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Geschichte einer futuristischen Stadt 11/12 Jahre Lesen 26 min.

Nila und der Tag, an dem die Zeit stolperte

Nila, ein neugieriges Mädchen, entdeckt, dass das Zeitsignal ihrer futuristischen Stadt gestört ist und zusammen mit ihrem Opa und Freunden versucht sie, das Problem zu lösen, während sie aufregende Abenteuer im Zeitgarten und bei den schwebenden Gärten erleben. Durch Musik und Zusammenarbeit lernen sie, die Stadt wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

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Ein 12-jähriges Mädchen namens Nila steht auf einem Glasbalkon, ihre braunen Haare wehen im Wind. Ihr Gesicht strahlt Neugier und Aufregung aus, ihre Augen glänzen lebhaft. Sie trägt eine leichte Jacke aus recyceltem Stoff mit bunten Mustern und bequeme Sandalen. Neben ihr bewegt sich ein kleiner Käfer-Roboter namens Klick, mit einem roten Gehäuse und silbernen Antennen, fröhlich auf ihrer Schulter, seine Augen blitzen vor Begeisterung. Im Hintergrund beobachtet Opa Jan, ein älterer Mann mit grauen Haaren und runden Brillen, Nila mit einem wohlwollenden Lächeln. Er trägt ein kariertes Hemd und bequeme Hosen und hält eine alte Taschenuhr in der Hand, bereit, ihr bei ihrem Abenteuer zu helfen. Die Szenerie ist eine futuristische Stadt mit funkelnden Glas- und Metalltürmen, die durch transparente Glasbrücken verbunden sind. Hängende Gärten quellen über von bunten Pflanzen, und Drohnen fliegen am Himmel und transportieren Pakete. Die Sonne scheint und wirft sanfte Schatten auf den Boden. Nila und Klick bereiten sich darauf vor, ein Zeitproblem in der Stadt zu lösen, mit einem entschlossenen Ausdruck auf Nilas Gesicht, bereit, die Geheimnisse ihrer futuristischen Welt zu erkunden. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Kapitel 1: Morgen über den Himmelsstegen

Der Morgen roch nach feuchten Blättern und warmer Luft. Nila, elf Jahre alt und neugierig wie ein Spürhund, stand barfuß auf dem Balkon von Ebene 43 und schaute über die Stadt. Die Himmelsstegen – breite Wege aus Glas und Pflanzen, die die Türme verbanden – glitzerten, als hätten sie selbst gerade die Augen aufgeschlagen. Zwischen den Häusern glitten leise die Schwebebahnen, und über allem hing die helle Kuppel aus lichtdurchlässigem Material, die die Stadt gegen Stürme schützte und das Sonnenlicht lenkte.

„Guten Morgen, Stadt 2079“, murmelte Nila und grinste. Ihr kleiner Begleiter, ein Käferroboter namens Klick, kroch aus seiner Ladestation. Er hatte ein rotes Gehäuse mit silbernen Punkten und kleine Fühler, die im Takt seiner Laune wackelten.

„Status: Schlafmodus beendet. Energie: 94 Prozent. Laune: kribbelig“, piepte Klick.

„Kribbelig passt“, sagte Nila. „Heute will ich die neuen schwebenden Gärten sehen.“

Sie schnippte mit dem Finger gegen ein Blatt des Zitronenbaums auf dem Balkon, und ein dünner Duft stieg auf. Dann summte ihr Armband. Eine Nachricht blinkte: Unterrichtsstart verschoben. Grund: Zeitsignalstörung im Stadt-Koordinatennetz.

„Zeitsignalstörung?“ Nila zog die Augenbrauen hoch. „Dann kommen die Züge durcheinander?“

Klick streckte die Fühler. „Zeitsignale synchronisieren alles: Schwebebahnen, Lüftungen, Lampen, sogar die sprechenden Bäume im Park.“

„Die Bäume!“, rief Nila. Der Park auf der Nachbarplattform hatte Baumstämme mit Lautsprechern und Sensoren. Sie erzählten Geschichten, wenn Kinder darunter saßen. Wenn die Bäume keine Zeit hatten, gab es keine Guten-Morgen-Geschichten.

