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Geschichten von kleinen Ermittlern 11/12 Jahre Lesen 29 min.

Felix Fuchs und das verschwundene Lichtbuch

Der junge Fuchs Felix, ein Privatdetektiv, wird in ein aufregendes Abenteuer verwickelt, als das Lichtbuch des Theatermeisters Herr Dachs kurz vor einer wichtigen Aufführung verschwindet, und er zusammen mit seinen Freunden versucht, das Rätsel zu lösen. Während er Hinweise sammelt und mit Verdächtigen spricht, lernt er wichtige Lektionen über Ehrlichkeit und Verantwortung.

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Im Zentrum des Bildes hockt ein junger Fuchs mit glänzenden Augen und leuchtend orangefarbenem Fell, namens Felix, konzentriert und entschlossen auf dem Boden. Er hält ein offenes Notizbuch in einer Pfote, mit einem Stift bereit zum Schreiben, während er aufmerksam Fußabdrücke im Staub untersucht. Rechts von ihm schwebt eine kleine graue Maus, Paula, mit Spatzenflügeln in der Luft, ihre Augen weit aufgerissen vor Aufregung. Sie zeigt begeistert und neugierig auf die Spuren am Boden. Im Hintergrund ist die Theaterregie mit bunten Kabeln, funkelnden Lichtern und Kontrollpaneelen gefüllt. Plakate von Animationsaufführungen schmücken die Wände, während ein großes Fenster einen Blick auf die Bühne darunter bietet, wo Tiere sich auf eine Vorstellung vorbereiten. Die Hauptsituation zeigt Felix und Paula bei ihrer Untersuchung, auf der Suche nach Hinweisen, um ein verschwundenes Lichtbuch zu finden, mit einer spürbaren Atmosphäre von Geheimnis und Abenteuer in der Luft. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

1. Ein ganz normaler Dienstag – fast

In Fuchshausen roch der Dienstagmorgen nach frischen Brötchen, nassem Gras und ein bisschen Aufregung. Jedenfalls für Felix.

Felix war ein junger Fuchs mit wachen, bernsteinfarbenen Augen und einem Notizbuch, das er überallhin mitnahm. Auf dem Umschlag stand in krakeliger Schrift: „Felix Fuchs – Privatdetektiv“. Darunter hatte er mit rotem Filzstift drei Ausrufezeichen gemalt.

„Heute wird sicher nichts passieren“, murmelte er und stopfte das Notizbuch in seine Umhängetasche. „Dann kann ich endlich meine Liste mit ungelösten Fragen ordnen.“

Er schulterte die Tasche, schloss die Haustür hinter sich und lief Richtung Stadtzentrum. Dort stand das große Stadttheater der Tiere. An diesem Abend sollte „Die verschwundene Krone“ aufgeführt werden. Fast alle Tiere der Stadt würden kommen.

Felix liebte das Theater. Nicht nur wegen der Stücke. Vor allem wegen der vielen kleinen Dinge, auf die man achten konnte: Seile, Scheinwerfer, Kostüme, die leisen Zeichen der Regie, das Flüstern hinter der Bühne.

Er war schon fast am Theater, als ihm jemand von der Seite ins Fell krachte.

„Felix! Gut, dass ich dich treffe!“

Es war Paula, die kleine, wuselige Spatzendame. Ihre Flügel zitterten so sehr, dass ein paar Federchen zu Boden segelten.

„Langsam, Paula“, sagte Felix und rückte seine Brille zurecht. „Was ist los?“

„Komm … mit … Theater … Katastrophe!“, keuchte sie und flatterte schon wieder los.

Felix zog die Stirn kraus. Katastrophe? Er griff instinktiv an seine Tasche. Das Notizbuch war da. Sein Stift auch.

„Na gut“, murmelte er und rannte Paula hinterher.

Als sie durch die Seitentür des Theaters hineinstürmten, schlug ihnen der Geruch von Staub, Schminke und kaltem Metall entgegen. Stimmen hallten durch den langen Gang. Irgendwo klapperte ein Hammer. Jemand rief nach Klebeband.

Paula bog scharf nach links ab, zur Treppe, die hinauf zur Regie führte.

Felix blieb kurz stehen. Die Regie. Die geheime Kommandozentrale des Theaters. Da war er noch nie richtig drin gewesen. Sein Herz schlug ein bisschen schneller.

„Beeil dich!“, rief Paula von oben. „Herr Dachs dreht gleich durch!“

Felix nahm die Stufen zwei auf einmal.

