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Geschichten von kleinen Ermittlern 11/12 Jahre Lesen 21 min.

Das verschwundene Regenbogen-Rad: Ein Detektivfall im Einkaufscenter

Vier Mädchen entdecken das Verschwinden eines bunten Regenbogen-Rads aus dem Schaufenster eines Bastelladens und folgen Hinweisen wie Holzkrümeln, einem blauen Faden und Kaugummi durch das Einkaufszentrum. Dabei versuchen sie gemeinsam, das Rätsel aufzuklären.

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Fünf Kinder: Mina (ca. 11) mit braunem Pferdeschwanz und khakijacke hält ein kleines offenes Heft, konzentriert auf den Ausstellungsrahmen; Jule (ca. 11) mit Sommersprossen und gestreiftem T‑Shirt steht links mit verschränkten Armen, grinst und schaut auf Holzspäne am Boden; Lina (ca. 10) mit blonden Zöpfen und roter Jacke rechts springt leicht in einen Lichtfleck, den ein kleiner Spiegel erzeugt; Tessa (ca. 11) mit kurzem schwarzen Haar und grünem Pullover steht hinter Mina und zeigt auf einen blauen Faden am Schaufensterrand; Rafi (ca. 14) mit halb heruntergezogener Kapuze und großem Rucksack steht zurückhaltend rechts, hält beschwichtigend einen kleinen, regenbogenbunten Holzkreis mit Spiegel, in Tuch gewickelt. Ort: Schaufenster des kleinen Kunsthandwerksladens Kleck & Klitz in einer Einkaufspassage, sauberes Glas, Regale mit buntem Papier, Knopfgläser, Wimpelketten, glatter Boden, warmes Lampenlicht, teilweis sichtbares Schild „Ausstellung“. Situation: Die Kinder geben den bunt bemalten Holzring mit zentralem Spiegel zurück; die Farben werfen Lichtspiegelungen auf Boden und Gesichter; Stimmung freundlich, neugierig, erleichtert und amüsiert; Holzspäne und blauer Faden als Hinweise. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Kapitel 1: Der leere Platz im Schaufenster

„Da ist es wieder“, sagte Mina und blieb mitten in der Einkaufsgalerie stehen.

Die Glasdecke über ihnen war milchig hell, als hätte jemand ein riesiges Fenster geputzt. Unter den Lampen glänzte der Boden wie ein See aus Stein. Menschen schoben Tütenwagen, Kinder schleckten Eis, irgendwo spielte ein Handy eine viel zu fröhliche Melodie.

Mina zeigte auf das Schaufenster des Bastelladens „Kleck & Klitz“. Zwischen Papierstapeln und bunten Stiften klaffte ein leerer Platz. Daneben stand ein Schild: „Ausstellung: Kreativ-Wettbewerb der Schulen. Heute: Das Regenbogen-Rad.“

„War das nicht dieses… Ding aus Holz mit den farbigen Speichen?“ fragte Jule. Sie hatte Sommersprossen und das Talent, jede Kleinigkeit zu bemerken, sogar schiefe Preisschilder.

„Genau“, sagte Mina. Mina war die, die immer einen Plan hatte. Nicht, weil sie erwachsen tun wollte, sondern weil ihr Gehirn anscheinend gern Detektiv spielte. In ihrer Jackentasche steckte ein kleines Notizbuch. Auf der ersten Seite stand in dicken Buchstaben: FÄLLE.

Lina, die am liebsten Witze machte, beugte sich an die Scheibe. „Vielleicht hat das Regenbogen-Rad Beine bekommen. Wenn es jetzt irgendwo durchs Center rollt, will ich es sehen.“

„Es ist gestohlen worden“, sagte Tessa leise. Tessa war ruhig, aber wenn sie etwas sagte, passte es fast immer. Sie schaute nicht auf die Scheibe, sondern auf den Boden davor.

„Das Schild war gestern noch da“, ergänzte Mina. „Ich bin mit meiner Mutter hier gewesen.“

Die vier Mädchen standen wie ein kleines Team vor dem leeren Platz. Eine Bande, aber ohne Geheimzeichen. Ihre Geheimwaffe war eher: Neugier.

