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Geschichte von Superhelden 11/12 Jahre Lesen 24 min.

Nova Quell und der Beruhigungsdom über Lumenstadt

Nova Quell entdeckt in den Tiefen von Lumenstadt ein geheimnisvolles, energieabsorbierendes Gerät, das Tunnel und Hafen in Aufruhr versetzt, und macht sich mit ihrem Luxkern und dem Reparaturassistenten FROG auf, die Quelle zu untersuchen. Dabei muss sie vorsichtig handeln, um die Stadt vor einer unkontrollierten Energiewelle zu schützen.

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Die Szene zeigt Nova Quell, 17 Jahre alt, konzentriert und gelassen mit entschlossenem Gesicht und leuchtend grauen Augen, Kapuze zurückgeschoben, einen runden leuchtenden Apparat (den Luxkern) haltend, der einen goldenen Strahl in Form eines Seils aussendet; sie steht mit einem Fuß auf einem Metallcontainer, formt mit ruhigen, sicheren Händen den Strahl zu einer großen goldenen Kuppel über der Stadt, die Nebelfäden in eine Schutzblase verwandelt und die flackernden Hafenlichter beruhigt; daneben das kleine, quadratische Robotermodell FROG-Unit 3.0 auf dünnen Rädern mit matter Panzerung und blauen LEDs, neugierig und erleichtert, projiziert blassgrüne Scans um den Luxkern; in einiger Entfernung hinter einer Absperrung ein etwa 40-jähriger Hafenarbeiter mit kurzer Bartstoppeln und gelber Sicherheitsjacke, die Hände zum schüchternen Gruß erhoben, Blick erleichtert zur Lichtkuppel; Schauplatz ist der nächtliche Hafen mit gestapelten bunten Containern, schwarzen Kransilhouetten, spiegelnden Pfützen, abgenutzten gelben Markierungen auf Beton und einer ruhigen, magischen Atmosphäre. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Kapitel 1: Nova Quell und das Flüstern der Neonwolken

In Lumenstadt waren die Nächte nie wirklich dunkel. Reklameschilder malten bunte Streifen auf die Fassaden, Drohnen summten wie ungeduldige Mücken, und über allem hing ein Himmel, der aussah, als hätte jemand ihn mit flüssigem Blaupolitur glänzend gerieben.

Auf dem Dach eines Parkhauses stand Nova Quell, die Hände ruhig in den Taschen ihres Mantels. Der Mantel war nicht einfach Stoff: Er war aus einem schimmernden, dunklen Gewebe, das das Licht der Umgebung sammelte und in feinen Linien wieder abgab – wie kleine Sternkarten, die sich bei jeder Bewegung verschoben. Unter der Kapuze blitzten ihre Augen hellgrau, aufmerksam und still. Nova war siebzehn, aber ihr Blick hatte diese seltsame Gelassenheit, die man sonst nur bei Menschen sah, die schon zu viel erlebt hatten.

An ihrem Gürtel hing ein rundes Gerät, kaum größer als eine Mandarine. Es hieß „Luxkern“. Es konnte Licht speichern, bündeln und formen – zu Schilden, Seilen, Pfeilen aus Leuchten. Nova hatte es nicht erfunden, aber sie hatte gelernt, es zu beherrschen, als wäre es ein Teil ihres Körpers.

Sie war Lumenstadts Superheldin. Keine, die laut posierte oder Sprüche rief, um Applaus zu sammeln. Nova war eher wie ein Leuchtturm: still, stoisch, da – und wenn es ernst wurde, war sie nicht wegzudenken.

Ihr Kommunikator knackte. „Nova? Hier ist Yara vom Stadt-Überblick. Du musst das sehen.“

„Sag's kurz“, antwortete Nova. Ihre Stimme war ruhig, aber da war ein Funken, als hätte jemand in ihr einen Schalter umgelegt.

