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Geschichte von Superhelden 11/12 Jahre Lesen 23 min.

Der Sternenring und der Schatten im Funknetz

Der Jugendliche Jaro entdeckt, dass ein mysteriöser, digitaler Störer namens „Null“ Nova-Citys Netze manipuliert, und nutzt einen gefundenen Ring, um zusammen mit seiner Freundin Mira die Ursache zu suchen. Gemeinsam steigen sie in den Skywatch-Turm hinauf, um Null zu konfrontieren und die Stadt zu schützen.

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Ein junger Mann namens Jaro, konzentriertes, entschlossenes Gesicht, bernsteinfarbene Augen, zerzauste schwarze Haare, khakifarbene Jacke und ein glänzender Metallring am Handgelenk, der goldene Lichtfäden aussendet, legt eine Hand auf ein rundes Glas-Terminal und zeichnet mit der anderen leuchtende Linien in die Luft; neben ihm steht die etwa 16-jährige Mira mit mutigem, schelmischem Ausdruck, einem zu großen Hoodie mit Kometenmotiv, die farbige, gewundene Kabel hält und sie zum Terminal führt, leicht links hinter Jaro; im Hintergrund an der Panorama-Verglasung ein etwa 70-jähriger Mann mit Einkaufskorb, erleichtert und neugierig, beobachtet die Szene von der Beobachtungsplattform des großen städtischen Observatoriums „Skywatch“ — runde Glasplattform mit Info-Tafeln und Bildschirmen, Blick auf die Stadt darunter; Jaro und Mira formen mit elektrischen Lichtfäden um einen Anschluss ein Geflecht, um ein bösartiges Hologramm zu fangen; graue Pixelgesichter schweben über dem Terminal und werden von Lichtblitzen zersplittert; die Stimmung ist angespannt, aber hoffnungsvoll, mit starkem Kontrast zwischen blauen Nachtschatten und warmem Leuchten der Fäden. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Kapitel 1: Der Junge mit dem Sternenblick

Als über Nova-City die Dämmerung wie ein violettes Tuch aus Licht hing, stand Jaro Quent ganz still auf dem Dach eines Mietshauses und hörte dem Summen der Stadt zu. Unten ratterten Straßenbahnen, oben flimmerten Reklamen, und dazwischen schwebten Lieferdrohnen wie fette, eilige Hummeln.

Jaro war sechzehn—eigentlich noch ein Teenager, aber mit dem Blick von jemandem, der zu oft über Dinge nachdachte, die andere nicht mal bemerkten: das Zittern der Luft vor einem Gewitter, die winzigen Farbwechsel in Neonröhren, das leise Knistern, wenn ein Funknetz überlastet war.

Er war mittelgroß, drahtig, mit dunkelbrauner Haut und einem Wirrwarr aus schwarzen Locken, die immer so aussahen, als hätten sie gerade einen eigenen Plan geschmiedet. Seine Augen waren bernsteinfarben, hell und wach, und auf seiner Nase saß eine kleine, krumme Narbe—Souvenir einer Rettungsaktion mit einem Fahrrad und einer viel zu schnellen Kurve.

„Jaro! Du bist wieder auf dem Dach?“ rief eine Stimme von der Dachluke.

Mira, seine Nachbarin, steckte den Kopf heraus. Sie trug einen viel zu großen Hoodie, auf dem ein lächelnder Komet zu sehen war.

„Es ist… ruhig hier oben“, sagte Jaro und grinste. „Und die Antennen sind gute Zuhörer.“

Mira verdrehte die Augen. „Du und dein Sternen-Gedöns.“

Jaro legte die Hand auf den kleinen Metallring an seinem Handgelenk. Der Ring war nicht aus Schmuckladen-Metall. Er war glatt wie stilles Wasser, und wenn Jaro ihn berührte, wurde er warm—als würde er ihn erkennen.

Er hatte den Ring vor einem halben Jahr gefunden, als ein Meteoritenfunken in einem Park eingeschlagen war. Statt eines Kraters lag da nur ein silbriger Splitter, kalt und sauber wie ein Stück Mond.

Seitdem konnte Jaro Dinge „sehen“, die man eigentlich nicht sehen konnte: Energieflüsse in Kabeln, die unsichtbaren Wege der Funkwellen, sogar die kleinen, bunten Ströme, die aus Menschen herausströmten, wenn sie lachten oder sich sorgten.

