Ein Morgen voller Spuren
Leni, Mira und Juna sind vier Jahre alt. Sie sind beste Freundinnen. Heute ist ihr Hof ein großes Abenteuer. Die Sonne ist warm. Der Wind ist leise. Die drei halten sich an den Händen.
„Wir sind mutig“, sagt Leni. „Wir sind klug“, sagt Mira. „Wir halten zusammen“, sagt Juna. Das sagen sie gern. Das macht sie stark.
Sie packen einen kleinen Rucksack. Ein Apfel ist drin. Ein Pflaster. Ein kleines Notizbuch. Zwei Stifte. Ein Taschentuch. Das reicht. Leni trägt den Rucksack. Mira hat eine Decke. Juna trägt ihr Häschen.
Da kommt Katze Nudel. Nudel schnurrt und schaut. Am Halsband fehlt das Glöckchen. „Oh“, sagt Mira, „dein Klingeling ist weg.“ Nudel miaut. Das klingt mild und freundlich.
„Wir suchen“, sagt Leni. „Ganz vorsichtig“, sagt Juna. „Und zusammen“, sagt Mira.
Die falsche Spur
Gleich sehen sie glitzernde Punkte auf dem Weg. „Eine Spur!“, ruft Leni. „Sie funkelt“, sagt Mira. „Los!“, ruft Juna. Die Punkte gehen über die Stufen, dann am Garten entlang.
Sie folgen der Spur. Schritt für Schritt. Sie lachen. Sie singen leise: „Klingeling, wo bist du?“
Die Spur führt zur großen Tonne. Sie bleiben stehen. „Wir fassen die Tonne nicht an“, sagt Leni. Das ist klug. Es riecht nach Schale und nach Seife. Aber kein Glöckchen.
Juna schaut auf ihre Schuhe. „Glitzer“, sagt sie. „Hier ist Glitzer.“ Mira schaut auch. „Auf meinen Schuhen auch!“ Leni nickt. „Vom Basteln in der Kita.“ Die Spur ist von ihnen selbst.
„Das war eine falsche Spur“, sagt Mira. Alle drei nicken. Keiner ist traurig. Sie sind ruhig. „Wir geben nicht auf“, sagt Juna. Sie atmen zusammen ein und aus. Wie Bäume. Das fühlt sich gut an.
„Wir hören“, sagt Leni. Sie schließen die Augen. Es ist still. Ein Vogel pfeift. Ein Blatt raschelt. Dann hören sie etwas ganz zart: „kling… kling…“
„Dort!“, flüstert Mira. Beim Kräuterbeet von Frau Grün. Sie gehen langsam. „Dürfen wir schauen?“, fragt Juna. Frau Grün lächelt. „Ja. Aber vorsichtig.“
Unter einem Blumentopf blitzt etwas Kleines. „Das Glöckchen!“, ruft Leni. Der Topf ist ein bisschen schwer. „Zusammen“, sagt Mira. Sie zählen. „Eins, zwei, drei.“ Sie heben ganz vorsichtig. Das Glöckchen liegt da, mit einem Stückchen Schnur.
„Wir haben es!“, jubelt Juna. Herr Blau kommt vorbei. „Ich kann es wieder festmachen“, sagt er freundlich. Er knüpft das Glöckchen an. Nudel schnurrt und macht „klingeling“.
Unser kleines Regelheft
Auf der Decke essen sie Apfelstücke. Sie trinken Wasser. Sie malen in das Notizbuch. Das wird ihr Regelheft.
Im Heft steht:
Wir bleiben zusammen.
Wir fragen, wenn wir unsicher sind.
Wir prüfen Spuren zweimal.
Wir hören zu und schauen genau.
Wir sind vorsichtig und freundlich.
Wir machen Pausen.
Wir helfen einander.
Wir sagen Danke.
Sie lesen die Regeln laut. Das klingt warm. Frau Grün klatscht. Nudel rollt sich ein und schläft. Alles ist ruhig.
„Heute war unser Hof groß und spannend“, sagt Leni. „Und auch ganz sicher“, sagt Mira. „Morgen gibt es wieder ein kleines, großes Abenteuer“, sagt Juna.
Die drei lachen. Die Sonne kitzelt ihre Nasen. Das Glöckchen klingt leise. Alles ist gut.