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Geschichte von Superhelden 11/12 Jahre Lesen 32 min.

Flimmerfalke und der falsche Sturm im Klimadom von Neonhafen

Die zurückhaltende Liora, als Flimmerfalke mit einem Impulsring, kämpft gegen den Hacker HexaGrin, der das Wetter in Neonhafen manipuliert, und versucht zusammen mit dem Jungen Mika, die Stadtbewohner zu schützen.

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Eine heldenhafte Frau, Liora, konzentriert und gelassen, entschlossener Blick, braune Haare im Dutt, dunkler langer Mantel über einem dunklen Anzug mit silbernen Leuchtlinien; sie stützt eine Hand an einen leicht vibrierenden Metallring, in Aktionshaltung, ein Bein nach vorn wie gelandet. Hinter ihr leicht links steht der etwa 12-jährige Junge Mika, zerzauste braune Haare, verkehrt getragene Mütze, staunend und besorgt, hält ein kleines Skateboard und zeigt digitale Pläne auf einem Tablet. Rechts im Hintergrund eine etwa 35-jährige Frau mit Marktschürze, erleichtert aber müde, hält eine Einkaufstasche nahe einer Ausgangstür des Kuppelraums. Links ein etwa 60-jähriger Uhrmacher, ruhige Hände, einfache Kleidung, führt Menschen und hält die Hand eines Kindes. Schauplatz: Innenraum des großen Klimadoms mit sechseckiger Glasstruktur, halbtransparenten Wänden mit Wabenmustern, runden Metallstegen und schwebenden Leuchttafeln; am Boden gemischte Wetterzonen (feiner Schnee bei einer Bank, Palmen und nasse Pflastersteine), kräftige Kontrastfarben. Liora harmonisiert mit ihrem Ring eine zentrale Lichtsäule, die Wellen aussendet; farbige konzentrische Wellen strömen von ihrer Hand, Einwohner versammeln sich ruhig zur Evakuierung, Mika unterstützt mit dem Tablet, im Hintergrund blinken holografische HexaGrin-Anzeigen. Grafikstil: flachvektor, satte kontrastreiche Farben, klare Konturen, überzeichnete warme Mimik, dramatische Beleuchtung von der Lichtsäule, die Liora betont. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Kapitel 1: Die Frau mit dem leisen Donner

In Neonhafen roch die Luft nach Salz, warmem Asphalt und dem süßen Dampf der Garküchen. Drohnen surrten wie nervöse Mücken zwischen den Hochhäusern, und an den Fassaden flackerten Hologramm-Werbetafeln: Schuhe, Spiele, Sternenreisen – alles glänzte, alles rief.

Nur sie rief nie.

Sie hieß Liora Kestrel, und die meisten kannten sie nur als „die Frau, die immer zu spät zur Straßenbahn kommt“. Liora trug eine schmale Brille, hatte ein dunkles, dichtes Haar, das sie meist in einem praktischen Knoten versteckte, und eine ruhige Art, als würde sie die Welt erst prüfen, bevor sie ihr vertraute. Wenn sie sprach, klang es freundlich, aber vorsichtig – wie ein Lied, das sich erst traut, wenn niemand zuhört.

Doch unter ihrem Mantel steckte kein gewöhnliches Leben.

Unter dem Mantel lagen die dünnen, schwarzen Faserplatten ihres Anzugs, mit winzigen Lichtkanälen, die im Dunkeln wie Sternbilder leuchteten. Und in ihrer rechten Hand ruhte, beinahe unsichtbar, ein Ring aus gedrehtem Metall: der Impulsring. Wenn Liora ihn aktivierte, konnte sie kinetische Energie umleiten – Stöße, Schwingungen, Druckwellen. Sie konnte sie fangen wie Bälle und zurückwerfen wie einen perfekten Pass. Nicht um zu zerstören. Um zu retten.

Ihr Heldinnenname war Flimmerfalke.

Der Name passte nicht zu ihrer Zurückhaltung, aber genau deshalb hatte sie ihn gewählt. Manchmal musste man dem Mut einen großen Mantel geben, damit er nicht friert.

Als Liora an diesem Nachmittag die Treppen zur Skyline-Brücke hinaufstieg, vibrierte der Boden. Erst dachte sie, es sei die U-Bahn, doch dann heulten Sirenen auf, und die Hologramme an der Brücke wechselten auf Warnrot.

„Achtung! Wetterinstabilität! Bleiben Sie—“

Das Display flackerte und brach ab.

Und dann kam das Geräusch: ein tiefes, metallisches Brummen, als würde eine riesige Saite gezupft. Über dem Hafen schob sich eine Wolke zusammen, die nicht nach Wolke aussah, sondern nach einem zu dichten, zu glatten Vorhang. Blitze zuckten darin, aber sie wirkten falsch, zu geradlinig, als wären sie gezeichnet.

Liora blieb stehen. Ihr Herz klopfte nicht laut, eher schnell und konzentriert. Neben ihr quetschte sich ein Junge mit einem Skateboard durch die Menge und blieb ebenfalls stehen.

„Das ist nicht normal“, sagte er.

„Nein“, antwortete Liora leise.