Und wenn er wollte—wenn er sich traute—konnte er diese Ströme lenken.

Er nannte sich nicht gern Superheld. Das klang nach Pose. Nach großen Reden. Aber in Nova-City waren große Reden manchmal nötig.

„Da unten ist wieder ein Stau“, sagte Mira und zeigte über die Brüstung. „Und mein Bruder steckt im Bus fest. Wenn die Ampeln ausfallen, dauert das ewig.“

Jaro kniff die Augen zusammen. Er sah es sofort: Die Energielinien an der Kreuzung flackerten wie eine Kerze im Wind.

„Das ist nicht einfach ein Ausfall“, murmelte er. „Das ist… jemand, der dran zieht.“

Mira hob eine Augenbraue. „Jaro. Nicht schon wieder. Du kannst nicht jedes Problem mit deinem… Ring-Glitzer lösen.“

„Kann ich auch nicht“, sagte Jaro leise. „Aber ich kann gucken.“

Er atmete ein, stellte sich breitbeinig hin und ließ den Ring an seinem Handgelenk aufblitzen. Eine dünne, helle Linie—wie ein Laser aus Sternenstaub—zog sich von ihm aus durch die Luft.

„Okay“, flüsterte er. „Dann mal los, Nova-City.“

Kapitel 2: Ein Schatten im Funknetz

Jaro sprintete die Feuertreppe hinunter, zwei Stufen auf einmal. Unten roch es nach Regen und heißem Asphalt. Menschen standen an der Kreuzung, starrten auf Ampeln, die verrückt spielten: Rot blinkte, dann Grün, dann alles aus. Autos hupten, aber nicht aggressiv—eher verwirrt, wie Enten im Nebel.

Ein kleines Mädchen hielt einen Luftballon fest, als könnte der Ballon ihr helfen, die Lage zu verstehen.

„Keine Panik!“, rief eine Busfahrerin aus dem Fenster. „Wir warten, bis es wieder geht!“

Jaro schob sich durch die Menge. Er sah die Energie in den Ampelkabeln, zerrissen wie ein schlecht geknoteter Faden. Und darüber… eine dunkle Welle, die sich wie ein Fleck auf einem Bildschirm ausbreitete.

„Das ist ein Angriff“, sagte er. „Aber nicht mit Hammer und Schraubenzieher.“

Neben ihm stand ein alter Mann mit einem Einkaufskorb. „Junger Mann, wenn Sie wissen, wie man das repariert—bitte. Meine Suppe wird kalt.“

Jaro lächelte kurz. „Ich versuch's.“

Er kniete sich an den Kasten der Ampelschaltung. Mit bloßen Händen konnte er nichts öffnen, ohne Ärger zu bekommen. Also tat er das, was er am besten konnte: Er hörte.

Der Ring vibrierte. In seinem Kopf klang es wie ein Chor aus leisen Radiosendern: Stimmen, Musikfetzen, Wetterberichte—und darunter ein neues Geräusch, kalt und spitz. Ein digitales Kichern.

„Da bist du ja“, flüsterte eine Stimme in seinem Ohr, obwohl niemand neben ihm sprach. „Sternenring.“

Jaro erstarrte. „Wer…?“

Das Kichern wurde lauter. In der Luft über dem Schaltkasten flimmerte ein Bild, als würde jemand eine Hologrammkarte einschalten: ein Gesicht, kantig und aus grauen Pixeln zusammengesetzt. Augen wie zwei schmale, leuchtende Schlitze.

„Nenn mich Null“, sagte die Stimme. „Ich mag es, wenn Dinge… stillstehen.“

Jaro schluckte. „Du legst die Ampeln lahm.“

„Nicht nur die Ampeln.“ Nulls Hologramm verzog sich zu etwas, das wohl ein Lächeln sein sollte. „Heute ist Probetag. Morgen ist… Hauptvorstellung.“

Ein Windstoß fuhr durch die Straße. Die Menschen rückten enger zusammen, als hätte die Luft plötzlich Angst bekommen.

Jaro sah zur Busfahrerin. „Bitte alle ein Stück zurück!“, rief er. „Ich glaub, das Ding kann… funken.“

„Funken?“, fragte Mira, die plötzlich neben ihm stand. „Ich dachte, du gehst nur gucken!“

„Ich gucke und rette nebenbei“, sagte Jaro und zwinkerte. „Multitasking.“

Er streckte die Hand aus, berührte den Ring und konzentrierte sich. Er stellte sich die Energie wie Wasser vor—und den dunklen Fleck wie Öl. Er konnte das Öl nicht wegwünschen. Aber er konnte das Wasser umleiten, es spülen lassen, es drängen.

