Es war einmal ein kleiner Prinz namens Pipo, der in einem glitzernden Königreich lebte.
Der Morgen im Funkelreich
Die Sonne glitzerte wie Zucker auf Kuchen. Prinz Pipo zog seine roten Stiefel an. Sie machten „tapp, tapp, tapp“. Er lachte. Er nahm sein Körbchen. Darin lag ein warmes Waffeltuch. Es duftete nach Vanille und Kichern.
„Heute gehe ich zum Lachen-Markt“, sagte Pipo. „Ich kaufe Honigpuder für den Palastpfannkuchen.“ Er nickte ernst, wie nur kleine Prinzen ernst nicken können, und kicherte schon wieder.
Der Weg führte zum Fluss. Der Fluss summte „plitsch, platsch, pling“. Darüber lag die Regenbogenbrücke. Sie glitzerte, sie grinste. Neben der Brücke stand ein Häuschen. Daran hingen kleine Fähnchen, bunt wie Bonbons. Vor dem Häuschen saß der Brückenwärter. Er hieß Bodo. Er trug eine runde Mütze und eine kleine Glocke.
Pipo hob beide Arme. Er winkte dem Brückenwärter. Er winkte groß. Er winkte klein. Er winkte wie ein Windrad. „Hallooo!“, rief er.
Bodo winkte zurück. Er winkte langsam, freundlich, wie eine Schnecke, die tanzt. „Guten Morgen, Prinz Pipo“, sagte Bodo. „Na, wohin so fröhlich?“
„Zum Lachen-Markt!“, sagte Pipo. „Ich bringe Waffeltuch, ich bringe gute Laune!“
Die Brücke kicherte und machte „kling-kling“. Ein silberner Fisch steckte kurz den Kopf aus dem Wasser. Er trug eine winzige Krone. „Plitsch!“, machte der Fisch und verschwand wieder. Alles war lustig und doch ganz ruhig. Nichts tat weh. Nichts war erschreckend. Es war ein guter, warmer Morgen.
Die Brückenregel
Bodo stand auf. Er lächelte wie ein Mond. „Prinz Pipo“, sagte er, „hier gibt es eine Regel. Sie ist freundlich. Sie ist klug. Sie hilft allen. Die Brücke liebt Regeln. Sonst kitzelt sie.“
Pipo machte große Augen. „Welche Regel?“
Bodo tippte mit dem Finger auf ein Schild. Darauf stand: „Erst winken. Dann fragen. Dann warten. Dann gehen.“ Bodo sprach es langsam, singend. „Erst winken. Dann fragen. Dann warten. Dann gehen.“
Pipo nickte. „Das kann ich!“, sagte er. „Ich kann Regeln so gut wie Pfannkuchen essen!“
Er hob die Arme und winkte. „Winken!“, sagte er. „Habe ich gemacht!“ Dann rief er: „Darf ich bitte über die Brücke?“ Das war das Fragen. Bodo nickte. „Sehr höflich!“
Pipo freute sich und wollte sofort loslaufen. Die Brücke kicherte. Sie machte „hüpf!“ und wackelte ein bisschen, ganz weich, wie ein Kissen. Pipo stolperte nicht. Er lachte nur. Bodo hob die Hand. „Halt, halt. Da fehlt etwas. Was kommt nach Fragen?“
Pipo hielt inne. Er dachte nach. Er schob seine Krone ein Stückchen zurecht. „Warten!“
„Genau“, sagte Bodo. „Kurz warten. Wir zählen leise: eins, zwei, drei.“
Sie zählten leise. „Eins… zwei… drei…“ Die Brücke hörte zu. Sie beruhigte sich. Sie seufzte freundlich, wie eine Katze, die schnurrt.
Ein Frosch mit einer winzigen Trompete sprang hinzu. „Tröt!“, machte er fröhlich. „Regeln sind wie Leitern! Man geht Stufe für Stufe.“ Pipo kicherte. „Tröt!“, sagte er auch, nur so zum Spaß.
Jetzt ging Pipo los. Schritt für Schritt. Nicht zu schnell. Nicht zu langsam. „Gehen!“, sagte er. „Jetzt kommt Gehen!“ Die Brücke hielt still. Sie war zufrieden. Der Fluss sang. „Plitsch, platsch, pling.“
Unterwegs begegnete Pipo einer kleinen Ziege mit einer Schleife. „Mäh“, sagte die Ziege. „Ich will auch rüber.“ Pipo stellte sich neben sie. „Erst winken, dann fragen, dann warten, dann gehen“, sagte er ruhig.
Die Ziege winkte mit dem Ohr. „Mäh-wink.“ Sie fragte höflich: „Darf ich bitte rüber?“ Sie warteten beide. Eins, zwei, drei. Dann gingen sie. Schritt, Schritt, Schritt. Bodo lächelte. Die Brücke summte zufrieden. Es war ganz leicht. Es war auch ein bisschen lustig. „Erst winken. Dann fragen. Dann warten. Dann gehen“, sang Pipo, und die Ziege sang „Mäh, mäh, mäh“ dazu. Es klang wie ein kleines Lied.
Ein ruhiger Heimweg
Auf dem Lachen-Markt kaufte Pipo Honigpuder. Er kaufte auch eine winzige Wackelkrone für den Fisch. Nur so, zur Freude. Dann ging er zurück. Die Sonne stand weich am Himmel. Die Luft roch nach Erdbeeren und Spaß.
Am Fluss blieb Pipo stehen. Er hob die Arme. Er winkte Bodo. Groß. Klein. Windrad. Bodo winkte zurück. „Regel?“, fragte er.
Pipo lächelte. „Ich kenne sie! Erst winken. Dann fragen. Dann warten. Dann gehen.“ Er fragte höflich. Er wartete leise. Eins, zwei, drei. Dann ging er, Schritt für Schritt. Die Brücke blieb brav. Der Fluss sang leise. Der Frosch trötete im Flüsterton. „Tröt.“
Auf der anderen Seite klatschte Bodo leise in die Hände. „Sehr gut gemacht, Prinz Pipo. Regeln respektieren heißt, gut miteinander umgehen.“
Pipo stellte das Körbchen ab. „Regeln sind freundlich“, sagte er. „Sie halten die Brücke ruhig. Sie halten die Herzen ruhig. Sie machen Platz für Lachen.“
Bodo nickte. „Genau so.“ Die Brücke lächelte. Sie machte ein gähnendes „kling“. Die Sonne wurde goldner. Die Schatten wurden länger. Alles wurde ein bisschen langsamer, wie ein Schneckenwalzer.
Pipo winkte noch einmal. Nicht groß. Nicht klein. Ganz ruhig. „Bis morgen, Bodo.“ Er ging heim. Tapp, tapp, tapp. Der Fluss summte. Die Waffel duftete. Das Königreich glitzerte sanft.
Zu Hause legte Pipo die Krone zur Seite. Er atmete warm und leicht. „Erst winken. Dann fragen. Dann warten. Dann gehen“, flüsterte er. Es klang wie ein Gute-Nacht-Lied. Und das Königreich nickte leise, als ob es lächelte. Alles war gut. Alles war still. Alles war freundlich.