Der Junge musterte sie. „Du bist doch…“ Er suchte nach dem Wort, als hätte er es auf der Zunge, aber wollte nicht unhöflich sein.

Liora zog die Schultern hoch. „Nur jemand, der die Aussicht mag.“

Da riss ein Windstoß über die Brücke. Eine Werbedrohne taumelte, krachte gegen ein Geländer, Funken sprühten. Menschen schrien. Ein kleines Mädchen verlor ihren Ballon, der sofort in die Luft zischte, als wäre er auf der Flucht.

Liora sah nach oben, und in der Wolke erkannte sie etwas: einen Ring, der sich drehte. Eine Konstruktion, so groß wie ein Stadion, aus Segmenten, die blau leuchteten.

Ein Wetterring. Aber keiner aus dem Stadtmuseum.

„Das ist der Nimbus-Kranz“, murmelte der Junge, plötzlich ganz sicher. „Mein Bruder hat darüber im Netz gelesen. Damit kann man das Klima… hacken.“

Liora sah ihn an. „Wie heißt du?“

„Mika. Mika Nordin. Und… ich glaube, das Ding stürzt ab.“

Liora legte eine Hand an den Mantelkragen. Der Stoff schimmerte, als hätte er das Licht geschluckt. „Dann sollten wir es besser auffangen.“

Mika blinzelte. „Wir?“

Liora lächelte, klein, aber echt. „Du hältst die Augen offen. Ich mache den Rest.“

Sie trat einen Schritt zurück in den Schatten eines Brückenpfeilers. Der Mantel glitt von ihr ab wie ein Vorhang. Darunter flammten die Lichtkanäle ihres Anzugs auf: ein Muster aus silbernen Linien, die über Brust und Arme liefen, wie die Flugbahnen von Sternschnuppen.

Als sie wieder hervortrat, blieb ein Mann mitten im Rennen stehen. „Heilige Pixel… Flimmerfalke!“

Liora hob zwei Finger an die Stirn, als würde sie grüßen, und sprang – nicht hoch wie ein Vogel, sondern mit einem klaren, entschlossenen Stoß. Ihr Impulsring summte. Der Sprung trug sie über das Geländer, hinaus in die Luft, und für einen Moment war sie nur ein dunkler Punkt vor den falschen Blitzen.

Neonhafen hielt den Atem an.

Kapitel 2: Der Sturm, der lachte

Der Wind packte Liora wie eine ungeduldige Hand. Salzig, kalt, mit einem scharfen Geruch nach Ozon. Unter ihr glitzerte der Hafen, und die Wellen waren plötzlich zu ordentlich, zu geschniegelt, als hätte jemand sie mit einem Lineal gezogen.

„Okay“, sagte Liora zu sich selbst, weil ein bisschen Mut besser schmeckte, wenn man ihn in Worte wickelte. „Kleiner Ausflug.“

Der Nimbus-Kranz drehte sich über dem Wasser. Seine Segmente klickten und surrten, und jedes Mal, wenn zwei Teile aneinander vorbeiglitten, sprang ein Blitz dazwischen – nicht wild, sondern wie ein Code, der etwas unterschreibt.

In einem der leuchtenden Segmente blinkte ein Emblem: ein Smiley-Gesicht mit Zähnen.

„Oh nein“, murmelte Liora. „Nicht schon wieder dieses alberne Logo.“

Sie kannte es. HexaGrin. Ein anonymer Tech-Schurke, der alles in ein Spiel verwandelte – mit Punktestand, Levels und fiesen Rätseln. Kein Blut, keine Monster. Aber Chaos mit Schleife.

Über ihrem Ohr aktivierte sich ihr Komlink. Eine vertraute Stimme knackte hinein: „Flimmerfalke? Hier Leitstelle. Wir verlieren die Kontrolle über die Wetterdrohnen. Die Brücke—“

„—steht gleich im Regen, der nach Schraubenschlüsseln schmeckt“, ergänzte Liora trocken. „Ich sehe es.“

„Was ist Ihr Plan?“, fragte die Stimme.

Liora sah den Nimbus-Kranz an. Die Segmente waren schwer, aber nicht massiv. Sie konnte die Energie der Rotation nutzen – umleiten, bremsen, stabilisieren. Aber sie brauchte einen Ankerpunkt.

Unter dem Kranz entdeckte sie eine Art Schacht: eine Kapsel, die hin und her pendelte. Wahrscheinlich das Steuergehäuse.

„Ich gehe an den Kern“, sagte Liora. „Und ich wünsche mir, dass das Ding nicht explodiert.“

„Bitte wünschen Sie sich leise“, antwortete die Leitstelle. „Das System hört mit.“

Liora grinste. „Zu spät.“

Sie ließ sich fallen, steuerte mit kleinen Impulsstößen, als würde sie durch eine unsichtbare Treppe springen. Der Wind peitschte, aber ihr Ring nahm die Schläge auf. Sie spürte, wie die Energie in ihrem Arm vibrierte, wie ein Summen in den Knochen, und leitete sie in den nächsten Stoß um.