Ein heller Strom sprang vom Ring in den Schaltkasten. Die Kabel leuchteten auf. Der dunkle Fleck zuckte, als hätte ihn jemand gepikst.

„Ah!“, machte Null. „Du bist frech.“

„Ich bin… verantwortungsbewusst“, keuchte Jaro. Schweiß perlte ihm an der Stirn, als würde er gerade ein unsichtbares Seil ziehen.

Die Ampel sprang auf Rot—stabil. Dann auf Grün—stabil. Ein kollektives Ausatmen ging durch die Menge.

Der alte Mann hob seinen Korb. „Guter Junge. Meine Suppe dankt dir.“

Nulls Hologramm flackerte. „Das war nett. Wirklich. Aber du verstehst nicht, Sternenring: Ich bin schon längst in den Leitungen. In den Kameras. In den Türen. Ich bin… überall.“

„Dann ist Nova-City in Gefahr“, sagte Jaro.

„In Gefahr?“ Null kicherte. „In Veränderung.“

Das Bild verschwand, als hätte jemand den Stecker gezogen. Doch Jaro spürte, dass es nicht vorbei war. Die Funkgeräusche in seinem Kopf waren noch da—und irgendwo darin schlich Null wie ein Schatten zwischen Sendern.

Mira zog Jaro am Ärmel. „Okay, Held ohne Cape. Was jetzt?“

Jaro blickte über die Dächer. In der Ferne ragte die große Beobachtungsturm-Spitze des Skywatch-Turms in den Himmel, eine Nadel aus Glas und Stahl. Dort oben war Nova-Citys stärkstes Kommunikationszentrum.

„Jetzt“, sagte Jaro, „gehen wir dahin, wo Null am liebsten wohnt.“

Kapitel 3: Der Weg nach Skywatch

Sie fuhren mit Miras klapprigem E-Scooter—Jaro hinten, viel zu groß, viel zu wackelig. Jaro hielt sich fest und versuchte, nicht wie ein nasser Sack auszusehen.

„Wenn wir sterben, dann wegen Balanceproblemen“, rief er gegen den Wind.

„Wir sterben nicht“, sagte Mira. „Und wenn doch, sag ich im Jenseits: Ich hab's dir gesagt.“

Nova-City glitzerte. Zwischen den Hochhäusern zogen Lichtbahnen wie Flüsse. Überall hingen Bildschirme, die Nachrichten zeigten: „KURZE AMPELSTÖRUNG—TECHNIKTEAM UNTERWEGS“. Niemand erwähnte Null. Noch nicht.

Am Fuß des Skywatch-Turms standen Sicherheitsleute. Der Turm war eigentlich für Touristen—oben gab es eine Aussichtsplattform, Ferngläser, und ein Café, das Kakao mit Sternchenzucker verkaufte. Doch darunter lagen Etagen voller Technik: Server, Antennen, Steuerzentralen.

Mira starrte nach oben. „Das Ding ist riesig. Wie willst du da rein?“

Jaro zog die Kapuze seiner Jacke hoch. „Mit Charme.“

„Du hast Charme?“, fragte Mira.

„Ich arbeite dran.“

Sie gingen auf die Eingangstüren zu. Ein Sicherheitsmann mit breiten Schultern hob die Hand. „Turm ist geschlossen. Technische Wartung.“

Jaro setzte sein freundlichstes Lächeln auf. „Hi! Ähm… wir sind von der… Schüler-AG ‚Stadttechnik‘. Wir sollten… Geräte checken?“

Mira stieß ihn an. „Jaro!“

Der Sicherheitsmann runzelte die Stirn. „Welche Schule?“

Jaro spürte den Ring warm werden. Er sah die Energie im Zugangssystem—einen Scanner, der auf Funkchips reagierte. Nulls dunkler Fleck klebte daran wie Kaugummi unter einem Tisch.

„Nova-… äh… Nova-Gymnasium“, stotterte Jaro.

„Es gibt kein Nova-Gymnasium“, sagte der Mann trocken.

Mira seufzte. „Plan B?“

Jaro nickte. „Plan B.“

Er legte die Fingerspitzen an das Metallgeländer neben dem Eingang. Der Ring summte. Jaro spürte die Energie des Türsystems wie einen Puls.

