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Geschichte über Ostern 11/12 Jahre Lesen 24 min.

Fynn Fuchs und das Flitz-Ei: Ein faires Osterabenteuer

Fuchs Fynn und der Osterhase Herr Hoppel organisieren die Dorfeiersuche neu, um sie fairer zu machen, und müssen dabei eine geheimnisvolle Schattenschleife und magische Eier überlisten.

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Fynn der Fuchs (Hauptfigur): junger rotgoldener Fuchs mit glänzendem Fell, lebhaften Augen und sanft entschlossener Miene, steht auf den Hinterbeinen und reicht eine blau verzierte Welleier; leichte Jacke, gestreifter Schal im Wind. Herr Hoppel der Hase (nebenfigur): großer weißer Hase mit Westentaschen, besorgt-ermutigender Blick, hält eine warme Laterne, steht rechts hinter Fynn und lehnt sich vor als stütze. Die Schattenschleife (magische Nebenfigur): geschlängelte Schattenbahn wie dunkler Rauch mit schimmernden Rändern, gesichtsähnliche Andeutung ohne klare Augen, zögernd und neugierig, umschlingt ein Nest am Fuß einer alten Eiche links vom Fuchs. Helfende Kinder (Nebenfiguren): drei niedliche Tierkinder (Igel, Rehkitz, Maulwurf), staunende Zuschauer mit lächelnden Gesichtern, bilden eine kleine Reihe hinter Fynn, haben geflochtene Körbe. Ort: unter einer großen Eiche im Park, verwurzelter Boden mit grünem Moosteppich, Frühlingsblumen gelb und violett, goldenes Morgenlicht durch Blätter, hölzerne Schilder „Osterzonen“ im Hintergrund. Hauptsituation: Moment des Friedens und Bündnisses — der Fuchs reicht ein glänzendes Ei an den Schatten, die Laterne wärmt die Szene, der Schatten zögert und verschlingt das Ei nicht; warme Atmosphäre, kräftige Farben, klare Kontraste, comicähnliche Details (Bewegungslinien, kleine funkelnde Sterne um das Ei). Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Kapitel 1: Der Duft nach Farbe und Frühling

Fynn Fuchs merkte es schon beim Aufwachen: Heute lag etwas in der Luft, das nicht nur nach nassem Gras roch, sondern nach Aufregung. Aus dem Fenster seiner kleinen Dachkammer sah er, wie die Sonne den Garten in goldene Streifen schnitt. Unten flatterten bunte Bänder am Zaun, als würden sie heimlich winken.

Auf dem Küchentisch stand eine Schüssel mit Eierfarben, Pinsel und ein Zettel von seiner Mutter: „Bitte nichts auf den Vorhang klecksen. Frohe Ostern!“

Fynn grinste. Letztes Jahr hatte er aus Versehen einen gelben Pfotenabdruck auf dem Vorhang hinterlassen. „Das war Kunst“, hatte er behauptet. Der Vorhang hatte dazu geschwiegen.

Er setzte sich, drehte ein Ei zwischen den Pfoten und dachte nach. In der Schule hatten sie gestern über Fairness gesprochen: nicht drängeln, teilen, niemanden austricksen, nur weil man schneller ist. Und ausgerechnet heute war die große Eiersuche im Dorfpark.

„Wenn alle wie wild rennen, kriegen die Kleinen kaum was“, murmelte Fynn. Er wollte unbedingt viele Eier finden – aber er wollte auch, dass es für alle passte.

Da klopfte es. Nicht an der Tür. Am Fenster.

Fynn erstarrte. Ein zweites Klopfen, geduldig. Als er das Fenster öffnete, sprang ein Hase auf die Fensterbank – groß, geschniegelt, mit einer Weste voller winziger Taschen. Um seinen Hals hing eine Uhr, die viel zu schnell tickte.

„Fynn Fuchs?“, fragte der Hase und wackelte mit den Ohren, als würden sie Funksignale empfangen.

