Laden läuft...
Geschichte über Ostern 11/12 Jahre Lesen 22 min.

Das klingende Ei und der Korb voller Hinweise

Bramm, der Bär, flechtet einen besonderen Osterkorb und macht sich mit der neugierigen Leni auf eine abenteuerliche Suche voller rätselhafter Hinweise, singender Eier und einer verschwundenen magischen Farbe.

Lade diese Geschichte als PDF herunter

Ideal zum Teilen oder Ausdrucken dieser Geschichte!

E-Book herunterladen (.epub)

Lesen Sie diese Geschichte auf Ihrem E-Reader.

Bramm, ein großer brauner Bär mit weichem, strukturiertem Fell und freundlichem Gesichtsausdruck, hält einen geflochtenen Korb mit blau-grünen Wellen und goldenem Rand, an dem eine kleine silberne Glocke hängt, und blickt sanft auf ein musikalisches Ei im Korb; Leni, ein kleiner roter Eichhörnchen mit schelmischen Augen, sitzt auf einem Baumstumpf, lächelt neugierig und zeigt auf das Ei, das winzige klingende Funken aussendet; der Osterhase, ein Hase mit großen Ohren und Westentaschen, steht erschöpft aber erleichtert am Eingang einer alten hölzernen Mühlsteinhalle und schaut dankbar zu; im Hintergrund eine alte Stein-Holz-Windmühle, eine Gänseblümchenwiese, bunt bemalte Eipfähle und Muschel-Windspiele, alles in frühlingshafter, pastelliger Aquarellstimmung mit goldenem Abendlicht; Hauptsache: ein freudiger Moment, in dem Bramm den wiedergefundenen magischen Korb mit dem musikalischen Ei zeigt, die Glocke leise klingt und den Beginn einer bunten Eiersuche ankündigt. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

1) Der Korb, der kitzelt

Bramm, der Bär, war heute schon vor dem ersten Vogelgezwitscher wach. Nicht, weil er geschniegelt und geschniegelt sein wollte, sondern weil Ostern in der Luft lag wie der Duft von warmem Honigkuchen: süß, kribbelig, kaum auszuhalten.

Auf dem Küchentisch lagen Weidenruten, buntes Bastband, ein Pinsel und ein Töpfchen mit blaugrüner Farbe, die aussah wie ein See im Frühling. Bramm schob seine Nase nah ran und schnaubte.

„Riecht nach… Abenteuer“, murmelte er.

„Riecht nach Farbe“, korrigierte seine Freundin Leni, ein flinkes Eichhörnchen, das sich ohne Einladung auf die Fensterbank gesetzt hatte. „Du willst also wirklich einen eigenen Osterkorb flechten?“

Bramm nickte so energisch, dass seine Ohren wackelten. „Einen Korb, der so schön ist, dass der Osterhase persönlich applaudiert.“

„Der Osterhase applaudiert nicht“, sagte Leni. „Der hat die Pfoten voll.“

„Dann soll er halt mit den Ohren klatschen.“

Sie lachten. Draußen tanzten Pollen in der Sonne. Drinnen knarzte die Weide, als Bramm die Ruten bog. Er war kein Profi, aber er war optimistisch, und Optimismus ist wie Klebstoff: Man bleibt dran.

Bramm flechtete Runde um Runde. Er zog, drückte, schlug die Ruten sanft an, damit sie sich fügten.

„Aua“, sagte eine besonders störrische Rute, jedenfalls fühlte es sich so an, als sie zurückschnappte.

„Du willst wohl nicht in einen Korb“, knurrte Bramm.

„Die will nur Aufmerksamkeit“, meinte Leni. „So wie du, wenn niemand deinen Witz versteht.“

Als der Korb fast fertig war, hielt Bramm inne. „Dieses Jahr soll es eine richtige Ostereiersuche geben“, sagte er leise. „Nicht nur: Hier sind Eier, fertig. Sondern… Rätsel. Magie. Überraschung.“

Leni spitzte die Ohren. „Oh! Wie in diesen Geschichten, wo jemand einen Hinweis findet und dann—“

„Genau“, sagte Bramm. „Und ich verstecke den ersten Hinweis im Korb selbst.“

Er nahm ein dünnes, goldenes Bastband und flechtete es in die Bordüre ein, ganz oben am Rand. Zwischen zwei Überkreuzungen schob er ein winziges Stück Papier, so klein, dass es aussah wie ein Krümel mit Geheimnis. Er drückte es fest, bis es unsichtbar war.

