Das ist… heldenhaft.“

Eine Klammer knarzte leise im Wind. Leon nahm das als Zustimmung.

Er versuchte, die Socke sanft herauszuziehen. Die Klammern hielten fester.

„Sie lassen nicht los“, flüsterte Leon.

„Vielleicht wollen sie ein Kompliment pro Klammer“, sagte Mira. „Fair ist fair.“

Leon beugte sich vor. „Du da links, du hast eine wunderschöne… äh… Feder.“

„Wäscheklammern haben keine Federn“, sagte Mira.

„Dann eben eine wunderschöne Spannung“, improvisierte Leon. „Und du da rechts, deine Holznase ist sehr… stabil.“

Er zog erneut. Nichts.

Leon überlegte. Dann holte er seinen Pinselbecher vom Tisch, nahm einen Strohhalm heraus (eigentlich für Bastelprojekte) und pustete vorsichtig zwischen Socke und Klammern.

Die Klammern vibrierte ein bisschen, als würden sie kitzelig. Leon grinste. Er pustete noch einmal, diesmal mit einem komischen Geräusch: „Pffft-pffft!“

Mira lachte. „Du machst Klammern mit Pupsen gefügig?“

„Das sind diplomatische Luftstöße“, sagte Leon ernst.

Beim dritten „diplomatischen Luftstoß“ lockerte sich die Socke tatsächlich. Leon zog sie heraus, ohne dass eine Klammer aufsprang oder beleidigt zu wirken schien.

Leon hielt die Socke hoch wie einen Pokal. „Prüfung eins bestanden!“

Mira klatschte. „Und niemand hat ‚Holznase‘ persönlich genommen. Stark.“

Leon legte die Socke ordentlich zusammen und sagte zu den Klammern: „Danke. Ihr seid… unverzichtbar.“

Der Wind knarzte wieder. Leon nickte. „Sie sagen: Bitte.“

Kapitel 3: Der Abgrund, der gar keiner war, und eine Brücke aus Quatsch

Prüfung zwei: „Baue eine Brücke über den ‚Abgrund‘ (der Balkonspalt) – ohne einen Fuß auf den Boden zu setzen.“

Der „Abgrund“ war ein schmaler Spalt zwischen zwei Balkonfliesen, ungefähr so breit wie ein Lineal. Leon sah hinunter. Es ging… ganze drei Zentimeter tief, bis zur darunterliegenden Betonschicht.

„Das ist doch kein Abgrund“, sagte Leon.

„Sag das nicht zu laut“, warnte Mira. „Sonst fühlt sich der Abgrund nicht ernst genommen und wächst aus Trotz.“

Leon durfte keinen Fuß auf den Boden setzen. Das war knifflig, weil er gerade… auf dem Boden stand.

„Du musst erst ‚abheben‘“, sagte Mira und zeigte auf die zwei Stühle. „Du kannst auf den Stuhl klettern. Stuhl ist nicht Boden. Stuhl ist… Möbel.“

Leon sprang auf den Stuhl. „Ich bin über dem Gesetz!“

„Über dem Boden“, korrigierte Mira.

Jetzt musste er eine Brücke bauen – vermutlich, um irgendetwas über den Spalt zu bringen. Auf dem Zettel stand nur „Brücke über den Abgrund“, nicht „für wen“ oder „für was“. Leon entschied: Eine Brücke, über die ein Spielzeugauto fahren kann, klingt offiziell genug.

Auf dem Tisch lagen Bastelsachen: Eisstiele, Klebeband, Schnur, zwei leere Joghurtbecher und ein langer Kochlöffel.

Leon nahm den Kochlöffel. „Das ist die Hauptträgerkonstruktion.“

Mira zog eine Augenbraue hoch. „Du redest wie ein Fernsehingeneur.“

Leon klebte zwei Eisstiele seitlich an den Kochlöffel, damit er nicht kippte. Dann schnürte er eine Schnur darum, damit alles „wie eine echte Brücke“ aussah.