Als sie den Schacht erreichte, klappte eine Klappe auf – als hätte jemand sie erwartet. Dahinter: ein kleiner Raum, rund, mit Displays, die in grellen Farben leuchteten. Und in der Mitte stand ein Projektor, aus dem eine holografische Figur sprang: ein Smiley mit viel zu vielen Augen.

„Level 1: Begrüßung!“, quiekte das Hologramm. „Hallo, Heldin! Ich bin Grin-Guide, dein persönlicher Spielleiter!“

Liora starrte es an. „Du bist ein… Witz?“

„Ein sehr guter!“, sagte Grin-Guide stolz. „HexaGrin sagt, Neonhafen ist zu langweilig. Zu viel Alltag, zu wenig Drama. Also: Wetter-Event! Bonuspunkte für panische Umarmungen!“

Liora atmete aus. „Hör zu, Grin-Guide. Menschen haben Angst. Das zählt nicht als Bonus.“

„Doch! Angst ist eine Emotion! Und Emotionen sind… Engagement!“, rief der Guide. „Und jetzt: Aufgabe! Wenn du den Nimbus-Kranz stoppen willst, musst du drei Schalter finden. Aber Achtung: Einer ist eine Konfetti-Kanone.

„Konfetti?“, wiederholte Liora.

„Biologisch abbaubar!“, erklärte Grin-Guide schnell, als wäre das seine größte Tugend.

Liora beugte sich über das Bedienfeld. Drei Hebel, alle gleich. Ein Timer lief: 02:00… 01:59…

„Natürlich“, sagte sie. „Ein Timer.“

Über den Funk meldete sich plötzlich eine neue Stimme: Mika. „Flimmerfalke! Ich hab's geschafft, mich in den öffentlichen Wartungskanal zu hacken. Also… nicht hacken, mehr so… reingewunken. Ich sehe die Schaltmatrix!“

Liora blinzelte. „Mika? Wie—“

„Ich sitze noch auf der Brücke. Und ich hab ein Tablet. Und ich bin gut im Reingewunkenwerden“, sagte Mika hastig. „Hör zu: Die Schalter sind gekoppelt an Frequenzen. Wenn du den mittleren zuerst ziehst, dämpfst du die Rotation. Wenn du links ziehst, kommt… Konfetti. Rechts ist Not-Aus, aber nur wenn die Rotation schon langsam ist. Sonst macht es… na ja, sehr unschöne Geräusche.“

Liora nickte, obwohl Mika es nicht sehen konnte. „Danke. Bleib hinter dem Geländer. Und wenn jemand fragt, sag, du machst Mathe.“

„Ich mache Mathe!“, rief Mika begeistert. „Superhelden-Mathe!“

Der Timer sprang auf 01:12.

Liora legte die Hand auf den mittleren Hebel. Ihr Impulsring vibrierte. „Okay, Nimbus-Kranz“, flüsterte sie. „Wir machen das freundlich.“

Sie zog.

Der Raum summte, als würde jemand eine riesige Kreiselspielzeug anhalten. Draußen spürte sie, wie die Rotation des Kranzes langsamer wurde. Der Wind ließ ein kleines bisschen nach. Der falsche Blitz zuckte träge.

Grin-Guide schmollte. „Langweilig!“

„Warte“, sagte Liora, „das ist erst Level 1.“

Der Timer: 00:45.

Sie zog den rechten Hebel.

Ein tiefer Ton, wie ein zufriedenes „Wumm“, rollte durch den Schacht. Auf den Displays wechselten die Farben von aggressivem Neon zu einem beruhigenden Blau. Draußen hörte das Brummen auf.

Und dann— pffft!

Aus einem seitlichen Auslass schoss Konfetti in den Raum. Winzige, glitzernde Fetzen mit aufgedruckten Smileys. Liora nieste.

„Ha!“, rief Grin-Guide. „Trostpreis!“

Liora wischte sich Konfetti von der Stirn. „Du bist wirklich… unverschämt.“

„Danke!“, sagte Grin-Guide glücklich.

Doch bevor Liora das Steuergehäuse verlassen konnte, flackerte das Hologramm und verzerrte sich. Aus den Smileys wurden Zahnräder. Der Ton wurde tiefer.

„Level 2“, sagte eine neue Stimme – nicht mehr quiekend, sondern glatt wie Glas. „Du hast den Nimbus-Kranz gestoppt. Gut. Dann bleibt nur noch der Hauptpreis: der Klimadom.

Liora spürte, wie ihr Magen sich zusammenzog. „Welcher Dom?“

Die Displays zeigten eine Karte von Neonhafen. Ein Punkt blinkte am Stadtrand: ein riesiger, halbkugeliger Bau aus transparenten Panels.

Der Klimadom: eine Anlage, die das Wetter in einem ganzen Bezirk regulieren konnte. Normalerweise für Dürrezeiten oder Stürme. Ein Schutzschild aus Technik.

Und jemand hatte ihn gerade als Spielbrett ausgewählt.

Kapitel 3: Der Weg in den Klimadom

Der Nimbus-Kranz hing nun ruhig über dem Hafen, wie ein müder Reifen. Rettungsdrohnen kreisten, und aus der Ferne hörte Liora Jubel – vorsichtig, als würde die Stadt erst testen, ob sie wieder atmen darf.