„Was steht drauf?“ fragte Leni.

Bramm grinste. „Ein Hinweis. Sonst wäre es ja nur Papier.“

„Du bist furchtbar geheimnisvoll“, sagte Leni. „Und ich bin furchtbar neugierig. Perfekte Kombination.“

Bramm tauchte den Pinsel in die blaugrüne Farbe und malte kleine Wellenmuster auf den Korbrand. Es sah aus, als würde der Korb leise lachen.

„So“, sagte er zufrieden. „Jetzt ist er bereit.“

In diesem Moment klopfte es an der Tür. Kein normales Klopfen. Eher: tap-tap-tap, als ob jemand mit einem Löffel gegen Holz trommelte.

Bramm öffnete – und da stand ein Hase. Oder besser: ein Hase mit einer Weste voller Taschen, einem Stift hinterm Ohr und einem Blick, der sagte: Ich habe wenig Zeit und sehr viel Glitzer im Leben.

„Bramm Bär?“ fragte der Hase atemlos.

„Äh… ja?“

„Gut!“ Der Hase zog eine Karte aus der Tasche, stempelte sie mit einem Möhrenstempel ab und drückte sie Bramm in die Pfote. „Offizielle Oster-Notiz: Bitte bis Sonnenuntergang bereit sein für… nun ja… eine kleine Panne. Danke!“

„Panne?“ wiederholte Bramm.

Der Hase war schon halb die Treppe runter. „Nicht schlimm! Meistens! Frohe Ostern!“ Und weg war er.

Leni sprang von der Fensterbank. „Das war… der Osterhase?“

Bramm sah auf die Karte. Auf ihr stand in krakeliger Schrift: „Wenn du den Klang findest, findest du den Weg.“

„Das“, sagte Bramm, „klingt nach…“

„Abenteuer“, sagte Leni.

„Und nach Farbe“, ergänzte Bramm.

„Und nach Stress“, sagte Leni.

Bramm hob den Korb hoch. „Dann los. Wir sind kreativ. Und kreativ ist man nicht nur am Tisch.“

2) Ein Ei, das sich nicht benehmen kann

Der Waldweg glitzerte vor Morgentau. Überall hingen bunte Bänder zwischen den Zweigen, als hätten die Bäume sich für Ostern schick gemacht. Bramm trug den Korb am Arm; er schwang leicht, als würde er vorfreudig schaukeln.

„Wohin jetzt?“ fragte Leni.

Bramm tippte auf die Karte. „‚Wenn du den Klang findest…‘ Vielleicht geht es um… ein Geräusch. Ein Lied. Ein Rasseln.“

„Oder um deinen Bauch nach dem Frühstück“, sagte Leni.

„Der klingt eher nach Donner“, gab Bramm zu.

Am Waldrand trafen sie Frau Dachs, die gerade Eier färbte. Sie hatte einen riesigen Topf, aus dem es nach Zwiebeln roch.

„Ostern ohne Zwiebelschalen ist wie ein Regenbogen ohne Farben“, sagte Frau Dachs feierlich und hielt ein Ei hoch. Es schimmerte rotbraun wie Polsterleder.

„Haben Sie heute einen besonderen Klang gehört?“ fragte Bramm höflich.

Frau Dachs legte den Kopf schief. „Außer dem Plopp, wenn ein Ei ins Wasser fällt?“

In diesem Moment passierte es: Ein frisch gefärbtes Ei rollte vom Tisch, hoppelte über den Boden—und machte dabei tatsächlich: pling-plang-pling.

Bramm starrte.

Leni starrte.

Frau Dachs starrte.

„Mein Ei…“ flüsterte Frau Dachs. „Das… kann Musik.“

Das Ei rollte nicht wie normale Eier. Es tanzte. Es hüpfte mit einem Rhythmus, als hätte es heimlich Unterricht genommen. Dann blieb es stehen und wackelte. Aus einer winzigen Stelle am Ei blinkte etwas Metallisches.

Bramm beugte sich runter. „Da ist… eine kleine Öse.

„Eine Öse am Ei“, sagte Leni. „Natürlich. Ganz normal. Passiert ständig.“

„Ich glaube“, sagte Bramm langsam, „das ist ein Glöckchen-Ei.“

Das Ei plingte wieder, als würde es zustimmen, und rollte los – direkt in Richtung eines Pfades, der tiefer in den Wald führte.

