Hexe Mimmi wohnte in einem kleinen Haus am Waldrand. Das Haus war bunt. Es roch nach Zimt und Apfeltee. Mimmi hatte einen spitzen Hut. Der Hut war ein bisschen schief. Mimmi lachte oft. Sie half gern.
Eines Morgens klopfte es leise. "Klopf, klopf." Vor der Tür stand Kiki, die kleine Katze. Kiki sah traurig aus. Ihre Ohren hingen. Ihre Augen waren müde. "Ich habe so viele Gedanken", sagte Kiki. "Sie kitzeln im Kopf. Sie rennen herum. Ich weiß nicht wohin mit ihnen."
Mimmi setzte sich. "Komm hinein", sagte sie. "Wir räumen deinen Kopf auf." Kiki trat ein. Sie schüttelte die Pfoten. Ein kleines Papierflöckchen fiel auf den Boden. "Oh", sagte Kiki, "das war einer meiner Gedanken." Mimmi lächelte. "Dann fangen wir die Gedanken. Ganz sacht."
Mimmi zog ein Töpfchen aus ihrem Schrank. "Das ist mein Ruh-Töpfchen", flüsterte sie. Das Töpfchen war blau und hatte Punkte. Mimmi rührte mit einem Löffel. "Zuerst singe ich ein Lied", sagte sie. Sie summte leise. "Summ, summ, Ruhe kommt." Kiki hörte zu. Ihre Atmung wurde langsam. Die Gedanken wurden kleiner. Aber dann — puff! — ein Gedanke hüpfte aus Kikis Ohr wie ein kleiner Frosch. Er machte "plitsch" auf Mimmis Tisch.
"Hoppla", lachte Mimmi. "Ein hüpfender Gedanke." Sie nahm den Frosch-Gedanken. Er war grün und frech. Kiki kicherte leise. "Er will spielen", sagte der Gedanke. Mimmi setzte ihn in eine Schale. "Noch nicht. Erst aufräumen."
Mimmi griff nach ihrem Zauberbesen. Der Besen nieste. "Hatschi!" Der Besen putzte nicht die Stube. Er putzte die Gedanken. Er pustete Luft. Plötzlich flogen kleine bunte Kugeln durch die Luft. Gedankenkugeln. Gelb, blau, rosa. Sie klingelten wie Glöckchen. Kiki sprang auf. "Aha", sagte sie. "Meine Gedanken sind wie bunte Kugeln." Mimmi nickte. "Dann fangen wir die Kugeln."
Sie sang ein anderes Lied. "Fang die Kugel, leg sie sanft." Mimmi und Kiki fingen Kugeln. Sie sammelten sie in Körbe. Manche Kugeln kicherten. Manche Kugeln flüsterten leise Wünsche: "Möchte spielen", "Möchte schlafen", "Möchte wissen wie hoch der Baum ist". Mimmi hörte zu. "Du musst nicht alles jetzt machen", sagte sie. "Papier und Platz für später." Kiki nickte. Sie atmete tief ein. Die Luft schmeckte nach Apfel.
Dann geschah ein kleines Malheur. Mimmi kippte unabsichtlich das Ruh-Töpfchen. Ein Silberstaub wirbelte auf. Der Silberstaub wirkte wie Kitzel. Er setzte sich auf Mimis Hut. Der Hut begann zu tanzen. "Tanz, Tanz!" rief der Hut und drehte sich. Mimmi und Kiki lachten. Der Hut schnippten mit den Zipfeln und machte Purzelbäume. "Oh je", sagte Mimmi und lachte. "Mein Hut hat jetzt gute Laune." Kiki lachte laut. Der Lacher war warm. Ein kleines, müdes Gedankenkügelchen schmolz wie Butter.
Mimmi klopfte sich auf die Schürze. "Nicht alles auf einmal", sagte sie. "Ein Gedanke nach dem anderen." Sie streute ein wenig von dem Silberstaub auf eine kleine Schale. Der Staub funkelte wie Mondlicht. "Das ist Beruhigungspulver", erklärte sie. "Es hilft, die lauten Gedanken flach und leise zu machen." Mimmi pustete sacht. Der Staub tanzte wie winzige Glühwürmchen. Er legte sich wie ein warmes Tuch auf Kikis Kopf.
"Ich fühle mich leichter", flüsterte Kiki. Die Kugeln wurden ruhiger. Die bunten Kugeln verwandelten sich langsam in kleine Schmetterlinge. Sie flatterten umher, dann setzten sie sich leise auf den Fensterbank. "Kommt später wieder", flüsterte einer. "Wir spielen dann", piepste ein anderer. Kiki lächelte. Mimmi reichte ihr eine Tasse Apfeltee. "Trink", sagte sie. "Und atme." Kiki trank. Tee schmeckte nach Sonne und Honig.
Die Nachbarin, Frau Eule, klopfte an. "Wie geht es Kiki?" fragte sie. "Gut", sagte Mimmi. "Sie ordnet gerade ihre Gedanken." "Das ist klug", sagte Frau Eule. "Ich habe auch manchmal viele Gedanken." Frau Eule lächelte. Sie setzte sich dazu. Bald saßen sie alle am Tisch. Sie hörten den Regen. Sie hörten das Knistern des Feuers. Und sie hörten die leise Musik, die Mimmis Löffel machte, wenn er in der Tasse drehte.
Mimmi zeigte Kiki eine Schachtel. "Für die Dinge, die warten können", sagte sie. "Du legst hinein: 'Später spielen', 'Später fragen', 'Später probieren'." Kiki legte eine kleine Kugel hinein. "Für morgen", sagte sie. Dann legte sie eine große Kugel hinein. "Für ein anderes Mal", sagte sie und lächelte.
Am Ende war Kikis Kopf hell und ruhig. Es waren noch ein paar kleine Schmetterlinge da. Sie flogen leise wie Atemwolken. Kiki streichelte ihren Bauch. "Danke, Mimmi", sagte sie. Ihre Stimme war weich. "Danke für das Aufräumen." Mimmi hob die Hand. Auf ihrer Hand erschien ein kleiner Silberstern. Er funkelte. Kiki sah hin. Das Funkeln wurde ein Wort. Es glitzerte in der Luft.
"Danke", sagte Kiki noch einmal. Das Wort glänzte wie ein Stück Sonne. Es schwebte langsam nach oben. Es funkelte. Alle sahen zu. "Danke", glitzerte es, und dann löste es sich in warmes Licht. Mimmi und Kiki umarmten sich. Es war ruhig. Es war still. Es war schön.
Die Nacht kam leise. Kiki ging nach Hause. Ihr Kopf war leicht wie eine Feder. Sie winkte. "Gute Nacht", rief sie. "Bis morgen." Mimmi schloss die Tür. Sie setzte den Hut auf, der immer noch leise schnurrte. Dann flüsterte sie ein Lied. "Schlaf gut, kleiner Kopf. Träume leise." Und draußen, am Waldrand, leuchtete für einen Augenblick das Wort "Danke" wie ein kleiner Stern.