„Die Energieanzeigen im Südviertel sind… verrückt. Kurzzeitige Spitzen, als würde jemand die gesamte Straßenbeleuchtung gleichzeitig ein- und ausatmen lassen. Und—“ Yara holte Luft. „—ein Lieferroboter ist einfach stehen geblieben und hat ‘Nicht in den Tunnel!' gesagt. Mehrfach. Das ist… neu.“

Nova zog die Kapuze tiefer. „Tunnel?“

„Der alte Wartungstunnel unter der Hafenlinie. Offiziell gesperrt. Inoffiziell… na ja, du weißt. Da unten sind noch Leitungen aus der ersten Bauphase.“

Nova blickte über die Stadt. Ganz unten zitterte ein Lichtband wie ein Nerv. Sie nickte, obwohl Yara sie nicht sehen konnte. „Ich schau nach. Und Yara?“

„Ja?“

„Keine Panik verbreiten. Wenn's nur ein Fehler ist, ist Vorsicht besser als Drama.“

„Schon klar“, sagte Yara. „Du und deine Vernunft.“

Nova setzte den Luxkern an und ließ eine dünne Lichtspur entstehen, die sich wie ein Geländer vor ihr ausrollte. Sie sprang, glitt, landete auf dem nächsten Dach – leise, präzise. Unter ihr rauschte Lumenstadt, und sie war ihr stiller Puls.

Kapitel 2: Der Tunnel, der nicht schlafen wollte

Der Zugang zum Wartungstunnel lag hinter einem Zaun, der aussah, als hätte er seit Jahren niemanden mehr begrüßt. Ein Schild hing schief: „ZUTRITT VERBOTEN“. Jemand hatte darunter mit Filzstift geschrieben: „Außer du bist sehr neugierig.“

Nova hob eine Augenbraue. „Das ist keine Erlaubnis“, murmelte sie – und warf dennoch einen Blick nach links und rechts. Keine Passanten, nur ein paar Müllsammel-Drohnen, die sich beleidigt piepsend um eine Pizzaschachtel stritten.

Sie kniete sich hin, prüfte das Schloss. Nicht kaputt, nur alt. Nova mochte alt nicht. Alt bedeutete Überraschungen.

„Luxkern, leise Modus“, flüsterte sie.

Ein dünner Lichtfaden kroch in den Schlossmechanismus, tastete, fühlte, drehte. Klick. Der Zaun gab nach.

Im Schacht roch es nach Metall, Staub und dieser feuchten Kälte, die unter der Stadt wohnt. Nova stieg die Stufen hinab. Es wurde dunkler, bis die Neonlichter der Oberwelt nur noch wie entfernte Erinnerungen wirkten.

Dann hob Nova den Luxkern an. Ein warmer Lichtkegel sprang an – nicht grell, eher wie eine Taschenlampe, die sich Mühe gab, freundlich zu wirken.

Der Tunnel antwortete mit einem leisen Summen.

„Okay“, sagte Nova trocken. „Du summst. Ich leuchte. Wir sind jetzt offiziell ein Team.“

Ein Tropfen fiel von der Decke und traf ihren Handschuh. Nova hielt inne. Das Summen war nicht nur ein Geräusch. Es war ein Rhythmus. Als würde jemand mit einem riesigen Finger auf eine unsichtbare Glasplatte klopfen.

An den Wänden liefen alte Kabelstränge entlang, dick wie Schlangen. Einige glimmten schwach, als hätten sie heimlich Energie genascht. Zwischen zwei Betonplatten steckte etwas: ein kleines, eckiges Modul, das da nicht hingehörte. Es blinkte in einem unruhigen Muster.

Nova beugte sich vor. „Du bist neu.“

Das Modul piepte – und ein Hologramm flackerte auf: ein Smiley mit schiefem Mund und einem Schildchen: „FROG-Unit 3.0 – freundlicher Reparaturassistent!“

„Freundlich?“, fragte Nova.

Der Smiley wechselte zu einem ernsthaften Gesicht. „WARNUNG: Tunneltemperament instabil.“

Nova blinzelte. „Tunnel… was?“

„TEMPERAMENT“, wiederholte die Einheit, als wäre es das normalste Wort. „Der Tunnel ist… wach.“

Nova spürte, wie ihr Nacken kribbelte. Sie blieb äußerlich ruhig. Stoisch sein war nicht bedeutet, nichts zu fühlen. Es bedeutete, Gefühle nicht das Steuer übernehmen zu lassen.