Liora landete auf dem Dach eines Lagerhauses und zog den Mantel wieder über. Das Konfetti klebte ihr noch in den Haaren. Sie zupfte einen Smiley heraus und seufzte. „Ich hoffe, du verrottest schnell“, sagte sie zu dem Fetzen.

Ihr Komlink knackte. „Flimmerfalke“, meldete sich die Leitstelle. „Der Nimbus-Kranz stabilisiert. Aber wir haben neue Daten: Der Klimadom am Westkai wurde aktiviert. Von außen verriegelt.“

„HexaGrin will eine zweite Runde“, sagte Liora.

„Die Bewohner im Dom—“

„—sind gefangen“, beendete Liora den Satz. Ihr Ton blieb ruhig, doch in ihr spannte sich etwas an, wie ein Seil kurz vor dem Sprung. „Wie viele?“

„Etwa dreitausend. Schulen, Wohnblocks, ein Markt. Der Dom ist für Notfälle gebaut. Er kann autark laufen. Aber wenn jemand die Klimasteuerung manipuliert…“

Liora sah zum Westkai. In der Ferne schimmerte die Halbkugel wie eine Seifenblase, die zu groß geraten war. In ihrem Inneren glühte ein seltsames Licht, als wären dort Sonnenaufgänge eingesperrt.

„Ich gehe rein“, sagte sie.

„Unmöglich“, antwortete die Leitstelle. „Die Außenhülle ist versiegelt. Nur ein Wartungstunnel—“

„—unter dem alten Aquapark“, warf Mika über Funk ein. Seine Stimme überschlug sich vor Eifer. „Ich hab die Stadtpläne! Da gibt's einen Servicering. Wenn Flimmerfalke da durchkommt, kann sie… äh… heldinnenmäßig rein.“

Liora schloss die Augen einen Moment. Ein Kind auf einer Brücke sollte nicht im gleichen Satz wie „Wartungstunnel“ vorkommen. Aber Mika hatte recht. Und er hatte geholfen.

„Mika“, sagte sie, „du solltest jetzt nach Hause.“

„Meine Eltern arbeiten im Dom“, platzte Mika heraus. „Sie sind im Markt. Ich… ich kann nicht einfach—“

Liora spürte, wie ihre eigene Zurückhaltung gegen etwas Größeres stieß. Verantwortung hatte Gewicht. Aber sie ließ sich teilen.

„Okay“, sagte sie. „Dann brauchst du eine Aufgabe, die dich schützt. Du bleibst außerhalb. Du leitest mich mit den Plänen. Und du hörst sofort auf, wenn es gefährlich wird. Abgemacht?“

Eine Pause. Dann: „Abgemacht. Ich schwöre auf… auf meine Skateboard-Achse.“

„Das ist ein sehr ernstes Schwören“, sagte Liora trocken. „Gut.“

Sie rannte über Dächer, sprang über Gassen, glitt an einer Regenrinne hinab, die im Wind klapperte. Neonhafen zog unter ihr vorbei wie eine Comic-Seite: Neonlinien, Spiegelungen, Menschen, die nach oben zeigten.

Am Westkai wurde es stiller. Die Luft war anders, als hätte jemand die Stadt in Watte gepackt. Der Klimadom stand vor ihr, riesig, transparent, mit feinen Streben, die ein Muster wie Bienenwaben bildeten. An der Oberfläche liefen Datenströme: wandernde Zeichen, die wie glühende Ameisen wirkten.

Am alten Aquapark – seit Jahren geschlossen, weil die Rutschen mehr Rost als Spaß hatten – fand Liora den Einstieg. Eine schwere Metalltür, halb unter einem Schild begraben, auf dem „Wellenwelt“ stand, und ein Delfin grinste, als wüsste er von HexaGrin.

„Natürlich“, murmelte Liora.

Mika flüsterte in ihr Ohr: „Tür ist magnetisch. Aber daneben ist ein manuelles Ventil. Wenn du den Impulsring nutzt, kannst du die Vibration lösen.“

Liora kniete, legte den Ring an das Ventilrad und ließ eine sanfte, schnelle Schwingung hineinlaufen. Das Metall vibrierte, als würde es kichern. Das Magnetfeld flackerte. Die Tür gab nach.

Ein Geruch nach altem Chlor und feuchtem Beton schlug ihr entgegen.

„Das ist… nicht heldinnenhaft duftend“, sagte Liora.

„Heldinnen schwitzen auch“, meinte Mika.

„Frech.“

„Solidarisch“, korrigierte Mika. „Ich versuch's.“

Liora schlich in den Tunnel. Notlichter brannten schwach. Die Wände waren mit Rohren bedeckt, und irgendwo tropfte Wasser in einem gleichmäßigen Rhythmus – pling, pling –, als würde der Tunnel eine Uhr nachahmen.

Je näher sie dem Dom kam, desto mehr veränderte sich der Klang. Ein tiefes Summen lag in der Luft, wie ein riesiger Kühlschrank, der zu viel nachdenkt.

„Da vorne“, sagte Mika. „Du kommst gleich an den Servicering. Danach… gibt's eine Schleuse.