Die Ladentür ging auf. Eine Frau mit bunten Ohrringen, die aussahen wie kleine Pinsel, steckte den Kopf heraus. „Kann ich helfen?“

„Wir… äh… interessieren uns für das Regenbogen-Rad“, sagte Mina. „Wo ist es?“

Die Frau seufzte so tief, dass es klang, als würde ein Papierstapel zusammenfallen. „Weg. Heute Morgen. Ich habe die Ausstellung aufgebaut, kurz hinten im Lager etwas geholt, und als ich zurückkam… war es nicht mehr da.“

Lina hob die Hand, als wäre das Matheunterricht. „Haben Sie die Polizei gerufen?“

„Natürlich. Aber die haben viele Dinge zu tun.“ Die Frau rieb sich die Stirn. „Und es war ein Schülerprojekt. Es ist… wichtig. Da steckt so viel Fantasie drin.“

Mina klappte ihr Notizbuch auf. „Dürfen wir ein paar Fragen stellen?“

Die Frau musterte sie. Dann lächelte sie schwach. „Ihr seid von der Detektiv-Sorte, hm? Na gut. Ich bin Frau Kranz. Fragt.“

„Wann genau war das?“ fragte Jule.

„Kurz nach neun. Das Center hat gerade geöffnet.“

Tessa zeigte auf den Boden. „Hier sind… ganz feine Krümel. Holz?“

Frau Kranz kniete sich hin. „Stimmt. Das Rad stand auf einem kleinen Sockel. Vielleicht ist beim Wegtragen etwas abgeschabt.“

Mina schrieb: 9:00–9:10, Holzkrümel, Sockel.

„Gab es Zeugen?“ fragte Mina.

„Ein Lieferant hat vor dem Laden Kartons abgestellt. Und ein Hausmeister war irgendwo in der Nähe, glaube ich.“

Lina grinste. „Und vielleicht hat das Rad wirklich Beine. Dann brauchen wir nur Fußspuren.“

„Keine Fußspuren“, sagte Tessa, „aber…“ Sie zog vorsichtig etwas unter der Schaufensterkante hervor. Es war ein winziges Stück Stoff, glänzend blau.

„Wie ein Faden“, flüsterte Jule. „Von einer Jacke?“

Mina legte den Faden in ein Taschentuch. „Okay. Das ist unser erster Hinweis.“

Frau Kranz sah sie hoffnungsvoll an. „Wenn ihr es findet… ich würde euch eine riesige Packung Glitzer schenken.“

Lina verzog das Gesicht. „Glitzer ist wie ein Fluch. Er bleibt für immer.“

„Dann eben ohne Glitzer“, sagte Frau Kranz schnell.

Mina nickte. „Wir versuchen es. Versprochen.“

Und damit begann ihr Fall: Das verschwundene Regenbogen-Rad.

Kapitel 2: Drei Hinweise und ein Kaugummi

Sie setzten sich auf eine Bank zwischen einem Pflanzenkübel und einem Automaten, der Kakao ausspuckte, als wäre es Magie. Mina blätterte im Notizbuch.

„Hinweis eins: Holzkrümel“, zählte sie auf. „Hinweis zwei: blauer Faden. Hinweis drei: Es passierte am Morgen, als viele Läden noch ruhig waren.“

„Hinweis vier: jemand hat dabei vielleicht gekaut“, sagte Lina und zeigte auf den Boden. Neben dem Pflanzenkübel klebte ein hellgrüner Kaugummi, frisch plattgetreten.

