Teil 1: Der große Halloween-Abend
Es war Herbst im Bärenwald. Die Blätter rauschten leise im Wind und färbten sich in bunten Orange-, Gelb- und Rottönen. Die Sonne ging schon früh unter, und die Schatten krochen langsam zwischen die Bäume. Für den kleinen Bären Balduin war das eine besondere Zeit, denn heute war Halloween!
Balduin sprang fröhlich auf seinem weichen Bärenpopo herum. Er liebte das Rascheln der Blätter unter seinen Tatzen und das kühle Zwicken in seiner Nase, wenn er tief einatmete. Überall im Wald hingen kleine, leuchtende Kürbisse an den Zweigen. Manche waren freundlich angemalt, andere schauten ein bisschen schaurig, doch alle leuchteten warm und einladend.
„Heute Abend gibt es eine große Halloween-Party im alten Eichenhaus!“, rief Balduin und war ganz aufgeregt. „Alle kommen verkleidet!“
Doch dann blieb Balduin plötzlich stehen. Er runzelte die Stirn. „Oh nein! Mein Hexenbären-Kostüm! Wo ist es nur?“ Er rannte nach Hause, kramte in seinem Schrank, unter dem Bett, sogar in der alten Honigkiste. Nichts. Das Kostüm war weg!
„Oh weia, ohne Kostüm kann ich doch nicht zur Party gehen!“, jammerte Balduin. Sein Herz klopfte schneller. Er wollte doch so gerne als Hexenbär die anderen erschrecken – aber auf eine lustige Art, versteht sich.
Da kam seine Freundin, die kleine Fledermaus Frieda, vorbei. Sie flatterte aufgeregt um Balduins Kopf. „Was ist los, Balduin? Warum bist du so traurig?“ Balduin seufzte und erzählte ihr alles.
Teil 2: Die Suche nach dem Kostüm
Frieda setzte sich auf Balduins Schulter und wackelte mit den Ohren. „Wir finden dein Kostüm bestimmt wieder! Vielleicht ist es ja auf dem Dachboden?“ Balduin nickte hoffnungsvoll und gemeinsam tapsten und flatterten sie nach oben.
Der Dachboden war dunkel und roch nach alten Kastanien. Überall lagen Kisten und staubige Decken. Balduin kramte in einer Truhe voller bunter Tücher. Frieda lugte neugierig in eine Schachtel. Doch das Kostüm blieb verschwunden.
Plötzlich hörten sie ein leises Rascheln hinter einer großen Kiste. „Wer ist da?“, rief Balduin und stellte sich mutig vor Frieda. Da kicherte es leise. Aus dem Schatten kam der kleine Fuchs Ferdinand. Er trug einen riesigen schwarzen Hut, der ihm über die Augen rutschte.
„Ui, habt ihr mich erschreckt!“, schniefte Ferdinand, „Ich wollte nur ein bisschen spielen und habe deinen Hut gefunden, Balduin.“ Balduin lachte erleichtert. „Das ist nicht schlimm, Ferdinand! Aber mein Hexenbären-Kostüm ist immer noch weg.“
Ferdinand überlegte kurz und blinzelte. „Vielleicht hat es der Rabe Rabatz gesehen! Der fliegt doch immer überall herum.“
Also machten sich die drei Freunde auf den Weg. Frieda flatterte voraus, Ferdinand schnupperte am Boden, und Balduin stapfte hinterher.
Teil 3: Bunte Begegnungen im dunklen Wald
Der Wald war inzwischen ein bisschen dunkler geworden. Der Wind heulte leise, doch die kleinen Kürbislaternen tauchten alles in ein sanftes, orangfarbenes Licht. Es war ein bisschen unheimlich, aber Balduin war nicht allein. Und mit Freunden ist selbst ein dunkler Wald nicht so gruselig.
Unter einem alten Ast saß Rabe Rabatz und krächzte laut: „Süßes oder Saures! Wer wagt es, mich zu stören?“ Balduin kicherte, denn Rabatz hatte sich als Gespenst verkleidet. Ein altes, weißes Tuch flatterte um seinen Körper.
„Rabatz, hast du vielleicht mein Hexenbären-Kostüm gesehen?“, fragte Balduin höflich.
