Heute ist Frühling. Ben ist drei. Er steht am Fenster und schaut nach draußen. Der Himmel ist hellgrau, aber die Luft sieht weich aus.
„Mama, riecht es anders?“, fragt Ben.
Mama lächelt. „Ja. Es riecht nach nasser Erde. Der Frühling kommt.“
Ben zieht seine kleinen Stiefel an. Mama nimmt die Jacke. Sie gehen langsam raus. Vor der Tür liegt ein kleiner Garten. Das Gras ist noch kurz. Aber es ist grüner als gestern.
Ben sieht einen Tropfen an einem Zweig. Er glitzert wie eine kleine Perle. „Wasser!“
„Das ist Regen“, sagt Mama. „Regen hilft den Pflanzen.“
Ben geht näher. Er hört ein leises Plitsch, plitsch. Die Tropfen fallen auf die Steine. Es klingt wie leise Musik.
Ben streckt die Hand aus. Ganz vorsichtig. Ein paar Tropfen landen auf seiner Haut. Sie sind kühl. Ben kichert. „Kalt!“
Mama sagt ruhig: „Du kannst fühlen, wie der Regen den Frühling weckt.“
Sie gehen weiter den Weg entlang. Neben dem Zaun wachsen kleine gelbe Blumen. Ben duckt sich. Er riecht daran. „Mmm…“
„Das sind erste Blüten“, sagt Mama. „Die Bienen mögen sie.“
Ein Vogel sitzt im Busch und singt. Ben bleibt stehen. Er hört zu. Dann flüstert er: „Hallo, Vogel.“
Mama flüstert auch: „Hallo.“
Am Weg liegt eine Pfütze. Ben schaut hinein. Er sieht den Himmel darin und sein eigenes Gesicht. Er tippt mit dem Finger. Kreise laufen über das Wasser. „Wellen!“
Mama holt zwei kleine Brote aus der Tasche. „Wollen wir teilen?“
Ben nickt. Er hält ein Stück hoch. „Für dich, Mama.“
„Danke, Ben.“ Mama gibt ihm auch ein Stück. „Teilen macht warm im Bauch.“
Ben sieht ein paar trockene Blätter unter einer Hecke. „Wer wohnt da?“
„Manchmal schlafen dort kleine Tiere“, sagt Mama. „Igel zum Beispiel.“
Ben schaut liebevoll. „Leise sein.“
Sie gehen zurück nach Hause. Drinnen ist es gemütlich. Ben trinkt warmen Tee mit Honig. Draußen tropft der Regen weiter, ganz sanft.
Ben gähnt. „Der Frühling ist nett.“
Mama streicht ihm über die Haare. „Ja. Alles wacht langsam auf.“
Im Bett denkt Ben an die Blumen, an den Vogel und an die Regentropfen auf seiner Hand. Und er denkt ganz zart an die Tiere, die draußen schlafen. „Gute Nacht, kleine Tiere“, flüstert er. Dann wird es still und schön.