Jule stöhnte. „Eklig.“

Tessa beugte sich trotzdem hin. „Der ist noch weich. Also nicht von gestern.“

Mina sah Lina scharf an. „Du willst doch nicht ernsthaft den Kaugummi als Beweisstück einpacken.“

„Nein“, sagte Lina unschuldig. „Ich wollte nur schauen, ob er nach Minze oder nach Verbrechen riecht.“

Jule lachte kurz. Dann wurde sie wieder ernst. „Wohin kann man ein Rad aus Holz bringen, ohne aufzufallen?“

„Es ist nicht riesig“, sagte Frau Kranz' Stimme plötzlich hinter ihnen. Sie war ihnen gefolgt und hielt ein Foto hoch. Darauf stand ein rundes Holzrad, etwa so groß wie ein Pizzateller, mit Speichen in kräftigen Farben. In der Mitte war ein kleiner Spiegel.

„Der Spiegel“, murmelte Tessa. „Dann kann man damit Licht werfen.“

Mina tippte auf das Foto. „Es ist aber auffällig bunt.“

„Man könnte es in eine Tasche stecken“, sagte Jule. „Oder in einen Karton.“

„Karton!“, rief Lina. „Der Lieferant!“

Sie sprangen auf. Mina nickte. „Wir suchen den Lieferanten.“

Die Galerie hatte Seitengänge wie kleine Flüsse, die in Läden mündeten. Sie gingen zum Hinterbereich, wo „Nur Personal“ stand, aber daneben war ein offener Durchgang, weil gerade jemand Mülltonnen schob.

Ein Mann mit orangefarbener Weste stapelte leere Kartons. Er hatte einen Schnurrbart, der aussah wie ein Pinselstrich.

„Entschuldigung“, sagte Mina höflich. „Sie haben heute Morgen vor ‚Kleck & Klitz‘ Kartons geliefert, oder?“

Er kratzte sich am Kopf. „Vielleicht. Ich liefere an viele. Was ist los?“

„Es ist etwas verschwunden“, sagte Jule. „Ein Regenbogen-Holzrad.“

Der Mann blinzelte. „Holzrad? Hab ich nicht gesehen.“

Tessa zeigte auf einen Stapel Kartons. „Haben Sie welche in den Laden getragen?“

„Nein. Ich stelle sie hin, unterschreiben lassen, weiter.“ Er verschränkte die Arme. „Wollt ihr mir was anhängen?“

„Nein“, sagte Mina schnell. „Wir sammeln nur Hinweise. Haben Sie jemanden gesehen, der kurz nach neun vor dem Schaufenster stand?“

Der Mann zögerte. „Da war so ein Jugendlicher… Kapuze, großer Rucksack. Hat sich gebückt, als würde er die Schuhe binden.“

„Blauer Stoff?“ fragte Tessa sofort.

„Kann sein. Kapuze war… dunkel. Blau oder schwarz. Und er hat Kaugummi gekaut. So richtig laut.“

Lina nickte begeistert. „Der Kaugummi! Hinweis vier ist offiziell!“

Mina schrieb alles auf. „Wohin ist er gegangen?“

„Richtung Food-Court“, sagte der Mann und zeigte nach vorn. „Da, wo es nach Pommes riecht.“

Die vier tauschten Blicke. Food-Court bedeutete: viele Menschen, viel Lärm, viele Möglichkeiten, unterzutauchen.

„Dann los“, sagte Mina. „Aber wir müssen schlau vorgehen. Nicht rennen, nicht schreien. Wir sind Detektivinnen, keine Alarmanlage.“

Lina salutierte. „Verstanden, Chefin.“

„Ich bin nicht—“, begann Mina, aber Jule grinste.

Sie gingen zurück in den hellen Hauptgang. In Minas Tasche raschelte das Notizbuch wie ein ungeduldiges Tier.

Kapitel 3: Die Spur im Food-Court

Der Food-Court war eine eigene Welt: Lichterketten, bunte Schilder, Stimmengewirr. Es roch nach Pizza, gebratenem Gemüse und süßem Waffelteig. Tabletts klapperten wie kleine Becken in einem Orchester.

Mina stellte sich an den Rand und schaute langsam über die Tische. „Wir suchen: Kapuzenpulli, großer Rucksack, vielleicht blauer Stofffaden, lautes Kauen.“

„Also fast jeder zweite“, murmelte Jule.

