Kapitel 1: Seltsame Spuren am Morgen
Am Morgen vor Weihnachten hĂŒpfte Leni aus ihrem Bett. Die Sonne schien durch das Fenster und lieĂ kleine Staubkörner tanzen. Leni rieb sich die Augen und tapste barfuĂ zum Flur. Doch als sie an die WohnungstĂŒr kam, blieb sie wie angewurzelt stehen.
âMama!â, rief sie ĂŒberrascht, âschau mal!â
Auf dem bunten Teppich vor der TĂŒr lagen viele kleine, glitzernde FuĂabdrĂŒcke. Und mitten darauf stand, aus kleinen roten Bonbons gelegt, das Wort: âJ O Y E U Xâ. Leni kannte das Wort nicht, aber sie fand, es sah lustig aus.
Mama kam, sah und lĂ€chelte. âDas ist Französisch und heiĂt âfröhlichââ, erklĂ€rte sie. âAber wer hat das gemacht?â
Leni beugte sich hinunter und betrachtete die glitzernden AbdrĂŒcke. Sie waren winzig, viel kleiner als ihre eigenen FĂŒĂe. Und sie sahen aus, als hĂ€tte jemand beim Laufen gelacht.
âDas war bestimmt der Weihnachtslutinâ, flĂŒsterte Leni. âDer Lutin Farceur!â
Mama zwinkerte. âVielleicht will er dir ein RĂ€tsel aufgeben!â
Leni kicherte. Sie liebte RĂ€tsel. Und sie mochte den Gedanken, dass ein kleiner Lutin durch ihr Haus hĂŒpfte und lustige Spuren hinterlieĂ.
Kapitel 2: Ein kunterbuntes Durcheinander
Am nĂ€chsten Morgen fand Leni weitere Spuren â diesmal auf dem KĂŒchentisch. Dort lagen bunte Zettel, auf denen verschiedene Symbole gemalt waren: eine grĂŒne Tanne, ein roter Stern, ein blauer Schneemann und ein gelber Mond. Daneben lag ein Zettel mit einer Nachricht:
âFinde die Farben, folge den Spuren, dann wirst du den Zauber von Weihnachten spĂŒren!â
Leni runzelte die Stirn. âWas meint er nur damit?â
Da hörte sie ein leises Kichern hinter dem Vorhang. Schnell riss sie ihn zur Seite â doch da war niemand. Nur ein kleiner, glitzernder Hut lag auf dem Fensterbrett. Leni nahm ihn vorsichtig und setzte ihn auf ihren TeddybĂ€ren.
âLos, Teddy, wir mĂŒssen die Spuren finden!â, rief sie.
Zuerst ging sie ins Wohnzimmer. Dort fand sie unter dem Sofa einen grĂŒnen Tannenzweig mit einem roten Stern daran. Neben dem Ast lag ein weiterer Zettel: âGrĂŒn bedeutet: Hier kannst du entspannen!â
Leni grinste. Sie legte sich auf den Teppich und streichelte den weichen Zweig. Es fĂŒhlte sich friedlich an.
Dann suchte sie weiter und fand im Badezimmer einen kleinen blauen Schneemann aus Seife. Und daneben: âBlau bedeutet: Atme tief durch!â
Leni hielt den Schneemann an die Nase und schnupperte. Er duftete nach Tannenwald. Sie atmete tief ein â und wieder aus. Plötzlich hatte sie ein ganz ruhiges, warmes GefĂŒhl im Bauch.
Im Flur schlieĂlich lag ein gelber Mond aus Papier. Darauf stand: âGelb bedeutet: Lache, so viel du kannst!â
Leni lachte laut und hĂŒpfte im Kreis. Das war einfach!
Kapitel 3: Der bunte Farbcode
Leni setzte sich mit allen FundstĂŒcken an den KĂŒchentisch. âGrĂŒn ist ruhig, blau ist tief durchatmen, gelb ist lachen und rotâŠâ, ĂŒberlegte sie. Da entdeckte sie auf dem KĂŒhlschrank eine kleine, rote Schleife. Daran hing ein weiterer Zettel.