„Wie wird ein Tunnel wach?“ fragte sie.

„Durch Energieaufnahmen über Grenzwert“, sagte FROG-Unit 3.0. „Ursache: Unbekannte Quelle. Empfehlung: Vorsicht. Keine hektischen Bewegungen. Tunnel reagiert auf Vibration.“

Nova ließ ihren Lichtkegel langsam über den Boden streifen. Feine Staubkörner tanzten wie winzige Sterne. „Also… ein Tunnel mit empfindlichen Nerven.“

„JA“, piepte FROG. „Bitte nicht treten wie wütender Elefant.“

Nova musste kurz durch die Nase lachen. „Ich bin kein Elefant.“

„DANN IST ALLES GUT“, antwortete FROG zufrieden.

Weiter vorn war eine schwere Stahltür halb offen. Dahinter lag Dunkel, dick und still. Und aus dieser Stille kam ein Hauch – wie Atem, der nicht hier sein sollte.

Nova hob den Luxkern höher. „Ich geh da rein“, sagte sie. „Und du bleibst…“

„ICH BIN BEREITS VERKNÜPFT“, piepte FROG und rollte auf kleinen Rädern aus einer Nische. „Ich folge dem hellsten Objekt. Das sind meistens Sie.“

Nova seufzte. „Natürlich.“

Sie schob die Tür weiter auf. Das Metall quietschte, und sofort vibrierte der Boden leicht, als hätte der Tunnel sich erschrocken.

Nova blieb stehen. „Ganz ruhig“, sagte sie in einem Ton, den man sonst für nervöse Pferde oder sehr empfindliche Computer nutzt. „Wir tun hier niemandem weh.“

Der Boden vibrierte noch einmal – dann wurde es wieder still.

„Guter Tunnel“, murmelte Nova.

„LOB VERSTÄRKT KOOPERATION“, bestätigte FROG.

Nova ging weiter. Ihr Licht schnitt durch die Dunkelheit, und für einen Moment hatte sie das Gefühl, der Tunnel schaue zurück.

Kapitel 3: Das Flackern über dem Quai

Der Wartungstunnel spuckte Nova an einem Ort aus, an dem Lumenstadt immer nach Arbeit roch: am Hafen. Die Nacht war hier rauer, die Luft salziger. Kräne standen wie riesige Giraffen aus Stahl, und Container stapelten sich wie bunte Bauklötze für Erwachsene.

Nova trat aus einer Seitentür in einen Bereich, der von gelben Markierungen eingerahmt war: ein Verladebereich, ein quai de chargement, wie es auf einem alten Schild stand. Auf dem Beton glänzten Pfützen und spiegelten die Flutlichter, die immer wieder flackerten – als würden sie blinzeln.

„Da sind wir also“, sagte Nova.

„QUAI DE CHARGEMENT“, piepte FROG stolz. „Ich kann Französisch lesen. Ich kann auch ‘Croissant' sagen.“

„Das ist… beeindruckend nützlich“, antwortete Nova trocken.

Am Ende des Verladebereichs stand ein Liefer-Laster ohne Fahrer. Seine Türen waren offen, aber innen war kein Paket zu sehen. Stattdessen waberte ein blasses Licht – wie Nebel, der sich nicht entscheiden konnte, ob er leuchten oder verschwinden wollte.

Nova ging langsam näher. Vorsicht war kein Zeichen von Angst. Vorsicht war ein Zeichen von Respekt – vor dem Unbekannten, vor der Stadt, vor den Menschen, die morgen hier herumlaufen würden, ohne zu wissen, wie knapp die Nacht gewesen war.

Sie streckte den Luxkern aus und ließ ein dünnes Lichtband wie eine Fühlerhand in den Laster gleiten. Der Nebel zuckte zurück.

