Mira war eine junge Frau mit kurzen Haaren und einem ruhigen Lächeln. Sie lebte in einer Stadt, in der die Nacht nie ganz dunkel war, weil am Himmel oft kleine Satelliten blinkten. Mira arbeitete auf einem Raumhafen. Dort roch es nach sauberem Metall und warmem Tee.
An diesem Morgen stand ihr Schiff bereit. Es hieß „Lichtfeder“. Es war nicht riesig, aber sehr klug. An der Seite glänzten Fenster wie runde Tropfen. Neben Mira warteten zwei Crew-Freunde: der Techniker Jano und die Pilotin Sela. Und natürlich war da Nox, der kleine Service-Roboter. Nox hatte weiche Rollen und Augen, die freundlich blau leuchteten.
„Bereit?“ fragte Sela.
„Bereit“, sagte Mira. Sie legte die Hand auf das Bedienfeld. Es fühlte sich glatt an, wie ein Stein im Fluss.
„Startprozedur“, sagte Nox. „Gurt prüfen. Luft prüfen. Lächeln prüfen.“
Mira lachte leise. „Lächeln ist da.“
Das Schiff summte. Erst leise, dann ein bisschen lauter. Dann glitt es nach oben, ganz sanft, als würde es von unsichtbaren Händen getragen. Die Erde wurde kleiner. Wolken wurden zu Watte. Das Meer wurde zu blauem Stoff.
Im All war alles still. Nicht traurig still, eher wie beim Einschlafen. Sterne standen überall. Mira schaute lange hinaus. „So viel Platz“, flüsterte sie.
„Und trotzdem sind wir zusammen“, sagte Jano. Er reichte ihr eine kleine Trinkkugel mit Wasser. Mira nahm einen Schluck. Es schmeckte frisch, wie Zuhause.
Ihr Ziel war eine Forschungsstation weit weg. Dort gab es einen großen, klaren Kuppel-Dom. Unter dem Dom sollte eine kleine, echte Flusslandschaft sein. Die Station hieß „Aurum“. Sie sammelte Licht und Wärme und machte daraus Luft, Wasser und Pflanzen. Es klang wie ein Wunder, aber es war gute Technik und viel Teamarbeit.
Als sie sich der Station näherten, blinkte ein ruhiges grünes Licht. „Andocken erlaubt“, sagte die Station mit einer freundlichen Stimme aus dem Funk.
Sela steuerte vorsichtig. Mira beobachtete die Anzeigen: Druck, Abstand, Geschwindigkeit. Alles war einfach dargestellt, mit Farben und kleinen Symbolen. Grün war gut. Gelb war vorsichtig. Rot kam heute nicht vor.
„Andockhaken ausfahren“, sagte Mira.
„Andockhaken ausgefahren“, antwortete Nox.
Ein sanftes „Klick“. Dann noch ein „Klick“. Das Schiff hielt fest. Mira atmete aus. „Gute Arbeit, alle.“
In der Station roch es nach warmem Holz und nach Blättern. Das war erstaunlich im All. Ein Team begrüßte sie: die Stationsleiterin Omae mit einem hellen Schal, und zwei Forschende, Timo und Leen. Alle winkten.
„Willkommen auf Aurum“, sagte Omae. „Kommt, wir zeigen euch den Dom.“
Sie gingen durch einen hellen Gang. Über ihnen liefen Lichtlinien wie kleine Sterne. Mira hörte das Summen von Maschinen, aber auch ein leises Plätschern. Es klang wie ein Geheimnis, das man teilen darf.
Dann öffnete sich eine Tür, und Mira blieb stehen. Vor ihr war der Dom. Er war groß und rund. Oben war klares Glas, durch das man den Sternenhimmel sehen konnte. Und darunter floss ein Fluss. Das Wasser war so klar, dass man die runden Steine sehen konnte. Kleine Pflanzen wuchsen am Ufer. Alles war ruhig und lebendig.
„Wow“, sagte Mira.
„Der Fluss hilft uns“, erklärte Omae. „Er bewegt das Wasser, er kühlt, er macht die Luft feucht. Und er macht uns froh.“
Mira kniete sich hin. Sie hielt ihre Hand über das Wasser. Es sah aus wie flüssiges Licht. Nox rollte neben sie.
„Wasser: sauber“, sagte Nox. „Geräusch: beruhigend.“
Plötzlich blinkte an Miras Armband ein gelbes Symbol. Nur gelb, nicht rot. Mira blieb ruhig. „Ein Sensor meldet: Wasserfluss etwas zu langsam.“
Leen nickte. „Das kann passieren, wenn ein Filter müde wird.“
„Dann machen wir das zusammen“, sagte Mira. „Nicht schnell, sondern ordentlich.“
Sie setzten kleine Schritte. Jano öffnete eine Klappe am Rand. Timo reichte ein neues Filterstück. Sela hielt die Lampe, damit alle gut sehen konnten. Nox zählte: „Eins. Zwei. Drei.“ Mira setzte das Teil ein, drehte es fest, so wie in der Anleitung. Alle schauten auf die Anzeige.
Das Symbol wurde grün.
„Geschafft“, sagte Leen.
„Geschafft, weil wir ein Team sind“, sagte Mira.
Später saßen sie am Fluss unter dem Dom. Sie tranken warmen Kräutertee aus sicheren Bechern. Der Himmel über ihnen war schwarz und voll von Sternen, aber hier unten war es hell und freundlich. Mira spürte die Wärme der Station und hörte das Plätschern. Es klang wie ein ruhiges Lied.
„Wir sollten ein Debriefing machen“, sagte Mira. „Ganz einfach. Was war gut? Was lernen wir?“
Alle nickten. Omae holte ein kleines Board. Mira sprach klar und sanft: „Gut war: ruhiger Start. Gutes Andocken. Gute Zusammenarbeit. Lernen: Filter früher prüfen.“
Sela sagte: „Und Pausen machen.“
Jano sagte: „Und immer Wasser trinken.“
Nox sagte: „Und Lächeln prüfen.“
Alle lachten leise. Mira schaute in den klaren Fluss. Sie sah ihr eigenes Gesicht und dahinter die Sterne, gespiegelt im Wasser. So weit weg und doch so nah.
„Morgen fliegen wir zurück“, sagte Omae. „Aber heute gehört uns der Fluss.“
Mira legte ihre Hand auf den warmen Boden. „Heute sind wir sicher“, sagte sie. „Heute sind wir zusammen.“
Der Fluss floss ruhig weiter, klar unter dem großen Dom, und die Station summte wie ein freundlicher Schlafton im weiten, stillen All.