„Ich geh runter zu Opa“, entschied Nila und hüpfte in ihre Schuhe. Opa Jan war Uhrmacher gewesen. Nicht so einer mit Ruß in den Haaren und riesigen Glocken, sondern einer, der die kleinen, präzisen Dinge liebte: Federn, Zahnräder, die sanft in einandergriffen, und neuerdings auch Zeitsatellitenmodelle auf seinem Schreibtisch.

Der Fahrstuhl surrte durchs Gebäude, und als sich die Tür zur Werkstatt öffnete, klang es, als ob es regnete – aber es waren winzige Metallteile, die Opa in eine Schale fallen ließ.

„Nila“, sagte Opa ohne aufzusehen, „du bist früh. Oder sind wir zu spät?“

„Die Zeit spinnt“, sagte Nila. „Klick sagt, das Zeitsignal ist durcheinander.“

Opa zog eine Lupe aus dem Auge und blinzelte. Er hatte Lachfalten, die aussahen wie kleine Sonnenstrahlen. „Dass ich das noch erlebe. Die Stadt hat vergessen, auf die Uhr zu schauen.“

„Kann das passieren?“, fragte Nila.

„Es ist wie bei dir, wenn du zu lange dein Holo-Spiel spielst“, sagte Opa. „Manchmal verliert man das Gefühl. Aber keine Sorge. Die Stadt hat Sicherungen. Und den Zeitgarten.“

„Den Zeitgarten?“

Opa nickte. „Wo die Chrono-Spitze steht. Der Turm, der das Zeitsignal prüft. Früher hatte ich dort eine Drehbank. Komm, wir sehen uns das an.“

Klick piepte begeistert. „Abenteuerwert: 7 von 10.“

Nila zog sich ihre leichte Jacke aus recycelten Fasern an, und zusammen stiegen sie auf ein Stadtgleitbrett – ein langes, ruhiges Brett mit Griffen und einem freundlichen Schimmer. Es hörte auf Befehle und fuhr von selbst, wenn man die Balance hielt.

Sie glitten über die Himmelsstegen, an schimmernden Wasserkanälen vorbei. Drohnen summten, trugen Pakete, gossen Pflanzen. Aber irgendwo war eine andere Musik in der Luft: kleine Verzögerungen, ein Licht, das hier und da eine Sekunde zu spät anging, eine Bahn, die schief im Schacht hing.

„Wie in einem Orchester, in dem der Schlagzeuger husten muss“, flüsterte Nila.

Opa lachte sanft. „Gutes Bild, Kind.“

Kapitel 2: Der Zeitgarten erwacht

Der Zeitgarten lag wie ein grüner Kreis auf einem Dach, aus dem ein schlanker Turm wuchs: die Chrono-Spitze. Der Turm war nicht alt, aber er sah alt aus – mit kleinen Balkonen, runden Fenstern und einer Spitze, die in der Sonne glitzerte. An den Rändern des Gartens standen Bänke, und auf dem Rasen lagen ein paar schlafende Robo-Igel, die die Erde lockerten.

Ein Schild am Tor zeigte eine Meldung: Achtung, manuelle Kontrolle aktiv. Bitte warten.

„Manuelle Kontrolle?“, wiederholte Nila. „Heißt das, hier drinnen macht jemand die Zeit per Hand?“

„Naja“, sagte Opa, „manchmal braucht auch eine Stadt eine sanfte Erinnerung. Lass uns fragen.“

Sie drückten auf die Kontaktklingel. Ein paar Sekunden später knackte der Lautsprecher. „Chrono-Spitze. Wer stört unseren Kaffee?“

„Jan und Nila vom Sonnensteg“, sagte Opa. „Wir bringen gute Laune und eine alte Uhr.“

Die Tür öffnete sich summend. Eine Frau mit grauen Locken und gelben Schuhen winkte. Sie trug eine Jacke mit Taschen, aus denen Sensorstreifen und Stifte herausragten. „Ich bin Mira. Chrono-Operatorin. Oder Hausmeisterin der Zeit, je nachdem, wen man fragt.“

„Hausmeisterin der Zeit“, wiederholte Nila ehrfürchtig. „Können Sie die Zeit festhalten, wenn ich lange frühstücken will?“

Mira lachte. „Leider nicht. Aber ich kann dafür sorgen, dass sie gleichmäßig fließt. Tretet ein.“

Innen war es hell. Leitungen liefen wie silberne Lianen die Wände hinauf. Überall standen Anzeigen: Zahlenkolonnen, Diagramme, kleine Bilder von Orbital-Satelliten. In der Mitte des Raums stand ein Tisch mit einer Schale voller Äpfel und einer alten Tischuhr, die leise tickte.

