Es war einmal ein Mann, der hieß Lian.
Lian wohnte in einem kleinen Haus am Rand eines Waldes.
Am Tag war alles still und freundlich.
Die Vögel sangen.
Die Blumen nickten mit ihren Köpfen.
Aber in Liens Herz war es manchmal unruhig.
Sein Herz fühlte sich an wie ein kleiner See, in den viele Steine fielen.
Die Wellen sprangen hin und her.
Lian seufzte oft leise.
Eines Abends saß er vor seiner Tür.
Der Himmel war rosa und golden.
Die erste kleine Sternenlampe am Himmel ging an.
Lian flüsterte:
„Ich wünsche mir Ruhe in meinem Herzen. Ganz leise Ruhe.”
Da fiel ein Lichtfunke vom Himmel herab.
Er war klein wie ein Pusteblumensamen und hell wie ein winziger Mond.
Er schwebte direkt vor Liens Nase.
Lian staunte.
„Guten Abend”, sagte das Lichtlein.
Seine Stimme war weich wie warme Milch.
„Ich bin ein Herzlicht. Ich habe dich gehört.”
Lian legte die Hand auf seine Brust.
„In mir ist manchmal Schatten”, sagte er leise.
„Ich möchte Licht darin haben.”
Das Herzlicht tanzte fröhlich im Kreis.
„Komm mit in den Wald”, sagte es.
„Der Wald kennt die Wege der Ruhe.”
Lian stand auf und ging hinter dem Lichtlein her.
Der Wald war nicht dunkel.
Überall wuchsen kleine Leuchtblumen.
Sie strahlten wie goldene Tropfen.
Die Bäume summten ein leises Lied.
Sie kamen zu einem Teich.
Der Teich war glatt wie ein Spiegel aus Glas.
Das Herzlicht schwebte über dem Wasser.
„Schau hinein”, sagte es.
Lian beugte sich vor.
Im Wasser sah er nicht nur sein Gesicht.
Er sah seine Freude.
Er sah seine Traurigkeit.
Er sah seine Wut, ganz klein, wie eine rote Ameise.
Er sah auch seine Liebe, rund und groß wie die Sonne.
Sein Herz klopfte, aber es tat nicht weh.
Das Herzlicht flüsterte:
„Alles in dir gehört zu dir.
Die helle Sonne und die kleine rote Ameise.
Du darfst sie alle freundlich ansehen.”
Lian atmete tief ein.
Die Luft roch nach Moos und süßen Blüten.
„Ich habe euch gesehen”, sagte er in den Teich.
„Ihr dürft da sein.
Aber ihr seid nicht größer als mein Licht.”
Da geschah etwas Leises.
Die Wellen in seinem Herz-See wurden kleiner.
Der See in ihm wurde glatt und still.
Das Herzlicht strahlte heller und hüpfte.
„Wenn du traurig bist”, sagte es,
„setz dich hin, atme ein und aus.
Stell dir deinen See vor.
Sag zu dir: ‚Ich bin wie Wasser.
Ich werde wieder still.‘”
Sie gingen langsam zurück.
Die Sterne am Himmel sahen aus wie silberne Samen.
Der Mond lächelte weich.
Vor seinem Haus blieb Lian stehen.
„Bleibst du bei mir?”, fragte er.
Das Herzlicht nickte.
„Ich wohne in deinem Herzen.
Du kannst mich nicht verlieren.
Ich bin der kleine Stern in dir.”
Lian legte die Hand auf seine Brust.
Drinnen leuchtete es warm.
Sein Herz fühlte sich an wie ein ruhiger Garten am Abend.
Die Schatten darin waren nun wie leise, graue Wolken.
Und zwischen den Wolken schien sein Licht.
Er setzte sich auf seine Stufe.
Die Nacht war weich und freundlich.
„Danke”, flüsterte er.
Aus seinem Herzen kam eine sanfte Antwort:
„Wenn du dein Licht siehst, findet dein Herz den Weg nach Hause.”
So saß Lian still und zufrieden.
Die Welt atmete mit ihm ein und aus.
Und die Ruhe blieb bei ihm wie eine gute, helle Freundin.