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Geschichten von kleinen Ermittlern 11/12 Jahre Lesen 21 min.

Das Geheimnis des verschwundenen Lichterweg-Plans

Als der Plan für den Lichterweg verschwindet, macht sich der gründliche Bär Bruno mit seinen Freunden auf Spurensuche und folgt Hinweisen von Friedhof über Bach bis zur Elster Ella, um das Geheimnis zu lösen.

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Die Hauptfigur ist ein großer Braunbär namens Bruno mit konzentriert-sanftem Ausdruck, texturiertem Fell und schelmischen Augen, er hockt unter einer alten Holzbrücke und zieht vorsichtig eine aufgerollte Karte an einer feinen, schimmernden Seidenleine; links lehnt die rötliche Fuchs Fina mit schlanker Silhouette und glänzendem Fell am Brückenrand, den Schnauzenende zur Karte gerichtet, auf einem Stein darüber sitzt die graue Eule Edda mit weichen Federn und ernst-sinnigem Blick, vor der Brückenkante untersucht der kleine Igel Ingo mit gut gezeichneten Stacheln und erhobener Pfote Spuren im Kies durch eine Lupe, im Hintergrund sitzt die Elster Ella mit glänzendem schwarzem Gefieder und einer Sammlung funkelnder Knöpfe auf einem Weidenzweig, die Szene spielt an einer alten Holzbrücke über einem klaren Bach mit glatten blauen Kieseln, hängenden Weidenzweigen und goldener Abenddämmerung mit Laternen, Hauptsituation: die kleinen Ermittler entdecken unter der Brücke eine aufgerollte Karte an einer Seidenleine — eine ruhige, neugierige Wiedersehens- und Spannungsszene mit warm-kalten Kontrasten und klaren Linien. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Kapitel 1: Der verschwundene Plan

Im Dorf Mooswinkel roch es morgens nach feuchtem Gras und Tannennadeln. Genau so mochte Bär Bruno es: klar, frisch und voller kleiner Spuren, die man nur sah, wenn man wirklich hinschaute.

Bruno war kein Polizist. Er war auch kein berühmter Detektiv aus einem Buch. Aber er war gründlich. Und neugierig. Und wenn irgendwo etwas nicht stimmte, begann sein Kopf leise zu klicken, wie ein Käfer, der gegen eine Fensterscheibe tippt.

Heute stimmte etwas ganz und gar nicht.

Im Gemeinschaftshaus stand ein runder Tisch, darauf ein Korb mit Nüssen, ein Stapel Flyer und — normalerweise — ein gerollter Plan. Der Plan zeigte den „Lichterweg“, einen kleinen Rundweg, den die Tiere am Abend mit Laternen ablaufen wollten. Am Ende sollte es Punsch geben. Für die Kleinen Früchtetee. Für die Größeren… na ja, etwas, das nicht zu stark nach Brennnessel schmeckte.

Bruno blinzelte. Der Platz, wo der Plan lag, war leer.

„Der Wegplan ist weg“, sagte er langsam.

Fuchs Fina, flink wie ein Gedanke, sprang auf den Tisch und spähte in den Korb. „Vielleicht ist er darunter?“

„Unter Nüssen versteckt sich höchstens ein besonders mutiger Wurm“, murmelte Bruno.

Eule Edda saß auf der Stuhllehne und wackelte mit dem Kopf. „Ohne Plan verirren sich die Kleinen. Dann leuchten die Laternen am Ende… im Brombeerbusch.“

„Das wäre immerhin hell“, meinte Igel Ingo und stupste sich eine Nuss an. „Aber piksen würde es.“

Bruno hob die Tatort-Nase. Er sah sich um. Keine Menschen, keine fremden Füße. Nur Tiere, die hier wohnten. Das machte es nicht leichter. Sondern… spannender.

Auf dem Tisch lag etwas, das vorher nicht da gewesen war: ein kleines, graues Staubkörnchenfeld. Und darin: feine, winzige Kratzlinien.