Die Schleuse war eine runde Tür mit einem Display. Darauf: das Smiley-Emblem.

„Willkommen im Klimadom!“, sagte eine Stimme aus einem Lautsprecher. „Bitte legen Sie Ihre Sorgen in den dafür vorgesehenen Behälter.“

Liora sah sich um. Neben der Tür stand tatsächlich ein kleiner Kasten mit der Aufschrift: SORGEN.

Sie schnaufte. „Witzig.“

„Danke!“, sagte die Stimme. „Ich bin HexaGrin. Oder besser: mein System. Der echte HexaGrin ist… beschäftigt.“

„Mit was?“, fragte Liora.

„Mit dem großen Finale“, antwortete das System fröhlich. „Du darfst rein, Heldin. Aber nur, wenn du eine Frage beantwortest: Was ist stärker – ein Sturm oder ein Schwur?“

Liora dachte an Mika auf der Brücke, an die Menschen unter der Kuppel, an ihre eigene Art, sich immer erst zu verstecken, bevor sie handelt. Und an das Gefühl, dass Mut manchmal nicht laut ist, sondern hartnäckig.

„Ein Schwur“, sagte sie.

Die Schleusentür klickte. „Korrekt! Bonuspunkt für Pathos.“

Liora trat ein.

Der Klimadom verschluckte sie wie eine zweite Welt.

Kapitel 4: Wetter aus dem Würfelbecher

Innen war es hell. Zu hell. Die Sonne schien – aber sie stand zu tief und zu gelb, wie in einem Film. Gleichzeitig hing über einem Teil des Marktplatzes eine Schneewolke, aus der dicke Flocken fielen, während daneben Palmen im warmen Wind wackelten. Alles in derselben Straße.

Menschen liefen verwirrt umher. Ein Mann in Shorts stand bis zu den Knöcheln im Schnee und hielt einen Regenschirm über einen Korb voller Tomaten, als könnten die Tomaten erfrieren. Kinder lachten und kreischten zugleich, weil es gleichzeitig aufregend und unheimlich war.

Liora zog den Mantel enger. Ihr Anzug leuchtete gedämpft, als würde er das Chaos nicht reizen wollen.

„Okay“, flüsterte sie. „HexaGrin hat die Klimazonen gemischt.“

„Wie ein mieser DJ“, sagte Mika.

Liora musste kurz lachen. „Genau.“

Sie bewegte sich durch den Markt, vorsichtig, aufmerksam. Überall waren kleine Sensoren an Laternen befestigt, neu montiert, mit dem Smiley-Logo. Das System steuerte Mikroklima-Felder, warf Wetterwürfel über die Stadt.

Ein Mädchen rutschte auf einem eisigen Fleck aus. Liora trat schnell vor, fing den Sturz ab, indem sie die kinetische Energie im letzten Moment mit dem Ring dämpfte. Das Mädchen landete weich, als wäre der Boden plötzlich ein Kissen.

„Wow!“, sagte das Mädchen und starrte Liora an. „Bist du…“

„Nur jemand mit guten Reflexen“, sagte Liora und half ihr auf. „Geh zu den warmen Zonen. Und bleib bei anderen.“

Das Mädchen nickte und rannte zu einer Gruppe Erwachsene.

Solidarität war manchmal so simpel: nicht allein gehen.

Mika meldete sich: „Ich sehe auf den Plänen ein Kontrollzentrum, oben im Dom-Ring. Wenn du dahin kommst, kannst du die Wetterwürfel… äh… stoppen.“

„Dom-Ring klingt hoch“, sagte Liora.

„Ist hoch“, gab Mika zu. „Aber es gibt Aufzüge… die wahrscheinlich gerade Witze machen.“

Als wäre das ein Stichwort, flammten die Anzeigen an einem Aufzug auf. Auf dem Display erschien ein Smiley mit Monokel.

„Aufzugspiel!“, trällerte das System. „Nur wer sein Herzklopfen zählt, darf hochfahren. Bitte geben Sie die Anzahl Ihrer Herzschläge pro Minute ein.“

Liora sah die Menschen um sich herum. Einige hatten sich vor dem Aufzug versammelt, als wäre er die einzige Hoffnung. Eine ältere Frau hielt die Hand eines kleinen Jungen, der zitterte.

Liora trat vor. „Weg vom Aufzug“, sagte sie ruhig, aber fest. „Der spielt nur. Wir nehmen die Treppe.“

„Treppe?“, fragte jemand. „Die ist gesperrt!“

Liora sah zur Treppentür. Ein magnetisches Schloss. Sie setzte den Ring an, ließ eine präzise Vibration durch das Metall laufen, nicht zu stark, eher wie ein gezieltes Klopfen. Das Schloss klickte auf.

„Hä?“, sagte ein Teenager. „Wie hast du—“

„Ich habe mit der Tür verhandelt“, sagte Liora. „Sie war einsichtig.“

Ein paar Leute lachten. Das Lachen war klein, aber es schob die Angst ein Stück zur Seite.

„Alle zusammen“, rief Liora. „Wir gehen in Gruppen. Niemand bleibt zurück. Wer kann, hilft den Kleineren. Und bitte: keine Panik-Sprints, die sind sehr unheldenhaft.“

„Panik-Sprints sind mein Spezialgebiet“, murmelte Mika, aber er klang erleichtert.

