Kapitel 1: Wolkengesichter und Miesepeter
Am Rande der großen, bunten Blumenwiese schlängelte sich ein kleiner, schimmernder Streifen durchs Gras. Das war Norbert, der fuchsige Gartenschnecke, bekannt für seinen stets leicht genervten Blick und sein Talent, die wildesten Grimassen zu schneiden. Norbert war meistens freundlich, aber heute schimpfte er leise vor sich hin, während er ein besonders glitschiges Blatt umrundete.
„Immer diese Blätter überall! Und jetzt klebt auch noch Tau an meinen Fühlern!“, meckerte Norbert und wischte sich mit seinem Häuschen die Stirn. Plötzlich zog ein Schatten über ihn hinweg. Norbert blickte nach oben und sah eine besonders dicke Wolke, die aussah wie ein zerdrückter Apfel.
„Du da oben! Kannst du dich nicht woanders hinpusten?“, rief Norbert und verzog sein Gesicht zu einer so ulkigen Grimasse, dass die Wolke fast aus den Nähten platzte.
In diesem Moment hüpfte ein winziger Grashüpfer vor Norbert auf und ab. „Hallo, Norbert! Hast du heute schon wieder Wolken erschreckt?“, zwitscherte er.
Norbert schnaubte. „Wolken haben manchmal einfach zu viel Fantasie. Sie formen sich zu allem Möglichen und machen die Sonne neidisch!“
Da kam ein weiteres Tier angehüpft. Es war Gundi, das Erdmännchen mit der schicken Pfeife und der gestreiften Schiedsrichter-Mütze. Gundi war der offizielle Schiedsrichter des Bäuerlichen Gähnens und nahm seinen Job sehr ernst.
„Was ist denn hier los?“, fragte Gundi und blies einen kleinen Seifenblasen-Ring aus seiner Pfeife. „Ich höre Gezeter und sehe Grimassen. Das klingt nach Norbert!“
Norbert verzog sein Gesicht noch ein bisschen mehr. „Ich mache den Wolken nur klar, dass sie nicht einfach alles verdecken dürfen. Und außerdem, Gundi, du solltest vielleicht mal ein Gähn-Turnier veranstalten. Die Wolken da oben sehen ziemlich müde aus!“
Gundi lachte. „Gähn-Turnier? Gute Idee! Aber zuerst brauchen wir einen Teilnehmer, der keine Angst vor Grimassen hat.“
Norbert zwinkerte. „Da kenn ich jemanden!“
Kapitel 2: Der große Gähn-Wettbewerb
Gundi klatschte in die Hände und rief: „Alle Tiere des Wiesenkönigreichs, kommt herbei! Das große Gähn-Turnier beginnt gleich!“
Innerhalb von Minuten versammelten sich Hasen, Mäuse, Frösche, Marienkäfer und sogar ein paar schüchterne Maulwürfe rund um den kleinen Hügel. Norbert war natürlich der Star – schließlich war er nicht nur für seine Grimassen, sondern auch für seine langen Gähner bekannt.
Gundi stellte sich auf einen Stein und blies in seine Pfeife. „Regeln sind einfach: Wer am lautesten, längsten und komischsten gähnt, gewinnt. Aber aufgepasst: Wer einschläft, ist raus!“
Norbert kicherte. „Ich gähne nie aus Müdigkeit, sondern aus Protest!“
Die erste Runde begann. Ein dicker Frosch machte den Anfang. „GÄÄÄÄÄHN!“, machte er so laut, dass eine Libelle vom Blatt fiel. Die Tiere kicherten.
Dann war Norbert an der Reihe. Er zog eine Grimasse, rollte die Augen, streckte die Zunge raus und formte ein „Gnä-ä-ä-ä-ähn“ so lang, dass sich sogar die Wolken vor Lachen kringelten und ein paar Regentropfen purzelten.
„Bravo, Norbert!“, riefen die Tiere. „Das war das lustigste Gähnen überhaupt!“
Gundi nickte streng. „Sehr gut, aber noch ist nichts entschieden!“
Plötzlich begann das große Bäckerhuhn Frieda zu gähnen. Doch vor lauter Gähnen kullerte ihr das Brötchen aus dem Schnabel, und alle lachten.
Norbert grinste und flüsterte zu Gundi: „Siehst du, niemand kann so schön gähnen wie ich – und Grimassen gibt's gratis dazu!“
Kapitel 3: Grimassen gegen die Wolken
Nach dem Wettbewerb war Norbert noch immer nicht zufrieden. Die Wolken hatten sich wieder zu einer riesigen, grauen Ungetüm-Wolke zusammengetan und schienen die Sonne zu verschlucken.