Bruno beugte sich tiefer. „Seht ihr das? Jemand hat etwas über den Tisch gezogen. Nicht getragen. Geschoben.“

Fina schnupperte. „Riecht nach… kaltem Stein.“

Edda schnaubte leise. „Kaltem Stein? Das klingt nach…“

„Friedhof“, beendete Bruno den Satz. Und obwohl er das Wort ruhig sagte, wurde es einen Moment still.

Der alte Friedhof lag am Rand des Dorfes. Sicher. Ruhig. Umgeben von einer niedrigen Mauer. Dort waren die Steine moosig, die Wege kiesig, und alles sprach leise.

Bruno strich sich über die Schnauze. „Wir finden den Plan, bevor die Laternen angezündet werden. Und ihr helft mir. Aber wir machen es ordentlich. Wir sammeln Hinweise. Keine wilden Sprünge. Nicht mal von Füchsen.“

Fina grinste. „Ich springe nur, wenn es logisch ist.“

Bruno nickte. „Dann los. Und denkt dran: Jeder Hinweis zählt. Auch der, der wie nichts aussieht.“

Kapitel 2: Kakao und Kombinieren

Bevor Bruno ging, machte er etwas, das zu ihm passte wie Honig zu einem Löffel: Er kochte Kakao. Nicht irgendeinen. Einen richtig warmen, dicken, der die Pfoten von innen wärmt.

In der kleinen Küche des Gemeinschaftshauses klapperte er mit dem Topf. Edda saß auf dem Regal und beobachtete, wie Bruno mit ernster Miene rührte.

„Warum jetzt?“, fragte Fina und tippte mit dem Schwanz gegen einen Becher.

„Weil Denken Energie braucht“, sagte Bruno. „Und weil ein warmer Kakao hilft, nicht gleich an Gespenster zu glauben, nur weil es nach Friedhof riecht.“

Igel Ingo schob sich einen Hocker heran. „Ich glaube an Gespenster, wenn sie Kekse bringen.“

Bruno schenkte vier Becher ein. Der Kakao dampfte. In der Oberfläche spiegelte sich kurz das Fenster, als wäre darin eine dunkle Karte verborgen.

„Okay“, sagte Bruno und stellte die Becher in die Mitte. „Erste Frage: Wer wusste, dass der Plan hier liegt?“

„Alle“, sagte Edda. „Das wurde gestern beim Treffen besprochen.“

„Also kein Geheimwissen“, brummte Bruno. „Zweite Frage: Wie wurde er weggebracht?“

Fina zeigte mit der Pfote auf die Kratzlinien. „Geschoben. Vielleicht in einer Mappe? Oder…“

„Oder jemand hatte etwas Hartes dabei“, ergänzte Bruno. „Etwas, das den Staub vom Tisch schiebt.“

Ingo schlürfte vorsichtig. „Und der Geruch nach kaltem Stein… kommt das wirklich vom Friedhof?“

Bruno hob einen Finger. „Gute Frage. Gerüche reisen. Kalter Stein gibt es auch am Brunnen. Oder an der alten Brücke.“

Edda drehte den Kopf. „Aber dort ist es nicht so moosig.“

Bruno nickte. „Moos. Das ist ein Wort, das wir uns merken.“

Er holte ein Notizblatt. Keine Menschen hatten es geschrieben. Bruno schrieb selbst — große, runde Bärenbuchstaben.