„Also“, sagte Mira, während sie eine Anzeige tippte, „heute Nacht hatten wir einen Feuchteschwall. Die Stadt hat die Luft zusammengeschoben, damit der Regen genau dorthin fällt, wo wir ihn wollten. Hat geklappt. Aber eine unserer optischen Sensorflächen ist feucht geworden. Sie hat das Licht falsch gemessen. Seitdem will das System die Zeit so einstellen, als wäre es kurz nach Sonnenaufgang – für immer.“

„Das erklärt die müde Bahn“, sagte Nila. „Und warum die Bäume nicht erzählt haben. Es war für sie nie 'Zeit' dafür.“

„Genau“, sagte Mira. „Die Sicherung hat uns auf manuell geschaltet. Wir brauchen eine neue Kalibrierung. Normalerweise macht das die Oberfläche in der Kuppel über uns. Aber der Zugang ist kurz – sehr kurz – von innen… naja, rutschig.“

Nila stellte sich die glatte Röhre und die Höhe vor. Ihr Herz machte einen kleinen Hüpfer. „Wir können helfen“, sagte sie, bevor ihr Gehirn Zeit hatte, auf die Bremse zu treten.

Opa räusperte sich. „Meine Knie sind nicht mehr für Rutschbahnen. Aber ich habe Fingerspitzengefühl und eine Uhr.“ Er holte eine Taschenuhr hervor, deren Deckel vom Gebrauch glänzend stumpf war. „Die hat noch nie gelogen.“

Mira lächelte. „Ihr seid genau die Art von Besuch, die man an einem Zeitkuddelmuddel-Tag braucht. Kommt, ich zeige euch den Wartungsschacht. Und du, Kleine, brauchst gute Schuhe und Mut. Den Rest haben wir.“

Klick surrte. „Schuhstatus: griffig. Mutlevel der Nila: 9 von 10.“

„Psst“, zischte Nila, aber sie grinste dabei.

Kapitel 3: Die rutschige Röhre

Der Wartungsschacht sah aus wie das Innere eines musikalischen Instruments. Glatt, rund, mit Ringen aus lichtempfindlichem Material, das in mehreren Farben schimmerte. Am unteren Ende standen drei Reinigungsdrohnen in einer Ecke zusammen und sahen schuldbewusst aus. An ihrem Gehäuse klebten Schaumreste.

„Die wollten helfen“, erklärte Mira. „Sie haben geschrubbt und dabei die Sensorringe nass gemacht. Freundlich, aber fehl am Platz. Wir schalten sie kurz ab.“

Nila kniete sich neben den Schacht. Ein leiser Luftzug kam von oben. Es roch nach frischem Kunststoff und ein wenig nach Zitrone – Reinigungsmittel.

„Wir müssen bis zur Kalibrierfläche hoch“, sagte Mira. „Dort die Feuchtigkeit abwischen, den Sensor neu anstoßen und dann mit dem echten Sonnenlicht abgleichen. Ich hab Tücher, Magnet-Handschuhe und eine Halteschnur. Wer fühlt sich kletterig?“

„Ich“, sagte Nila, bevor ihre Vernunft wieder einhaken konnte. Sie war gut im Klettern. In den schwebenden Gärten gab es Wände aus Seilen und Netzen. Außerdem war Klick dabei. Und Opa.

„Ich sichere dich“, sagte Opa. „Und ich gebe dir den Takt. Eins, zwei, drei. Ruhig atmen. Nicht hetzen.“

Mira zog eine Kiste heran. Darin lagen Handschuhe mit kleinen Magneten in den Fingerkuppen, Tücher, Klemmen. Nila zog die Handschuhe an. Ihre Hände fühlten sich plötzlich stark an, als würden die Wände sie magisch mögen.