„Äh … ja. Und du bist…?“

Der Hase machte eine knappe Verbeugung. „Osterhase im Einsatz. Manche nennen mich Herr Hoppel. Heute ist dringend. Und du wirkst… nachdenklich genug.“

„Das ist jetzt ein Kompliment oder eine Beschwerde?“

„Beides“, sagte Herr Hoppel. „Wir haben ein Problem mit den Eiern. Nicht mit dem Verstecken. Mit dem Finden.“

Fynn blinzelte. „Die Leute finden sie zu schnell?“

„Zu unfair“, korrigierte der Hase. „Ein paar flinke Sammler räumen alles ab. Das macht die Freude dünn wie eine Eierschale. Und ohne Freude verliert ein Osterei seine Farbe.“

Fynn schaute auf das Ei in seiner Pfote. Es schimmerte plötzlich matt, als hätte jemand den Glanz abgewischt.

„Du brauchst… Hilfe? Von mir?“

Herr Hoppel nickte so energisch, dass die Uhrkette klirrte. „Du bist ein Fuchs. Klug. Und du hast ein Herz, das nicht nur an die eigene Pfote denkt. Komm mit. Wir machen Ostern fair.“

Fynn schluckte. Abenteuer am Morgen, noch bevor er seinen Kakao getrunken hatte. Er schnappte sich seinen Schal, stopfte ein paar Pinsel in die Tasche (man wusste ja nie) und kletterte aus dem Fenster auf das Dach, wo Herr Hoppel schon wartete.

„Ist das… erlaubt?“, fragte Fynn und blickte nach unten.

„Heute ist vieles erlaubt“, sagte der Hase. „Solange es niemandem die Freude klaut.“

Dann hüpften sie los, über Schindeln und Äste, hinein in einen Frühling, der aussah, als hätte jemand ihn frisch angemalt.

Kapitel 2: Die Karte, die nicht stillhalten wollte

Der Dorfpark lag noch still da, aber überall waren Spuren von Vorbereitung: Körbchen aus Weide, Kreidepfeile auf den Wegen, und ein riesiges Schild: „Ostersuche um 10 Uhr!“

Herr Hoppel führte Fynn hinter die Hecke, zu einer kleinen Holzkiste. Darin lag eine zusammengerollte Karte, die aussah, als hätte sie schon hundert Ostern erlebt. Kaum zog der Hase sie heraus, flatterte sie wie ein nervöser Vogel.

„Bleib liegen!“, knurrte Herr Hoppel die Karte an.

Die Karte blieb natürlich nicht liegen. Sie schlug Fynn fast ins Gesicht, dann entrollte sie sich ruckartig und zeigte den Park – aber die Wege wanderten! Der Teich rutschte nach links, der Spielplatz hüpfte nach oben, und ein Baum wanderte ganz frech in die Mitte.

Fynn lachte. „Die Karte hat wohl selbst Lust auf Eiersuche.“

„Sie ist verzaubert“, seufzte Herr Hoppel. „Eiermagie. Wenn die Freude kippt, wird alles unruhig. Wir müssen die Verstecke so anpassen, dass jeder eine Chance hat. Sonst wird die Karte immer zappeliger – und die Eier verschwinden an Orten, wo sie niemand findet. Letztes Jahr hatten wir drei im Gänseei… äh, im Gänsestall. Die Gans war beleidigt.“

Fynn beugte sich über die Karte. „Also brauchen wir… ein System.“

„Ich mag Systeme“, sagte Herr Hoppel erleichtert. „Sag.“

Fynn dachte laut, wie er es im Unterricht gelernt hatte: „Wir könnten Zonen machen. Eine für die Kleinen, eine für die Größeren. Und eine für die, die schnell sind – aber da sind die Eier schwieriger versteckt. Dann ist es nicht nur Rennen, sondern auch Denken.“