„Aha“, sagte Nova. „Du magst Licht, aber nicht zu viel auf einmal.“

„SIE HABEN EINE GUTE BEOBACHTUNGSGABE“, piepte FROG. „Das ist selten. Manche drücken sofort Knöpfe.“

„Ich drücke auch Knöpfe“, erwiderte Nova. „Nur nicht die, die explodieren könnten.“

Das Licht im Laster zog sich zusammen, wurde dichter. Dann formte es etwas, das wie ein Herzschlag aussah – ein Puls aus Helligkeit, der im Takt der flackernden Flutlichter ging.

Nova spürte es: Hier war eine Quelle. Kein normales Gerät, kein einfacher Kurzschluss. Eher… etwas, das Energie sammelte, als wäre sie Süßigkeiten an Halloween.

Ihr Kommunikator knackte wieder. „Nova?“, Yaras Stimme. „Die Hafenlichter spielen verrückt. Die Leute fragen schon, ob ein Sturm kommt.“

Nova sah zum Himmel. Kein Sturm. Nur ein unruhiges Leuchten, das von hier aus zu wachsen schien. „Sag ihnen, sie sollen drinnen bleiben. Ruhig. Und schick niemanden zum Hafen.“

„Verstanden“, sagte Yara leise. „Pass auf dich auf.“

Nova antwortete nicht mit einem Spruch. Sie nickte nur und schaltete den Kommunikator aus.

Dann hörte sie ein neues Geräusch: ein tiefes Brummen aus dem Boden, als würde der Hafen selbst einen Motor starten. Die gelben Markierungen auf dem Beton glimmten plötzlich, als wären sie Leiterbahnen.

„Der Tunnel… ist hier verbunden“, sagte Nova.

„JA“, piepte FROG. „Energiesog über die alten Leitungen. Das System wird… hungrig.“

„Hungrig ist schlecht“, murmelte Nova. „Hungrig macht unvorsichtig.“

Sie holte tief Luft und stellte sich vor den Laster. „Okay, leuchtender Nebel. Du gibst mir jetzt deine Quelle. Freiwillig wäre nett.“

Der Nebel antwortete, indem er aus dem Laster schoss – nicht wie eine Explosion, eher wie eine schnelle, schlüpfrige Welle. Er umkreiste Nova und zog an ihrem Luxkern, als wollte er ihn aus ihrer Hand reißen.

Nova blieb stehen. Ihr Gesicht blieb ruhig, aber ihre Augen wurden schärfer. „Nicht. Anfassen.“

Sie aktivierte den Luxkern, ließ das Licht nicht nach außen knallen, sondern nach innen verdichten – wie ein festes, klares Seil. Ein Lichtanker. Der Nebel stieß dagegen, als hätte er gegen eine Glasscheibe gerannt.

„FROG“, sagte Nova. „Scanne das Ding.“

„SCANNEN“, piepte FROG und projizierte ein Raster über den Nebel. Zahlen flackerten. Dann stoppte alles kurz, als hätte der Scanner selbst Angst. „ERGEBNIS: PHOTONISCHES SAMMELFELD. KÜNSTLICH. HERSTELLER: UNBEKANNT. ZWECK: ENERGIEABSCHÖPFUNG UND—“

„Und?“ fragte Nova.

„UND AUFBAU EINER STRUKTUR“, sagte FROG. „Ein… DING. Ein großes Ding.“

Nova sah, wie der Nebel Fäden in den Boden schickte, durch Risse und Abflüsse, hinein in das alte Leitungsnetz. „Dann baut es sich über die Stadt.“

„JA“, sagte FROG. „Wie ein unsichtbarer Regenschirm. Nur nicht zum Schutz.“

Nova verzog den Mund. „Dann drehen wir den Regenschirm um.“

Der Nebel zuckte, als hätte er verstanden. Die Flutlichter flackerten schneller. Aus dem Boden stieg ein Lichtschimmer empor, der die Containerkanten wie Messer scharf zeichnete.