Tessa zog ein kleines Stück Papier aus ihrer Tasche. „Wir brauchen eine Strategie. Wenn jemand etwas gestohlen hat, will er es schnell verstecken oder loswerden.“

Lina nahm ein Papierserviettenpäckchen und faltete es zu einem winzigen Hut. „Oder er will damit angeben. ‚Guck mal, ich habe ein Regenbogen-Rad geklaut!‘“

„Eher nicht“, sagte Jule trocken.

Sie teilten sich auf, aber so, dass sie sich noch sehen konnten. Mina ging zu einem Tisch, an dem zwei ältere Jungs saßen. Einer trug eine dunkle Kapuze.

„Entschuldigung“, sagte Mina. „Habt ihr heute Morgen jemanden mit einem großen Rucksack gesehen, der etwas Buntes getragen hat?“

Der Kapuzenjunge schmatzte auf seiner Pommes. „Nein.“

Sein Freund zuckte mit den Schultern. „Vielleicht. Hier laufen viele.“

Mina bedankte sich und ging weiter. Sie ließ sich nicht abwimmeln. Fragen stellen war wie Puzzleteile sammeln: Manche passen, manche nicht, aber jedes Teil hat eine Form.

Jule stand bei einem Mülleimer und beobachtete, wie Leute ihre Tabletts wegstellten. „Wenn jemand etwas auspackt oder loswerden will, macht er das oft hier“, murmelte sie.

Tessa blieb bei einem Brunnen stehen, der leise plätscherte. Sie betrachtete die glänzenden Münzen darin und dann die Fläche drumherum. „Wenn das Rad einen Spiegel hat… kann es Licht blitzen lassen. Vielleicht hat jemand damit gespielt.“

Lina kehrte zurück, mit einem ernsten Gesicht, das nicht zu ihr passte. „Ich habe jemanden gesehen. Blaue Jacke, großer Rucksack. Gerade eben. Er ist Richtung Toiletten.“

Mina war sofort wach. „Bist du sicher?“

„So sicher wie bei Matheaufgaben, die ich nicht gerechnet habe“, sagte Lina. „Also… ziemlich sicher.“

„Dann gehen wir“, sagte Mina.

Sie bewegten sich zügig, aber nicht hektisch. Vor den Toiletten war ein Gang, der zu einem kleinen Servicebereich führte. Dort stand ein Putzwagen. Daneben ein Junge, vielleicht vierzehn, mit dunkler Kapuze und einem Rucksack, der aussah, als könnte er ein Zelt enthalten. Er kaute, als wäre sein Kiefer eine Maschine.

Tessa flüsterte: „Blauer Faden…“ Tatsächlich: An seinem Ärmel hing ein glänzender blauer Faden.

Mina atmete einmal tief ein. „Wir machen das freundlich.“

Sie trat näher. „Hallo. Entschuldigung. Wir suchen etwas, das aus einem Schaufenster verschwunden ist. Ein Regenbogen-Holzrad aus der Ausstellung.“

Der Junge erstarrte kurz. „Keine Ahnung“, sagte er schnell.

Jule zeigte auf den Faden. „Dein Ärmel… da hängt ein Faden. Aus dem Bastelladen ist auch ein Faden gefunden worden.“

„Das ist doch… Quatsch“, murrte er. Seine Augen wanderten zur Tür, als überlegte er zu fliehen.

Lina stellte sich einen halben Schritt zur Seite. Nicht drohend. Eher wie ein Türstopper. „Du musst nicht wegrennen. Wir wollen nur wissen, was passiert ist.“

Der Junge schluckte. „Ich hab nichts gestohlen.“

Mina nickte. „Dann hilf uns. Hast du heute Morgen vor ‚Kleck & Klitz‘ gestanden?“

Er zögerte. Dann sagte er leiser: „Ich… hab einen Karton aufgehoben. Der ist umgekippt.“

„Von einem Lieferanten?“ fragte Tessa.

Er nickte.

„Und dabei hast du etwas Buntes gesehen?“ fragte Jule.