Sie führte die Menschen zur Treppe, während sie selbst vorausging. Auf jedem Absatz war das Wetter anders: Nebel, dann Trockenheit, dann ein kurzer Regen aus winzigen Seifenblasen, die nach Pfefferminz rochen.

„Das ist… irgendwie nett“, sagte der Teenager und fing eine Blase.

„Nett ist gefährlich, wenn es dich ablenkt“, antwortete Liora. Doch sie lächelte dabei, weil sie wusste: Ein bisschen Staunen konnte auch Kraft geben.

Oben am Dom-Ring erreichten sie eine Plattform mit einem langen Fenster, das auf die halbe Stadt blickte. Neonhafen unter der Kuppel sah aus wie ein Diorama, ein Modell, das jemand falsch zusammengesetzt hatte: Winter neben Sommer, Sturm neben Stille.

In der Mitte der Plattform stand eine Tür mit einem Handscanner. Darüber: „KONTROLLZENTRUM“.

Und darunter blinkte in grellen Buchstaben: „LEVEL 3: TEAMWORK ODER TÖRCHEN?“

„Törchen?“, fragte die ältere Frau.

„Ich glaube, das ist… wenn man den Ball durch die Beine spielt“, sagte der Teenager.

„Ich habe keine Ahnung“, sagte Liora. „Aber ich nehme Teamwork.“

Sie wandte sich an die Gruppe. „Ich brauche drei Freiwillige. Jemand mit ruhiger Hand, jemand mit gutem Blick und jemand, der Witze erträgt.“

Mika lachte über Funk. „Ich bin letzteres!“

Ein Mann hob die Hand. „Ich bin Uhrmacher. Ruhige Hand.“

Eine Frau mit einer Einkaufstasche sagte: „Ich war früher Schiedsrichterin. Guter Blick.“

Der Teenager grinste. „Ich ertrage Witze. Leider.“

Liora nickte. „Perfekt. Solidarität in drei Versionen.“

Das Display am Handscanner sprang an. Drei Symbole erschienen: ein Zahnrad, ein Auge, ein Smiley.

„Wählt gleichzeitig“, sagte Liora.

Der Uhrmacher tippte auf das Zahnrad, die Schiedsrichterin auf das Auge, der Teenager mit einem Seufzer auf den Smiley.

Die Tür summte. Einen Moment lang passierte nichts.

Dann öffnete sie sich.

„Ugh“, sagte das System enttäuscht. „Teamwork ist so… effektiv.“

Kapitel 5: Flimmern gegen das Unmögliche

Das Kontrollzentrum war ein runder Raum voller Monitore. Auf jedem Bildschirm tanzten Wetterkarten, Datenlinien, kleine Symbole, die wie Würfel aussahen. In der Mitte stand eine Säule aus Glas, in der ein Licht pulsierte: der Klimakern.

Und davor: ein Hologramm, diesmal größer, schärfer. HexaGrins Maske, ein Smiley mit kantigen Zähnen, aber dahinter eine menschliche Silhouette – nur schemenhaft, als würde sie sich nicht zeigen wollen.

„Bravo“, sagte HexaGrin. „Du hast Leute mitgebracht. Ich liebe Publikum.“

Liora stellte sich vor die Säule, wie ein Schild. „Lass die Bewohner raus. Das ist kein Spielplatz.“

„Doch“, antwortete HexaGrin. „Alles ist ein Spielplatz. Die Frage ist nur: Wer bestimmt die Regeln?“

„Regeln schützen“, sagte Liora. „Sie sind nicht nur zum Gewinnen da.“

HexaGrin lachte, und das Lachen klang wie ein kaputtes Glöckchen. „Süß. Dann spielen wir: Wenn du den Klimakern berührst, wird der Dom für fünf Minuten in einen Mega-Sturm gehen. Genug, um alle zu erschrecken. Nicht genug, um… na ja. Du weißt schon.“

Liora ballte die Hand. Ihr Ring vibrierte, als würde er ihre Wut fühlen. Aber sie atmete langsam. Angst und Wut waren schnelle Tiere. Verantwortung war ein langsamer Falke: Er kreiste, er wartete, dann schlug er zu.

„Du willst, dass ich zögere“, sagte Liora.

„Ich will, dass du dich unmöglich fühlst“, sagte HexaGrin. „Weil dann bist du unterhaltsam.“

Liora sah zu den Menschen hinter ihr. Sie standen eng zusammen. Niemand schrie. Der Uhrmacher legte die Hand auf die Schulter des Jungen. Die Schiedsrichterin hielt ihre Tasche wie einen Anker.

Mika flüsterte: „Liora… die Säule hat Resonanzfelder. Wenn du deinen Ring nutzt, kannst du die Energie ableiten, ohne den Kern direkt zu berühren. Aber… es ist knapp. Du müsstest die Vibration genau treffen. Wie… supergenau.“

„Supergenau“, wiederholte Liora leise. Das war das Unmögliche. Genauigkeit unter Druck, während ein Schurke lachte und eine Stadt den Atem anhielt.