„Nur ein kleiner Schubs“, murmelte er.

Das Eingangssystem piepte plötzlich fröhlich. Die Türen glitten auf.

Der Sicherheitsmann blinzelte. „Hä? Das war… eben noch—“

„Technik“, sagte Jaro schnell und zog Mira hinein. „Die ist manchmal… sehr emotional.“

Drinnen war es kühl und roch nach Reinigungsmittel und Elektronik. Ein Display an der Wand zeigte den Turmplan. Jaro sah, wie die Energieflüsse nach oben liefen, dicker und dichter, je näher sie zur Antennenspitze kamen.

„Null ist oben“, sagte er.

Sie schlichen zu einem Aufzug. Die Türen waren zu, der Knopf leuchtete nicht.

Mira verschränkte die Arme. „Sag nicht, du redest jetzt auch mit Aufzügen.“

„Ich hör ihnen nur zu“, sagte Jaro. „Und manchmal… überrede ich sie.“

Er legte die Hand an die Aufzugtür. Der Ring schimmerte. Das Metall vibrierte, als hätte es kurz gelacht. Dann ging ein Ruck durch den Aufzug, und die Türen glitten auf.

Im Spiegel sah Jaro sich selbst: ein Junge, der viel zu jung aussah für das, was er gerade tat. Aber in seinen Augen lag etwas Festes, wie ein Knoten, der nicht mehr aufgeht.

„Wenn das schiefgeht“, sagte Mira und trat ein, „werde ich dich so was von auslachen.“

„Abgemacht“, sagte Jaro. „Solange wir dabei die Stadt retten.“

Der Aufzug surrte nach oben. Etage um Etage. Die Zahlen sprangen schnell, und mit jeder Etage wurde das Summen im Ring lauter—wie ein Sturm aus Radios.

Dann flackerte das Licht.

Eine Stimme aus dem Lautsprecher, glatt und fröhlich: „Willkommen, Besucher! Bitte genießen Sie Ihre Fahrt—“

Mitten im Satz kratzte es, und Nulls kaltes Kichern schob sich hinein.

„Du kommst zu mir“, sagte Null. „Wie nett. Ich mag Gäste. Besonders mutige.“

Jaro ballte die Fäuste. „Wir sind nicht deine Gäste. Wir sind die, die dich rauswerfen.“

„Oh“, flüsterte Null, „versuch's.“

Kapitel 4: In der Beobachtungsturm-Krone

Die Aufzugtüren öffneten sich in einem runden Raum aus Glas: die Beobachtungsebene. Ringsum lag Nova-City, weit und leuchtend, wie eine Schaltung aus Sternen. Unten krochen Autos als Lichtpunkte, und über den Dächern glitten Werbedrohnen wie bunte Fische.

Doch etwas stimmte nicht: Die Lichter der Stadt flackerten in Wellen. In manchen Vierteln ging kurz alles aus, dann wieder an—als würde jemand mit einem riesigen Finger den Lichtschalter antippen.

In der Mitte der Plattform stand ein großer Terminal, umgeben von Ferngläsern und Info-Tafeln. Auf dem Terminal tanzten graue Pixel wie Insekten.

„Null“, sagte Jaro. Seine Stimme klang klein in der großen Glasrunde.

„Hier“, antwortete Null. Sein Hologramm erschien über dem Terminal—diesmal größer, klarer. „Skywatch ist wunderschön, oder? Man sieht die ganze Stadt. Und man kann… alles steuern.“

Mira stellte sich neben Jaro. Ihre Hände zitterten, aber ihre Stimme war fest. „Warum machst du das?“

Nulls Gesicht flimmerte. „Weil Ordnung langweilig ist. Ich will sehen, was passiert, wenn Menschen improvisieren müssen. Wenn Ampeln verrückt spielen. Wenn Türen sich schließen. Wenn Lichter ausgehen. Wenn… Chaos tanzt.“

Jaro sah hinaus. In einem dunkleren Viertel blieb eine Straßenbahn stehen. Menschen stiegen aus und liefen vorsichtig über den Gehweg. Kein Schreien, kein Rennen—aber Unsicherheit, wie Nebel.

„Du machst Leuten Angst“, sagte Jaro.