Nova setzte sich in Bewegung. Schnell, aber nicht hektisch. Vorsichtig, aber nicht zögerlich. Sie sprang auf einen Container, dann auf den nächsten, um die vibrierenden Stellen am Boden zu meiden.

„Wenn es auf Vibration reagiert“, rief sie nach unten, „bleib auf meinen Lichtspuren!“

„ICH BIN EIN RADROBOTER“, rief FROG zurück. „ICH BIN IMMER VIBRATION!“

„Dann vibrier… sanft!“

„ICH VERSUCHE ES!“ piepte FROG, und seine Räder surrten plötzlich so leise, dass es fast niedlich war.

Nova erreichte den höchsten Containerstapel. Von dort sah sie den Hafen wie eine Karte. Und sie sah, woher der Puls kam: aus einem runden Gitterdeckel nahe dem Wasser, dort, wo ein Wartungsschacht in die Tiefe führte.

„Da unten“, sagte sie.

„TUNNELHERZ“, piepte FROG, als wäre das ein offizieller Begriff.

Nova ließ ein Lichtseil hinab, landete neben dem Gitterdeckel und kniete sich hin. Ihre Finger glitten über das Metall. Es war warm. Viel zu warm.

„Prudenz, Nova“, murmelte sie sich selbst zu. Vorsicht. Nicht einfach aufreißen. Erst verstehen.

Sie hob den Luxkern und ließ das Licht in sanften Wellen pulsieren – nicht hart, eher wie ein beruhigendes Atmen. Der Gitterdeckel vibrierte weniger.

„Guter Schacht“, sagte Nova.

„LOB VERSTÄRKT…“, begann FROG.

„Ja, ja“, sagte Nova, „ich weiß.“

Dann hob sie den Deckel – langsam, millimeterweise. Und darunter: ein Schacht voller schimmernder Nebelfäden, die sich um ein schwarzes, eiförmiges Gerät wickelten. Es sah aus wie eine glatte, matte Bohne – nur dass es in der Dunkelheit einen eigenen Schatten zu haben schien.

Nova spürte, wie der Luxkern in ihrer Hand leicht zog, als würde er sich wehren.

„Das ist die Quelle“, sagte sie.

„DAS IST EIN ‘SIPHON-KERN'“, piepte FROG. „Wenn er voll ist, entlädt er sich. Wahrscheinlich über der Stadt.“

Nova schluckte. Entladung konnte alles bedeuten. Aber Lumenstadt war dicht bevölkert. Ein Fehler, und die ganze Energie könnte die Systeme lahmlegen: Ampeln, Krankenhäuser, Aufzüge. Chaos.

„Nicht heute“, sagte Nova leise.

Kapitel 4: Verantwortung in Lichtgeschwindigkeit

Nova ließ sich in den Schacht hinab. Der Nebel schmeckte nach kaltem Metall auf der Zunge, obwohl sie ihn nicht berührte. Der Raum unten war rund und eng, eine alte Wartungskammer. Die Wände waren feucht, und überall klebten die photonenhaften Fäden, die sachte pulsierten.

In der Mitte stand der Siphon-Kern auf einem Sockel, als hätte ihn jemand dort wie eine Trophäe abgestellt.

„Plan“, sagte FROG, der sich irgendwie ebenfalls hinuntergearbeitet hatte und nun schief auf einer Metallstrebe stand. „NICHT BERÜHREN.“

„Guter Plan“, sagte Nova. „Aber ich muss ihn stoppen.“

Sie stellte sich breitbeinig hin und schaltete den Luxkern auf „Prisma“. Ein Fächer aus Licht ging auf, fein gestuft, wie ein Regenbogen ohne Kitsch. Das Licht traf die Fäden – und statt sie zu verbrennen, ließ es sie erstarren, als würden sie kurz vergessen, dass sie sich bewegen sollten.

„Sieh an“, murmelte Nova. „Du kannst auch einfrieren, wenn man dich richtig anspricht.“

„Lichtphysik“, piepte FROG. „Schmeicheln hilft manchmal.“

Nova schob sich näher an den Siphon-Kern. Auf seiner Oberfläche erschienen Linien, die sich wie eine Karte aus dunklem Glas bewegten. Nova erkannte Muster, ähnlich den Leitungsplänen der alten Tunnel – nur verdreht, als hätte jemand die Stadt in einem Spiegel geknetet.

