Der etwas zu große Plan
Golo war ein Riesenjunge, und er war wirklich riesig. Seine Füße waren so groß wie zwei Badewannen, und seine Ohren so rund wie Suppenteller. Aber am allerliebsten hatte Golo Listen. Er schrieb Listen für alles: für das Frühstück, für das Zähneputzen, für das Spielen mit seinen Freunden und sogar für das Träumen!
Eines Morgens, als die Sonne wie ein Eigelb am Himmel hing, hüpfte Golo aus seinem wolkigen Riesenbett. Heute sollte etwas Besonderes passieren. Denn gestern hatte er einen alten Zettel gefunden, auf dem stand: „Der große Lachschatz liegt irgendwo im Glitzerwald.“ Und weil darunter stand: „Nur für kluge Köpfe und große Füße!“, wusste Golo sofort, dass der Schatz für ihn bestimmt war.
Golo setzte sich also an seinen Riesenschreibtisch und schrieb eine Liste. „1. Karte zeichnen. 2. Riesenrucksack packen. 3. Freunde fragen. 4. Schatz finden. 5. Kuchen essen!“ Er grinste. Kuchen war immer ein guter Abschluss.
Er nahm einen riesigen Buntstift und zeichnete eine Karte vom Glitzerwald, mit glitzernden Bäumen, tanzenden Pilzen und schwebenden Fröschen. Golo packte seinen Riesenrucksack: eine Lupe, eine Taschenlampe (für Riesenhände), eine große Flasche Limonade, und – ganz wichtig – seine Glückssocken.
Draußen wehte ein lustiger Wind, der an seinen Ohren zupfte. Golo stapfte los, seine Schritte waren so laut wie Trommelschläge. Die Vögel sprangen kichernd von Ast zu Ast, und die Eichhörnchen winkten ihm zu.
Der Glitzerwald und die wackelnden Pilze
Schon nach zehn Minuten stand Golo vor dem Glitzerwald. Die Bäume waren so bunt wie Zuckerstangen und die Blätter glitzerten wie Glasmurmeln. Golo holte seine Karte hervor und starrte sie an. „Drei Schritte nach links, fünf Schritte nach rechts, und dann... hüpfen!“ stand da.
Er stellte sich in Position, machte drei riesige Schritte nach links – dabei wackelten die Bäume so sehr, dass ein ganzer Schwarm Schmetterlinge aus den Zweigen purzelte. Die Schmetterlinge kicherten und flogen um Golo herum, bis er niesen musste: „Hatschi!“
Dann fünf Schritte nach rechts. Mit jedem Schritt sprangen Pilze aus dem Boden und tanzten um seine Füße. „Golo, Golo, dreh dich im Kreis!“, riefen sie. Golo tat, wie ihm geheißen, und drehte sich, bis ihm schwindelig wurde. Die Pilze lachten und rollten kichernd davon.
Jetzt kam das Hüpfen. Für einen Riesen war Hüpfen gar nicht so einfach! Golo beugte die Knie, nahm Schwung und – plopp – landete mit seinem rechten Fuß mitten in einen Matschsee! Der Matsch spritzte hoch und bedeckte seine Hose. Golo lachte. „Das steht bestimmt nicht auf meiner Liste!“, rief er, aber es war ihm egal. Schließlich war er auf Schatzsuche.
Am Rand des Matschsees stand ein kleiner Frosch mit einer Krone auf dem Kopf. „Willkommen, Golo!“, quakte der Frosch. „Du bist der erste Riese, der es bis zum Matschsee geschafft hat! Aber willst du weiter, musst du unser Rätsel lösen.“
Golo kratzte sich am Kopf. „Ich bin bereit!“, sagte er und holte seine Lupe heraus.
Das Rätsel war so: „Was ist riesig, bunt und kann lachen?“ Golo dachte nach. Er schaute seine Füße an, dann seine Hose, dann seine Hände. Da fiel es ihm ein: „Ich natürlich!“
Der Frosch klatschte vor Freude. „Richtig! Du darfst weitergehen! Aber pass auf die wackelnden Pilze auf – sie lieben es, Riesen zu kitzeln!“
Golo bedankte sich, winkte dem Frosch und stapfte weiter durch den Wald, dabei hinterließ er Matschpfützen so groß wie Teiche.