1) Kratzlinien im Staub: geschoben

2) Geruch: kalter Stein, moosig

3) Plan: Papier, gerollt, nicht schwer

„Dritte Frage“, sagte Bruno. „Warum nimmt jemand den Plan überhaupt?“

Fina zog die Augenbrauen hoch. „Um zu stören. Oder um… ihn selbst zu benutzen.“

Ingo hob den Becher. „Oder weil jemand den Plan für etwas anderes hält. Für… eine Speisekarte.“

Edda machte ein „Hmpf“. „Auf dem Plan sind auch Markierungen. Sternchen bei den sicheren Laternenplätzen.“

Bruno lächelte schmal. „Und da haben wir es: Sternchen. Jemand könnte denken, das sind… Hinweise auf etwas Verstecktes.“

Er stand auf. „Wir gehen zum Friedhof. Aber Schritt für Schritt. Wir schauen zuerst nach Spuren, nicht nach Schatten.“

Fina setzte den Becher ab. „Und wenn wir jemanden treffen?“

„Dann sind wir freundlich“, sagte Bruno. „Und wir teilen den Kakao, wenn nötig. Man erfährt erstaunlich viel, wenn man nicht knurrt.“

Ingo flüsterte: „Ich knurre nur, wenn mir jemand auf die Stacheln tritt.“

„Das wäre auch logisch“, meinte Bruno.

Sie gingen los.

Kapitel 3: Die Mauer aus Moos

Der Weg zum alten Friedhof führte an Hecken vorbei, an einem Bach und an einem Feld, auf dem die Krähen wie schwarze Kommas saßen. Die Luft war kühl, aber nicht unfreundlich.

Die Friedhofsmauer war niedrig. Sie sah aus, als hätte sie sich hingesetzt und vergessen wieder aufzustehen. Oben wuchs Moos, weich wie ein alter Teppich.

„Sicherer Ort“, sagte Edda leise. „Man darf nur nicht zu laut sein. Die Steine mögen keine Schreihälse.“

„Dann bin ich hier der perfekte Detektiv“, flüsterte Ingo.

Bruno trat durch das Tor. Der Kies knirschte unter seinen Pfoten. Und tatsächlich: Es roch nach kaltem Stein. Nach Regen, der schon längst verdunstet war.

„Wir suchen nach etwas, das Papier transportiert“, sagte Bruno. „Und nach neuen Spuren im Kies. Was fällt euch auf?“

Jetzt bist du dran: Schau mit Bruno hin. Was könnte im Kies auffallen? Tiefe Abdrücke? Schleifspuren? Kleine Krümel?

Fina kniete sich hin. „Hier. Im Kies sind Linien. So, als wäre etwas gezogen worden.“

Bruno beugte sich. Zwei dünne Rillen liefen parallel. Dazwischen waren kleine Steine zur Seite geschoben.

„Nicht getragen, wieder geschoben“, murmelte er.

Edda ließ sich lautlos auf einen Grabstein setzen. „Und dort drüben… ist ein Stück Papier?“

Ein heller Schnipsel steckte zwischen zwei Kieseln. Bruno hob ihn vorsichtig auf. Darauf war ein grüner Strich und ein kleiner Kreis.

„Das sieht aus wie…“, begann Ingo.

„…ein Teil des Plans“, beendete Bruno. Sein Magen zog sich zusammen, aber nicht vor Angst. Vor Eile.

Fina schnupperte am Schnipsel. „Riecht nach… Kakao.“

Bruno starrte sie an. „Kakao?“

„Ganz leicht“, sagte Fina. „Wie wenn man einen Becher zu nah an Papier hält.“

Ingo kicherte. „Vielleicht hat der Dieb auch Kakao getrunken. Dann können wir ihn mit Keksen locken!“

Bruno blieb ernst. „Oder jemand hat den Plan bei uns in der Küche berührt. Oder…“

Er sah auf den Schnipsel. Auf dem Rand waren winzige braune Punkte.

„Tropfen“, sagte Edda.

Bruno nickte langsam. „Wenn Kakao darauf getropft ist, dann war der Plan beim Kakao. Oder der Kakao beim Plan.“

Fina legte den Kopf schief. „Wir haben den Kakao doch erst heute gemacht.“

„Stimmt“, sagte Bruno. „Aber vielleicht war der Plan schon gestern in der Küche.“

Edda hob eine Feder. „Gestern hat Dachs Doro im Gemeinschaftshaus aufgeräumt.“

Ingo fragte: „Doro? Die mit dem Besen, der größer ist als sie selbst?“

„Genau“, sagte Edda.