Herr Hoppel klappte die Ohren nachdenklich ein. „Hmm. Denken als Bremse. Das klingt sehr… fuchsisch.“

„Und außerdem“, fuhr Fynn fort, „könnte man Regeln machen: pro Person nur eine bestimmte Anzahl Eier, bevor man weitergibt oder jemand anderem hilft.“

„Helfen? Beim Suchen?“

„Ja“, sagte Fynn. „Warum nicht? Man kann doch zusammen suchen und teilen. Ostern ist doch nicht ‚Wer ist der gierigste Sammler‘.“

Herr Hoppel lächelte so breit, dass seine Schnurrhaare zitterten. „Du sprichst wie ein guter Osterwind. Komm. Wir stellen das um.“

Sie schlichen durch den Park. Herr Hoppel zog aus seinen Westentaschen kleine Holzschilder: „Wiesen-Zone“, „Wald-Zone“, „Rätsel-Zone“. Fynn half, sie an Pfosten zu binden.

„Und die Eier?“, fragte Fynn.

Der Hase klopfte auf eine Tasche. „Hier. Aber: Sobald ein Ei versteckt ist, nimmt es den Charakter des Ortes an. Das ist Magie. Und Magie ist…“

„Zickig?“, schlug Fynn vor.

„…empfindlich“, korrigierte Herr Hoppel, aber er musste kichern. „Wenn du ein Ei unfair versteckst, wird es grau. Wenn du es fair versteckst, bleibt es leuchtend.“

Fynn nahm ein Ei heraus. Es war rot mit goldenen Punkten, wie ein kleiner Sonnenuntergang. Er legte es unter einen Busch, nicht zu tief, nicht zu offensichtlich. Als er es losließ, glühte es kurz, als würde es „Danke“ sagen.

„Das fühlt sich richtig an“, murmelte Fynn.

Die Karte in Herr Hoppels Pfote wurde ruhiger. Sie zitterte noch, aber nicht mehr wie ein aufgeregtes Huhn.

„Guter Anfang“, sagte der Hase. „Aber es gibt noch einen Haken. Ein echtes Problem.“

„Welchen?“

Herr Hoppel deutete zum alten Eichenbaum am Rand des Parks. „Dort ist das Nest der Schattenschleife.

Fynn runzelte die Stirn. „Klingt wie ein schlechter Frisör.“

„Schlechter“, sagte Herr Hoppel. „Die Schattenschleife knöpft sich Farben vor. Sie wickelt sich um Eier, bis sie blass werden. Sie liebt Unfairness. Sie wird heute versuchen, Chaos zu machen.“

Fynn spürte, wie sein Fell sich leicht sträubte. „Und wir stoppen sie.“

„Genau“, sagte Herr Hoppel. „Am besten, bevor die Kinder kommen. Sonst wird aus Ostern ein grauer Nachmittag. Und niemand will graue Schokolade.“

Kapitel 3: Die Schattenschleife und das flüsternde Ei

Unter der Eiche war es kühler. Die Rinde sah aus wie gefaltete Stirn. Zwischen den Wurzeln lag ein Nest aus trockenen Blättern – und darin schimmerte etwas, das nicht schimmern sollte: ein Ei, fast durchsichtig, als hätte es seine Farbe verloren.

„Zu spät?“, flüsterte Fynn.

„Noch nicht“, sagte Herr Hoppel und zog eine kleine Taschenlampe hervor. Aber das Licht war nicht weiß. Es war warm, wie Kerzenschein, und es roch nach Vanille.

Kaum leuchtete er ins Nest, bewegte sich etwas. Eine dünne, dunkle Schleife – wie ein Stück Nacht – schlängelte sich heraus, kringelte sich um das blasse Ei und zog es näher an sich.