2. Die Regie und das verschwundene Buch

Der Raum oben war vollgestellt mit Technik. Überall hingen Kabel. Ein langer Tisch mit Mischpulten, Knöpfen, Schiebereglern und Monitoren erstreckte sich an der Glasfront, durch die man auf die Bühne sah. Auf dem Tisch standen außerdem drei halb ausgetrunkene Kaffeetassen, ein Teller mit trockenen Keksen und eine übervolle Stiftebox.

In der Mitte des Chaos stand Herr Dachs, der Lichtmeister. Er hatte Kopfhörer um den Hals und eine Warnweste an. Seine grauen Brauen waren so zusammengezogen, dass sie fast eine einzige Linie bildeten.

„Da bist du ja“, keuchte Paula und schob Felix vor sich her. „Ich hab dir den besten Detektiv der Stadt gebracht.“

„Na, na“, sagte Felix automatisch, „ich bin nur…“

„…der Einzige, der freiwillig akribische Listen über Brotkrumenbewegungen im Park führt“, fiel Paula ihm ins Wort. „Also der Beste.“

Herr Dachs stemmte die Pfoten in die Hüften. „Du bist doch der, der neulich die verschwundene Pausen-Glocke gefunden hat, oder?“

Felix nickte. „Sie lag im Rucksack von Herrn Biber. Er hatte sie aus Versehen eingepackt. Er hat sie sofort zurückgegeben.“

„Genau so einen brauchen wir jetzt“, schnaufte Herr Dachs. „Mein Lichtbuch ist weg!“

Felix blinzelte. „Ihr… was?“

„Mein Lichtbuch!“, wiederholte Herr Dachs verzweifelt. „Das Buch mit allen Licht-Cues, Zeiten, Farben, Nummern, alles! Ohne das kann ich die Show heute Abend vergessen. Ich weiß doch nicht alles auswendig!“

Felix trat näher an den Regietisch. Überall lagen Zettel, Klebestreifen und Pläne. Aber kein Buch.

„Wie sieht es aus?“, fragte er ruhig.

„Schwarz. Dick. Fester Einband. Rote Klebeecken für besonders wichtige Szenen“, erklärte Herr Dachs. „Hier, rechts neben dem großen Mischpult, lag es immer. Gestern Abend noch. Heute früh ist es weg.“

Felix ließ seinen Blick durch den Raum wandern. Ein paar Scheinwerfer blinkten leise. An der Wand hingen Kopfhörer. Auf einem Stuhl lag eine Jacke. Unter dem Tisch sah er Kabelschlaufen und… Staub.

„Wer hat einen Schlüssel zu diesem Raum?“, fragte Felix.

„Ich. Paula. Frau Eule von der Tonregie, aber die ist krank. Und Herr Bär, der Intendant. Mehr nicht“, sagte Herr Dachs.

„Und gestern?“, wollte Felix wissen. „Wer war da?“

„Die ganze Techniktruppe. Wir haben Hauptprobe gemacht“, mischte sich Paula ein. „Licht, Ton, Souffleuse, Requisite. Danach haben wir aufgeräumt. So halb.“

Felix nickte. „Hat jemand Streit gehabt? Oder war jemand besonders in Eile?“

Paula und Herr Dachs sahen sich an.

„Nun ja“, murmelte Paula, „da war diese Sache mit dem Schneesturm.“

„Schneesturm? Im Juni?“, fragte Felix.

„Auf der Bühne“, erklärte Herr Dachs. „Im dritten Bild sollte es schneien. Mit Papierfetzen aus der Maschine. Aber das sah aus wie gehäckselte Einkaufszettel. Frau Reh, die Regisseurin, war überhaupt nicht zufrieden.“

„Sie hat gesagt: ‚Wenn ihr das nicht hinbekommt, streichen wir die ganze Szene!‘“, fügte Paula hinzu. „Alle waren ein bisschen… angespannt.“

Felix holte sein eigenes Notizbuch hervor und klappte es auf. „Also“, murmelte er, „das Lichtbuch ist schwarz, dick, lag gestern Abend noch hier, heute früh ist es weg. Schlüssel haben: Herr Dachs, Paula, Frau Eule, Herr Bär. Viele Leute waren gestern hier. Alle waren gestresst.“

Er schrieb schnell mit.

Jetzt bist du dran, dachte er und stellte sich vor, der Leser stünde neben ihm. Wenn du an meiner Stelle wärst, würdest du zuerst:

A) Den ganzen Raum durchsuchen?

B) Mit allen reden, die einen Schlüssel haben?