„Wer hat dich gebaut?“ fragte Nova.

Als Antwort dröhnte der Tunnel. Kein Einsturz, kein Knall – eher ein empörter Laut, als würde jemand „He!“ rufen, weil man seinen Snack anfassen will. Die Fäden zitterten, einige lösten sich und peitschten durch die Luft, aber sie trafen nur die Wände und sprühten Funken wie kleine Sternschnuppen.

Nova hob eine Hand. „Ruhig. Ich bin nicht hier, um dich zu zerstören. Ich bin hier, um zu verhindern, dass du andere gefährdest.“

Sie sprach langsam. Nicht weil der Tunnel Sprache verstand wie ein Mensch, sondern weil langsame Worte auch langsame Bewegungen bedeuteten. Vorsicht war hier eine Sprache.

„Nova“, knackte Yaras Stimme plötzlich, ganz schwach durch. „Die Anzeigen… die Energie sammelt sich über dem Zentrum. Wie eine… Kuppel, aber falsch herum. Als würde etwas den Himmel auswringen.“

Nova schloss kurz die Augen. „Ich weiß. Ich bin dran.“

Sie griff in eine Manteltasche und zog einen kleinen, silbernen Clip heraus: einen Nullleiter, ein Werkzeug, das sie für Notfälle trug. Damit konnte sie Energie umleiten, nicht einfach abschalten – wie ein cleveres Ventil.

„FROG“, sagte sie, „ich brauche einen sicheren Weg, die Ladung abzuleiten. Ohne die Stadt zu grillen.“

„VORSCHLAG“, piepte FROG. „Erzeuge kontrollierte Lichtkuppel als Gegenfeld. Ein DÖM… aber freundlich.“

Nova lächelte kurz. „Ein freundlicher Dom. Genau mein Stil.“

„ABER“, fuhr FROG fort, „Sie müssen den Luxkern als Fokus benutzen. Risiko: Überlastung. Empfehlung: Schrittweise. Und—“

„Und keine wütenden Elefantenbewegungen“, beendete Nova. „Verstanden.“

Sie setzte den Nullleiter an den Sockel, nicht an den Kern selbst. Langsam. Ein leichtes Klicken. Der Sockel nahm Kontakt auf, und der Luxkern vibrierte in ihrer Hand, als würde er sagen: Das ist viel.

Nova atmete aus. „Ich kann das.“

Die Fäden wanden sich, als wollten sie sie ablenken. Nova bewegte sich nicht schneller, nur klüger. Sie ließ kleine Lichtschilde entstehen, nicht groß, nicht dramatisch – präzise wie Schachzüge. Jeder Schild fing eine Faser ab, lenkte sie zur Wand, wo sie harmlos ausglühte.

„Du willst Aufmerksamkeit“, sagte Nova zum Siphon-Kern. „Aber du bekommst Verantwortung.“

Dann startete sie die Umlenkung. Der Luxkern zog Energie an, bündelte sie, verwandelte sie in geordnetes Licht. Es war, als würde sie einen wild strömenden Fluss in Kanäle zwingen.

Über ihr vibrierte der Tunnel. Staub rieselte. Nova blieb ruhig. Stoisch, aber nicht starr. Sie passte den Lichtfluss an, ließ ihn in Wellen laufen, damit nichts riss.

„Status?“, fragte Yara, jetzt klarer. „Nova, sag was!“

„Ich baue etwas“, sagte Nova. „Etwas, das die Stadt beruhigt.“

„Bitte sag, es ist kein riesiger Lichtfrosch“, murmelte Yara.

Nova schnaubte. „Keine Sorge.“

„ICH WÄRE OKAY DAMIT“, piepte FROG beleidigt.