Bruno atmete aus. „Wir haben einen Namen. Aber wir beschuldigen niemanden. Noch nicht. Wir brauchen mehr.“

Sie folgten den Rillen. Sie führten zu einer alten Bank unter einer Eiche. Dort lag etwas Dunkles im Gras.

Fina sprang vor. „Eine Mappe!“

Es war eine flache, feste Mappe aus Birkenrinde, mit einem Band. Bruno öffnete sie vorsichtig. Drinnen: leer. Nur ein paar Krümel und… ein kleiner, glänzender Kiesel, blau wie Abendhimmel.

Edda beugte sich vor. „Den kenne ich. Solche Kiesel liegen am Bach, bei der flachen Stelle.“

Ingo nickte heftig. „Da, wo die Enten immer so tun, als hätten sie keine Zeit.“

Bruno steckte den Kiesel ein. „Dann gehen wir zum Bach. Der Friedhof war nur ein Zwischenstopp.“

Fina grinste. „Ein Friedhof als Zwischenstopp. Das klingt nach einem sehr merkwürdigen Ausflug.“

„Detektivarbeit ist selten normal“, sagte Bruno. „Zum Glück.“

Kapitel 4: Der blaue Kiesel am Bach

Am Bach klang das Wasser wie leises Gelächter. Kleine Wellen hüpften über Steine, und am Rand lagen genau diese blauen Kiesel, glatt und rund.

„Okay“, sagte Bruno. „Was bedeutet der Kiesel in der Mappe?“

Jetzt wieder du: Welche Ideen passen?

A) Jemand war hier und hat den Kiesel als Zeichen benutzt.

B) Der Kiesel ist zufällig hineingefallen.

C) Der Plan liegt in der Nähe des Wassers.

Fina hob einen Kiesel hoch. „Hier liegen sie überall. Zufall ist möglich.“

Edda schüttelte den Kopf. „Aber in einer Mappe? Der Kiesel ist sauber. Als hätte ihn jemand absichtlich hineingelegt.“

Ingo starrte ins Wasser. „Ich sehe da drüben etwas Helles unter der Brücke.“

Bruno folgte seinem Blick. Unter der kleinen Holzbrücke war ein trockenes Plätzchen. Dort lagen Blätter, ein Stück Schnur — und ein gerolltes Papier.

„Stopp“, sagte Bruno sofort. „Nicht einfach hinrennen. Erst schauen: Gibt es eine Falle? Oder wird das Papier nass, wenn wir es falsch anfassen?“

Fina rollte die Augen. „Du bist der einzige Bär, der sogar beim Retten von Papier Sicherheitspläne macht.“

„Papier ist empfindlich“, sagte Bruno würdevoll. „Fast so empfindlich wie Ingos Stolz.“

„Hey!“, protestierte Ingo. „Mein Stolz ist sehr… stachelig.“

Bruno kroch unter die Brücke. Der Boden war trocken. Er griff nach dem Papier — und spürte, dass es an einer Schnur befestigt war. Die Schnur führte zu einem Ast, der über dem Wasser hing.

„Aha“, murmelte Bruno. „Wenn jemand das Papier einfach nimmt, zieht er daran und—“

„Und es plumpst ins Wasser“, sagte Edda. „Eine nasse Katastrophe.“

Bruno löste den Knoten langsam. Er zog das Papier heraus. Der Lichterweg-Plan! Fast. Ein Stück fehlte.

„Der Schnipsel vom Friedhof“, sagte Fina und zeigte auf Brunos Tasche.

Bruno setzte die Teile zusammen. Es passte. Genau.