„Ah“, zischte eine Stimme, die klang, als würde man zwei Blätter gegeneinander reiben. „Der Planer und der Denker. Wie rührend.“

Fynn sah sich um. „Wo bist du?“

Die Schleife hob sich, formte eine Art Knoten, der fast wie ein Gesicht wirkte. Keine Augen, aber Fynn fühlte sich trotzdem angeschaut.

„Ich bin dort, wo jemand denkt: ‚Ich zuerst‘“, sagte die Schattenschleife. „Ich bin dort, wo jemand schummelt. Heute werde ich sehr… satt.“

Herr Hoppel stellte sich vor Fynn. „Nicht heute. Ostern ist für alle.“

„Für alle?“ Die Schleife kicherte trocken. „Alle wollen doch gewinnen.“

Fynn trat einen Schritt vor. Sein Herz klopfte, aber seine Stimme blieb ruhig. „Man kann Spaß haben, ohne andere leer ausgehen zu lassen.“

„Sagt der Fuchs“, höhnte die Schleife. „Du bist doch ein Jäger. Du nimmst dir, was du willst.“

Fynn schluckte. Es stimmte: Füchse hatten ihren Ruf. Aber er war nicht hier, um jemanden zu überlisten.

„Ich kann klug sein, ohne fies zu sein“, sagte er. „Das ist der Unterschied.“

Die Schattenschleife zog sich enger um das Ei. „Dann beweise es. Wenn du so fair bist: Gib mir ein richtig farbiges Ei. Freiwillig. Sonst nehme ich mir alle.“

Herr Hoppel flüsterte: „Tu's nicht. Sie frisst Farbe.“

Fynn sah das blasse Ei an. Es wirkte traurig. Und plötzlich, ganz leise, als würde es durch die Schale atmen, hörte er ein Flüstern:

„Teilen… macht… mich… hell…“

Fynn blinzelte. „Hast du das auch gehört?“

Herr Hoppel nickte. „Manchmal sprechen Eier. Aber nur, wenn jemand zuhört.“

Fynn griff in seine Tasche und holte ein frisch bemaltes Ei heraus – blau mit grünen Wellen, wie ein kleiner Fluss. Er hielt es hoch.

„Ich gebe dir ein Ei“, sagte er laut. „Aber nicht, damit du es frisst. Sondern, damit du siehst, dass Fairness stärker ist als Gier.“

Die Schattenschleife schwebte näher. „Wie poetisch.“

Fynn legte das blaue Ei neben das blasse. „Wenn du wirklich nur nimmst, wird alles grau. Aber wenn du… zurückgibst, könnte es wieder bunt werden. Versuch's.“

„Ich gebe nichts zurück“, zischte die Schleife.

„Dann bleibst du allein“, sagte Fynn. „Und allein ist selbst für Schatten langweilig.“

Herr Hoppel hob die Vanillelampe höher. Das Licht wurde heller, und die dunkle Schleife zuckte, als hätte sie plötzlich kalte Pfoten.

„Schatten mögen keine ehrlichen Worte“, murmelte der Hase. „Die sind wie Seife.“

Fynn atmete tief durch. „Ich mach dir ein Angebot. Du darfst heute mitspielen. Aber du musst eine Regel akzeptieren: Für jedes Ei, das du berührst, musst du ein anderes Ei an einen guten Ort legen – einen Ort, wo ein Kind, das sonst wenig findet, es entdecken kann.“

Die Schleife schwieg. Sie wand sich, als würde sie mit sich selbst ringen.

„Und wenn ich nein sage?“, flüsterte sie.

„Dann“, sagte Fynn und zeigte auf die Karte, die Herr Hoppel hochhielt, „markiert die Karte alle Stellen, wo du warst. Und wir räumen die Eier um, bevor du sie ausbleichen kannst. Du verlierst. Ohne Drama. Einfach… fair.“

Die Schattenschleife vibrierte. „Fair“, spuckte sie das Wort aus, als wäre es bitter.

Dann geschah etwas Seltsames: Das blasse Ei bekam einen Hauch von Rosa, als würde es erröten. Das blaue Ei glänzte stärker.