„Klick, du kommst mit“, sagte sie. „Du hältst das Tuch. Und du sagst 'Achtung', falls ein Tropfen so tut, als wäre er ein Komet.“ Klick befestigte sich an ihrer Schulter und klackte zustimmend.

Nila klippte die Halteschnur an ihren Gürtel, atmete tief ein und setzte ihre Hände an die Wand. Die Magneten machten ein leises Zing, als sie hafteten.

„Bereit?“, fragte Mira.

„Bereit“, sagte Nila.

Sie zog sich hoch, Hand um Hand. Der Schacht war nicht steil, eher wie eine schräge Wiese aus Metall. Durch ein kleines Fenster in der Decke fiel weißes Licht. Ab und zu glitt ein Tropfen an ihr vorbei. Wenn er die Sensorringe berührte, machte es ein kaum hörbares Summen, als würde jemand auf das falsche Piano drücken.

„Eins, zwei, drei“, kam Opa ruhig von unten. „Pause. Und wieder.“

Nila kicherte unerwartet, als ihr ein Tropfen auf die Nasenspitze fiel. „Das kitzelt!“

„Sachlich bleiben“, piepte Klick. „Tropfen sind kein Spielzeug.“

„Ich geh die letzte Strecke“, sagte Nila. Der Schacht weitete sich. Die Sensorfläche oben war ein rundes Fenster, auf dem feine Linien in Kreisen verliefen. Sie sah aus wie eine riesige Uhr, die ihre Zeiger verloren hatte.

„Klick“, flüsterte Nila, „Tuch bitte.“

Klick rollte das Tuch wie eine Flagge aus. Nila wischte vorsichtig, einmal, zweimal, dreimal, bis das Fenster klar war. Das Licht, das hindurchfiel, war jetzt klar und hart. Auf einem kleinen Display daneben blinkte eine Anzeige: Feuchtegrad sinkt. Warte auf Kalibrierbefehl.

„Okay“, rief Nila nach unten. „Ist sauber. Was jetzt?“

„Jetzt brauchst du den Kalibrierknopf“, rief Mira. „Rechts neben der Fläche ist eine kleine Klappe. Unter ihr ein grauer Knopf mit einer winzigen Sonne drauf.“

Nila tastete sich vor. Ihre Finger spürten eine Kante, dann die Klappe. Sie öffnete sie. Da war der Knopf. Er war staubig und sah aus, als hätte ihn seit Jahren niemand gedrückt.

„Ich drücke bei Null“, sagte Nila. „Sag mir, wann Null ist.“

„Ich sag die Null“, rief Opa. Er zog seine Taschenuhr heraus, hielt sie ans Ohr. „Achtung. Drei... zwei... eins... jetzt!“

Nila drückte. Der Knopf klickte. Die Anzeige sprang um, Lichter flammten auf wie bei einem Fest. Ein weiches Summen ging durch den Schacht, als ob er erleichtert ausatmete.

„Perfekt!“, rief Mira. „Jetzt komm langsam runter. Nicht eilen. Und keine Ehrenrunde.“

„Schade“, murmelte Nila. Aber sie war auch froh. Ihre Arme fühlten sich an wie Nudeln, die zu lange im Topf gewesen waren. Sie ließ sich Zentimeter für Zentimeter zurückgleiten, die Magneten in ihren Handschuhen halfen ihr, nicht zu rutschen. Als sie unten ankam, klatschten Opa und Mira.

„Hausmeisterin der Zeit“, sagte Nila atemlos, „ich habe ihre Rutschbahn geputzt.“

„Die Hausmeisterin der Zeit verneigt sich“, sagte Mira dramatisch. „Jetzt machen wir den Abgleich mit dem echten Himmel.“

Kapitel 4: Der Abgleich mit der Sonne

Mira führte sie in den oberen Raum, direkt unter der Spitze. Er war kleiner und hatte ringsum Fenster, durch die man die Stadt sah. Die Schwebebahnen schienen wieder schneller zu flitzen, das Licht auf den Dächern war gleichmäßiger.