C) Nach Spuren um den Platz suchen, wo das Buch lag?

Überleg kurz.

Felix entschied sich.

„Zuerst suche ich nach Spuren“, sagte er laut. „Dann reden wir.“

Herr Dachs nickte. „Mach nur. Aber bitte schnell. Ohne Lichtbuch sind wir verloren.“

3. Spuren im Staub

Felix stellte seine Tasche vorsichtig in eine Ecke, schob eine Kaffeetasse beiseite und kniete sich neben den Regietisch. Er zog ein kleines, sauberes Tuch aus seiner Tasche und wickelte es um eine Pfote.

„Warum das Tuch?“, fragte Paula neugierig.

„Damit ich keine Abdrücke verwische“, erklärte Felix. „Und…“

Er stoppte. In seiner Manteltasche steckte etwas Knisterndes. Er zog eine kleine, durchsichtige Tüte heraus. Darin lagen ein Paar dünne, hellgraue Handschuhe.

„Und damit ich diese trage“, sagte er zufrieden und zog die Handschuhe an. „Ein guter Ermittler hinterlässt keine Spuren.“

Paula pfiff leise. „Stylisch.“

„Praktisch“, korrigierte Felix, aber er musste grinsen.

Er beugte sich vor. Auf dem Tisch lag eine deutliche, staubfreie Rechteckfläche. Die Größe passte gut zu einem dicken Buch. Am Rand der Fläche sah man ein paar schmale Kratzer im Staub, als hätte jemand das Buch hastig weggezogen.

„Hier lag es also“, murmelte Felix. „Siehst du die Kratzer, Paula?“

Paula setzte sich dicht an die Kante. „Ja. Und da!“, rief sie plötzlich und zeigte mit dem Flügel auf den Boden. „Da ist irgendwas im Staub.“

Felix legte sich halb hin, um besser sehen zu können. Im feinen Staub unter dem Tisch zeichnete sich eine Spur ab. Drei kleine, längliche Abdrücke hintereinander, dann ein etwas breiterer.

„Sieht aus wie…“, begann Paula.

„…wie die Enden eines Stativs“, beendete Felix den Satz. „Oder wie die Füße von einem Mikrofonständer. Aber warum sollten die unter den Tisch geschoben werden?“

Er folgte der Spur mit den Augen. Sie führte unter dem Tisch entlang, dann wieder heraus, machte einen Bogen und verschwand in Richtung Tür.

Daneben sah man deutlich Pfotenabdrücke. Groß und rund.

„Die gehören nicht zu mir“, murmelte Herr Dachs sofort. „Meine sind größer. Und ich war gestern der Letzte hier oben. Ich habe abgeschlossen.“

Felix betrachtete die Abdrücke. Groß, rund, mit deutlichen Ballen. Könnten sie zu einem Bären gehören? Oder zu einem großen Hund? Es gab aber nur einen Bären mit Schlüssel.

Er richtete sich auf. „Ich glaube, das Buch wurde nicht einfach verlegt“, sagte er. „Jemand hat es ganz bewusst mitgenommen. Und etwas mit Rollen oder Füßen wurde dabei bewegt.“

Er blickte durch die Glasscheibe auf die Bühne hinunter. Dort deckte gerade Herr Hase einige Stühle ab. Zwei Waschbären schoben Kulissen hin und her. Frau Reh gestikulierte mit einem Stapel Papier in der Hand.

„Zeit für Fragen“, sagte Felix.

Jetzt bist du dran, dachte er wieder. Wen würdest du zuerst befragen?

A) Herrn Bär, den Intendanten?

B) Herrn Hase, der immer alles sieht?

C) Frau Reh, die Regisseurin, die gestresst war?

Felix traf seine Wahl.

„Ich spreche zuerst mit Herrn Bär“, sagte er. „Er hat einen Schlüssel. Und er hat große Pfoten.“

4. Verdächtige und Alibis

Herr Bär saß in seinem Büro hinter dem Foyer. An den Wänden hingen Plakate alter Aufführungen, auf seinem Schreibtisch stapelten sich Zettel, Programme und bunte Post-its.

„Felix! Mein Lieblingsdetektiv“, brummte er, als der junge Fuchs eintrat. „Was verschafft mir die Ehre? Komm, setz dich. Kekse?“

Felix mochte Herrn Bär. Er war streng, wenn es nötig war, aber meistens freundlich. Und er nahm das Theater sehr ernst.