Ingo hüpfte aufgeregt. „Dann haben wir's! Fall gelöst!“

Bruno hob eine Tatze. „Noch nicht. Wir wissen, wo der Plan war. Aber nicht, wer ihn genommen hat. Und warum er in eine Wasserfalle gehängt wurde.“

Edda sah auf die Schnur. „Das ist keine normale Schnur. Das ist… Spinnenseide. Gedreht und verstärkt.“

Fina nickte. „Die Spinnen am Schuppen können so was. Die sind sehr… handwerklich.“

Bruno dachte nach. „Wer im Dorf arbeitet mit Spinnenseide?“

Ingo schnippte mit einer Kralle. „Elster Ella! Die sammelt alles Glänzende und macht Schmuck. Sie kauft oft Spinnenseide zum Fädeln.“

Edda brummte. „Ella wohnt nahe beim Friedhof. Im alten Weidenbaum.“

Fina grinste. „Und sie liebt dramatische Effekte. Eine Wasserfalle ist ziemlich dramatisch.“

Bruno rollte den Plan sorgfältig zusammen. „Dann gehen wir zu Ella. Aber wir gehen nicht als Ankläger. Wir gehen als Fragensteller.“

Ingo hob den Schnipsel Spinnenseide hoch. „Soll ich das als Beweis tragen?“

„Ja“, sagte Bruno. „Aber bitte nicht essen. Es ist keine Zuckerwatte.“

„Schade“, murmelte Ingo.

Kapitel 5: Elster Ella und der Glanz der Wahrheit

Der Weidenbaum am Friedhofsrand hing mit langen Zweigen wie ein grüner Vorhang. Zwischen den Zweigen funkelte es: Knöpfe, Korken, glänzende Steinchen. Elster Ella liebte alles, was Licht fing.

Sie saß in ihrem Nest wie eine Königin auf einem Kissen aus Stroh und Schnüren. Als Bruno und die anderen näherkamen, klackte ihr Schnabel misstrauisch.

„Besuch“, sagte Ella. „Ich hoffe, ihr bringt etwas Glänzendes. Oder wenigstens spannende Neuigkeiten.“

Bruno setzte sich so, dass er nicht zu groß wirkte. Das war gar nicht leicht. „Wir bringen Fragen. Und… später vielleicht Kakao.“

Ellas Augen wurden schmal. „Kakao ist nicht glänzend.“

„Aber die Becher“, sagte Ingo schnell. „Die können glänzen, wenn man sie sauber macht.“

Fina stieß ihn an. „Pssst.“

Bruno hielt den Plan fest. „Ella, heute ist der Lichterweg. Der Plan war weg. Wir haben ihn unter der Brücke gefunden. Mit Spinnenseide gesichert. Kennst du diese Seide?“

Ella hob ihr Kinn. „Spinnenseide ist praktisch. Viele kennen sie.“

Edda ließ ihren Blick über die aufgehängten Sachen schweifen. „Du hast eine Schnur, die genau so gedreht ist.“

Ella zuckte mit den Flügeln. „Schnüre sehen sich ähnlich.“

Bruno blieb ruhig. „Stimmt. Darum frage ich anders: Auf dem Friedhof lag ein Papierschnipsel. Mit Kakaotropfen. Und in einer Mappe lag ein blauer Kiesel. Das sieht aus, als hätte jemand den Plan herumgetragen. Erst Friedhof, dann Bach, dann Brücke.“

Ella machte ein schnelles Geräusch, halb Lachen, halb Husten. „Ihr seid aber fleißig.“

Fina trat einen Schritt vor. „Warum sollte jemand den Plan verstecken?“

Ella schwieg kurz. Dann sagte sie: „Weil… ich ihn nicht verstecken wollte. Ich wollte ihn schützen.“

„Vor wem?“, fragte Bruno.