In der Mitte stand ein Gerät, das aussah wie ein alter Globus, nur flacher. Eine Scheibe war darauf angebracht, und an ihrem Rand war ein feiner Zeiger. Daneben lag etwas, das Nila kannte: eine Pappscheibe mit Strichen und Zahlen – eine Sonnenuhr, nur als Bastelset.

„Das nennt man Analog“, sagte Opa stolz.

„Wenn der Himmel spinnt, hilft manchmal Papier“, sagte Mira. „Die Kuppel lässt das Sonnenlicht durch, aber der Sensor vertraut gerade nichts außer sehr einfachen Dingen. Wir stellen die Scheibe so ein, dass sie zu dem passt, was draußen ist. Nila, du darfst die Pappsonnenuhr halten.“

Nila nahm die Scheibe. Sie war warm von der Sonne, die durch das Fenster fiel. Sie hielt sie so, dass der Stab in der Mitte einen Schatten warf. Der Schatten fiel genau auf eine Markierung.

„Elf Uhr vierundzwanzig“, sagte Nila.

Opa sah auf seine Taschenuhr. „Elf Uhr vierundzwanzig“, bestätigte er.

„Gut“, sagte Mira. Sie drehte an dem flachen Globus. Das Gerät klickte in kleine Raster, als ob es zufrieden schnurrte. „Jetzt sagen wir dem System: Das ist die Wahrheit. Keine feuchte Linse, keine nervöse Drohne. Nur du und die Sonne.“

Ein weicher Ton erklang, als das Gerät den Abgleich annahm. Auf den Bildschirmen lief eine Reihe grüner Häkchen durch wie kleine Frösche.

„Zeitsignal stabilisiert“, verkündete eine ruhige Stimme aus dem Lautsprecher. „Stadtkoordination kehrt in 60, 59, 58 Sekunden zum Normalbetrieb zurück.“

„Yay!“, rief Nila und drehte sich einmal um die eigene Achse. „Das war fast zu leicht.“

„Warte“, sagte Mira und hob den Finger. „Wenn etwas zu leicht ist, kommt gleich die echte Aufgabe. Wir haben ein Problem.“

„Oh“, machte Nila automatisch, und Klick veränderte seine Augenfarbe von Gelb zu Grün. „Welches?“

„Während die Zeit unsicher war, haben sich viele Hilfsdrohnen ausgeschaltet. Sie sind vorsichtig und warten, bis alles stimmt. Wenn sie alle gleichzeitig starten, stürzen sie uns das Netz ab. Es ist wie, wenn zu viele Menschen gleichzeitig in den Fahrstuhl wollen.“

„Dann müssen sie nacheinander aufwachen“, sagte Nila. „Wie beim Staffellauf.“

„Genau“, sagte Opa. „Früher haben wir zur vollen Stunde die Glocke geläutet, und die Leute wussten, wann sie losgehen. Wir brauchen eine einfache, laute, klare Ansage, die überall ankommt.“

Nila sah aus dem Fenster, und die Stadt antwortete mit tausend kleinen Dingen: Klimatafeln, die blinkten; Bänder, die im Wind flatterten; Kinder, die auf dem Schulhof warteten. Sie stellte sich vor, wie die Hilfsdrohnen – kleine, flinke Dinger mit weichen Kanten – in ihren Stationen standen wie Pferde im Stall, bereit und doch still.

„Wir könnten den Schulband-Kanal nutzen“, sagte Nila. „Jeden Montag macht die Blaskapelle ein Übungssignal für Feueralarm. Das hört man überall. Was wäre, wenn wir eine simple Abfolge blasen: eins für Bereich Nord, zwei für Süd, drei für West, vier für Ost? Jede Drohne darf erst beim richtigen Ton starten.“

Mira blinzelte, dann strahlte sie. „Das ist... herrlich einfach. Keine Überladung. Keine komplizierte Software. Nur Töne und Reihen.“

„Und ich kenne Lu vom Schulband“, sagte Nila. „Sie liebt es, die Stadt mit Trompeten zu wecken.“

„Dann ruf sie an“, sagte Mira. „Ich stelle den Verbindungsplan um. Opa, bleibst du hier und zählst mit?“

„Darauf habe ich mein ganzes Leben gewartet“, sagte Opa schmunzelnd und schlug die Taschenuhr auf. „Ich gebe den Takt, und die Stadt tanzt.“

Kapitel 5: Die Stadt hört zu

Nila rannte den Turm hinunter und sprang auf das Gleitbrett. Klick klemmte sich an den Griff. Der Wind zupfte an ihren Haaren, während sie über die Himmelsstegen schoss. Unter ihr glitten die Kanäle wie breite Bänder. Sie sah, wie einige Drohnen aus ihren Boxen lugten, als hörten sie schon die Musik.