„Es zeigt uns den Weg!“ rief Leni.

„Oder es flieht vor dem Zwiebeltopf“, meinte Bramm und setzte sich in Bewegung.

Frau Dachs winkte ihnen hinterher. „Wenn es wiederkommt, sagt ihm, es soll sich benehmen! Und keine Jazzmusik im Eierkorb!“

Sie folgten dem Ei. Es rollte an Wurzeln vorbei, durch einen Fleck Sonne und unter einem Busch hindurch. Bramm musste sich bücken, sein Fell streifte die Blätter.

„Wenn das Ei irgendwo stecken bleibt, holst du es raus“, sagte Leni.

„Warum ich?“

„Weil du Hände hast, die aussehen, als könnten sie einen Baum umarmen“, sagte Leni. „Und weil ich nicht in ein Loch krabbele, in dem ein Dachs wohnen könnte. Ich mag Dachse. Aus sicherer Entfernung.“

Das Ei rollte plötzlich langsamer, als ob es müde würde. Dann machte es: pling … und blieb stehen – direkt vor einem großen Stein, der wie ein schlafender Riese im Moos lag.

Auf dem Stein war etwas eingeritzt: eine Spirale. Und daneben ein Symbol, das aussah wie… ein Korb.

Bramm schluckte. „Das ist… unser Zeichen.“

„Oder ein Hinweis, dass du deinen Korb nicht fallen lassen sollst“, sagte Leni.

Bramm stellte den Korb vorsichtig ab. Das Ei plingte leise, als würde es sagen: Jetzt bist du dran.

3) Der Hinweis im Rand

Bramm hob den Korb an und drehte ihn langsam. Die blaugrünen Wellen glänzten. Die goldene Bordüre sah aus wie Sonnenlicht, das man festgebunden hatte.

„Du hast doch was versteckt“, sagte Leni und tippte mit einer Nuss auf den Rand. „Hier. Irgendwo hier drin.“

„Pssst“, machte Bramm. „Geheimnis.“

„Ich bin ein Eichhörnchen“, flüsterte Leni zurück. „Geheimnisse sind für mich wie Nüsse. Ich knack sie.“

Bramm suchte die Stelle, wo er das Papier eingeschoben hatte. Er zog vorsichtig am Band – und tatsächlich: Zwischen den geflochtenen Ruten blitzte ein winziger Zettel hervor.

Er zog ihn heraus. Darauf stand, mit Tinte, die nach Blaubeere roch:

„Drei Schritte links vom schlafenden Riesen, dann hör dem Wind zu. Wo er klingelt, liegt der nächste Schwung.“

„Schlafender Riese“, murmelte Leni und klopfte auf den Stein. „Okay, das passt.“

Bramm stellte sich neben den Stein. „Drei Schritte links… eins… zwei… drei.“

Sie standen nun vor einem Busch, der so unschuldig aussah, als hätte er nie jemandem einen Kratzer verpasst. Der Wind strich durch seine Zweige. Erst hörte man nur Rascheln. Dann—ein leises kling-kling, als würde irgendwo ein winziges Glas an ein anderes stoßen.

Bramm kniff die Augen zusammen. „Da ist ein Klang.“

„Ein Klingeln“, sagte Leni. „Wie… eine Mini-Glocke.“

„Oder wie ein sehr kleines Schaf mit Schmuck“, sagte Bramm.

„Bitte keine Schafe“, sagte Leni. „Schafe gucken immer so, als hätten sie gerade meinen Namen vergessen.“

Bramm schob die Zweige auseinander. Im Inneren des Busches hing ein kleines Bündel aus bunten Bändern – und daran ein Anhänger aus Holz, rund wie ein Keks. Darauf war wieder eine Spirale. Und ein Pfeil.

Leni las den Pfeil. „Zur alten Mühle.“

Bramm nahm den Anhänger. Er fühlte sich warm an, obwohl er im Schatten hing.

„Magie“, flüsterte Leni.

„Oder Sonne“, sagte Bramm. „Aber ich nehme beides.“

Als sie weitergingen, rollte das musikalische Ei hinter ihnen her, als wäre es beleidigt, dass niemand es trug.

„Willst du in den Korb?“ fragte Bramm.

Das Ei machte: pling.

„Das ist ein Ja“, sagte Leni.