„Danke, aber ich habe nicht viel Zeit“, sagte Felix. „Es geht um das Lichtbuch von Herrn Dachs.“

Die Stirn von Herrn Bär legte sich in Falten. „Ist da etwas nicht in Ordnung?“

„Es ist verschwunden“, erklärte Felix. „Heute Morgen. Haben Sie es zufällig gesehen?“

Herr Bär schüttelte den Kopf. „Nein. Ich war gestern Nachmittag kurz in der Regie, um mit Herrn Dachs über die Schlussapplaus-Beleuchtung zu sprechen. Aber da lag das Buch noch an seinem Platz. Danach bin ich direkt nach Hause. Ich war ziemlich müde.“

„Sind Sie sicher, dass Sie die Tür abgeschlossen haben, als Sie gegangen sind?“, fragte Felix vorsichtig.

Herr Bär runzelte die Brauen. „Ich… ähm… ehrlich gesagt, weiß ich das nicht genau. Ich wurde unten im Flur noch angesprochen, und da habe ich vielleicht…“ Er seufzte. „Es ist möglich, dass ich vergessen habe, abzuschließen.“

Felix notierte. „Wer hat Sie angesprochen?“

„Frau Reh. Sie wollte noch einmal über die Schneeszene reden“, sagte Herr Bär. „Wir standen dann im Foyer und haben diskutiert. Danach bin ich direkt raus.“

„Danke“, sagte Felix. „Eine letzte Frage: Kennen Sie noch jemanden, der einen Schlüssel zur Regie haben könnte? Einen Ersatzschlüssel vielleicht?“

Herr Bär schüttelte den Kopf. „Nein. Nur die, die du schon kennst.“

Auf dem Weg zurück zur Bühne dachte Felix nach. Herr Bär wirkte ehrlich. Er hatte offen zugegeben, dass er vielleicht nicht abgeschlossen hatte. Wer lügt, verschweigt eher solche Fehler. Aber ehrlich sein heißt nicht automatisch unschuldig sein, sagte eine kleine Stimme in seinem Kopf. Er durfte sich nicht täuschen lassen.

Unten auf der Bühne beobachtete er kurz die anderen. Frau Reh sprach energisch mit Herrn Hase und den Waschbären. Sie sah gestresst, aber entschlossen aus. Herr Hase nickte dauernd und rannte hin und her.

Felix beschloss, Herrn Hase als Nächstes anzusprechen. Der Hase hatte wirklich für alles einen Blick.

„Herr Hase?“, rief Felix.

„Keine Zeit, keine Zeit“, japste Herr Hase, blieb aber sofort stehen. „Doch Zeit. Was ist?“

„Haben Sie gestern Abend nach der Probe noch jemanden gesehen, der nach oben zur Regie gegangen ist?“

Herr Hase trommelte mit dem Fuß nachdenklich auf das Bühnenholz. „Also, ich habe die Requisiteure gesehen, die Schneemaschine. Dann ist Frau Reh noch einmal nach oben verschwunden. Und… warte… ja, ich glaube, ich habe Herrn Marder mit einem Mikrofonstativ an der Treppe gesehen.“

„Herr Marder? Der Tontechniker?“, fragte Felix.

„Genau der“, nickte Herr Hase. „Er hat was von ‚Brummen in der Leitung‘ gemurmelt.“

Felix dachte an die Spur unter dem Tisch. Etwas mit Füßen. Ein Mikrofonstativ? Er bedankte sich und suchte Herrn Marder.

Er fand ihn in einem kleinen Raum neben der Bühne, in der Tonregie. Dort summten Geräte, und an der Wand hingen Kopfhörer in allen Größen. Herr Marder trug einen, halb auf dem Ohr.

„Wer stört die heilige Probe?“, fragte er scherzhaft, als Felix hereinkam.

„Felix Fuchs. Ich störe kurz für eine ernste Frage“, sagte Felix. „Waren Sie gestern Abend noch in der Regie? Mit einem Mikrofonstativ?“

Herr Marder blinzelte. „Ja. Kurz vor Schluss der Probe. Es gab Störgeräusche, und ich wollte prüfen, ob es an den Leitungen liegt, die oben entlanglaufen. Ich habe ein Stativ hochgebracht, um ein Testmikrofon zu befestigen. Wieso?“

„Haben Sie das Lichtbuch gesehen?“, fragte Felix.