„Ich… hasse… wie das klingt“, murmelte die Schleife. „Aber… ich hasse auch… zu verlieren.“

Sie löste sich ein Stück vom Ei und schwebte zögernd nach oben. „Eine Regel. Nur heute.“

Herr Hoppel ließ die Schultern sinken. „Abgemacht.“

„Abgemacht“, wiederholte Fynn. „Und jetzt: Leg ein Ei fair.“

Die Schattenschleife kringelte sich um ein kleines gelbes Ei, das Herr Hoppel aus der Tasche zog, und glitt davon – nicht in die dunkelste Ecke, sondern Richtung Wiese. Als sie verschwand, blieb ein Streifen Schatten zurück, der schnell von Sonnenlicht aufgefressen wurde.

Fynn kniete sich zum Nest. Das blasse Ei war nicht mehr durchsichtig. Es hatte wieder Farbe – zart, wie Morgendämmerung.

„Es hat funktioniert“, flüsterte er.

„Manchmal“, sagte Herr Hoppel, „ist Magie einfach nur: jemand entscheidet sich richtig.“

Kapitel 4: Die Jagd beginnt – und ein Plan wird getestet

Um zehn Uhr füllte sich der Park mit Stimmen, Körbchen und knisternden Jacken. Kleine Kinder mit Hasenohren aus Filz, größere mit schnellen Blicken, Eltern mit Kaffeebechern. Überall glitzerte Vorfreude.

Fynn und Herr Hoppel standen hinter einem Busch. Für die anderen war Herr Hoppel nur „eine besonders überzeugende Figur im Kostüm“. Für Fynn war er immer noch der echte Osterhase, der nervös an seiner Uhr drehte.

„Bereit?“, fragte der Hase.

„Bereit“, sagte Fynn. Sein Bauch kribbelte.

Eine Organisatorin rief: „Denkt an die Zonen! Kleine Kinder zuerst auf der Wiese! Und bitte: nicht rennen, wenn jemand vor euch steht!“

Ein paar schnelle Sammler rollten mit den Augen, aber sie hörten zu. Ein bisschen.

Die Suche begann. Es war, als würde der Park plötzlich in Bewegung geraten wie ein aufgescheuchter Ameisenhaufen – nur fröhlicher.

Fynn beobachtete. Ein kleiner Dachs stolperte fast, weil zwei ältere Kaninchen an ihm vorbeischossen. Fynn trat dazwischen.

„Hey“, sagte er freundlich, aber bestimmt. „In der Wald-Zone gibt's Rätsel-Eier. Die sind für euch spannender. Auf der Wiese sind die Kleinen.“

Eines der Kaninchen grinste. „Und wer bist du, die Osterpolizei?“

Fynn deutete auf ein Schild: „Da steht's. Und ehrlich: Rätsel-Eier sind cooler als Eier unter Gänseblümchen.“

Das zweite Kaninchen wurde neugierig. „Rätsel-Eier?“

„Ja“, sagte Fynn. „Mit Hinweisen. Wer schlau ist, findet sie.“

Das saß. Sie sprinteten Richtung Wald, diesmal in die richtige Richtung.

Fynn atmete aus. Neben ihm tauchte Herr Hoppel auf. „Sauber. Keine Predigt, nur Köder.“

„Das klingt jetzt wieder sehr fuchsisch“, sagte Fynn.

„Ich nehme, was funktioniert“, meinte der Hase.

Plötzlich rief ein Kind: „Hier ist keins mehr! Das ist unfair!“

Fynn drehte sich um. Ein Igelmädchen stand mit leerem Körbchen da, die Stacheln leicht gesenkt. Neben ihr hielt ein großer Waschbär schon fünf Eier fest an die Brust gedrückt.

„Ich hab's halt gefunden“, sagte der Waschbär und zuckte mit den Schultern.