Vor der Schule herrschte ein aufgeregtes Durcheinander. Lehrerinnen sprachen mit den Kindern, manche saßen auf den Treppenstufen. Der ganze Hof war voller Stimmen, die alle ein bisschen höher waren als sonst.

„Lu!“, rief Nila, als sie die Tür zur Aula aufstieß. Der Klang von Blech und Holz und Trommeln schlug ihr entgegen. In der Mitte stand Lu, ein Mädchen mit kurzem Haar und einer Trompete, die so sauber glänzte, dass Nila ihr Gesicht darin sah.

„Nila!“, rief Lu. „Hast du den Alarm gehört? Ich dachte schon, wir spielen heute gar nicht.“

„Genau das brauchen wir“, sagte Nila. „Wir müssen die Stadt wecken. Aber in Reihen. Nord, Süd, West, Ost. Ein Ton, zwei Töne, drei, vier. Jede Drohne wartet auf ihren Ton.“

Lu setzte sich die Trompete an den Mund, dann hielt sie inne. „Und woher wissen die Drohnen, was Nord ist?“

„Sie wissen es“, sagte Nila. „Aber sie wissen nicht, wann. Das sagen wir ihnen.“

„Ich mag dieses 'Wir'“, sagte Lu. „Und wie laut?“

„So laut, dass selbst die staubigste Drohne im dunkelsten Schacht aufwacht“, sagte Nila. „Mira schaltet den Kanal frei.“

Als hätte die Zeit gewartet, kam jetzt Miras Stimme über die Aula-Lautsprecher. „Hier ist die Chrono-Spitze. Schulband, seid ihr bereit? Wir senden gleich auf Stadtkanal. Bitte nach dem Schema: eins – Nord, Pause, zwei – Süd, Pause, drei – West, Pause, vier – Ost. Wiederholen, bis ich Stopp sage.“

Lu nickte, ernst wie eine Kapitänin vor dem Sturm. „Band, Aufstellung!“

Die Kinder hielten ihre Instrumente bereit. Tom an der kleinen Trommel, Fenja am Saxophon, Meera an der Tuba. Nila stellte sich neben Lu und hielt das Mikrofon, das an den Stadtkanal angeschlossen war. Ihr Herz klopfte, aber es fühlte sich an wie ein guter Takt, nicht wie ein Durcheinander.

„Achtung, Stadt“, sagte Nila ins Mikrofon. „Hier spricht Nila vom Sonnensteg. Wir holen euch sanft zurück. Bitte warten und auf die Töne hören. Nord zuerst.“

Lu holte Luft, die Tuba brummte tief wie eine Katze, die einschläft, die Trommel zählte leise ein. Dann schmetterte die Trompete einen klaren, runden Ton, der durch die Lautsprecher fuhr, über die Dächer kroch und an den Wänden der Stadt entlangglitt. Er war warm und wach.

„Nord“, flüsterte Nila. „Jetzt Süd.“

Zwei Töne, mit einer Schere dazwischen so scharf, dass man sie sah. Dann drei Töne, dann vier. Die Kinder spielten, als hätten sie schon immer auf diesen Moment gewartet. Zwischen den Sequenzen waren Pausen – kleine, gespannte Inseln. In diesen Pausen passierte etwas.

Zuerst hörte man in der Ferne ein Summen, das wie eine Antwort klang. Dann sah Nila über den Bildschirm in der Aula, wie sich auf der Nordkarte kleine Punkte grün färbten: Drohnen in den Gärten, die wieder begannen, die Tomaten zu stützen, die Algenfilter in den Kanälen, die sich wieder sanft drehten, die Müllsammel-Roboter, die ihre Putzhände streckten.