Herr Marder schüttelte den Kopf. „Ich habe nur auf die Kabel geachtet. Ich hab das Stativ aufgestellt, ein bisschen getestet, nichts gefunden und es wieder runtergebracht. Das war's.“

„Sind Sie sicher, dass Sie das Buch nicht aus Versehen verschoben haben?“, bohrte Felix nach. „Vielleicht um Platz zu machen?“

„Ich erinnere mich nicht daran, es überhaupt gesehen zu haben“, sagte Herr Marder. „Aber ich habe in der Nähe des Tisches gearbeitet. Es ist möglich, dass ich es gestreift habe. Doch ich hätte es nie mitgenommen. Wozu auch? Ich mach Ton, kein Licht.“

Felix betrachtete ihn kurz. Herr Marder klang ehrlich. Aber ehrlich klingende Stimmen konnten täuschen.

Jetzt bist du dran. Was denkst du?

A) Herr Bär hat das Buch genommen.

B) Herr Marder hat es versehentlich mit seinem Stativ umgestoßen.

C) Jemand anderes war heimlich in der Regie.

Felix spürte, dass ihm ein Teil der Geschichte noch fehlte. Also wandte er sich zur Regisseurin.

5. Die Wahrheit im Dunkeln

Frau Reh stand in der Mitte des Zuschauerraums und sah durch ein Fernglas auf die Bühne. Sie ließ es sinken, als Felix neben sie trat.

„Felix“, seufzte sie, „bitte sag mir, dass du gute Nachrichten hast. Mir bricht sonst hier alles auseinander.“

„Ich bin noch mitten in der Untersuchung“, antwortete Felix. „Ich habe nur ein paar Fragen. Stimmt es, dass Sie gestern nach der Probe noch einmal nach oben zur Regie gegangen sind?“

„Ja“, sagte Frau Reh. „Ich wollte mit Herrn Dachs noch schnell über eine Lichtstimmung sprechen. Die Szene mit der Krone war mir noch zu dunkel.“

„Und?“, fragte Felix.

„Er war schon weg“, erklärte sie. „Aber die Tür war offen. Ich bin kurz hinein, habe mir die Bühne von oben angesehen, ein paar Notizen gemacht und bin nach fünf Minuten wieder gegangen. Das Lichtbuch habe ich gesehen, ja. Es lag auf dem Tisch, wie immer.“

„Haben Sie es in die Hand genommen?“, fragte Felix.

Frau Reh runzelte die Stirn. „Ich glaube nicht. Nein, ich habe nur aus dem Fenster geschaut. Warum?“

Felix erzählte ihr knapp von der verschwundenen Mappe.

„Oh nein“, murmelte sie. „Ohne das Buch sind wir heute Abend wirklich aufgeschmissen.“

Sie setzte sich in einen der roten Sessel, als wären ihre Beine plötzlich weich geworden. „Ich wollte doch nur, dass alles perfekt wird“, flüsterte sie.

Felix' Ohren zuckten. „‚Ich wollte doch nur, dass alles perfekt wird‘ – was meinen Sie damit?“

Frau Reh sah ihn an, als hätte sie sich verplappert. „Es war wegen der Schneeszene“, sagte sie schließlich. „Ich habe vielleicht… überreagiert. Alle so unter Druck gesetzt. Vielleicht hat jemand aus Angst etwas Dummes getan.“

Sie schwieg kurz, dann fügte sie leise hinzu: „Oder ich selbst.“

Felix legte den Kopf schief. „Sie?“

„Manchmal“, erklärte Frau Reh, „nehme ich Dinge mit, um sie woanders in Ruhe anzuschauen. Ich habe mir überlegt, ob ich mir das Lichtbuch ausgeliehen habe, um zu Hause die Stimmung besser zu planen. Aber ich kann mich nicht erinnern, es mitgenommen zu haben. Wirklich nicht. Und ich wäre doch nicht so verantwortungslos… oder?“

Felix dachte an seine eigenen Dinge. Sein Notizbuch hatte er schon dreimal irgendwo liegengelassen, obwohl es ihm heilig war. Ablenkung konnte viel bewirken.

„Wo sind Sie nach der Regie genau hingegangen?“, fragte er.

„Direkt zum Ausgang“, sagte Frau Reh. „Dann nach Hause. Ich hatte einen furchtbaren Kopfweh.“

„Sind Sie mit Bus, Fahrrad oder zu Fuß gegangen?“, fragte Felix.

Sie blinzelte überrascht. „Mit dem Bus. Linie 3. Wie immer.“

Felix nickte. Ein Gedanke huschte durch seinen Kopf. Eine Buslinie. Ein Pult. Ein Buch, das fehlt. Er erinnerte sich an ein anderes Mal, als er einen Hinweis im Bus gefunden hatte.