Fynn ging hin. „Du hast wirklich gut gesucht. Aber schau: Sie hat noch keins. Würdest du eins abgeben?“

Der Waschbär kniff die Augen zusammen. „Warum? Dann hab ich weniger.“

„Und sie hat dann überhaupt eins“, sagte Fynn. „Außerdem: In der Rätsel-Zone gibt es noch genug, aber da braucht man Geduld. Du bist doch schnell. Das schafft du.“

Der Waschbär schwieg. Dann brummte er: „Welches?“

„Dein liebstes“, sagte Fynn, ohne nachzudenken.

Herr Hoppel verschluckte sich fast an seiner eigenen Luft. „Fynn—“

Doch Fynn blieb ruhig. „Wenn du fair bist, fühlt sich's besser an als ein extra Ei.“

Der Waschbär starrte auf seine Sammlung. Dann nahm er ein Ei, das orange leuchtete wie eine Mini-Mandarine, und legte es ins Körbchen des Igelmädchens.

Sie schaute ihn an, als hätte er gerade eine kleine Sonne verschenkt. „Danke.“

Der Waschbär kratzte sich am Kopf. „Äh… gern.“

Und als er wegging, wirkte er nicht ärmer. Eher leichter.

Fynn spürte, wie die Luft im Park ein bisschen heller wurde. Einige Eier in den Körbchen glänzten, als hätten sie verstanden.

Am Rand der Wiese sah Fynn kurz einen dunklen Schattenstreifen, der sich um ein Ei kringelte—die Schattenschleife. Doch statt es auszubleichen, schob sie es unter eine Bank, genau in die Nähe eines schüchternen kleinen Maulwurfs, der sich kaum traute, zu suchen.

Der Maulwurf bückte sich, fand das Ei und quietschte vor Glück.

Fynn blinzelte. „Okay“, murmelte er. „Das ist… neu.“

Herr Hoppel nickte. „Regeln können sogar Schatten erziehen. Zumindest für einen Tag.“

Kapitel 5: Das Ei, das verschwinden wollte

Gerade als Fynn dachte, der Plan laufe perfekt, passierte etwas Komisches: Ein silbernes Ei sprang aus einem Busch, rollte wie von selbst über den Weg und schlängelte sich zwischen Beinen hindurch, als hätte es eigene Termine.

„Hast du das gesehen?“, fragte Fynn.

„Oh nein“, stöhnte Herr Hoppel. „Das ist ein Flitz-Ei. Sehr selten. Sehr… eigenwillig.“

Das Ei rollte direkt Richtung Teich. Kinder liefen hinterher, lachten, riefen durcheinander. Ein paar Erwachsene taten so, als würden sie nicht mitrennen, rannten aber trotzdem.

„Wenn das ins Wasser fällt, ist es weg“, sagte Herr Hoppel. „Und es ist das wichtigste Ei.“

„Wichtig wie…?“ Fynn rannte los.

„Wie… der letzte Pinselstrich!“, keuchte der Hase hinter ihm. „Das Flitz-Ei trägt die Glanz-Magie. Ohne sie bleiben alle Eier stumpf.“

Fynn sprintete. Seine Pfoten trommelten über den Kies. Das Ei war schnell, aber Fynn war ein Fuchs: niedrig, wendig, konzentriert. Doch er merkte auch: Wenn er es allein jagte, würden die anderen ihn vielleicht rammen, stolpern, fallen. Unfair und gefährlich.

Er stellte sich mitten auf den Weg und rief laut: „Stopp! Wir machen das zusammen, sonst landet es im Teich!“

Ein paar bremsten, andere nicht. Das Ei rollte weiter, gefährlich nah ans Wasser.

Fynn zeigte auf drei Kinder, die am Rand standen und nicht mitrannten: ein ruhiges Rehkid, das Igelmädchen und den Maulwurf.