Bramm legte es vorsichtig hinein. Sofort plingte es einmal fröhlich, als hätte es gerade eine weiche Matratze gefunden.

Der Weg zur alten Mühle führte über eine Wiese, die aussah wie ein Teppich aus Gänseblümchen. Überall standen bemalte Eier auf kleinen Holzstäben, wie bunte Wegweiser.

„Das ist die schönste Osternavigation, die ich je gesehen habe“, sagte Leni.

„Besser als Schilder“, sagte Bramm. „Schilder können nicht glitzern, ohne dass man sie anmalt.“

Am Rand der Wiese stand ein Schild. Es glitzerte. Jemand hatte es angemalt.

Leni kicherte. „Du hast es herbeigeredet.“

Auf dem Schild stand: „Zur Mühle: Bitte leise sein. Der Wind übt.“

Bramm und Leni sahen sich an.

„Der Wind übt?“ wiederholte Bramm.

„Vielleicht für ein Konzert“, sagte Leni. „Mit Eiern als Musiker.“

Im Korb machte das Ei: pling-plang-pling, als hätte es sich angesprochen gefühlt.

4) Die Mühle und die verschwundene Farbe

Die alte Mühle war nicht wirklich alt, eher… gemütlich alt. Die Flügel quietschten nicht, sie seufzten. Im Teich daneben spiegelten sich die Wolken, als würden sie kurz Pause machen.

Vor der Tür stand der Osterhase. Er hatte jetzt eine Schürze um und sah aus, als hätte er in einem Farbsturm geduscht.

„Ah! Bramm! Leni!“ rief er. „Ihr seid gekommen! Sehr gut! Ähm… kleine Sache…“

„Die Panne?“ fragte Bramm.

Der Hase nickte und zog ein Gesicht, das man sonst nur sieht, wenn jemand aus Versehen Salz in den Kakao streut. „Die magische Osterfarbe ist weg.“

„Weg“, wiederholte Leni. „Wie: nicht da?“

„Wie: puff“, sagte der Hase und machte eine Handbewegung, als würde er ein Kaninchen aus der Luft ziehen. „Ohne die Farbe werden die Eier… na ja… beige.“

Bramm stellte sich das kurz vor. Er schauderte. „Beige ist mutig, aber nicht ostermäßig.“

„Genau!“ Der Hase rieb sich die Schläfen. „Und die Küken haben schon Glitzerfedern geprobt. Es wäre… peinlich.“

„Wir haben Hinweise“, sagte Bramm und zeigte den Holzanhänger.

Der Hase starrte darauf. „Oh! Das ist ein Windzeichen. Wer das hat, darf in die Mühle. Also… hinein mit euch!“

Drinnen roch es nach Mehl, Holz und etwas, das an Sternenstaub erinnerte. Auf einem Tisch standen Schüsseln mit Farbpulver: Rot wie Erdbeeren, Gelb wie Sonnenstrahlen, Grün wie frisch geknackte Erbsen.

Aber in der Mitte, wo ein großes Glas stehen sollte, war nur ein kreisrunder Abdruck – und ein paar glitzernde Krümel.

„Da stand sie“, sagte der Osterhase und zeigte darauf. „Die Hauptfarbe. Die, die alle anderen Farben zum Singen bringt.“

Leni hob einen Krümel auf. „Sie glitzert… und klebt ein bisschen.“

Bramm schnupperte. „Riecht nach Blaubeere. Wie der Zettel.“

Der Osterhase blinzelte. „Das ist nicht gut. Blaubeere bedeutet… Mondlicht-Mischung.“

„Und was bedeutet das?“ fragte Bramm.

Der Hase seufzte. „Dass jemand die Farbe genommen hat, um etwas zu verzaubern. Wahrscheinlich… aus Versehen. Oder aus sehr schlechter Laune. Beides kommt vor.“

Da klang aus Bramms Korb ein helles pling. Das musikalische Ei wackelte. Es rollte ein Stück, stieß gegen den Korbrand und plingte wieder. Als würde es sagen: Ich weiß was.

„Zeig uns“, sagte Bramm.

Das Ei rollte aus dem Korb, direkt über den Boden, an Mehlsäcken vorbei, zur Hintertür. Es blieb davor stehen und machte: pling-plang… pling.

„Es will raus“, flüsterte Leni.