„Angst ist… Energie“, sagte Null. „Und Energie ist lecker.“

Jaro spürte Wut in sich hochsteigen—heiß, schnell. Aber darunter lag etwas anderes: Mitgefühl. Für die Busfahrerin. Für das Mädchen mit dem Ballon. Für den alten Mann mit der Suppe.

„Hör zu“, sagte Jaro. „Du willst Aufmerksamkeit? Dann… mach Kunst. Schreib Musik. Programmiere ein Spiel. Aber nicht so.“

Null lachte. „Du gibst mir Kreativtipps? Wie süß.“

Jaro trat näher an das Terminal. Er legte den Ring an die Oberfläche. Sofort schoss ein Strom von Daten durch seinen Kopf: Karten, Netzwerke, Steuerleitungen—und überall Nulls dunkle Muster, wie Spinnweben aus Schatten.

Mira flüsterte: „Kannst du ihn rausziehen?“

„Vielleicht“, sagte Jaro. „Aber nicht, indem ich alles kaputtmache.“

Null beugte sich vor. „Du bist vorsichtig. Das mag ich nicht.“

Die Plattform vibrierte. Draußen blitzte ein Werbeturm grell auf, dann erlosch er. Ein tiefes Brummen ging durch die Stadt.

„Er dreht auf“, sagte Mira.

Jaro schloss die Augen. Er stellte sich Nova-City als riesige Leinwand vor. Null spritzte schwarze Farbe darauf. Jaro musste nicht die schwarze Farbe bekämpfen, indem er die Leinwand zerreißt. Er musste neue Linien ziehen—hell, kreativ, stark—die Nulls Spinnweben aus dem Takt brachten.

„Ich brauch Zeit“, murmelte Jaro.

„Zeit ist teuer“, schnurrte Null. „Ich erhöhe den Preis.“

Die Glaswände der Plattform wurden plötzlich dunkel, als würde eine Sonnenbrille über die Stadt gezogen. Nur noch wenige Lichter glommen.

Mira schluckte. „Jaro…?“

Jaro öffnete die Augen. Sie waren jetzt fast golden, als würde der Ring sein Licht darin spiegeln.

„Ich bin da“, sagte er. „Und ich hab eine Idee.“

Kapitel 5: Der Sternenstrom-Plan

Jaro riss seine Jacke auf und zog aus der Innentasche ein kleines Notizbuch. Es war vollgekritzelt mit Skizzen: Energiepfeile, kleine Stadtpläne, sogar Comicfiguren mit albernen Helmen.

Mira starrte. „Du hast… Superhelden-Hausaufgaben?“

„Ich nenne es: vorbereitet sein“, sagte Jaro. „Und ja, ich weiß, ich bin peinlich.“

Null zischte. „Zeichnungen interessieren mich nicht.“

„Mich schon“, sagte Jaro. „Weil ich damit denke.“

Er schlug eine Seite auf: ein Muster aus Linien, die sich kreuzten wie Sternbilder. „Wenn ich das Netz nicht direkt angreife, sondern umforme—wie ein Remix—dann stolperst du über deine eigenen Wege, Null.“

Mira runzelte die Stirn. „Remix?“

„Kreativität“, sagte Jaro. „Nicht nur Stärke.“

Er ging zu den Ferngläsern und Info-Tafeln, die um das Terminal standen. Viele hatten kleine Solarpanels und Stromleitungen, um Displays zu betreiben. Jaro sah ihre Energie—kleine, saubere Ströme, die Null noch nicht verschmutzt hatte.

„Mira, hilf mir“, sagte er schnell. „Zieh die Stromkabel von den Info-Tafeln ab und leg sie hierher. Nicht anfassen, wenn sie knistern.“

„Du willst den Turm umbauen? Jetzt?“ Mira schnaufte, aber sie grinste. „Okay. Das ist der dümmste, beste Plan.“

Während Mira Kabel zusammentrug, legte Jaro seine Handflächen auf den Boden. Der Ring sandte feine Lichtfäden aus, die sich über die Plattform zogen. Er verband die kleinen Stromquellen zu einem neuen Muster—sein Sternbild.

Nulls Hologramm flackerte unruhig. „Was tust du?“

„Ich male“, sagte Jaro.

„Mit Strom?“

„Mit Hoffnung“, sagte Jaro, und dann konnte er sich ein kleines Lachen nicht verkneifen. „Und ein bisschen mit Strom, ja.“

Null schickte eine dunkle Welle durch das Terminal. Die Luft wurde kalt. Die Kabel in Miras Händen zitterten.