„Ihr drei! Stellt euch dort drüben in einer Linie auf, wie ein Zaun!“, rief Fynn. „Nicht anfassen, nur begrenzen!“

Sie taten es sofort. Das Rehkid stellte sich breitbeinig hin, das Igelmädchen hielt sein Körbchen wie einen kleinen Schild, der Maulwurf hob die Arme, als würde er einen unsichtbaren Ball fangen.

Fynn winkte zwei schnelle Kaninchen herbei. „Ihr nach links, ihr nach rechts! Wir treiben es zurück zur Wiese!“

„Wir?“, fragte eines, aber es grinste dabei.

„Ja, wir“, sagte Fynn. „Ostern ist Teamsport.“

Herr Hoppel stand am Teichrand und schwenkte seine Vanillelampe. Das Licht bildete einen warmen Halbkreis. Das Flitz-Ei zögerte, als würde es überlegen, ob es wirklich ins Wasser wollte.

„Jetzt!“, rief Fynn.

Die Kinder bewegten sich vorsichtig, wie bei einem großen, langsamen Tanz. Kein Drängeln, kein Schubsen. Das Ei rollte, prallte sanft gegen das Körbchen des Igelmädchens, drehte ab, zickzackte—und landete schließlich direkt vor Fynns Pfoten.

Es wackelte. Es vibrierte. Dann sprang es—nicht weg, sondern hoch, als würde es jubeln. Ein winziger silberner Funkenregen fiel herab, kaum sichtbar, aber der Park schien kurz zu glitzern.

„Gefangen“, sagte Fynn leise.

„Eher… überzeugt“, meinte Herr Hoppel und wischte sich die Stirn. „Und jetzt kommt der faire Teil.“

Fynn hob das Flitz-Ei hoch. Alle starrten darauf, als wäre es ein kleiner Mond.

„Wer bekommt es?“, rief jemand.

Fynn sah in die Runde. Der Waschbär, die Kaninchen, das Igelmädchen, der Maulwurf, das Rehkid. Viele Körbchen waren voll, manche halbvoll, manche fast leer.

Er schluckte. Jetzt war Fairness nicht nur ein Wort.

„Wir losen“, sagte Fynn. „Aber nur unter denen, die noch wenig haben. Und alle anderen bekommen dafür einen Glanzpunkt.“ Er zeigte auf die Vanillelampe. „Herr… äh, der Osterhase kann ein kleines Leuchten auf eure Eier legen, wenn ihr beim Fangen geholfen habt.“

Herr Hoppel hob überrascht die Augenbrauen, dann nickte er. „Kann ich. In Maßen.“

„In Maßen“, wiederholte Fynn. „Nicht schummeln. Nicht drücken. Ein Los pro Person.“

Die Menge murmelte, aber niemand widersprach. Vielleicht, weil sie selbst gespürt hatten, wie gut das gemeinsame Stoppen gewesen war.

Sie rissen kleine Papierstreifen ab. Fynn hielt die Pfote hin, drehte sich weg und ließ das Rehkid ziehen. Der Zettel zeigte einen gemalten Stern.

„Du“, sagte Fynn.

Das Rehkid erstarrte. „Echt?“

„Echt“, sagte Fynn und reichte ihm das Flitz-Ei. „Und du teilst den Glanz mit den anderen, okay?“

Das Rehkid nickte so heftig, dass seine Ohren wackelten. „Okay!“

Herr Hoppel hob seine Lampe, und ein sanfter Schimmer huschte über die Eier in den Körbchen der Helfer. Nicht übertrieben, nur wie Morgentau.

Am Rand, fast unsichtbar, sah Fynn die Schattenschleife. Sie war dünner geworden, als hätte sie selbst Farbe verloren. Aber sie sah nicht wütend aus. Eher… nachdenklich.

„Nicht schlecht, Fuchs“, flüsterte sie, und dann war sie weg, als hätte der Wind sie eingesammelt.