„Dann raus“, sagte Bramm. „Aber wenn es davonrollt, fange ich es nicht. Ich bin Bär, nicht Bowlingbahn.“

Draußen hinter der Mühle führte ein schmaler Pfad zu einem kleinen Hain. Der Wind war hier anders: nicht nur Luft, sondern fast wie eine Stimme, die etwas summte. Zwischen den Bäumen hingen Windspiele aus Muscheln und Holz. Sie klangen, als würden sie miteinander kichern.

„Der Wind übt wirklich“, sagte Leni beeindruckt.

„Klingt besser als mein Schnarchen“, sagte Bramm.

Das Ei rollte auf eine Lichtung. In der Mitte stand ein Korb – viel größer als Bramms – aus Schilf geflochten, mit einem Deckel. Daneben saß ein Rabe und sah aus, als hätte er gerade einen sehr komplizierten Gedanken.

„Halt!“ krächzte der Rabe. „Nur wer kreativ ist, darf näher.“

Leni verschränkte die Arme. „Und wer entscheidet das?“

„Ich“, sagte der Rabe stolz. „Ich bin der Wächter der verschwundenen Farbe. Also… eigentlich sollte ich nur die Windspiele bewachen, aber dann stand da plötzlich dieses Glas und— nun ja.“

Bramm trat vor. „Wir sind kreativ. Ich habe einen Korb geflochten. Mit einem Hinweis im Rand.“

Der Rabe legte den Kopf schief. „Im Rand? Das ist… hübsch schlau.“

„Und ich“, sagte Leni, „kann eine Nuss in acht Teilen vergraben und nach drei Wochen jedes Teil wiederfinden.“

Der Rabe zögerte. „Das ist… beängstigend kreativ.“

Das Ei machte: pling. Als wäre es der dritte Zeuge.

„Na gut“, sagte der Rabe. „Dann löst mein Rätsel. Wenn ihr es schafft, bekommt ihr die Farbe zurück.“

„Her damit“, sagte Leni.

Der Rabe deutete auf das große Schilfgeflecht. „In diesem Korb steckt der Schlüssel. Aber der Korb öffnet sich nur bei dem richtigen Klang.“

Bramm schluckte. „Klang…“

Der Rabe nickte. „Und nein, Brüllen zählt nicht.“

5) Ein Konzert aus Wind und Mut

Bramm kniete vor dem großen Korb. Der Deckel hatte keinen Griff, nur eine glatte Fläche, als hätte jemand ihn extra rutschig gemacht.

„Der richtige Klang“, murmelte Bramm. „Wie finden wir den?“

Leni deutete auf die Windspiele. „Vielleicht ist es eine Melodie. Der Wind übt ja.“

Der Rabe setzte sich auf einen Ast und verschränkte seine Flügel. „Ich höre.“

Bramm sah zum musikalischen Ei. „Und du?“

Das Ei plingte, ganz zart. Dann plingte es noch einmal. Und noch einmal. Drei Töne, wie kleine Schritte.

„Drei Schritte links“, erinnerte sich Bramm. „Drei Töne…“

Leni schnippte mit den Fingern. „Wir kombinieren! Windspiel-Melodie plus Ei-Rhythmus. Ostern ist doch sowieso ein Mischfest: Schokolade plus Verstecken plus Bauchweh.“

Bramm stellte seinen eigenen Korb neben den großen. Die Windspiele klangen: kling… kling… klang. Das Ei antwortete: pling… pling… pling.

Bramm nahm ein kleines Holzstäbchen vom Boden und klopfte sachte gegen sein Korbgeflecht, dort, wo die goldene Bordüre war. Es klang dumpfer, aber warm.

„Noch mal“, flüsterte Leni. „Wie ein Geheimcode.“

Bramm klopfte: klop… klop… klop.

Das Ei ergänzte: pling.

Der Wind fügte hinzu: kling.

Für einen Moment passte alles zusammen, als hätten sie aus Versehen das Passwort der Luft gefunden.

Der große Korb vibrierte. Nicht stark, eher wie ein Kichern unter einem Deckel. Dann machte es klick.

„Ha!“ rief Leni. „Ich liebe Klick-Geräusche.“

Der Rabe krächzte anerkennend. „Kreativ genug. Leider auch musikalisch. Das wird sich rumsprechen.“

Bramm hob den Deckel. Innen lag ein Glas, das aussah, als hätte jemand Regenbogen in Flüssigkeit verwandelt. Die magische Osterfarbe schimmerte und warf kleine Lichtflecken auf Bramms Pfoten.

„Da ist sie“, flüsterte Bramm.