Seine Wangen wurden rot. „Vielleicht.“

Mina blieb ruhig. „Wenn du es nur gefunden hast, ist das etwas anderes als stehlen. Aber es gehört zu einem Schulprojekt. Jemand wartet darauf.“

Der Junge starrte auf seine Schuhe. Dann seufzte er. „Okay. Ich hab's. Aber… ich wollte es nicht behalten. Wirklich nicht.“

„Wo ist es?“ fragte Lina, diesmal ohne Witz.

Der Junge deutete auf den Servicegang. „Da hinten. Beim ‚Fundbüro‘. Aber die Tür war zu. Dann… hab ich es in den Schrank neben den Feuerlöschern gelegt. Ich wollte später jemanden suchen.“

Mina blinzelte. „Du hast es versteckt?“

„Damit es keiner klaut!“, platzte er heraus. „Da stand niemand. Und es sah… wertvoll aus.“

Tessa schnaubte leise. „Ironisch.“

„Komm“, sagte Mina. „Dann schauen wir nach. Wie heißt du?“

„Rafi“, murmelte er.

„Gut, Rafi“, sagte Mina. „Du kommst mit. Dann ist alles klar.“

Sie gingen gemeinsam den Servicegang entlang. Mina fühlte, wie sich der Fall wie ein Knoten lockerte—aber noch war er nicht ganz auf.

Kapitel 4: Der Schrank bei den Feuerlöschern

Der Servicegang war schmaler, das Licht kühler. Es roch nach Putzmittel und Kartonstaub. An der Wand hingen rote Feuerlöscher, geschniegelt wie Soldaten.

„Welcher Schrank?“ fragte Jule.

Rafi zeigte auf eine graue Metalltür mit einem kleinen Schild: „Technik“. Sie war nicht abgeschlossen, nur zugezogen.

Lina hob eine Augenbraue. „Das ist ja… ein Top-Versteck. Jeder, der Technik sucht, findet Technik.“

Rafi verzog den Mund. „Ich hab nicht nachgedacht.“

Mina öffnete vorsichtig die Tür. Innen standen Eimer, eine Kiste mit Warnwesten und… ein Stoffbeutel.

„Das könnte es sein“, flüsterte Tessa.

Mina zog den Beutel heraus. Darin lag das Regenbogen-Rad. Die Farben leuchteten sogar im kalten Licht, und der kleine Spiegel in der Mitte fing eine Lampe ein und warf einen hellen Punkt an die Wand.

Jule atmete hörbar aus. „Da ist es.“

„Also Fall gelöst?“ fragte Lina und beugte sich vor.

Mina hielt inne. Detektivinnen feierten nicht zu früh. „Fast. Wir müssen es zurückbringen. Und wir müssen klären, warum es aus dem Schaufenster weg war. Rafi sagt, er hat es gefunden, nicht genommen.“

Tessa schaute auf den Sockel, der im Beutel lag. „Der Sockel ist auch dabei. Das heißt, jemand hat es samt Sockel entfernt.“

Rafi blinzelte. „Sockel? Ich hab nur das Rad gesehen. Es lag… neben dem Lieferkarton. Der Sockel stand schief.“

„Aha“, sagte Mina. „Dann hat es vielleicht jemand beim Vorbeigehen umgestoßen. Das Rad ist herausgerollt, du hast es gesehen und weggeräumt.“

Jule nickte langsam. „Und Frau Kranz kam zurück und sah: leer. Für sie sah es aus wie Diebstahl.“

Lina grinste. „Also war der Täter… die Schwerkraft.“

Rafi hob die Hände. „Ich wollte wirklich helfen.“

„Das glauben wir“, sagte Tessa. Ihre Stimme war weich, aber klar. „Aber das nächste Mal: Frag jemanden sofort. Oder gib es an der Info ab.“

Rafi nickte, als hätte er gerade eine wichtige Regel gelernt.

Mina schloss die Schranktür wieder. „Wir bringen das Rad zurück. Und dann erklären wir alles.“

Sie gingen zusammen durch den Gang zurück in die helle Galerie. Die Farben des Rades schimmerten durch den Stoffbeutel wie ein Geheimnis, das endlich atmen durfte.

