Teil 1
Kleiner Hase Momo wacht auf. Die Sonne kitzelt seine Nase. Die Blumen nicken. Momo hüpft aus dem Bau. Heute ist Spieltag im Wald. Alle Tiere kommen.
Momo sieht Lilli, das Reh. Lilli hat einen neuen Ball. Er glänzt rot und rund. „Oh“, denkt Momo. Sein Bauch fühlt sich schwer. Ein seltsames Ziehen macht sich breit. Es ist Eifersucht. Momo weiß das Wort noch nicht gut. Es fühlt sich groß und laut an.
Momo versucht zu spielen. Aber sein Herz klopft schnell. Seine Pfoten bleiben stehen. Er schaut zum Ball. Lilli lacht. Der Hase will auch lachen, doch es wird still in ihm. Momo fühlt sich klein.
Teil 2
Momo geht zu seiner Mutter. Sie sitzt im Gras und strickt kleine Karottenmützen. „Mama“, sagt Momo leise. „Ich habe ein Gefühl. Kannst du mir zuhören?“ Seine Stimme zittert nicht viel. Er ist mutig.
Die Mutter legt das Strickstück beiseite. Sie schaut Momo mit warmen Augen an. „Komm her“, sagt sie. „Erzähl mir.“ Momo setzt sich. Er zeigt auf den roten Ball. „Ich will auch so einen Ball. Ich fühle etwas, das zieht in mir. Es tut nicht weh, aber es ist laut.“
Die Mutter nickt. „Das ist Eifersucht“, sagt sie sanft. „Sie ist wie eine kleine Wolke, die manchmal im Herzen sitzt. Sie will gesehen werden.“ Momo lauscht. Seine Ohren werden groß. Er fühlt sich verstanden.
„Wenn du willst, können wir die Wolke anschauen“, schlägt die Mutter vor. „Wir atmen zusammen. Wir hören zu. Dann sieht die Wolke anders aus.“ Momo nickt. Er mag das Bild von der kleinen Wolke.
Sie gehen zu einem Baum. Die Mutter zeigt Momo, wie er tief einatmet. „Einatmen, drei Sekunden.“ Momo zählt im Kopf. „Ausatmen, langsam.“ Die Wolke in ihm wird kleiner, sagt Momo leise. Die Mutter lächelt.
Dann spielen sie ein kleines Spiel. Sie legen Bilder auf den Boden: Ball, Blume, Buch. Momo darf jedes Bild berühren und sagen, wie es sich anfühlt. Beim Ball sagt Momo: „Ich will auch mutig sein.“ Beim Buch sagt er: „Ich mag still lesen.“ Die Mutter hört zu. Sie stellt Fragen mit sanfter Stimme. „Was brauchst du gerade, Momo?“
Momo überlegt. „Ich brauche Zeit, damit du mir zuhörst. Dann kann die Eifersucht leiser werden.“ Seine Stimme wird klarer. Eratzt nicht gemein. Er ist ehrlich. Die Mutter nickt wieder. „Du darfst immer fragen. Zuhören ist ein Geschenk.“
Die anderen Tiere kommen dazu. Lilli setzt sich leise neben Momo. „Tut mir leid“, sagt sie. „Ich wollte nicht, dass du dich klein fühlst.“ Momo schaut Lilli an. Seine Augen sind weich. „Ich war eifersüchtig“, sagt er. Lilli nimmt Momo an die Pfote. „Komm, wir teilen den Ball.“ Momo fühlt, wie sein Herz warm wird.
Teil 3
Sie spielen zusammen. Der Ball rollt und hüpft. Momo lacht laut. Die Wolke in ihm ist nun wie ein kleiner Wattebausch. Manchmal kommt sie noch kurz, wenn ein anderer lacht. Dann atmet Momo tief. Er sagt: „Kannst du mir zuhören?“ Und jemand hört ihm zu. Das hilft.
Am Abend sitzt Momo wieder im Bau. Die Mutter legt eine Decke über ihn. „Du hast heute etwas Wichtiges gemacht“, flüstert sie. „Du hast deine Gefühle gezeigt. Du hast um Zeit gebeten. Du hast zu dir selbst gehalten.“ Momo fühlt sich stolz. Seine Pfoten sind ruhig.
Die Nacht ist leise. Die Sterne zwinkern. Momo legt seinen Kopf auf ein Kissen. Er denkt an die kleine Wolke. Sie ist jetzt weich und freundlich. Wenn sie kommt, weiß er, was zu tun ist. Atme tief ein. Atme langsam aus.
Momo schließt die Augen. Er fühlt Vertrauen in sich. Er weiß: Gefühle dürfen sein. Er kann sie benennen. Er kann um Zuhören bitten. Das macht ihn stark.
Momo atmet noch einmal tief ein und lächelt.