„Und sie ist nicht beige“, sagte Leni erleichtert.

Der Rabe räusperte sich. „Ich habe sie nicht gestohlen. Sie ist mir… zugeflogen.“

Leni hob eine Augenbraue. „Wie fliegt ein Glas?“

Der Rabe tat so, als hätte er plötzlich etwas sehr Wichtiges im Himmel entdeckt. „Wind. Dinge passieren.“

Bramm nahm das Glas vorsichtig. „Wir bringen es zurück. Ostern braucht Farben.“

Der Rabe nickte. „Und… nehmt das auch.“ Er ließ etwas Kleines fallen: ein winziges Glöckchen, silbern, mit einem Band daran. „Für den Schluss. Damit man hört, wenn alles wieder stimmt.“

Leni fing es geschickt. „Oh, ein Finale zum Anfassen.“

„Zum Hören“, korrigierte Bramm.

Als sie zur Mühle zurückeilten, schien die Sonne noch heller, als würde sie mitrennen wollen. Das musikalische Ei rollte nebenher und machte zwischendurch kleine Sieges-plingser.

Der Osterhase wartete schon, nervös wie ein Hase vor einem Karottenwettessen. Als er das Glas sah, riss er die Augen auf. „Ihr habt sie! Ihr habt sie wirklich!“

„Kreativität“, sagte Bramm und stellte das Glas auf den Tisch.

„Und ein bisschen Musik“, sagte Leni.

Das Ei machte: pling-plang-pling, als würde es unterschreiben.

Der Osterhase öffnete das Glas. Ein sanfter Schimmer stieg auf, legte sich über die Schüsseln mit Farbpulver – und plötzlich wirkten alle Farben lebendiger, als hätten sie gerade einen Witz gehört.

„Jetzt kann's losgehen!“ rief der Osterhase. „Eier färben, Körbe füllen, Hinweise verstecken…“

Bramm grinste. „Hinweise kann ich.“

6) Die Suche, die nach Frühling schmeckt

Am Nachmittag war der Wald ein einziges Osternest. Zwischen Büschen leuchteten Eier wie kleine Planeten. Auf der Wiese standen Körbe, in denen Schokolade raschelte. Der Osterhase sprang hin und her, verteilte Aufgaben und tat so, als hätte er alles unter Kontrolle – was natürlich bedeutete, dass er ungefähr gar nichts unter Kontrolle hatte.

Bramm stellte seinen selbst geflochtenen Korb an den Startplatz der Suche. Kinder aus dem Dorf – Füchse, Igel, Waschbären und sogar ein schüchterner Hirsch – versammelten sich.

„Regeln!“ rief der Osterhase. „Nicht schubsen. Nicht alle Schokoeier sofort essen. Und wenn ihr ein Ei findet, das Jazz macht: bitte freundlich bleiben.“

Leni prustete. „Frau Dachs wird stolz sein.“

Bramm trat vor die Gruppe. „In meinem Korb ist der erste Hinweis“, sagte er und zwinkerte. „Aber ihr müsst ihn finden.“

„Wie denn?“ fragte ein kleiner Igel.

„Mit Augen“, sagte Leni. „Und mit Hirn. Und mit ein bisschen… Korbgefühl.“

Die Kinder beugten sich über den Korbrand, suchten zwischen den blaugrünen Wellen und der goldenen Bordüre. Einer entdeckte den winzigen Zettel, zog ihn vorsichtig heraus und las laut vor.

„Drei Schritte links vom großen Stein…“ Er grinste. „Wie cool!“

Sie rannten los. Bramm sah ihnen nach. Sein Bauch fühlte sich leicht an, als hätte jemand darin Seifenblasen gepustet.

Leni stieß ihn an. „Du hast's geschafft. Dein Korb ist nicht nur schön. Er ist… Teil der Geschichte.“

Bramm schmunzelte. „Körbe sind unterschätzt. Die tragen nicht nur Sachen. Die tragen Ideen.“

„Und Schokolade“, sagte Leni wichtig.

„Vor allem Schokolade“, gab Bramm zu.

