Es war einmal ein Prinz namens Kuno, der in einem verzauberten Königreich wohnte. Das Schloss hatte goldene Türme, die wie Löffel in den Himmel zeigten, und im Garten wuchsen Tulpen, die kichernd „Kitzel-kitzel!“ flüsterten, wenn man vorbeiging.
Prinz Kuno hatte eine sehr wichtige Aufgabe. Jeden Morgen musste er die magische Wetteruhr prüfen. Sie hing im Flur neben dem großen Spiegel, der manchmal Grimassen schnitt. Die Wetteruhr war rund wie ein Pfannkuchen und hatte Zeiger aus Zuckerstangen. Sie konnte Sonne, Regen, Wind und sogar Konfetti-Schauer anzeigen. Im Königreich sagte man: „Wenn Kuno guckt, bleibt alles in Takt. Wenn Kuno pennt, wird's leicht… verrückt.“
Kuno gähnte, rieb sich die Augen und stapfte in Pantoffeln mit kleinen Kronen darauf zur Wetteruhr. „Guten Morgen, Wetter“, sagte er höflich. Denn im verzauberten Königreich spricht man auch mit Dingen, die nicht sprechen sollten. Oft antworten sie trotzdem.
Die Wetteruhr machte „Ping!“ und zeigte: SONNE. Ein kleiner gemalter Sonnenball trug eine Brille und grinste breit.
„Alles klar! Sonne!“, rief Kuno. „Heute gibt es Picknickkekse!“
Da kam eine Fee hereingeflattert. Sie hieß Fipsi und hatte Haare wie Zuckerwatte. Wenn sie lachte, klingelte es wie Glöckchen. „Kuno, Kuno!“, rief sie. „Denk an deine Verantwortung: Erst prüfen, dann verkünden.“
„Hab ich doch!“, sagte Kuno stolz.
„Ja“, sagte Fipsi und schwebte ein bisschen tiefer. „Aber hast du auch die zweite Nadel gesehen? Die Nadel für… Überraschungen?“
Kuno blinzelte. Neben dem großen Zeiger war ein kleiner Zeiger, winzig wie ein Ameisenbein. Und der stand nicht auf Sonne. Der stand auf: KICHER-NEBEL.
„Kicher-Nebel?“, fragte Kuno.
„Kicher-Nebel“, nickte Fipsi. „Er ist freundlich, aber er macht Unsinn. Und Unsinn kann man nur gut steuern, wenn man gut hinschaut.“
Kuno schluckte. Dann streckte er seine Brust raus, so weit es ging. „Dann steuere ich ihn! Ich bin Prinz. Und ich bin… Wetter-Prüf-Prinz!“
Genau in diesem Moment rollte der Kicher-Nebel durch das Fenster. Er sah aus wie Watte, nur lebendig. Er kitzelte die Vorhänge, und die Vorhänge kicherten: „Hihihi!“ Er kitzelte die Rüstung im Flur, und die Rüstung machte: „Klonk… hihihi!“ Dann kitzelte er Kunos Nase.
„HATSCHI!“ rief Kuno.
Und mit dem Niesen passierte etwas Magisches: Aus seinem Mund flogen kleine Seifenblasen-Kronen. Plopp, plopp, plopp! Sie schwebten durch den Flur und setzten sich auf die Köpfe von zwei Mäusen. Die Mäuse standen stramm wie Wachen.
„Ich bin König Maus!“, piepste die eine.
„Und ich bin Königin Maus!“, piepste die andere.
Fipsi hielt sich den Bauch vor Lachen. „Oh, das ist ganz typisch Kicher-Nebel!“
Kuno lachte auch, aber dann dachte er an seine Aufgabe. „Okay, freundlich bleiben, aber ordentlich. Wenn die Mäuse jetzt überall Kronen tragen, dann… dann…“
„Dann fühlen sie sich wichtig“, sagte Fipsi. „Und wichtige Mäuse marschieren manchmal ins Kuchenlager.“
„Oh nein! Der Kuchen!“, rief Kuno.
Er rannte los, die Pantoffeln klatschten: klapp, klapp, klapp. Fipsi flog neben ihm her und sang leise: „Prüfen, prüfen, Schritt für Schritt. Verantwortung nimmt man mit.“
Im Kuchenlager war es schon lustig. Der Kicher-Nebel hatte die Mehlsäcke angepustet. Jetzt niesten sie bei jedem Atemzug: „Pfff!“ Und jedes „Pfff!“ machte ein kleines Mehlwölkchen, das aussah wie ein Schnurrbart. Sogar der Koch hatte plötzlich einen dicken weißen Schnurrbart und sah aus wie ein trauriger Schneemann.
„Ich kann gar nichts sehen!“, jammerte der Koch.
Kuno klatschte in die Hände. „Stopp, stopp! Alle bleiben ruhig.“ Er nahm ein Tuch, wischte dem Koch sanft die Augen frei und sagte: „Wir lösen das. Ich bin verantwortlich.“
Er ging zurück zur Tür und rief: „Kicher-Nebel, hör zu! Du darfst kitzeln, aber nur draußen im Garten. Nicht im Kuchenlager.“
Der Nebel kringelte sich wie eine Katze um seine Beine. „Kitzel?“ flüsterte er.
„Ja“, sagte Kuno. „Kitzel im Garten. Hier drin Ordnung. Sonst gibt es keinen Kuchen. Und ohne Kuchen…“ Kuno machte eine ernste Pause, so ernst wie ein Pudding sein kann. „… sind alle traurig.“
Der Nebel zitterte kurz, als würde er nachdenken. Dann schwebte er brav zur Tür hinaus.
Fipsi klatschte. „Sehr gut! Du hast nicht geschimpft. Du hast erklärt.“
Kuno nickte. „Verantwortung ist wie eine Krone. Sie sitzt am besten, wenn man gerade steht.“
Draußen im Garten kitzelte der Kicher-Nebel die Tulpen, und die Tulpen riefen: „Kitzel-kitzel!“ Die Mäuse mit den Kronen marschierten im Kreis und übten höfliches Verbeugen. Der Koch brachte endlich einen riesigen Kuchen heraus, ganz ohne Mehlsturm.
Prinz Kuno schaute noch einmal auf die Wetteruhr. Der kleine Zeiger wanderte von Kicher-Nebel zu: RUHIGER ABEND.
„Hach“, sagte Kuno. „Das ist mein Lieblingswetter.“
Alle setzten sich auf eine Decke. Die Sonne lächelte mit Brille. Fipsi summte. Der Kicher-Nebel wurde ganz dünn und legte sich wie ein weiches Tuch über die Blumen, nur zum Kitzeln, nur ein bisschen.
Und Prinz Kuno dachte: Morgen prüfe ich beide Zeiger. Jeden Morgen. Schritt für Schritt. So bleibt im Königreich alles fröhlich und sicher.