Unterwegs blieb Mina kurz stehen. „Moment. Wenn es nur umgekippt ist… warum der blaue Faden im Schaufensterbereich?“

Rafi sah verwirrt aus. „Mein Ärmel hat da vielleicht gehangen, als ich mich gebückt habe.“

„Und der Kaugummi?“ fragte Lina.

Rafi wurde wieder rot. „Ähm… ja. Das war ich. Ich hab ihn weggeworfen. Nicht stolz drauf.“

Jule verschränkte die Arme. „Also hast du doch Spuren hinterlassen.“

„Detektivinnen finden Spuren“, sagte Mina. „Dafür sind sie da.“

Sie liefen weiter. Mina fühlte sich gleichzeitig erleichtert und ein bisschen stolz. Nicht, weil sie jemanden „erwischt“ hatten, sondern weil sie ein Missverständnis entwirrt hatten. Manchmal war das die schwierigste Art von Fall.

Kapitel 5: Die Erklärung im Bastelladen

Frau Kranz stand hinter der Kasse und sortierte Bänder nach Farben, als würde sie einen Regenbogen zähmen. Als sie die Mädchen sah, hob sie den Kopf—und ihr Blick blieb am Beutel hängen.

„Ist das…?“ Ihre Stimme kippte zwischen Hoffnung und Angst.

Mina zog das Regenbogen-Rad heraus. „Gefunden.“

Frau Kranz presste beide Hände an den Mund. „Oh! Oh, ihr Lieben!“ Dann lachte sie, und in ihren Augen glitzerte es, sogar ohne Glitzerpackung.

Rafi trat einen Schritt vor. „Ich… ich hab's nicht gestohlen“, sagte er schnell. „Es lag neben einem Karton. Ich wollte es nur sichern. Ich hab's in den Technikschrank gelegt. Das war dumm.“

Frau Kranz sah ihn an. Für einen Moment war ihr Gesicht streng. Dann atmete sie aus. „Du hast es also nicht verkauft. Nicht kaputt gemacht.“

„Nein“, sagte Rafi. „Ich hab nur… falsch geholfen.“

Mina nickte. „Es ist wahrscheinlich umgekippt, als Kartons abgestellt wurden. Rafi hat es gesehen und weggeräumt. Deshalb war es weg, als Sie zurückkamen.“

Frau Kranz ging zum Sockel, der leicht abgeschabt war, und strich darüber. „Das erklärt die Krümel.“ Sie sah zu Rafi. „Danke, dass du es zurückgibst. Aber nächstes Mal kommst du direkt zu mir, ja?“

Rafi nickte schnell. „Ja, wirklich.“

Lina räusperte sich. „Und bitte… Kaugummi in den Mülleimer. Sonst wird die Schwerkraft wieder verdächtigt.“

Jule prustete los. Selbst Frau Kranz musste lachen.

Frau Kranz stellte das Regenbogen-Rad wieder ins Schaufenster, diesmal ein Stück weiter hinten, sicherer. Der Spiegel fing das Licht ein und ließ einen hellen Fleck über die Bastelpapierrollen wandern, als würde das Rad winken.

„Ihr habt das großartig gemacht“, sagte Frau Kranz. „Wie kann ich mich bedanken?“

Mina dachte an die Glitzerpackung und schüttelte schnell den Kopf. „Vielleicht… könnten Sie uns zeigen, wie man so ein Rad baut? Für unsere Schule. Damit Kreativität nicht verschwindet, nur weil etwas umkippt.“

Frau Kranz' Gesicht wurde weich. „Das ist die beste Bitte. Ich kann einen kleinen Workshop machen. Und Rafi darf auch kommen, wenn er will.“

Rafi sah überrascht aus. Dann lächelte er zum ersten Mal richtig. „Echt? Ich… ich zeichne gern.“

„Na also“, sagte Tessa. „Kreativität ist wie ein Rad. Sie dreht sich besser, wenn man sie teilt.“

Jule nickte. „Und wenn man sie nicht in Technikschränke sperrt.“

„Okay, okay“, murmelte Rafi, aber er grinste dabei.