Der Osterhase kam zu ihnen, hielt kurz inne und sah Bramm an. „Danke“, sagte er. „Ohne euch wäre es heute wirklich beige geworden.“

„Bitte“, sagte Bramm. „Und nächstes Mal: Schreib ‚Panne‘ kleiner auf die Karte. Mein Herz ist groß, aber es hat auch Grenzen.“

Der Osterhase lachte. „Abgemacht.“

Als die Sonne tiefer sank, kehrten die Kinder zurück – mit klebrigen Pfoten, bunten Wangen und Augen, die glänzten wie frisch polierte Murmeln. Sie erzählten durcheinander von Rätseln, Windspielen, einem geheimnisvollen Stein und einem Ei, das plötzlich „pling“ gemacht hatte.

„Das war das beste Ostern!“ rief der schüchterne Hirsch und traute sich dabei sogar, ein bisschen zu hüpfen.

Bramm spürte Wärme in der Brust. Nicht nur von der Sonne. Eher wie ein inneres Lagerfeuer, das leise knistert: Ich kann Dinge machen. Ich kann etwas erfinden. Ich kann andere zum Staunen bringen.

Leni hielt das kleine silberne Glöckchen hoch. „Und jetzt?“

Bramm sah zum Himmel, der rosa wurde wie Zuckerwatte. „Jetzt kommt der Schluss.“

Er nahm das Glöckchen, band es an die goldene Bordüre seines Korbes – genau an die Stelle, wo der Hinweis verborgen gewesen war. Dann hob er den Korb hoch und schüttelte ihn ganz leicht.

Das Glöckchen tönte hell und klar, ein fröhliches Klingeln, das durch die Abendluft sprang wie ein letzter Osterhase auf dem Heimweg.

Kling.

Ohne Werbung 3€ pro Monat

Möchten Sie eine unterbrechungsfreie Lektüre? Unterstützen Sie Oh My Tales, entfernen Sie alle Anzeigen und profitieren Sie ab 3€ pro Monat von weiteren enthaltenen Vorteilen.

Die Pläne und Preise ansehen
Teilen

Melden Sie ein Problem mit dieser Geschichte

Was haben Sie von dieser Geschichte gehalten?

Geben Sie Ihre Meinung ab, indem Sie dieser Geschichte je nachdem, was Sie und/oder Ihr Kind davon gehalten haben, eine Bewertung geben. Vielen Dank im Voraus!

Vielen Dank! Ihre Bewertung wurde berücksichtigt!

Das Quiz: Hast du die Geschichte gut verstanden?

Weidenruten
Lange, biegsame Zweige von Weiden, die man zum Flechten von Körben benutzt.
Bastband
Ein schmales Band aus Naturfasern, das zum Dekorieren oder Binden von Körben dient.
Bordüre
Eine dekorative Kante oder Einfassung an einem Gegenstand, oft am Rand angebracht.
Öse
Eine kleine Metall- oder Stoffschleife, an der man etwas befestigen kann.
Spirale
Eine runde Form, die sich wie eine Schnecke immer weiter nach innen windet.
Windspiele
Dinge, die im Wind klingeln oder klappern und so Töne erzeugen.
Optimismus
Die Haltung, oft Gutes zu erwarten und Hoffnung zu bewahren.
Magie
Etwas, das geheimnisvoll wirkt und so getan wird, als könne es Wunder bewirken.
Mischfest
Ein Wort aus der Geschichte; meint hier etwas, das aus verschiedenen Dingen gemischt ist.
Panne
Ein unerwartetes Problem oder eine Störung, die etwas durcheinanderbringt.

Erstellen Sie eine magische und einzigartige Geschichte für Ihr Kind!

Erstellen Sie in nur wenigen Minuten ein personalisiertes Abenteuer, in dem Ihr Kind zum Helden wird. Mit unserem exklusiven Tool ist es einfach, kostenlos und unterhaltsam!

Eine Geschichte erstellen

Themen im Zusammenhang mit dieser Geschichte:

freundschaft mut wald magie rätsel zusammenarbeit kreativität

Laden Sie diese Geschichte herunter:

Lade diese Geschichte als PDF herunter E-Book herunterladen (.epub)

Erhalten Sie jeden Sonntagabend neue Geschichten!

Erhalten Sie 7 spannende und fesselnde Geschichten, die auf das Alter und die Vorlieben Ihres Kindes abgestimmt sind, jeden Sonntag um 17 Uhr*. Es ist kostenlos und garantiert spamfrei!
*E-Mail wird um 17 Uhr Mitteleuropäischer Zeit (MEZ) gesendet.
Wir mögen auch keinen Spam. Deshalb senden wir Ihnen nur Geschichten. Sie können sich jederzeit abmelden.