Das Problem: Wie legt man die Brücke über den Spalt, ohne den Boden zu berühren? Leon stand auf dem Stuhl. Der Spalt war etwa einen Meter entfernt.

Mira hielt ihr Fernglas vor die Augen, als würde sie eine riskante Expedition beobachten. „Ich sehe einen Jungen, der gleich… sehr vorsichtig sein muss.“

Leon zog den zweiten Stuhl näher, indem er ihn mit dem Fuß schob, ohne den Boden zu betreten. Er stellte den Stuhl neben den ersten, stieg mit einem kleinen Hopser um und stand nun näher am Spalt.

„Jetzt“, sagte er.

Er streckte den Kochlöffel-Brücken-Balken aus. Aber ihm fehlte ein dritter Arm, um ihn genau zu platzieren.

„Warte“, sagte Mira. Sie griff sich einen Besen aus ihrer Balkonecke nebenan und reichte den Stiel über das Geländer, als wäre es ein Angelhaken. „Benutz das.“

Leon nahm den Besenstiel. Mit Besenstiel und Kochlöffel balancierte er wie ein Zirkusartist, der sich für Ingenieurwissenschaften eingeschrieben hat.

„Nicht wackeln“, sagte Mira. „Stell dir vor, unten ist… Lava.“

„Wenn unten Lava wäre, hätten wir andere Probleme“, presste Leon hervor.

Endlich legte er den Kochlöffel genau über den Spalt. Die „Brücke“ lag. Er holte sein kleines Spielzeugauto vom Tisch, schob es vorsichtig darüber, und es rollte tatsächlich über den Spalt, ohne abzustürzen.

Mira machte mit der Hand einen Trommelwirbel auf dem Geländer. „Ta-daa! Abgrund bezwungen!“

Leon streckte die Arme hoch. „Unmöglich? War eher… unbequem möglich.“

Dann sah er den Zettel nochmal an. „Oh nein. Jetzt kommt der Balkon-Drache.

Kapitel 4: Der Balkon-Drache mit dem schrecklichen Durst

Prüfung drei: „Besänftige den Balkon-Drachen – ohne zu rennen.“

Leon schaute sich um. Kein Drache. Keine Schuppen. Keine Rauchwolke. Nur Sonne, Pflanzen und… ein merkwürdiges Knacken.

Es kam aus dem großen Blumentopf mit dem Rosmarin. Leon beugte sich vor.

„Wenn da ein Drache drin ist, ist er sehr klein“, flüsterte Mira.

Leon tippte gegen den Topf. Das Knacken wurde lauter. Etwas raschelte.

Aus der Erde ragte plötzlich etwas Grünes mit einem kleinen, roten Fähnchen dran. Leon blinzelte. Es war kein Drache.

Es war der Gartenschlauch. Genauer: das Schlauchende, das Leon letzte Woche in den Blumentopf gesteckt hatte, „damit es nicht im Weg liegt“. Das rote Fähnchen war eine Wäscheklammer, die er wohl wieder „geparkt“ hatte. Und das Knacken? Das war der Schlauch, der sich in der Sonne aufgeheizt hatte und jetzt so tat, als wäre er ein gefährliches Tier.

Mira kicherte. „Der Balkon-Drache ist ein Schlauch. Ein… Schlauchdrache.“

In diesem Moment spritzte ein dünner Wasserstrahl aus dem Schlauchende – direkt in Richtung Leons Knie.

„Achtung!“, rief Mira.

Leon zuckte zurück. Fast hätte er losgerannt. Aber die Regel sagte: nicht rennen.

Also machte Leon das, was man tut, wenn ein Schlauchdrache zickt: Er blieb stehen und redete mit ihm.

„Hallo“, sagte Leon ruhig. „Ich sehe, du bist… aufgebracht.“

Der Schlauch spritzte erneut, diesmal auf den Stuhl. Tropfen glitzerten wie kleine Glasperlen.