Sie war reserviert, ja. Sie mochte keine großen Auftritte. Aber sie konnte üben, wiederholen, durchhalten. Hartnäckigkeit war ihr echtes Superkraft-Geschwister.

Liora trat einen Schritt näher an die Säule. „HexaGrin“, sagte sie, „ich spiele nicht für dich.“

„Dann spielst du gegen die Uhr“, antwortete HexaGrin. Auf den Monitoren erschien ein Countdown: 05:00… 04:59…

Der Dom begann zu vibrieren. Draußen sammelten sich Wolken, drehten sich zu einer dunklen Spirale.

Liora hob die Hand. Der Impulsring leuchtete. Sie spürte das Feld der Säule, ein Summen, das in ihren Zähnen kitzelte. Sie musste genau die Gegenschwingung finden – wie wenn man zwei Seile so schwingt, dass sie sich beruhigen.

„Alle weg von den Fenstern“, rief Liora, ohne den Blick von der Säule zu nehmen. „Haltet euch aneinander fest. Atmet langsam. Wir schaffen das zusammen.“

„Wir schaffen das zusammen“, wiederholte die Schiedsrichterin, und ihre Stimme war plötzlich so klar wie eine Pfeife.

Liora schloss für einen Herzschlag die Augen. Sie stellte sich den Dom vor wie eine riesige Trommel. HexaGrin schlug darauf, um Lärm zu machen. Sie würde die Schläge umleiten, in etwas Ruhiges verwandeln.

Sie setzte den Ring an die Glasoberfläche, berührte sie nicht ganz – nur so nah, dass die Luft dazwischen vibrierte.

Ein leiser Ton entstand. Dann ein zweiter. Liora justierte, minimal, wie beim Stimmen einer Gitarre. Ihr Arm zitterte.

„Du zitterst“, spottete HexaGrin. „Publikum liebt das.“

„Ich zittere nicht“, murmelte Liora. „Ich flimmere.“

Sie erhöhte die Frequenz. Das Summen der Säule veränderte sich. Der Countdown: 03:40…

Draußen krachte ein Blitz, dumpf durch die Kuppel.

Mika sagte schnell: „Noch ein kleines Stück höher! Genau da— ja!“

Liora hörte nicht nur Mika. Sie hörte auch das Atmen der Menschen hinter ihr. Ruhig. Gemeinsam. Wie ein Chor, der ohne Worte Mut macht.

Sie fand den Punkt.

Die Säule leuchtete nicht mehr wild, sondern gleichmäßig. Auf den Monitoren begannen die Wetterwürfel-Symbole zu wackeln, als würden sie ihre Balance verlieren. Der Countdown stockte. 02:58… 02:58… 02:58…

HexaGrins Hologramm flackerte. „Hey! Das ist nicht fair! Du benutzt—“

„—Physik“, sagte Liora. „Sie ist für alle.“

Mit einem letzten, präzisen Impuls leitete sie die überschüssige Energie in den Boden, in die Streben des Dom-Rings, in die massive Struktur, die dafür gebaut war, Last zu tragen. Nicht auf einmal, sondern verteilt, wie man schwere Einkaufstaschen auf beide Arme verteilt.

Der Countdown sprang auf 00:00 und verschwand.

Draußen löste sich die dunkle Spirale auf, als hätte jemand die Fäden durchgeschnitten. Das Licht im Dom wurde normaler, die Temperaturzonen glitten zurück an ihre Plätze. Schnee schmolz zu harmlosen Pfützen. Palmen hörten auf, dramatisch zu wedeln.

HexaGrin knisterte vor Ärger. „Du bist echt schlecht im Unterhalten.“

„Und du bist echt gut im Stören“, sagte Liora. „Aber Stören ist leichter als Schützen.“

Die Monitore zeigten nun: „MANUELLE KONTROLLE WIEDERHERGESTELLT.“

Die Schleusen entriegelten. Auf einer Anzeige blinkte: „AUSGÄNGE FREI.“

Ein erleichtertes Raunen ging durch die Gruppe. Der Uhrmacher ließ seine Schultern sinken, als hätte er jahrelang eine zu schwere Uhr getragen.

HexaGrin wurde kleiner, pixeliger. „Das Spiel ist nicht vorbei“, zischte das Hologramm. „Ich komme wieder. Mit besseren Levels.“

„Dann komme ich auch wieder“, sagte Liora. „Mit besseren Menschen.“

Das Hologramm brach in Konfetti aus – diesmal nur digital – und verschwand.

Kapitel 6: Ein ruhiger Horizont

Die Evakuierung lief geordnet. Nicht perfekt, aber gemeinsam. Menschen halfen einander über nasse Stellen, teilten Wasserflaschen, schoben Kinderwagen. Jemand gab dem Teenager seine Jacke, weil er im Schneebereich gestanden hatte und nun fröstelte. Die Schiedsrichterin koordinierte die Reihen wie bei einem Spiel, nur dass es diesmal um Sicherheit ging, nicht um Punkte.

Liora blieb am Ausgang stehen, bis der letzte Bewohner durch war. Als sie endlich hinaustrat, war die Luft draußen frisch und echt. Keine falschen Blitze, keine Seifenblasenregen. Nur ein leichter Wind vom Meer.