„Süd“, flüsterte Mira über den Lautsprecher. „Gute Töne.“

Zwei Töne. Auf der Karte schob sich das Grün nach unten. In den Marktgassen erwachten Lieferdrohnen, hoben Kisten mit Brot, Gemüse, Obst. Eine fliegende Postkapsel schüttelte sich, als wäre sie eine Ente, und flog los.

„West.“ Drei Töne. Ein Windkraftsegel am Stadtrand entfaltet sich, als hätte es eine Decke abgelegt. Kleine Wetterstationen drehten sich.

„Ost.“ Vier Töne. Die Krankenstationen signalisierten, dass ihre Verbandsroboter bereit waren. Die Schulgärten begannen, ihre Wasserleitungen zu öffnen. Die sprechenden Bäume im Park testeten ihre Stimmen. Ein „Guten—“ verirrte sich durchs offene Fenster.

„Noch einmal“, sagte Mira, während Opa irgendwo in der Chrono-Spitze mitzählt und mit der Taschenuhr nickte.

Die Band spielte die Reihe, einmal, zweimal, dreimal, bis die Karte ganz grün war und die Stadt ein gleichmäßiges Atmen aufnahm. Dann sagte Mira endlich: „Stopp. Ausgezeichnet. Alle Systeme synchron. Zeitfluss stabil. Danke, Schulband. Und danke, Nila.“

Im Hof brach Jubel aus. Die Kinder stießen mit Wasserflaschen an, als wären es Kelche. Lu drückte Nila die Trompete in die Hand. „Probier du“, sagte sie.

Nila setzte an und brachte nur ein heiseres Quak hervor. Sie brach in Gelächter aus, und Lu auch.

„Nicht mein Instrument“, schnappte Nila, noch lachend. „Ich bleibe beim Gleitbrett.“

„Und beim Denken“, sagte Lu. „Das kannst du.“

Klick stupste Nila an. „Notiz: Nila rettete die Stadt mit Tuch, Uhr und Tönen.“

„Und mit Freunden“, sagte Nila. „Vergiss das nicht, Klick.“

Kapitel 6: Geschichten im Abendlicht

Am Abend war die Stadt weich und golden. Die Kuppel ließ das letzte Licht sanft auf die Dächer fallen. Nila saß mit Opa auf einer Bank im Park. Über ihnen flüsterten die Blätter, und die sprechenden Bäume räusperten sich.

„Liebe Kinder“, sagte der Baum neben ihnen in einer warmen Stimme, „heute erzählen wir eine besonders frische Geschichte. Sie handelt von der Zeit, die stolperte, und von einem Mädchen, das ihr die Hand hielt.“

„Das bist du“, flüsterte Opa, und Nila spürte, wie ihr Gesicht heiß wurde. Sie versteckte es halb hinter Klick, der sich sehr wichtig gab und die Fühler putzte.

Die Geschichte war freundlich und lustig, und an den richtigen Stellen lachten die Kinder, die auf den anderen Bänken saßen. Eine kleine mit Zöpfen klatschte, als der Teil mit der Rutschbahn kam. Ein Junge hielt gespannt die Luft an, als die Trompete den ersten Ton blies.

Als die Geschichte zu Ende war, klatschten alle. Einige der Robo-Igel drehten sich so schnell im Gras, dass sie aussahen wie Bälle.

„Weißt du, woran ich mich erinnere?“, sagte Opa leise, als sie nach Hause gingen. „Als Kind war ich bei meiner Oma im Dorf. Jeden Mittag läutete die Glocke, und alle wussten, wie spät es ist. Heute läuten keine Glocken, aber wir haben immer noch Zeichen. Und wir brauchen immer noch Menschen, die hören, fühlen, entscheiden.“

„Ich glaube, die Stadt mag es, wenn man an sie denkt“, sagte Nila. „So wie ein Fahrrad, das man ölt, damit es nicht quietscht.“

„Guter Vergleich“, sagte Opa. „Und du hast beschlossen, nicht zu warten, bis andere ölen.“

Klick sprang auf Nilas Schulter und flüsterte: „Energiereserven: 23 Prozent. Vorschlag: Nudeln.“

„Nudeln“, bestätigte Nila. „Mit Tomatensauce. Und erzählen. Wir erzählen Mama und Papa alles. Und ich will lernen, wie man eine Sonnenuhr bastelt. Und vielleicht... eine richtige Uhr.“

„Ich habe eine alte Werkbank, die auf dich wartet“, sagte Opa.