„Ich muss kurz weg“, sagte er. „Aber ich komme zurück.“

Er rannte zur Garderobe, wo die Mitarbeiterschlüssel hingen. Herr Bär, der ihm gefolgt war, runzelte die Stirn. „Was hast du vor, Felix?“

„Ich brauche Ihre Erlaubnis, einen Blick in die Fundkiste der Stadtwerke zu werfen“, sagte Felix ernst. „Gibt es eine zentrale Fundstelle?“

„Ja, natürlich“, sagte Herr Bär. „Im Rathauskeller. Aber was…“

„Erkläre ich später“, unterbrach ihn Felix freundlich. „Bitte. Es ist wichtig.“

Herr Bär seufzte und griff zum Telefon. „Ich rufe Herrn Dachs an, den Hausmeister vom Rathaus. Er soll dich reinlassen. Aber beeil dich. Es ist schon Mittag. Heute Abend müssen die Lichter funktionieren.“

6. Die Spur zur Fundkiste

Der Rathauskeller roch nach alten Akten, nasser Pappe und geheimen Geschichten. Herr Dachs – der andere Dachs, der Hausmeister des Rathauses – führte Felix zu einem großen, blauen Plastikcontainer.

„Hier landet alles, was in Bussen, im Rathaus oder auf dem Marktplatz gefunden wird“, erklärte er. „Wir sortieren das dann alle paar Tage.“

Felix beugte sich über die Kiste. Darin lagen Schals, Mützen, eine Kindertröte, zwei einzelne Handschuhe, eine Brotzeitdose mit einem halb gegessenen Apfel und mehrere Bücher und Hefte.

„Ich suche ein schwarzes, dickes Buch mit rotem Klebeband an den Ecken“, sagte Felix.

„Klingt wichtig“, brummte der Hausmeister. „Schau in Ruhe.“

Felix begann zu wühlen. Er legte jedes Buch vorsichtig zur Seite. Ein Matheheft. Ein Roman mit einem Drachen auf dem Cover. Ein Kochbuch. Nichts passte.

„Vielleicht war ich auf der falschen Fährte“, murmelte er gerade, als seine Pfote etwas Raues berührte.

Er zog ein schwarzes Buch hervor. Dick. Fester Einband. An den Ecken klebten rote Streifen.

Sein Herz machte einen Sprung.

„Das ist es!“, rief er. „Das Lichtbuch!“

Auf der Innenseite des Einbands klebte ein Zettel: „Gefunden in Buslinie 3. Abgegeben von: Frau Eichhorn.“

Felix lächelte. Ein Puzzleteil schnappte ein.

Jetzt bist du dran. Was glaubst du?

A) Jemand hat das Buch absichtlich im Bus liegen lassen.

B) Es ist jemandem aus Versehen im Bus aus der Tasche gerutscht.

C) Der Busfahrer ist der heimliche Bösewicht.

Felix dachte an Frau Reh, ihren Kopfschmerz, den Stress, ihren Satz „Vielleicht habe ich es mir ausgeliehen“. Es passte zu B.

Aber trotzdem war etwas Merkwürdiges: Wie war das Buch aus der Regie in ihre Tasche gelangt?

Er bedankte sich bei Herrn Dachs im Rathaus, steckte das Buch in seine Umhängetasche, drückte es ganz fest an sich und rannte zurück zum Theater.

7. Das Geständnis

Im Theater herrschte mittlerweile noch mehr Trubel. Kostüme wurden geschleppt, Requisiten gecheckt, die Band probte den Schlussapplaus-Song. Als Felix mit dem schwarzen Buch im Arm die Bühne betrat, stockte für einen Moment alles.

„Das… das ist es!“, rief Paula von der Regiebrüstung. „Er hat es!“

Herr Dachs stürmte die Treppe herunter, so schnell, dass seine Warnweste flatterte. „Mein Lichtbuch!“, rief er, als hätte er einen verlorenen Schatz wiedergefunden. „Wo war es?“

„Im Rathaus“, erklärte Felix. „In der Fundkiste. Es wurde in Buslinie 3 gefunden.“

Alle Augen wandten sich langsam zu Frau Reh.

Sie stand am Rand der Bühne. Ihre Ohren stellten sich auf, ihr Hals wurde rot unter dem hellen Fell.