Mika wartete am Rand des Westkais, sein Skateboard unter dem Arm. Als er Liora sah, wollte er zuerst losrennen, dann erinnerte er sich an „keine Panik-Sprints“ und ging nur sehr schnell.

„Meine Eltern!“, sagte er atemlos.

Hinter Liora tauchten zwei Personen auf, eine Frau mit Markt-Schürze und ein Mann mit einem Stapel Einkaufstüten. Beide sahen müde aus, aber heil. Als sie Mika sahen, umarmten sie ihn so fest, dass sein Skateboard fast quietschte.

„Du hast…“, begann die Mutter.

„Mathe gemacht“, sagte Mika schnell und sah Liora an.

Liora hob eine Augenbraue. „Sehr viel Mathe.“

Die Eltern blickten verwirrt, dann sahen sie Lioras leuchtende Linien unter dem Mantelkragen. Ihre Augen wurden groß.

„Danke“, sagte der Vater leise. „Und… danke an alle.“

Liora nickte, aber ihre Stimme blieb sanft. „Ihr habt euch gegenseitig geholfen. Das zählt.“

Später, als die Sirenen verstummt waren und die Stadt wieder in ihren normalen Rhythmus fand, stand Liora auf einem Dach über dem Hafen. Der Nimbus-Kranz war inzwischen von Wartungsdrohnen eingefangen worden, wie ein entlaufener Drachen, der nun brav an der Leine hängt.

Mika saß ein paar Meter entfernt, die Beine baumelnd. Er hatte versprochen, nach Hause zu gehen, aber Liora hatte ihm fünf Minuten gegeben. Fünf Minuten für Abschied und für ein bisschen Himmel.

„Du bist… anders, als ich dachte“, sagte Mika.

„Wie dachtest du denn?“, fragte Liora.

„Laut. Riesige Sprüche. Kapuze im Wind. So wie in den Streams.“

Liora schnaubte. „Kapuze im Wind ist unpraktisch. Sie verrutscht.“

Mika grinste. „Aber du hast's trotzdem gemacht. Obwohl du… na ja. Du wirkst nicht wie jemand, der gerne im Mittelpunkt steht.“

Liora sah auf die Wasserlinie, wo Meer und Himmel sich berührten. Der Abend zog eine goldene Spur über die Wellen, und die Neonlichter der Stadt begannen zu glimmen, als würden sie langsam aufwachen.

„Ich mag den Mittelpunkt nicht“, sagte sie. „Aber ich mag die Menschen, die darin leben. Und wenn niemand sonst springt… dann springe ich eben.“

Mika nickte langsam. „Und ich… ich bleibe vielleicht nicht nur Zuschauer.“

„Bleib erst mal Kind“, sagte Liora, freundlich, aber bestimmt. „Und wenn du helfen willst: Hör zu, teile, halte andere fest, wenn sie wackeln. Heldenarbeit ist oft… ziemlich normal.“

Mika sah auf sein Skateboard. „Normal ist okay. Aber ein bisschen episch auch.“

„Ab und zu“, gab Liora zu.

Unten am Kai winkten Menschen. Einige zeigten nach oben, andere taten so, als hätten sie nicht geguckt, weil das weniger peinlich war. Jemand hielt ein Schild hoch, das einfach nur „DANKE“ sagte, schief gemalt, aber ehrlich.

Liora atmete tief ein. Die Welt war nicht perfekt, und HexaGrin würde irgendwo wieder einen Smiley in eine Maschine kleben. Aber heute hatte Neonhafen sich selbst gehalten – mit Händen, Stimmen, kleinen Entscheidungen.

Der Horizont lag ruhig da, ein klarer Schnitt zwischen Meer und Himmel, als hätte jemand die Seite umgeblättert. Liora zog den Mantel enger und stand noch einen Moment still, nicht weil sie müde war, sondern weil Stille nach einem Sturm wie ein Geschenk klang.

Dann drehte sie sich um, bereit für den nächsten Tag.

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Kinetische Energie
Die Energie, die ein Körper wegen seiner Bewegung hat.
Impulsring
Ein Ring, der Stöße oder Bewegungsenergie auffangen und umleiten kann.
Autark
Etwas, das alleine funktioniert, ohne Hilfe von außen.
Resonanzfelder
Bereiche, die auf bestimmte Schwingungen stark reagieren.
Wartungstunnel
Ein unterirdischer Weg, den Techniker zur Reparatur benutzen.
Klimadom
Eine große Kuppel, die das Wetter in einem Gebiet steuern kann.
Schaltmatrix
Ein System von Schaltern, das viele Funktionen steuert.
Schleuse
Eine Tür oder Kammer, die zwei Bereiche sicher verbindet.
Konfetti-Kanone
Ein Gerät, das viele kleine bunte Papierstücke in die Luft schießt.
Hologramm
Ein dreidimensionales Bild aus Licht, das im Raum erscheint.
Servicering
Ein runder Gang oder Lauf, der Technik und Wartung verbindet.
Rotation
Das Drehen eines Objekts um eine Achse oder einen Mittelpunkt.

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