Nova konzentrierte sich. Das Gegenfeld wuchs – nicht in der Kammer, sondern als Projektion durch das Leitungsnetz nach oben, dorthin, wo der falsche Energieschirm sich aufblähte. Sie stellte sich vor, wie Licht sich wie eine schützende Hand über die Stadt legt. Nicht erdrückend. Nicht gierig. Einfach da.

Doch der Siphon-Kern wehrte sich. Seine Oberfläche wurde glatter, dunkler. Die Linien wurden zu einem Wirbel.

„Er ist fast voll“, piepte FROG. „Wenn er entlädt—“

„Dann entlädt er in meinen Dom“, sagte Nova. „Nicht in die Straßen.“

Ein Ruck ging durch die Kammer. Nova stolperte – fing sich sofort mit einem Lichtsteg, den sie unter ihre Füße setzte. Das war ihr Trick: Licht nicht nur als Waffe, sondern als Werkzeug. Als Weg.

Sie richtete sich auf, die Schultern gerade. „Letzter Schritt“, flüsterte sie.

Sie drehte den Luxkern um eine Stufe höher. Nicht maximal. Maximal war für Leute, die hinterher keine Reparaturen zahlen mussten. Sie blieb unter der Grenze – vorsichtig, verantwortungsvoll. Stark, aber nicht blind.

Das Licht stieg an, wurde klarer, härter, schöner. Es vibrierte durch die Leitungen, hinaus in die Stadt.

Und dann – über Lumenstadt – begann sich ein Dom zu formen.

Kapitel 5: Der Dom, der Mut atmete

Nova spürte ihn, bevor sie ihn sah. Es war, als würde die Luft über ihr einen ruhigen Ton summen, genau im Takt ihres Herzschlags. Der Siphon-Kern zog, drückte, zitterte – und dann entlud er sich.

Kein Feuerball. Kein Donner. Eher ein heftiges Aufatmen.

Energie schoss durch die Leitungen nach oben, wollte sich ausbreiten, wollte die Stadt verschlucken. Doch Novas Gegenfeld war da: ein weicher, goldener Dom, der sich wie eine riesige Seifenblase über die Häuser legte. Er war durchsichtig, aber man sah seine Struktur: feine, geometrische Linien, wie ein Netz aus Sternbildern.

Die Entladung prallte dagegen – und wurde aufgenommen, verteilt, beruhigt. Wie Wellen, die an einem sicheren Ufer auslaufen.

Oben am Hafen flackerten die Flutlichter ein letztes Mal – dann leuchteten sie konstant. In den Straßen gingen Ampeln wieder in ihren normalen Rhythmus. Krankenhäuser meldeten stabile Versorgung. Und irgendwo, sehr weit weg, hörte Nova ein Kind lachen, weil ein Straßenhologramm wieder funktionierte und einen Drachen über den Gehweg laufen ließ.

Yara funkte: „Nova… ich sehe es. Dieser Dom. Er ist… schön. Und alle Anzeigen sind stabil! Was hast du getan?“

Nova ließ langsam den Druck aus dem Luxkern. Ihre Hände zitterten leicht, aber sie hielt sie ruhig. „Ich hab die Energie nicht bekämpft. Ich hab ihr einen sicheren Platz gegeben.“

„Das klingt… irgendwie erwachsen“, sagte Yara.

„Tu nicht so, als wäre das ein Schimpfwort“, murmelte Nova.

Neben ihr piepte FROG fröhlich. „DÖM ERFOLGREICH. STADT NICHT GEGRILLT. KEIN LICHTFROSCH. ICH BIN—“

„Stolz?“, fragte Nova.

„AUFGELADEN“, sagte FROG. „WORTWITZ.“

Nova schüttelte den Kopf, und ein kleines Lächeln huschte über ihr sonst so ruhiges Gesicht. „Du bist unmöglich.“

Der Siphon-Kern lag jetzt still auf dem Sockel. Er war nicht zerstört, aber entleert, entschärft. Nova setzte eine Lichtfessel um ihn – ein leuchtendes Band, das sich fest zog, ohne zu schneiden. Dann befestigte sie ihn an einer Halterung.