„Ich…“, setzte sie an, „ich… verstehe nicht.“

Felix trat näher. „Ich glaube, Sie verstehen es sehr gut“, sagte er sanft, nicht anklagend. „Sie wollten, dass alles perfekt wird. Sie waren gestresst, hatten Kopfschmerzen. Sie sind allein in die Regie, haben auf die Bühne geschaut. Dabei haben Sie wahrscheinlich unbewusst das Lichtbuch genommen, vielleicht um es näher anzusehen. Dann hat Sie unten im Flur jemand angesprochen – oder der Bus kam – und Sie haben es in Ihre Tasche gesteckt, ohne es zu merken.“

Er holte tief Luft. „Im Bus haben Sie sich hingesetzt, vielleicht Ihre Tasche auf den Sitz neben sich gestellt. Und als Sie ausstiegen, sind Sie schnell raus, ohne zu bemerken, dass das Buch herausgerutscht ist. Zum Glück war Frau Eichhorn ehrlich und hat es abgegeben.“

Es wurde ganz still. Man konnte fast die Staubkörnchen in der Luft fliegen hören.

Frau Reh schloss die Augen. „Das… klingt furchtbar logisch“, flüsterte sie. „Ich… ich erinnere mich wirklich nicht daran, das Buch in die Hand genommen zu haben. Aber gestern war… verschwommen. Ich war so wütend auf mich selbst, auf die Schneeszene, auf alles.“

Sie öffnete die Augen wieder und sah Herrn Dachs an. „Es tut mir leid“, sagte sie klar. „Ich habe einen Fehler gemacht. Ich hätte besser aufpassen müssen. Und ich hätte dir sagen müssen, dass ich unsicher bin, statt alles runterzuschlucken. Ich wusste nicht, dass ich so… unachtsam war.“

Herr Dachs sah sie einen Moment lang ernst an. Dann atmete er tief durch.

„Fehler passieren“, sagte er schließlich. „Wichtig ist, dass du ehrlich bist. Dass du dazu stehst. Und dass wir jetzt zusammen dafür sorgen, dass es nicht noch einmal passiert.“

Frau Reh nickte ernst. „Ich verspreche, ab heute schreibe ich mir immer auf, wenn ich etwas Wichtiges mitnehme. Und… ich werde versuchen, etwas weniger streng zu sein. Vor allem mit mir selbst.“

Herr Bär trat vor. „Und ich verspreche, besser aufzupassen, wenn ich Türen abschließen muss“, fügte er hinzu. „Wir haben alle unseren Teil zu dieser Verwirrung beigetragen.“

Paula flatterte über ihre Köpfe hinweg. „Und ich verspreche, weniger zu schreien, wenn etwas schiefgeht“, rief sie. „Na ja… ein bisschen weniger.“

Alle lachten erleichtert.

Felix lächelte. Das war das Wichtigste für ihn: nicht, wer „schuld“ war, sondern dass alle ehrlich miteinander umgingen und aus ihren Fehlern lernten.

8. Ein ehrliches Ende

Am Abend war das Theater bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Tiere aus Fuchshausen raschelten mit ihren Programmen, flüsterten aufgeregt und schauten auf die Bühne.

In der Regie oben saß Herr Dachs vor seinem Mischpult. Das Lichtbuch lag aufgeschlagen vor ihm, ein Stift steckte quer oben drin. Er hatte es sanft über den Einband gestrichen, bevor er es geöffnet hatte, als würde er sich bei einem alten Freund entschuldigen, dass er ihn verloren hatte.

Neben ihm saß Paula mit einem Headset, bereit, ihre Einsätze zu geben. „Lichtstimmung drei… und… jetzt!“, flüsterte sie, und die Bühne tauchte in ein warmes Gold.

Felix stand hinten in einer Ecke der Regie. Er hatte die grauen Handschuhe fein säuberlich zusammengefaltet in seine Tasche gesteckt. Sie hatten ihm gute Dienste geleistet. Doch jetzt, während der Vorstellung, brauchte er sie nicht.

Auf der Bühne erschien die Krone im Scheinwerferlicht, glänzend und geheimnisvoll. Die Schneeszene im dritten Bild war perfekt geworden: zarte weiße Papierschnipsel, die in langsamem, wunderschönem Wirbel über die Bühne schwebten. Kein einziger Einkaufszettel.

In der Pause klopfte Frau Reh an die Regietür.

„Darf ich kurz?“, fragte sie.

„Natürlich“, sagte Herr Dachs und rückte seinen Stuhl etwas zur Seite.

Sie trat ein und hielt etwas in der Pfote. Es war ein kleiner, blauer Notizblock.

