Morgen im Zimmer
Lina sitzt auf dem Teppich. Sie ist vier. Draußen piept ein Vogel. Drinnen ist es warm. Lina hat ein Blatt und bunte Stifte. Ihre Mutter sagt: "Du darfst malen, mein Schatz." Lina atmet tief. Heute fühlt sie eine kleine Traurigkeit im Bauch. Sie kennt das Gefühl nicht genau. Es fühlt sich wie ein schwerer Keks in der Mitte ihres Bauches an.
Lina sagt flüsternd: "Ich will es zeichnen." Sie legt das Blatt auf den Boden. Die Stifte glitzern in der Sonne. Blau, Grau, ein bisschen Gelb. Lina denkt an den Keks im Bauch. Sie nimmt den blauen Stift.
Auf der Suche nach dem Gefühl
Lina malt einen Kreis. Der Kreis ist weich. Dann malt sie Linien, die wie Tropfen aussehen. "Das sind meine Tropfen", erklärt sie. Ihre kleine Katze Mimi schnurrt und setzt sich neben sie. Lina lächelt ein wenig. "Siehst du, Mimi, das ist meine Traurigkeit", sagt sie. Mimi schaut mit großen Augen.
Lina fragt ihre Mutter: "Warum habe ich diesen Keks im Bauch?" Die Mutter setzt sich neben sie. "Manchmal haben wir dieses Gefühl, wenn etwas anders ist oder wenn wir etwas vermissen", erklärt sie leise. "Es ist okay. Du kannst es anschauen und hören, was es sagt."
Lina überrascht sich. Sie nimmt einen gelben Stift und malt einen kleinen Sonnenschein in eine Ecke des Bildes. "Ich mache Platz für Wärme", sagt sie stolz. Dann legt sie das Ohr nah an das Blatt. Sie stellt sich vor, sie könnte hören, wie die Traurigkeit flüstert. Vielleicht sagt sie: "Ich bin da, aber ich werde nicht bleiben." Lina nickt. Das macht sie ruhig.
Sie zeichnet eine Tür am Rand des Bildes. "Wenn die Traurigkeit klopft, darf sie hereinkommen und wieder hinausgehen", sagt Lina. Ihre Linien werden langsam leichter. Ihre Hand zittert nicht mehr so sehr.
Abendliche Ruhe und Stolz
Am Abend hängt Lina das Bild an die Kinderzimmerwand. Das Bild hat blaue Tropfen, einen kleinen Keks, eine sonnige Ecke und eine Tür. Die Lampe macht einen warmen Kreis auf dem Boden. Lina legt sich ins Bett. Ihre Mutter zieht die Decke bis zur Schulter.
"Du hast mutig gemalt", flüstert die Mutter. Lina fühlt sich warm im Herzen. Sie denkt an den Keks im Bauch. Er ist kleiner geworden. Nicht weg, aber leiser. Lina schließt die Augen. Sie atmet tief, wie beim Malen.
Bevor sie einschläft, sagt sie leise: "Gute Nacht, Traurigkeit. Danke, dass ich dich sehen durfte." Ein kleines Lächeln spielt auf ihren Lippen. Sie fühlt eine stille, kleine Stolz. Sie hat ihre Traurigkeit gemalt und nun ist sie ein Freund, den sie verstehen kann.