Ella seufzte so laut, dass die Weidenzweige zitterten. „Vor den Krähen.“

Ingo riss die Augen auf. „Die Komma-Krähen vom Feld?“

Ella nickte. „Sie haben gestern gehört, dass es einen Lichterweg gibt. Sie dachten, die Laternen wären… glänzende Geschenke. Sie wollten nachts kommen und sie klauen. Ich habe sie prahlen hören.“

Edda runzelte die Stirn. „Und du hast… den Plan genommen, damit sie nicht wissen, wo die Laternen stehen?“

„Genau“, sagte Ella schnell. „Ich habe ihn in eine Mappe getan und bin zum Friedhof, weil dort niemand laut ist und die Krähen nicht gerne zwischen den Steinen sitzen. Aber dann hat mich jemand erschreckt—“

„Wer?“, fragte Bruno.

Ella zögerte. „Dachs Doro. Sie kam mit dem Besen um die Ecke. Ich habe gezuckt, der Plan ist gerissen. Ein Schnipsel fiel runter. Ich war so peinlich berührt, dass ich… wegflog.“

Fina musste kichern. „Die große, dramatische Ella, erschreckt von einem Besen.“

„Besen sind überraschend“, fauchte Ella, aber ihre Flügelspitzen wippten, als wäre sie selbst ein bisschen amüsiert.

Bruno nickte langsam. „Und dann hast du den Plan unter die Brücke gehängt, damit er nicht gefunden wird?“

„Damit er nicht von den Krähen geholt wird!“, rief Ella. „Ich dachte, wenn jemand ihn entdeckt und einfach zieht, fällt er ins Wasser. Dann ist er unbrauchbar. Lieber unbrauchbar als in Krähenkrallen.“

Edda hob eine Braue. „Das ist… eine seltsame Logik.“

„Ich weiß“, sagte Ella klein. „Ich habe nicht nachgedacht. Ich habe nur… handeln wollen.“

Bruno sah sie an. „Du wolltest helfen. Aber Hilfe ohne Absprachen kann neue Probleme machen.“

Ella senkte den Kopf. „Ich wollte wichtig sein.“

Ingo trat vor und hielt ihr die Spinnenseide hin. „Du bist wichtig. Aber nächstes Mal sagst du's. Dann müssen wir nicht im Kies kriechen.“

Fina nickte. „Und wir teilen Informationen. Nicht nur Kakao.“

Bruno lächelte. „Genau. Komm mit. Wir bringen den Plan zurück. Und dann überlegen wir gemeinsam, wie wir die Laternen vor den Krähen schützen.“

Ellas Augen glitzerten. „Gemeinsam?“

„Gemeinsam“, sagte Bruno. „Das ist das Gegenteil von heimlich.“

Kapitel 6: Laternen, Krähen und ein aufgeklärter Weg

Im Gemeinschaftshaus wurde es schon dämmerig. Die Laternen standen bereit, jede mit einem kleinen Namen darauf. Bruno rollte den Plan auf dem Tisch aus und legte den Papierschnipsel exakt an die richtige Stelle.

Dachs Doro kam herein, den riesigen Besen auf der Schulter. „Oh! Ihr seid ja alle hier. Habt ihr den Plan gefunden?“

Ella hüpfte nervös von einer Kralle auf die andere. „Doro… ich war's. Ich habe den Plan genommen. Weil ich die Krähen gehört habe.“

Doro blinzelte. Dann lachte sie, ein warmes, knurriges Lachen. „Dann habe ich dich also wirklich erschreckt. Tut mir leid. Mein Besen sieht auch aus wie ein wildes Tier.“

„Er hat Zähne“, flüsterte Ingo.

„Das sind Borsten“, korrigierte Edda trocken.