Mira hielt sich den Bauch vor Lachen. „Er spuckt Wasserfeuer!“

Leon hob langsam seine Hände, als würde er einem nervösen Hund zeigen, dass er keinen Staubsauger dabeihat. „Okay, Drache. Wir beide wollen das Gleiche.“

„Was will ein Schlauchdrache?“, fragte Mira.

Leon überlegte schnell. „Er hat Durst! Er ist überhitzt!“

Mira nickte ernst, als wäre das logisch. „Klar. Durstiger Wasserspucker.“

Leon sah den Wasserhahn am Balkonrand. Wenn er einfach hingehen würde, könnte der Schlauch herumzucken und alles nass machen. Und rennen durfte er nicht.

Er brauchte eine ungewöhnliche Methode.

Leon schnappte sich einen leeren Joghurtbecher, stellte ihn langsam auf die Brücke aus Kochlöffel und Eisstielen und schob ihn wie ein kleines Boot über den „Abgrund“ zum Wasserhahn. Dann nahm er die Schnur, die noch an der Brücke hing, und band sie an den Becher.

„Was machst du da?“, fragte Mira.

„Ich baue einen Becher-Kran“, sagte Leon. „Für Drachenberuhigung.“

Er ging in Zeitlupe zum Hahn, drehte ihn ein winziges Stück auf, füllte den Becher halb mit Wasser und zog ihn mit der Schnur zurück wie einen Schatz.

Der Schlauch spritzte ungeduldig.

Leon kniete sich hin (knien war kein Rennen), hielt den Becher vorsichtig an das Schlauchende und sagte: „Bitte. Ein Schluck zur Abkühlung.“

Der Wasserstrahl wurde sofort ruhiger, als hätte der Schlauch verstanden: Ah. Service.

Leon goss langsam das Wasser über den Schlauch und den Blumentopf. Das Knacken hörte auf. Der Schlauch lag still da, glänzend und zufrieden.

Mira klatschte leise. „Besänftigt. Ohne Rennen. Und ohne dass der Balkon in ein Schwimmbad verwandelt wurde.“

Leon atmete aus. „Wir sollten trotzdem Handtücher bereithalten. Für den Fall, dass er schlechte Laune kriegt.“

„Oder Karaoke anfängt“, sagte Mira. „Drachen lieben Drama.“

Kapitel 5: Die Idee-Kiste wird größer, und jemand anderes braucht sie

Leon setzte sich auf den Stuhl und wischte ein paar Tropfen von der Stirn. Die Sonne war immer noch freundlich, aber jetzt fühlte sich der Balkon an wie ein Ort, der Geheimnisse behielt und gleichzeitig darüber lachte.

„Drei Prüfungen“, sagte Leon. „Socke. Brücke. Schlauchdrache.“

Mira tippte ihm mit dem Fernglas gegen die Schulter. „Und wie war dein Trick?“

Leon dachte nach. „Ich hab… nicht gegen die Aufgaben gekämpft. Ich hab sie… umgedreht. Klammern wollte ich nicht beleidigen, also hab ich sie gelobt. Den Abgrund hab ich wie ein Spiel behandelt. Und den Drachen… hab ich einfach gekühlt.“

Mira nickte. „Du hast eine Ideen-Kiste im Kopf. Und du hast sie gerade aufgeräumt und erweitert.“

In dem Moment hörten sie ein leises „Huch!“ von unten. Auf dem Balkon unter ihnen stand Frau Krawczyk mit einer Gießkanne, die bedenklich schief hing. Neben ihr wackelte ein Karton, aus dem Papier herauslugte.