Die tollpatschigen Glitzer-Kobolde
Nach einer Weile kam Golo zu einer Lichtung. Dort tanzten kleine Kobolde mit glitzernden Mützen. Sie sprangen herum und warfen Konfetti in die Luft. Als sie Golo sahen, jubelten sie: „Hurra, der Riese ist da!“
Einer der Kobolde, der größte von allen (etwa so groß wie eine Gießkanne), trat vor. „Du suchst den Lachschatz, stimmt's? Aber zuerst musst du über unsere glitzernde Wackelbrücke!“ Er zeigte auf eine Brücke aus bunten Bonbons. Die Brücke wackelte schon, wenn ein Marienkäfer darüber ging.
Golo beugte sich hinunter. „Ob die mich hält?“ fragte er vorsichtig.
Die Kobolde kicherten. „Probier's aus, aber du musst dabei einen Witz erzählen!“
Golo überlegte. Dann erzählte er: „Warum war der Riese traurig? Weil seine Hose zu kurz für seine langen Witze war!“ Die Kobolde prusteten los vor Lachen und rollten über die Lichtung.
Vorsichtig setzte Golo einen Fuß auf die Brücke. Sie wackelte gefährlich, aber die Kobolde liefen sofort hin und hielten die Bonbons fest. Golo balancierte, die Arme ausgebreitet wie ein Segelboot. Die Brücke schaukelte und quietschte, und einmal rutschte ein Bonbon unter seinem Fuß weg – aber Golo schaffte es auf die andere Seite.
Die Kobolde jubelten und warfen noch mehr Konfetti. Sie reichten Golo einen Glitzerhut. „Damit bist du unser Freund!“, riefen sie.
Golo setzte den Hut auf, er leuchtete in allen Farben. „Danke, ihr seid super!“, rief er und winkte.
Jetzt stand er vor einem riesigen Baum. An seinem Stamm war eine klitzekleine Tür. Golo beugte sich herunter und klopfte vorsichtig an.
Das geheimnisvolle Baumhaus und der lachende Schatz
Die Tür öffnete sich knarrend und ein kleiner, freundlicher Wicht mit einer Brille kam heraus. „Du bist Golo, der Riese mit Plan, stimmt's?“
Golo nickte stolz. „Ich suche den Lachschatz. Steht der hier drin?“
Der Wicht lachte und winkte Golo herein. Das Baumhaus war innen viel größer als außen! Überall hingen bunte Girlanden, Luftballons und Glitzersterne. In der Mitte stand eine große, bunte Kiste mit einem Schloss.
„Um die Kiste zu öffnen, brauchst du keinen Schlüssel“, sagte der Wicht. „Du musst sie zum Lachen bringen!“
Golo kicherte. „Ich kann Grimassen machen!“, sagte er. Er zog seine Ohren lang, schielte mit den Augen und pustete die Backen auf. Die Kiste wackelte ein bisschen.
„Mehr!“, rief der Wicht.
Golo stellte sich auf ein Bein, wackelte mit den Armen und sang: „Ich bin ein Riese, so groß wie ein Haus, ich geh nie leise, ich lach mich stets aus!“ Jetzt kicherte die Kiste so sehr, dass das Schloss aufsprang und der Deckel hochschnellte.
Aus der Kiste sprangen lauter bunte Luftballons, und in jedem Ballon steckte ein Witz. Plötzlich hüpften Konfetti, Seifenblasen und kleine Plüschtiere durch das Zimmer. Golo lachte so laut, dass die Wände wackelten.
Dann entdeckte Golo am Boden der Kiste einen kleinen, goldenen Kuchen. Auf dem Kuchen stand: „Teile mich mit Freunden, dann wird der Schatz noch größer!“
Golo strahlte. Er holte seine Karte hervor und rief: „Alle herkommen!“
Das große, bunte Kuchenfest
Bald kamen die Kobolde, der Frosch mit der Krone, die tanzenden Pilze und sogar ein paar neugierige Wolken. Sie setzten sich alle im Baumhaus in einen Kreis. Golo schnitt den Kuchen mit einer kleinen, riesigen Gabel in viele Stücke. Jeder bekam ein Stück, egal wie groß oder klein.
Während sie aßen, erzählte jeder einen Witz oder eine lustige Geschichte. Die Pilze hüpften vor Freude, der Frosch quakte einen Quak-Rap, die Kobolde tanzten ihren Glitzer-Tanz und Golo zeigte noch mehr Grimassen.
Zum Schluss sagte der kleine Wicht: „Der wahre Schatz ist das Lachen und die Freunde, die man unterwegs findet.“
Golo nickte, und zum ersten Mal war seine Liste ganz und gar perfekt: Schatz gefunden, Kuchen gegessen, und eine Menge neue Freunde und Lachen dazu!
Draußen strahlte die Sonne, und im Glitzerwald hörte man noch lange das fröhliche Lachen des Riesen und seiner Freunde.