Bruno klatschte einmal in die Tatzen. „Okay. Problem: Krähen könnten Laternen klauen. Lösung: Wir ändern den Plan nicht, aber wir ändern die Sicherung.“

Fina hob die Pfote. „Wir könnten die Laternen an dicke Äste hängen, zu hoch für Krähen—“

Edda schüttelte den Kopf. „Krähen fliegen.“

Ingo strahlte. „Dann hängen wir sie an… schwere Nüsse!“

Bruno grinste. „Fast. Wir machen es einfacher: Wir gehen in Gruppen. Jede Laterne bleibt bei jemandem. Keine Laterne wird unbeaufsichtigt gelassen.“

Doro nickte. „Und wir teilen den Weg in Abschnitte. Die Kleinen bleiben in der Mitte.“

Ella räusperte sich. „Ich kann… glänzende Ablenkungen machen. Nicht zum Klauen. Zum Weglocken. Ein paar alte Knöpfe an einem Zweig, weit weg vom Weg. Dann denken die Krähen: ‚Oh! Glanz!‘ und sind beschäftigt.“

Edda sah sie prüfend an. „Das ist ausnahmsweise eine gute Idee.“

Bruno stellte vier Becher Kakao auf den Tisch. „Und jetzt teilen wir auch das. Damit niemand das Gefühl hat, allein beweisen zu müssen, dass er wichtig ist.“

Ella nahm vorsichtig einen Becher. „Er ist warm“, sagte sie erstaunt.

„Wärme glänzt nicht“, meinte Fina, „aber sie fühlt sich an wie ein guter Plan.“

Ingo schlürfte und bekam einen Kakaoschnurrbart, der ihn sehr wichtig aussehen ließ. „Ich sehe aus wie ein Chefdetektiv.“

„Wie ein Kakao-Unfall“, sagte Edda.

Der Lichterweg begann. Die Laternen flackerten wie kleine Sterne knapp über dem Boden. Die Tiere gingen zusammen, erzählten leise Witze und zeigten den Kleineren, wie man auf Kies nicht ausrutscht. Am Rand, weit weg, funkelten Ellas Knopfzweige. In der Ferne krächzten Krähen enttäuscht, als hätten sie einen Glanz-Salat statt einer Laterne gefunden.

Als sie wieder am Gemeinschaftshaus ankamen, war der Weg hinter ihnen nicht nur beleuchtet gewesen — er war geklärt. Aufgeklärt.

Bruno rollte den Plan zusammen und band ihn diesmal mit einem dicken Band fest. „Wenn etwas passiert“, sagte er, „reden wir. Wir teilen. Wir fragen. Dann wird aus einem Rätsel kein Knoten.“

Ella nickte. „Und wenn ich wieder helfen will… frage ich zuerst.“

Doro hob den Besen wie ein Ehrenzeichen. „Und ich kündige meinen Besen an. Damit niemand dramatisch davonfliegt.“

Fina lachte. „Schade. Das war immerhin elegant.“

Ingo hob seinen Becher. „Auf den Lichterweg! Und auf Kakao!“

Edda schloss die Augen, zufrieden. „Und auf das Denken, bevor man zieht.“

Bruno blickte hinaus. Der Pfad lag ruhig da, hell gepunktet von Laternenlicht. Ein ganz normales Dorf — und doch voller Abenteuer, wenn man genau hinsah.

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Gründlich
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Neugierig
Das starke Interesse haben, etwas Neues wissen oder entdecken zu wollen.
Tatort-Nase
Brunos Art, mit der Nase genau an einem Ort nach Spuren zu suchen.
Gerollter Plan
Ein Blatt Papier, das fest zusammengerollt wurde, damit es nicht knickt.
Moosig
Mit Moos bedeckt und dadurch weich, grünlich und etwas feucht sein.
Kiesel
Ein kleiner, glatter Stein, den man oft am Bach oder Ufer findet.
Spinnenseide
Feine Fäden, die Spinnen spinnen; sehr dünn, aber manchmal auch stark.
Mappe
Eine flache Hülle oder Tasche, in der man Papiere schützt oder trägt.
Schnur
Ein dünnes Seil aus Fasern, das man zum Binden oder Ziehen benutzt.
Befestigt
Etwas so angebracht oder gebunden, dass es nicht leicht weggeht.

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