Der erste Schnee fällt leise. Kleine Flocken tanzen im Licht. Lina, Ben und Sam ziehen warme Jacken an. Sie sind vier Jahre alt. Sam fährt im Rollstuhl. Das ist normal. Alle lachen.
Heute ist ein besonderer Tag. Heute wollen sie Girlanden hängen. Girlanden leuchten. Girlanden machen warm im Herzen. „Kommen wir, wir schmücken!“ ruft Lina. „Ja!“ sagen Ben und Sam.
Sie finden eine Kiste auf dem Dachboden. Die Kiste riecht nach Tannennadel und Keksen. Darin sind bunte Girlanden, kleine Sterne und eine rote Schleife. Die Kinder schauen mit großen Augen. „Was ist das?“ fragt Ben. „Ein Stern!“ sagt Lina. „Komm, Sam, hilf uns.“ Sam greift mit einem fröhlichen Blick.
Vor dem Haus steht der kleine Tannenbaum. Er ist noch zierlich. Der Baum wartet. Die Kinder hocken sich davor. Sie halten die Girlande wie ein Geschenk. „Eins, zwei, drei, hängen!“ singen sie leise. Sie hängen die Girlande um die Zweige. Die Sterne blinken ruhig.
Dann gehen sie zum Fenster. Die Mutter hat Kekse auf den Tisch gestellt. Ein Duft von Zimt. „Nur ein Keks,“ sagt Sam. „Nur einer,“ lachen sie. Mit klebrigen Fingern kleben sie kleine Schnüre an die Fenster. Die Girlanden tanzen im Wind. Draußen glitzert der Schnee.
Manchmal ist die Girlande zu lang. Sie lachen. „Was machen wir?“ fragt Ben. Lina schaut neugierig in die Kiste. Sie findet einen alten Schal. „Wir teilen,“ sagt sie. Die Kinder teilen die Girlande. Sie messen, sie schneiden nicht, sie teilen. Teilen ist warm.
Als nächstes kommt die Haustür. Die Kinder hängen eine Herz-Girlande. Die Nachbarn sehen es und lächeln. Ein kleiner Hund bellt freundlich. „Guck mal,“ sagt die Nachbarin, „so schön!“ Sie klopft an die Scheibe. Innen wird es heller.
Es wird langsam dunkel. Die Lichter an den Girlanden leuchten wie kleine Sonnen. Die Kinder setzen sich auf die Treppe. Sam parkt seinen Rollstuhl dicht heran. Alle drei halten sich an den Händen. Ihre Augen leuchten. Die Kälte ist draußen. Die Wärme ist hier.
Dann hören sie ein leises Singen. Es kommt von der Straße. Die Nachbarn stehen im Garten. Sie singen ganz leise. Die Kinder hören zu. Sie singen mit flüsternder Stimme. „La-la,“ summen sie. Niemand schreit. Niemand eilt. Es ist still und gut.
Die Girlanden leuchten. Die Kinder lächeln. Ihre Stimmen werden eins mit den Stimmen draußen. Ein leiser Chor schwebt durch die Nacht. Die Kinder kuscheln sich zusammen. Sie fühlen sich mutig und neugierig auf das Morgen. Die Welt ist warm. Die Nacht ist freundlich.