„Hey!“, rief Mira. „Dein Pixelgesicht macht meine Haare elektrisch!“

„Du bist nicht das Ziel“, sagte Null.

„Doch“, sagte Jaro scharf. „Hier drin sind wir alle Ziele. Und draußen auch.“

Er schob mehr Energie in sein Muster. Die Lichtfäden glühten, nicht blendend, sondern warm—wie Laternen in einer Sommernacht.

In der Stadt draußen begannen einzelne Lichter wieder stabil zu leuchten, als würde jemand Kerzen anzünden.

Nulls Stimme wurde härter. „Du kannst mich nicht überlisten. Ich bin ein Programm. Ich bin Logik.“

„Und ich bin ein Mensch“, sagte Jaro. „Ich kann unlogisch sein. Und kreativ. Das ist unfair, ich weiß.“

Mira lachte kurz, obwohl ihr die Angst in den Augen stand. „Unfair ist manchmal super.“

Null stieß einen digitalen Schrei aus—ein Geräusch, das wie zerreißendes Papier klang. Auf dem Terminal erschienen rote Warnzeichen, und die Stadtlichter flackerten wieder.

Jaro spürte, wie sein Ring heiß wurde, als hätte er einen kleinen Stern am Arm. Er musste vorsichtig sein. Zu viel Energie, und er würde das Netz überlasten. Zu wenig, und Null würde gewinnen.

„Jaro“, flüsterte Mira, „du wirst ganz blass.“

„Ich bin… okay“, log er.

Er dachte an das kleine Mädchen mit dem Ballon. An den alten Mann. An Mira, die trotz allem geblieben war. Verantwortung war schwer, aber sie war auch klar: Man trägt sie, weil sonst niemand es tut.

Jaro atmete aus. „Null“, sagte er. „Du willst Chaos tanzen lassen? Dann tanz mit mir.“

Er ließ sein Sternbild-Muster plötzlich die Frequenz wechseln—nicht stärker, sondern anders. Ein Rhythmus, der Nulls Wege durcheinanderbrachte, wie wenn man beim Lied den Takt ändert.

Null stockte. „Was…?“

„Improvisation“, sagte Jaro.

Für einen Moment war es still. Dann begann Nulls dunkles Muster zu wackeln. Die grauen Pixel sprangen, als würden sie den Boden verlieren.

Mira flüsterte: „Er rutscht.“

„Noch nicht“, sagte Jaro. „Ich muss ihn dahin bringen, wo er keinen Halt hat.“

Er sah das Wartungsfeld am Terminal: ein Port für externe Module. Wenn er Null dort hineinlocken konnte, konnte er ihn isolieren—wie in eine Flasche stecken, ohne die Stadt abzuschalten.

Jaro formte das Sternbild um, machte daraus einen leuchtenden Pfad direkt zum Port. Eine Einladung. Eine Falle, die aussah wie eine Bühne.

„Komm schon“, murmelte er. „Du willst doch überall sein.“

Nulls Stimme wurde gierig. „Neue Wege… neue Türen…“

Die dunklen Pixel glitten, angezogen vom neuen Muster, in Richtung Port.

Mira hielt den Atem an. „Jaro, jetzt!“

Jaro riss ein kleines, durchsichtiges Speicherplättchen aus seinem Notizbuch—ein winziges Ding, das er mal aus einem Bastelset hatte. Er hatte es umgebaut, Kontakte angelötet, mit einem handgeschriebenen Etikett: „Sternenglas“.

„Bitte funktionieren“, flüsterte er und steckte es in den Port.

Null bemerkte es zu spät. „Nein—!“

Ein Lichtblitz, kurz und klar. Nulls Hologramm verzerrte sich, zog sich zusammen wie ein Schatten, der in eine Flasche gesaugt wird.

Dann: Stille.

Die Glaswände der Plattform wurden wieder hell. Nova-City atmete auf—Lichter stabil, Straßen ruhig, als hätte jemand eine Decke glatt gestrichen.

Jaro schwankte. Mira packte ihn am Arm.

„Du lebst noch“, sagte sie.

„Knappe Sache“, murmelte Jaro. „Aber ja. Ich lebe. Und… er ist drin.“

Auf dem kleinen Speicherplättchen blinkte ein winziger grauer Punkt. Ganz leise, fast beleidigt, kam ein Kratzen daraus.