Rabatz kratzte sich am Schnabel. „Ich habe einen ganz besonderen Windstoß gesehen, der etwas Buntes über den kleinen Fluss geweht hat. Vielleicht war es dein Kostüm!“
Sofort rannten die Freunde zum Fluss. Die Steine am Ufer waren rutschig und glitzerten im Mondlicht. „Achtung, Balduin, nicht ausrutschen!“, rief Frieda. Balduin balancierte vorsichtig von Stein zu Stein. Plötzlich rief Ferdinand: „Da ist etwas Buntes im Busch!“
Alle sprangen aufgeregt zum Busch. Doch – oh Schreck! – es war nur ein altes, zerrissenes Tischtuch, das der Wind hergeweht hatte.
Klein Balduins Herz rutschte in die Tatzen. „Ob ich mein Kostüm je wiederfinde?“, murmelte er traurig.
Teil 4: Ein bisschen Mut, ein bisschen Magie
Die Freunde überlegten. Plötzlich hörten sie ein leises Kichern hinter ihnen. Sie drehten sich um – und da stand die alte Eule Elli. Sie trug eine Brille und einen langen, glitzernden Umhang.
„Was sucht ihr denn mitten im Dunkeln?“, fragte Elli freundlich.
Balduin erzählte von seinem verlorenen Kostüm. Elli schmunzelte. „Manchmal braucht man keinen Umhang, um besonders zu sein. Aber vielleicht hilft ein bisschen Magie!“
Sie schwang ihren Zauberstock (es war eigentlich nur ein Stock mit einem leuchtenden Blatt daran) und rief: „Hokuspokus Kürbisgeist, zeig uns, wo das Kostüm nun ist!“
Alle hielten die Luft an. Da hörten sie ein Geräusch aus einer Baumhöhle. Balduin spähte hinein – und da lag sein Kostüm! Jemand hatte es benutzt, um darin Walnüsse zu verstecken.
„Das war bestimmt der Eichhörnchenjunge Emil!“, sagte Frieda. Sie lachten. Niemand war böse, denn Emil hatte das Kostüm bestimmt nicht absichtlich versteckt. Er war einfach ein bisschen vergesslich.
Balduin schlüpfte in sein Hexenbären-Kostüm. Es war zwar etwas zerknittert, aber das war ihm egal. Er drehte sich im Kreis, wackelte mit seinem Hexenhut und rief: „Jetzt bin ich bereit für die Party!“
Teil 5: Die fröhlichste Halloween-Party im Wald
Mit schnellen Pfoten und fröhlichen Herzen liefen die Freunde zum alten Eichenhaus. Aus allen Ecken des Waldes kamen Tiere in den lustigsten Kostümen. Hasen als Vampire, Mäuse als Gespenster, Dachse als Piraten und sogar ein Hirsch im Feenrock.
Drinnen leuchteten Kürbisse, es gab knusprige Kekse und süßen Honigbrei. Alle tanzten und lachten. Balduin zeigte stolz sein Hexenbären-Kostüm. Frieda schwebte wie eine Zauberfee durch die Lüfte. Ferdinand tanzte mit seinem Hexenhut, und Rabatz machte lustige Gespenstermusik.
Am Ende der Party gab es einen ganz besonderen Moment. Die Tiere überreichten Balduin einen leuchtenden Halloween-Badge. „Der Mutigste und Freundlichste heute Abend!“, stand darauf. Balduin wurde ganz rot vor Freude. Er hatte nicht nur sein Kostüm wiedergefunden, sondern auch gelernt, dass echte Freunde zusammenhalten, egal wie dunkel es im Wald wird.
Zum Abschied reichte Balduin den Badge an Emil, das Eichhörnchen weiter. „Weil du so mutig warst, mein Kostüm zu verstecken – und weil du ein toller Freund bist!“ Alle lachten, klatschten und waren ein bisschen stolz.
So ging das schaurig-schöne Halloween zu Ende. Die Tiere kuschelten sich müde in ihre Betten und Balduin träumte davon, noch viele Abenteuer mit seinen Freunden zu erleben. Im Bärenwald wusste nun jeder: Es ist egal, welches Kostüm du trägst – Hauptsache, du bist du selbst, mutig, freundlich und voller Spaß!