âRot bedeutet: Teile Freude!â
Leni ĂŒberlegte. âIch könnte Mama mit dem FrĂŒhstĂŒck ĂŒberraschen!â, rief sie. Sie schmierte Brot, legte KĂ€sesterne darauf und servierte alles auf einem Tablett. Mama freute sich riesig und umarmte Leni.
âDu bist ja heute besonders fröhlichâ, meinte sie.
Leni grinste. âIch habe einen FarbcodeschlĂŒssel vom Lutin Farceur bekommen!â
Den Rest des Tages nutzte Leni ihren Farbcode. Wenn sie sich auf das grĂŒne Kissen setzte, wurde sie ganz ruhig. Beim blauen Becher trank sie langsam und tief durchatmend ihren Kakao. Den gelben Schal trug sie, wenn sie Quatsch machte. Und die rote Schleife band sie in Mamas Haar, damit alle Freude daran hatten.
Am Abend, als es drauĂen schon dĂ€mmerte, hörte Leni wieder dieses leise Kichern. Sie schlich sich ins Wohnzimmer â und da saĂ wirklich ein winziges Wesen auf dem BĂŒcherregal! Der Lutin Farceur! Er hatte rote Wangen, grĂŒne Schuhe und einen riesigen, blauen Schal.
âHallo Leniâ, piepste er. âHast du meinen Farbcode verstanden?â
Leni nickte aufgeregt. âJa! GrĂŒn ist ruhig sein, blau ist atmen, gelb ist lachen und rot ist Freude teilen!â
Der Lutin klatschte in die HĂ€nde. âBravo! Du hast die Farben des Friedens und der Freude gefunden!â
Kapitel 4: Der Zauber der Farben
Der Lutin Farceur sprang vom Regal und tanzte durch den Raum. âWeiĂt du, warum ich manchmal Unfug mache?â, fragte er.
Leni schĂŒttelte den Kopf.
âDamit ihr Menschen lernt, in all dem Trubel die Ruhe zu finden und zu lachen, auch wenn mal etwas schiefgeht! Ich bringe gern ein bisschen Durcheinander, damit ihr die Farben des Friedens entdeckt.â
Leni nickte. âDas war lustig! Und jetzt weiĂ ich, wie ich ruhig bleiben kann, wenn ich aufgeregt bin.â
Der Lutin lĂ€chelte und zwinkerte. âUnd du kannst anderen helfen, das auch zu lernen. Wenn jemand traurig ist, gib ihm etwas Gelbes â vielleicht eine Zeichnung oder ein LĂ€cheln. Wenn jemand wĂŒtend ist, schenk ihm Blau â vielleicht ein Lied oder einen ruhigen Moment.â
Leni ĂŒberlegte und sagte: âUnd wenn jemand sehr glĂŒcklich ist, dann teile ich Rot und feiere mit!â
Der Lutin schnippte mit den Fingern und ĂŒberall im Wohnzimmer erschienen kleine, bunte Lichter. Es sah aus, als wĂŒrde es in allen Farben des Regenbogens schneien.
âDu hast es verstanden, Leni!â, rief er. âJetzt bist du selbst ein kleiner Weihnachtszauberer!â
Leni lachte. Sie fĂŒhlte sich warm und leicht, fast so, als könnte sie selbst wie ein Lutin durch das Zimmer tanzen.
Mit einem letzten Kichern verschwand der Lutin Farceur â aber Leni wusste, dass er immer in der NĂ€he war, wenn sie die Farben brauchte.
Am nĂ€chsten Morgen fand Leni auf dem Teppich wieder das Wort âJ O Y E U Xâ, diesmal aus bunten Perlen gelegt. Sie lĂ€chelte und wusste: Weihnachten ist mehr als Geschenke â es ist ein Fest der Farben, des Lachens und der Freude, die man mit anderen teilt.
Und von diesem Tag an half Leni allen, die Farben zu entdecken, wenn es drauĂen kalt und grau war. Denn irgendwo, ganz leise, kicherte immer ein kleiner Lutin.