Mina klappte ihr Notizbuch zu. Auf der letzten Zeile schrieb sie: FALL 7 – GELÖST. Ursache: Missverständnis. Lösung: Fragen, zuhören, gemeinsam denken.

Kapitel 6: Ein fröhliches Tschüss im Lichtpunkt-Regen

Als sie den Laden verließen, war die Galerie noch immer voller Geräusche, aber für die vier klang alles ein bisschen freundlicher. Mina blieb stehen und schaute zurück zum Schaufenster. Das Regenbogen-Rad war wieder da, und der Spiegel warf kleine Lichtpunkte auf den Boden.

Lina hüpfte in einen Lichtpunkt hinein, als wäre es ein Spiel. „Ha! Gefangen!“

Jule schüttelte den Kopf. „Du kannst Licht nicht fangen.“

„Doch“, sagte Lina. „Mit guter Laune.“

Tessa lachte leise. „Und mit einem Spiegel.“

Rafi stand unsicher neben ihnen. „Danke“, sagte er. „Dass ihr… nicht gleich geschrien habt.“

Mina steckte das Notizbuch in die Tasche. „Detektivinnen schreien selten. Wir fragen. Wir beobachten. Und wir lassen Leute erklären.“

Jule nickte. „Und wir merken uns: Ein Hinweis ist nur ein Hinweis. Kein Urteil.“

„Außer bei Kaugummi auf dem Boden“, murmelte Lina. „Da urteile ich immer.“

Rafi hob beide Hände. „Verstanden.“

Sie gingen gemeinsam ein Stück Richtung Ausgang. Frau Kranz winkte ihnen aus der Ladentür nach, und die bunten Pinsel-Ohrringe wackelten wie kleine Fähnchen.

„Bis zum Workshop!“, rief Lina.

„Bis dann!“, rief Frau Kranz zurück.

Vor dem großen Eingang blieb Mina stehen. Draußen war der Himmel klarer als vorhin. Die vier Mädchen sahen sich an, als hätten sie gerade ein unsichtbares Abzeichen bekommen.

„Nächster Fall?“ fragte Jule.

„Bitte erst nach einer Pause“, sagte Tessa. „Meine Detektivenergie ist begrenzt.“

Lina streckte sich. „Ich brauche Pommes-Energie.“

Mina lächelte. „Wir treffen uns morgen und planen den Workshop. Kreativität ist schließlich auch eine Spur.“

Sie winkten Rafi zum Abschied. „Tschüss, Rafi!“

„Tschüss“, sagte er und hob die Hand. „Und… sorry wegen dem Kaugummi.“

„Tschüss!“, rief Lina. „Und denk dran: Technikschränke sind keine Schatzkisten!“

Alle lachten, sogar Rafi.

Dann gingen sie auseinander, leichtfüßig, als würden die Lichtpunkte vom Regenbogen-Rad ihnen noch ein Stück den Weg leuchten.

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Schaufenster
Großes Fenster am Laden, durch das man Waren von außen sehen kann.
Bastelladen
Geschäft, in dem man Material zum Basteln wie Papier und Stifte kauft.
Sockel
Unterlage oder Platte, auf der ein Gegenstand sicher steht oder gezeigt wird.
Ausstellung
Ort oder Raum, wo viele Dinge gezeigt werden, damit Leute sie sehen.
Fundbüro
Ort, wo verlorene Sachen gesammelt und aufbewahrt werden, bis Besitzer sie holen.
Servicegang
Schmaler Gang hinter den Läden, den meist das Personal benutzt.
Galerie
Großer, offener Raum mit vielen Läden oder Ausstellungsräumen zusammen.
Technik
Bereich mit Geräten oder Maschinen, oft für Wartung und Reparatur verantwortlich.
Missverständnis
Wenn zwei Leute etwas unterschiedlich verstehen und deshalb Probleme entstehen.
Feuerlöscher
Rotes Gerät, mit dem man kleine Brände löschen kann.

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