Leon beugte sich über das Geländer. „Alles okay, Frau Krawczyk?“

Sie schaute hoch. „Leon! Ich… habe ein kleines Problem. Der Karton mit den Dankeskarten ist mir aufgegangen. Und jetzt sind die Karten überall. Eine ist auf meinen Wäscheständer geflogen, eine hängt in meiner Pflanze, und eine…“ Sie zeigte auf eine Ecke. „…ist in diesem winzigen Spalt verschwunden. Das ist bestimmt ein Zeichen. Oder ein Fluch.“

Mira flüsterte: „Der Abgrund schlägt zurück.“

Leon sprang nicht. Er rannte nicht. Er stand auf, schaute zu Mira und sagte: „Aufmerksamkeit für andere. Das ist jetzt die vierte Prüfung, oder?“

Mira grinste. „Die wichtigste.“

Leon nahm die Schnur vom Becher-Kran, den Kochlöffel, ein Stück Klebeband und die Socke (weil sie weich war und alles irgendwie besser macht). Dann ging er ruhig zur Balkonbrüstung.

„Frau Krawczyk“, rief er, „wir holen die Karten zurück. Ohne Fluch. Und ohne Drama. Vielleicht nur mit ein bisschen Quatsch.“

„Quatsch ist erlaubt“, rief Frau Krawczyk erleichtert.

Leon befestigte die Socke wie einen weichen Greifer am Kochlöffel, klebte sie fest und ließ das Ganze vorsichtig nach unten. Mira hielt das Ende der Schnur, damit Leon das „Socko-Lasso“ lenken konnte.

„Links… links…“, sagte Mira wie eine Fluglotsin. „Jetzt geradeaus. Ziel: Wäscheständer-Karte.“

Leon schob die Socke sanft gegen die Karte, die am Wäscheständer klemmte. Die Karte blieb an der Socke hängen wie ein Post-it an einem Pullover. Mira zog langsam hoch.

„Eine gerettet!“, rief Mira.

Frau Krawczyk klatschte unten. „Wie macht ihr das?“

„Mit Textiltechnologie“, rief Leon.

Als Nächstes fischten sie die Karte aus der Pflanze, ohne die Blätter zu knicken. Leon ließ die Socke vorsichtig zwischen die Stängel gleiten, als würde er eine Katze aus einer Einkaufstüte befreien.

Dann blieb noch die Karte im Spalt.

„Das ist wirklich der Abgrund“, rief Frau Krawczyk. „Er frisst Papier!“

Leon überlegte. Dann sagte er: „Wir machen ihn satt, damit er die Karte ausspuckt.“

Mira zog die Augenbrauen hoch. „Was füttert man einem Spalt?“

Leon grinste. „Luft. Diplomatische Luftstöße.

Er nahm den Strohhalm, beugte sich über den Rand und pustete in den Spalt, ganz unten bei Frau Krawczyk. Mira gab Anweisungen wie ein Trainer beim Sport.

„Mehr Puste! Nicht beleidigen!“, flüsterte Mira.

Leon pustete: „Pffft-pffft!“ Der Luftstoß hob die Karte an, millimeterweise, bis Frau Krawczyk sie mit zwei Fingern herausziehen konnte.

Sie hielt die Karte hoch wie einen gewonnenen Preis. „Ihr seid unglaublich. Ich dachte, ich muss den Balkon renovieren!“

Leon lachte. „Bitte nicht. Das wäre… wirklich unmöglich.“

Kapitel 6: Die „Gut gemacht“-Karte

Am Abend klopfte es an Leons Tür. Frau Krawczyk stand da mit einem breiten Lächeln und einem Umschlag, diesmal ordentlich zugeklebt.

„Leon“, sagte sie, „du hast nicht nur die drei Prüfungen bestanden. Du hast auch noch geholfen, als ich es gebraucht habe. Und du hast dabei niemanden nass gemacht. Also… fast niemanden.“

Leon dachte an den Stuhl. „Der Stuhl hat's verkraftet.“

Mira war natürlich auch da, weil sie „zufällig“ gerade im Flur stand und „zufällig“ alles mitgehört hatte.

Frau Krawczyk reichte Leon den Umschlag. „Das gehört dir.“

Leon öffnete ihn. Darin war eine Karte, handgemacht, mit einem gezeichneten Balkon, einer Socke mit Superheldenumhang, einer Kochlöffel-Brücke und einem Schlauchdrachen, der eine Sonnenbrille trug. Unten stand in großer, klarer Schrift:

„Gut gemacht!