„Felix“, sagte sie, „ich habe darüber nachgedacht, was heute passiert ist. Und ich möchte dir etwas geben.“

Felix trat näher. „Mir?“

„Ich habe gemerkt, wie wichtig dein eigenes Notizbuch für dich ist“, sagte sie. „Wie genau du deine Beobachtungen aufschreibst. Das hat uns heute gerettet. Ohne deine ordentlichen Notizen und deine Fragen wären wir wahrscheinlich noch immer im Dunkeln. Wortwörtlich.“

Sie lächelte schief. „Ich möchte auch ordentlicher sein. Deshalb habe ich mir einen eigenen Block besorgt. Für meine Gedanken. Für die Szenen. Für alles, was ich sonst im Kopf mit mir herumschleppe.“

Sie streckte ihm den Block entgegen. „Aber zuerst möchte ich dich bitten, etwas hineinzuschreiben. Eine Art… Erinnerung.“

Felix nahm den Block vorsichtig. Die Seiten waren noch leer, glatt, ein bisschen aufregend.

Er zog seinen Stift aus der Tasche und schrieb auf die erste Seite:

„Ehrlich sein ist schwerer als verstecken. Aber ohne Ehrlichkeit bleibt jede Bühne dunkel.“

Er zeigte es Frau Reh. Sie las es und nickte langsam. „Danke“, sagte sie leise. „Darf ich dir jetzt noch etwas zurückgeben?“

Felix blinzelte. „Mir etwas zurückgeben?“

Frau Reh griff in ihre Stofftasche und zog sein eigenes, abgenutztes Notizbuch hervor.

Felix' Herz machte einen Hüpfer. „Mein Notizbuch! Wo hast du das gefunden?“

Frau Reh grinste leicht verlegen. „Es lag auf einem der Sessel unten im Zuschauerraum. Jemand hat es wohl hier vergessen, als er ganz auf die Ermittlungen konzentriert war.“

Felix spürte, wie ihm heiß wurde unter dem Fell. „Oh“, murmelte er. „Das… war wohl ich.“

„Siehst du“, sagte Frau Reh, und ihre Augen funkelten, „wir machen alle Fehler. Wichtig ist, dass wir sie zugeben. Und dass wir die gefundenen Sachen zurückgeben, statt sie einfach zu behalten.“

Sie reichte ihm das Notizbuch.

Felix nahm es dankbar. „Danke“, sagte er. „Fürs Finden. Und fürs Zurückgeben.“

„Gern“, antwortete sie. „Du hast uns heute das Licht wiedergegeben. Da ist es nur fair, dass ich dir dein eigenes ‚Licht‘ zurückgebe.“

Felix strich mit der Pfote über den krakeligen Schriftzug auf seinem Notizbuch „Felix Fuchs – Privatdetektiv“. Dann steckte er es wieder in seine Umhängetasche, direkt neben den zusammengefalteten Handschuhen.

Später, als der Vorhang fiel und der Applaus durch den Saal donnerte, schaute Felix durch die Glasscheibe der Regie auf die glücklichen Gesichter im Publikum und auf die stolzen Tiere auf der Bühne.

Er dachte an den Tag: an Staubspuren, an Busfahrten, an Fundkisten und an ehrliche Geständnisse.

„Manchmal“, murmelte er halb zu sich, halb zu dir, dem Leser, „ist der wichtigste Teil einer Untersuchung nicht das Finden der Sache. Sondern das Finden der Wahrheit. Und den Mut zu haben, sie auszusprechen.“

Er zog sein Notizbuch noch einmal hervor und schrieb auf eine neue Seite:

„Fall: Das verschwundene Lichtbuch – gelöst.“

Dann klappte er es zu, steckte es weg und sah lächelnd hinunter zur Bühne, wo die Lichter langsam ausgingen – ganz genau so, wie es im Lichtbuch stand.

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Privatdetektiv
Ein Detektiv, der seine eigenen Ermittlungen durchführt und nicht für die Polizei arbeitet.
Kostüme
Besondere Kleidung, die von Schauspielern in einem Theater oder bei Verkleidungen getragen wird.
Requisite
Die Gegenstände und Materialien, die auf der Bühne verwendet werden, wie Möbel oder Requisiten.
Alibi
Ein Beweis, dass jemand zur Zeit eines Verbrechens nicht am Tatort war.
Wuselige
Ein Wort, das beschreibt, dass jemand sehr aktiv und voller Energie ist.
Katastrophe
Ein großes Unglück oder eine sehr schlimme Situation.

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