Zu Hause roch es tatsächlich nach Tomaten. Mama stand am Herd und wedelte mit einem Löffel wie mit einem Dirigentenstab. Papa hatte die Nachrichten auf stumm, aber die Bilder zeigte einen Turm, eine Trompete, ein Mädchen, das aussah wie Nila, nur etwas kleiner, weil die Kamera weit weg gewesen war.

„Unsere Heldin“, sagte Mama und zog Nila in eine Umarmung, die fest und weich zugleich war. „Du bist einfach losgelaufen, nicht wahr?“

„Ein bisschen“, sagte Nila. „Aber ich war nicht allein.“

Nach dem Essen setzte sich Nila an den Schreibtisch. Sie zeichnete die Chrono-Spitze, den Schacht, die Sensorfläche. Daneben malte sie einen Kreis und Striche wie bei einer Sonnenuhr. Klick sammelte Papierkrümel und sortierte Stifte nach Farbe.

„Was machst du da?“, fragte Papa.

„Ich baue mir meine eigene Zeit“, sagte Nila. „Nur so, zur Sicherheit.“

„Klingt vernünftig“, sagte Papa.

Als sie später im Bett lag, hörte Nila, wie die Stadt atmete. Es war ein tiefer, beruhigender Ton, der aus vielen kleinen Geräuschen bestand. Ein Luftfilter hier, ein Wasserlauf dort, das ferne Summen einer Schwebebahn. Mit geschlossenen Augen sah sie den Wartungsschacht, fühlte die Magneten an den Fingern, hörte die Trompete.

„Klick?“, flüsterte sie.

„Ja?“

„Glaubst du, die Zeit hört manchmal zu?“

Klick überlegte. „Sie ist immer da. Aber heute hat sie gewinkt.“

Nila lächelte in die Dunkelheit. „Dann winke ich zurück.“

Draußen über der Stadt blinkte die Chrono-Spitze ein kleines, kaum sichtbares Licht, ein Herzschlag in der Höhe. Und überall in den Häusern schliefen Menschen, die wussten, dass die Zeit weiterlief, ruhig und gleichmäßig, wie der Atem der Stadt. Nila schlief ein mit dem Gefühl, dass große Dinge manchmal mit kleinen Lösungen beginnen: einem Tuch, einem Knopf, einem Ton – und der Idee, dass man helfen kann.

Am nächsten Morgen weckte sie ein warmes Licht. Der Balkon duftete nach Zitronen. Die Schwebebahnen zogen ihre Spuren wie Linien in einem Notenblatt. Nila stand auf, klopfte Klick sanft gegen den Rücken und sagte: „Guten Morgen, 2080. Was machen wir heute?“

„Alles“, sagte Klick. „Aber nacheinander.“ Und Nila lachte, zog ihre Schuhe an, und die Stadt lachte leise mit.

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Das Quiz: Hast du die Geschichte gut verstanden?

Himmelsstegen
Breite Wege aus Glas und Pflanzen, die zwischen den Türmen einer Stadt verlaufen.
Chrono-Spitze
Der Turm, der das Zeitsignal prüft und die Zeit in der Stadt reguliert.
Zeitsignal
Ein Signal, das anzeigt, wie spät es ist und die verschiedenen Systeme in einer Stadt synchronisiert.
Kalibrierung
Der Prozess, bei dem ein Gerät so eingestellt wird, dass es genau funktioniert und korrekte Messungen liefert.
Analog
Eine Art der Darstellung, bei der Werte kontinuierlich und nicht in diskreten Schritten dargestellt werden, wie bei einer klassischen Uhr.
Sonnenuhr
Ein Gerät, das die Zeit anzeigt, indem es den Schatten eines Stabes nutzt, der auf eine skalenartige Fläche fällt.

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