„Wir nehmen dich mit“, sagte sie zum Kern. „Und wir finden heraus, wer dich hergebracht hat. Aber heute Nacht… beschützt du niemanden mehr, indem du ihn erschreckst.“

Der Tunnel vibrierte ein letztes Mal, nicht wütend, eher… müde. Als wäre er endlich wieder bereit zu schlafen.

Nova stieg aus dem Schacht. Oben am quai de chargement stand der Hafen still, aber nicht bedrohlich. Das goldene Licht des Doms spiegelte sich in den Pfützen. Es machte die Welt weicher, ohne sie zu vernebeln.

Ein paar Hafenarbeiter waren in sicherer Entfernung geblieben, hinter einer Absperrung. Einer hob vorsichtig die Hand. „Ist… ist alles okay?“

Nova ging hinüber, langsam, damit niemand erschrak. „Ja“, sagte sie. „Aber bleibt bitte noch ein bisschen zurück. Vorsicht ist heute die beste Superkraft.“

Der Mann nickte. „Okay. Danke… Nova, oder?“

„Nova Quell“, sagte sie.

Er grinste schief. „Der Dom da oben… der fühlt sich an, als würde die Stadt eine Decke bekommen.“

Nova blickte hinauf. Der Dom spannte sich ruhig über Lumenstadt, nicht wie ein Käfig, sondern wie ein Versprechen: Ich halte, was ich kann. Ich bin da.

„Eine Decke ist gut“, sagte Nova. „Aber nur, wenn man darunter noch atmen kann.“

Der Arbeiter lachte leise. „Klingt fair.“

Yara funkte noch einmal. „Nova, die Leute posten schon Fotos. Sie nennen ihn ‘Den Beruhigungsdom'.“

Nova schnaubte. „Besser als ‘Die Riesenblase des Chaos'.“

„Und… bleibst du okay?“

Nova sah auf ihre Hände. Der Luxkern glomm sanft, erschöpft, aber heil. „Ja. Ich war vorsichtig.“

Sie machte eine Pause und fügte hinzu: „Und wenn man vorsichtig ist, kann man mutig bleiben, ohne dumm zu werden.“

„Das sollte auf ein Plakat“, sagte Yara.

„Bitte nicht“, antwortete Nova.

FROG piepte: „ICH KANN PLAKATE DRUCKEN.“

„Du druckst gar nichts“, sagte Nova und steckte den kleinen Roboter unter ihren Arm, als wäre er eine besonders gesprächige Lunchbox.

Sie ging über den Hafen, während über ihr der goldene Dom weiterhin ruhig leuchtete. Lumenstadt war sicher – nicht, weil jemand die Nacht besiegt hatte, sondern weil jemand sie verstanden, gelenkt und sanft gehalten hatte.

Und hoch oben, im warmen Licht, wirkte die Zukunft weniger wie ein drohender Schatten und mehr wie ein Weg, den man mit klarem Kopf und vorsichtigen Schritten gehen konnte.

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Parkhaus
Ein großes Gebäude, in dem viele Autos geparkt werden können.
Luxkern
Ein kleines Gerät, das Licht speichert und in Formen oder Schilde verwandelt.
Hologramm
Ein bild aus Licht, das räumlich aussieht, obwohl es nicht wirklich da ist.
PHOTONISCHES SAMMELFELD
Ein Feld aus Lichtteilchen, das Energie auffängt und sammelt.
Siphon-Kern
Ein rundes Gerät, das Energie einsaugt und für später speichert.
Umlenkung
Das Lenken von Energie oder Strom in eine andere Richtung.
Gegenfeld
Ein Feld, das gegen ein anderes Feld arbeitet, um es zu bremsen oder zu halten.
Entladung
Wenn gespeicherte Energie plötzlich freigesetzt oder abgegeben wird.
Wartungstunnel
Ein unterirdischer Gang, in dem Arbeiter Rohre und Leitungen prüfen.
Nullleiter
Ein Werkzeug oder Kabel, das dazu dient, Strom sicher umzuleiten.

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