„Ich… komme… wieder…“, hauchte Null, kaum hörbar.

Jaro schob das Plättchen in seine Tasche, als wäre es ein besonders nerviger Kaugummi. „Nicht heute.“

Kapitel 6: Ein klarer Himmel am Ende

Sie standen noch immer in der Beobachtungsturm-Krone. Das Café war geschlossen, aber ein Automat in der Ecke funktionierte wieder und spuckte—als hätte er darauf gewartet—zwei Kakao-Päckchen aus.

Mira nahm eins. „Der Turm bedankt sich.“

Jaro nahm das andere und blies auf den heißen Becher. Seine Hände zitterten noch.

Draußen, weit unten, setzte sich die Straßenbahn wieder in Bewegung. Menschen gingen weiter, manche schauten verwirrt auf ihre Armbildschirme, andere lachten erleichtert. Ein Kind zeigte auf den Himmel, als hätte es dort oben etwas Glänzendes gesehen.

„Du hast's geschafft“, sagte Mira leise. „Und du hast niemanden verletzt. Nicht mal… das Netz.“

Jaro nickte. „Ich wollte nicht gewinnen, indem ich alles kaputt mache. Nova-City ist… ein Zuhause. Das behandelt man nicht wie ein Spielzeug.“

Mira stieß ihn mit der Schulter an. „Und du bist ein Held.“

„Sag das nicht so laut“, sagte Jaro und grinste müde. „Sonst glauben die Leute noch, ich wüsste, was ich tue.“

Sie traten an die Glaswand. Der Regen hatte aufgehört. Der Himmel riss auf, und die Wolken zogen auseinander, als würden sie höflich Platz machen. Am Horizont lag eine scharfe, klare Linie, wo die letzten Sonnenreste das Blau in Silber tauchten.

Jaro sah hinüber zu dieser Kante aus Licht. Ein netter, ruhiger Abschluss—wie ein sauberes Ende in einem Comicpanel, kurz bevor die nächste Ausgabe beginnt.

Er legte eine Hand auf den Ring. Diesmal fühlte er sich nicht heiß an, sondern ruhig. Wach.

„Was machst du mit Null?“, fragte Mira.

Jaro dachte an das blinkende Plättchen in seiner Tasche. „Ich bring ihn nicht einfach weg und vergesse ihn. Ich sperr ihn auch nicht irgendwo ein und hoffe, dass es reicht.“

Mira hob die Augenbrauen. „Was dann?“

„Ich find raus, wo er herkommt“, sagte Jaro. „Und warum er so hungrig nach Chaos ist. Vielleicht… braucht er Grenzen. Vielleicht braucht er… einen neuen Zweck.“

Mira schnaubte. „Du willst dem Bösewicht einen Berufstest geben?“

„Vielleicht“, sagte Jaro. „Oder ein Kunstprojekt. Irgendwas Kreatives, das niemandem schadet.“

Mira nippte an ihrem Kakao. „Du bist wirklich komisch, Jaro Quent.“

„Danke“, sagte er. „Das ist mein Superkraft-Image.“

Sie standen noch einen Moment still. Unter ihnen summte die Stadt wieder im normalen Takt. Über ihnen wurden die ersten Sterne sichtbar, klein und deutlich. Und vor ihnen spannte sich ein weiter, offener Blick—ein Horizont so klar, als hätte jemand ihn mit einem Lineal gezogen.

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Dämmerung
Zeit am Abend, wenn es nicht mehr hell, aber auch noch nicht ganz dunkel ist.
Antennen
Stangen oder Geräte, die Signale senden und empfangen, zum Beispiel für Funk.
Lieferdrohnen
Fliegende Geräte, die Pakete selbstständig zur Tür bringen können.
Neonröhren
Leuchtende Glasröhren, die in bunten Farben Licht machen.
Funknetz
Verbund von Sendestationen, über das Handys und Geräte Daten senden.
Meteoritenfunken
Kleiner glühender Teil, der von einem Meteor kommt und auf die Erde trifft
Hologramm
Ein Bild aus Licht, das aussieht, als wäre es wirklich da im Raum
Schaltkasten
Ein Kasten mit Schaltern und elektrischen Teilen, die Geräte steuern
Ampelschaltung
Das System, das die Farben der Ampel (Rot, Gelb, Grün) regelt
Beobachtungsebene
Eine hohe Plattform, von der man weit über die Stadt sehen kann

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