„Das lasse ich mir nicht gefallen!“, murrte Norbert, zog seine Fühler ein und schob sein Häuschen mutig in Richtung Himmel. „Wolken, jetzt gibt's was zu sehen!“
Gundi folgte ihm, pfeifend und mit erhobener Schiedsrichter-Pfeife. „Moment, Norbert! Nicht zu stürmisch, sonst regnet es gleich!“
Doch Norbert ließ sich nicht bremsen. Er stellte sich auf einen Stein, reckte seinen Schneckenhals und zog die wildeste Grimasse seines Lebens: Die Fühler verdreht, das Häuschen schief, die Zunge hing heraus wie ein nasser Lappen.
Die Wolke zitterte vor Lachen. Ein paar Tropfen fielen, aber es war kein Regen, sondern vor Freude geweinte Lachtränen.
Gundi lachte so sehr, dass er selbst fast gähnte. „Norbert, du bist wirklich der König der Grimassen! Aber pass auf, dass du dir nicht den Hals verrenkst!“
Ein kleiner Marienkäfer rief: „Norbert, kannst du mir auch so eine Grimasse beibringen?“
Norbert hob eine Augenbraue. „Na klar! Aber erst, wenn die Sonne wieder lacht!“
Und tatsächlich: Die Wolke hatte sich vor Lachen aufgelöst, und die Sonne schien wieder warm über die Wiese.
Kapitel 4: Verwickelte Abenteuer
Nun war die Wiese voller Tiere, die Grimassen zogen und sich in den verrücktesten Posen übten. Norbert zeigte dem Marienkäfer, wie man die Fühler kringelt, und Gundi sorgte mit seiner Pfeife dafür, dass niemand zu wild wurde.
Plötzlich rollte ein Igel vorbei und blieb mit seinen Stacheln an einem Gänseblümchen hängen. „Hilfe! Ich stecke fest!“, rief er.
Norbert, immer noch mit seiner letzten Grimasse beschäftigt, schlich langsam zu ihm hinüber. „Keine Panik, Herr Igel! Ich bin Experte für Verwicklungen.“
Gundi lachte. „Vorsicht, Norbert, nicht zu viel Schwung – sonst landest du noch auf dem Rücken!“
Norbert schob mit seinem Häuschen das Gänseblümchen zur Seite, und der Igel war frei. „Danke, Norbert!“, piepste der Igel und kullerte verlegen davon.
„Kein Problem!“, rief Norbert stolz. „Aber beim nächsten Mal: Immer erst prüfen, ob genug Platz ist, bevor man losrollt!“
Gundi nickte. „Das ist sehr klug. Aber jetzt, Freunde, sollten wir langsam nach Hause gehen. Es wird schon dämmerig.“
Kapitel 5: Heimweg mit Hindernissen
Die Sonne malte goldene Streifen auf die Wiese, als die Tiere sich verabschiedeten. Norbert machte sich auf den Heimweg, Gundi trottete neben ihm her.
„War das ein Tag!“, seufzte Norbert. „So viele Grimassen, so viel Gelächter – und keine einzige Wolke, die uns geärgert hat.“
Gundi zwinkerte. „Du bist eben ein echter Wolkenschreck! Aber denk daran: Immer schön vorsichtig sein, besonders auf dem Heimweg.“
Norbert nickte. „Ich bin ja schon vorsichtig. Aber ein kleines Abenteuer kann nie schaden!“
Auf dem Weg begegneten sie noch einer Schnecke, die rückwärts kroch. „Norbert, kannst du mir beibringen, wie man eine Grimasse macht und dabei rückwärts schleicht?“
Norbert grinste. „Na klar! Aber nur, wenn du nicht über einen Grashalm stolperst. Sonst gibt's Grimassen wegen Bauchweh!“
Gemeinsam lachten sie, und Norbert zeigte noch eine besonders lustige Grimasse – die „Rückwärts-Schnecken-Grimasse“. Gundi pfiff ein letztes Mal und sagte: „So, jetzt aber ab nach Hause!“
Norbert schlich fröhlich und vorsichtig durch das Gras, sein Häuschen glänzte im letzten Sonnenlicht. Zuhause angekommen, streckte er sich, gähnte (diesmal vor Zufriedenheit) und dachte: „Ein Tag mit Grimassen und Freunden – das ist das Beste überhaupt!“
Und so schlief Norbert ein, mit einem breiten Grinsen auf seinem Schneckengesicht und ganz ohne Sorgen, denn morgen wartete bestimmt das nächste lustige Abenteuer auf ihn.