In Sternenstadt glitzerten die Lichter wie Bonbons. Über den Dächern summten kleine Liefer-Drohnen. Auf dem großen Platz stand ein runder Turm aus Glas. Er war das Rathaus, und oben drehte sich eine leise Wind-Rose.
Hier wohnte Nova Nudelblitz. Sie war eine Superheldin. Sie trug einen Anzug, der wie ein Nachthimmel schimmerte, mit vielen kleinen Sternpunkten. An ihrem Gürtel hingen drei runde Knöpfe: Blau, Grün und Gold. Und auf ihrem Rücken saß ein Mini-Jetpack, klein wie ein Rucksack.
Nova konnte Licht formen. Sie konnte daraus Schirme machen, Brücken und Herzen. Und wenn sie lachte, blitzte ihr Sternen-Anzug noch heller.
Neben ihr schwebte Piep, ihr Roboterfreund. Piep war eine kleine Kugel mit zwei großen, freundlichen Augen. Er machte gern Witze und piepste dazu.
„Bereit für den Tag?“ fragte Nova.
„Piep! Immer bereit! Ich habe meinen Super-Witz geladen!“ sagte Piep.
Nova ging durch die Stadt. Kinder winkten. Ein Hund bellte fröhlich. Eine Oma goss Blumen. Alles war ruhig und gut.
Da hörte Nova ein leises „Oh nein…“
Am Brunnen stand ein kleiner Junge. Er hielt eine Spielzeugrakete. Seine Lippen zitterten.
„Was ist los?“ fragte Nova sanft.
„Der Himmel… der ist so groß,“ flüsterte der Junge. „Und heute Nacht will ich schlafen. Aber ich denke an den Weltraum. Ich kriege dann Angst.“
Nova kniete sich hin. „Der Weltraum ist groß, ja. Aber du bist nicht allein. Und dein Herz ist stark.“
Piep schwebte näher. „Ich kenne den Weltraum. Er ist wie eine Decke. Eine sehr, sehr große Decke. Und Decken sind zum Kuscheln da!“ Er machte ein kleines „Piep-piep“, als wäre es ein Kichern.
Der Junge schaute hoch. „Echt?“
„Echt,“ sagte Nova. „Und weißt du was? Mut ist nicht, wenn man nie Angst hat. Mut ist, wenn man sagt: ‘Hallo Angst. Ich gehe trotzdem weiter.'“
Gerade da flackerte das Licht der Stadt. Erst ganz kurz. Dann wieder. Die Straßenlaternen blinzelten wie müde Augen.
Aus dem Rathaus kam ein „Brrrmm“. Die Wind-Rose stoppte.
Nova stand auf. Ihr Anzug glühte ein bisschen. „Das ist ein Stadt-Problem. Und Stadt-Probleme sind mein Job.“
Piep piepste stolz. „Superheldinnen-Zeit!“
Sie liefen zum Rathaus. Die Tür ging automatisch auf. Drinnen leuchteten Bildschirme. Auf einem stand: ENERGIE-STERN: SCHLÄFT.
„Der Energie-Stern schläft?“ murmelte Nova. In Sternenstadt gab es einen großen, freundlichen Kraft-Kern. Er war wie ein warmer Stern in einer Kugel. Er machte Strom, Licht und Musik für die Stadt.
Ein Techniker, Frau Fina Funke, winkte hektisch. „Nova! Der Energie-Stern ist müde. Ohne ihn wird es dunkel. Aber keine Sorge, es ist nichts kaputt. Er braucht nur Mut-Funkeln.“
Nova legte den Kopf schief. „Mut-Funkeln?“
Fina nickte. „Er spürt die kleinen Ängste in der Stadt. Dann wird er selbst schüchtern. Er zieht sich zurück.“
Nova dachte an den Jungen am Brunnen. An sein Zittern. An sein Flüstern.
„Okay,“ sagte Nova. „Wir machen aus Angst Mut. Wir machen es hell. Wir machen es lustig.“
Sie drückte den blauen Knopf. Aus ihren Händen floss sanftes Licht. Es wurde zu einem großen, runden Lichtball, warm wie Kakao.
Piep rief: „Operation: Kitzel-Licht!“
Nova lachte. „Genau.“
Sie und Piep flogen mit dem Mini-Jetpack zum Dach. Über ihnen war der Himmel tiefblau. Nicht gruselig. Einfach groß.
Nova hob die Arme. „Sternenstadt! Hört mich!“ rief sie. Ihre Stimme klang wie ein fröhlicher Gong.
Unten öffneten Menschen Fenster. Kinder kamen auf Balkone. Ein paar Katzen setzten sich auf Geländer.
„Wenn ihr Angst spürt,“ rief Nova, „dann macht eine Mut-Geste! Drückt eure Hände aufs Herz und sagt: ‘Ich bin mutig!'“
Piep machte es vor. Seine Kugel wackelte. „Ich bin mutig! Und ich bin rund! Das hilft!“
Die Leute kicherten. Viele legten die Hand aufs Herz. „Ich bin mutig!“ sagten sie. „Ich bin mutig!“
Nova formte aus Licht tausend kleine Sterne. Sie tanzten über die Straßen. Jeder Stern war wie ein freundliches „Hallo“. Sie flogen zu den Fenstern, zu den Kindern, zu den Omas, sogar zu den Katzen.
Der kleine Junge vom Brunnen stand jetzt auch da. Er hielt seine Spielzeugrakete hoch. „Ich bin mutig!“ sagte er. Diesmal klang seine Stimme fest.
Die Lichtsterne sammelten sich über dem Rathaus. Sie flossen wie ein heller Fluss hinein.
Drinnen im Turm begann der Energie-Stern zu glimmen. Erst ganz klein. Dann größer. Dann warm und goldig. Auf dem Bildschirm stand: ENERGIE-STERN: WACH UND FRÖHLICH.
Die Straßenlaternen leuchteten wieder. Die Wind-Rose drehte sich. Und aus den Lautsprechern kam leise Musik, wie ein sanfter Superhelden-Song.
Fina Funke atmete auf. „Geschafft!“
Nova lächelte. „Nicht ich allein. Alle zusammen.“
Piep flüsterte: „Team Sternenstadt. Und Team rund.“
Später ging Nova zurück zum Brunnen. Der Junge wartete noch.
„Wie fühlt sich dein Bauch jetzt an?“ fragte Nova.
Der Junge tippte auf seinen Bauch. „Ruhig. Ein bisschen kitzelig. Aber gut.“
Nova gab ihm einen kleinen Lichtstern in die Hand. „Der ist für heute Nacht. Wenn du den Himmel groß findest, sag: ‘Der Himmel ist groß, und mein Mut ist auch groß.'“
Der Junge nickte. „Und wenn ich wieder Angst habe?“
„Dann machst du die Mut-Geste,“ sagte Nova. „Und du denkst an uns. An das Licht. An das Lachen.“
Piep machte ein letztes „Piep-piep“. „Und an meinen Super-Witz! Warum ist die Rakete nie müde? Weil sie immer ‘Start' sagt!“
Der Junge lachte so sehr, dass seine Augen glänzten.
Über Sternenstadt funkelten die Sterne. Sie wirkten jetzt nicht weit weg, sondern wie Freunde. Nova stand ruhig da, stark und sanft. Und die Stadt atmete zufrieden, hell und sicher, in einer Nacht, die sich wie eine große, warme Decke anfühlte.