Du hast mit Köpfchen geholfen, freundlich gesprochen und an andere gedacht.“

Leon hielt die Karte hoch. „Das ist besser als eine Medaille.“

Mira stupste ihn an. „Und jetzt hängst du sie auf den Balkon. Damit der Abgrund sie sieht und Respekt lernt.“

Leon nickte. „Und die Wäscheklammern auch.“

Er ging auf den sonnigen Balkon, klemmte die Karte mit zwei Wäscheklammern ans Geländer und sagte feierlich: „Danke für eure Mitarbeit.“

Der Wind raschelte zustimmend, der Schlauch lag still wie ein schlafender Drache, und die Karte wippte leicht, als würde sie sagen: Gut gemacht. Wirklich gut gemacht.

Ohne Werbung 3€ pro Monat

Möchten Sie eine unterbrechungsfreie Lektüre? Unterstützen Sie Oh My Tales, entfernen Sie alle Anzeigen und profitieren Sie ab 3€ pro Monat von weiteren enthaltenen Vorteilen.

Die Pläne und Preise ansehen
Teilen

Melden Sie ein Problem mit dieser Geschichte

Was haben Sie von dieser Geschichte gehalten?

Geben Sie Ihre Meinung ab, indem Sie dieser Geschichte je nachdem, was Sie und/oder Ihr Kind davon gehalten haben, eine Bewertung geben. Vielen Dank im Voraus!

Vielen Dank! Ihre Bewertung wurde berücksichtigt!

Das Quiz: Hast du die Geschichte gut verstanden?

Krakeliger
Unordentliche, schiefe Schrift, als ob jemand schnell und nicht sauber schreibt.
Serviettenfetzen
Ein kleines, zerrissenes Stück Papier- oder Stoffserviette.
Wäscheklammern
Kleine Klammern zum Festhalten von nasser Wäsche am Wäscheständer.
Knarzte
Machte ein raues, quietschendes oder knackendes Geräusch.
Kitzelig
Empfindlich, so dass Berührung oft Kichern oder Zucken verursacht.
Diplomatische Luftstöße
Luftpusts, die freundlich oder vorsichtig eingesetzt werden, um ein Problem zu lösen.
Balkon-Drache
Ein erfundener, gefährlich klingender Name für etwas Unheimliches auf dem Balkon.
Socko-Lasso
Ein selbstgemachter Greifer aus einer Socke, benutzt zum Heraufholen von Dingen.
Becher-Kran
Ein einfaches Werkzeug, bei dem ein Becher an einer Schnur wie ein Kran dient.

Erstellen Sie eine magische und einzigartige Geschichte für Ihr Kind!

Erstellen Sie in nur wenigen Minuten ein personalisiertes Abenteuer, in dem Ihr Kind zum Helden wird. Mit unserem exklusiven Tool ist es einfach, kostenlos und unterhaltsam!

Eine Geschichte erstellen

Themen im Zusammenhang mit dieser Geschichte:

zusammenhalt drache herausforderung respekt

Laden Sie diese Geschichte herunter:

Lade diese Geschichte als PDF herunter E-Book herunterladen (.epub)

Als Nächstes zu lesen in Geschichten von unmöglichen Herausforderungen für 11/12 Jahre

Erhalten Sie jeden Sonntagabend neue Geschichten!

Erhalten Sie 7 spannende und fesselnde Geschichten, die auf das Alter und die Vorlieben Ihres Kindes abgestimmt sind, jeden Sonntag um 17 Uhr*. Es ist kostenlos und garantiert spamfrei!
*E-Mail wird um 17 Uhr Mitteleuropäischer Zeit (MEZ) gesendet.
Wir mögen auch keinen Spam. Deshalb senden wir Ihnen nur Geschichten. Sie können sich jederzeit abmelden.