Kapitel 6: Ein ruhiger Abschluss mit Kakao und Karottenkuchen

Als die Suche endete, sah der Park aus, als hätte jemand Konfetti aus Lachen gestreut. Kinder saßen im Gras und verglichen Muster: Streifen, Punkte, kleine gemalte Wolken. Einige tauschten Eier, als wären es Sammelkarten, aber mit mehr „Bitte“ und „Danke“.

Fynn blieb am Rand stehen, plötzlich müde auf eine angenehme Art. Herr Hoppel trat neben ihn, die Weste etwas zerknittert, die Uhr endlich langsamer tickend.

„Du warst gut“, sagte der Hase.

„Wir waren gut“, korrigierte Fynn.

„Das stimmt“, gab Herr Hoppel zu. „Und das ist selten für einen Tag, der sonst nur aus Rennen besteht.“

Sie gingen zurück zu Fynns Haus. In der Küche stand schon ein Blech auf dem Tisch: Karottenkuchen, noch warm, mit einer Glasur, die glänzte wie frisch gefundene Eier. Daneben Kakao und Tee. Fynns Mutter schaute kurz hoch, sah die zerzausten Pfotenabdrücke und seufzte nur: „Keine Vorhänge diesmal?“

„Keine Vorhänge“, versprach Fynn ernst. „Nur… Fairness.“

Sie setzten sich. Herr Hoppel bekam ein Stück Kuchen, das er mit der Würde eines Königs aß, obwohl ihm die Glasur am Schnurrhaar klebte.

Fynn nahm einen Schluck Kakao. Er schmeckte nach Ruhe, nach Zuhause, nach „Alles ist gut gegangen“.

„Weißt du“, sagte Fynn nach einer Weile, „ich dachte immer, Fairness ist wie eine Regel, die einen bremst.“

Herr Hoppel lehnte sich zurück. „Und?“

„Heute war's eher wie… eine Abkürzung“, sagte Fynn. „Weil man weniger streitet und mehr lacht.“

Der Hase nickte zufrieden. „Fairness ist keine Bremse. Sie ist ein Weg, auf dem mehr mitkommen.“

Draußen zog eine Wolke vorbei, und das Licht wurde kurz weich wie Watte. Dann strahlte die Sonne wieder, als hätte sie selbst ein Osterei gefunden.

Fynn schaute auf den Karottenkuchen und grinste. „Nächstes Jahr“, sagte er, „male ich ein Ei mit einem Fuchs drauf. Und darunter schreibe ich: ‚Teilen macht's heller.‘“

„Mach das“, sagte Herr Hoppel. „Aber bitte nicht auf den Vorhang.“

Fynn lachte. Und während der Kakao dampfte und der Kuchen nach Frühling duftete, fühlte sich Ostern an wie ein buntes Versprechen, das man tatsächlich halten kann.

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Dachkammer
Ein kleines Zimmer ganz oben im Haus, direkt unter dem Dach.
Schindeln
Dünne Holz- oder Dachteile, die auf dem Dach liegen und es schützen.
Zusammengerollte Karte
Eine Karte, die zu einer Rolle gerollt wurde und nicht flach liegt.
Verzaubert
Wenn etwas durch Magie anders oder besonders wird.
Gänsestall
Ein Ort oder Platz, wo Gänse wohnen und schlafen.
Schattenschleife
Eine dunkle, schlangenartige Gestalt, die im Text als Wesen vorkommt.
Vanillelampe
Eine Lampe mit warmem Licht, die hier nach Vanille riecht oder so wirkt.
Rätsel-Zone
Ein Bereich im Park, wo Eier mit Denkaufgaben oder Hinweisen versteckt sind.
Flitz-Ei
Ein besonders schnelles oder eigenwilliges Ei, das im Park davonrollt.
Glanz-Magie
Eine besondere Kraft, die Eier heller oder schöner aussehen lässt.
Zappeliger
Unruhig und wackelig, so als könne etwas nicht stillhalten.

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