Milo war drei Jahre alt und ein Zauberlehrling. Er trug einen viel zu großen Hut. Der Hut rutschte immer: plopp, auf die Nase. Milo kicherte. „Hut, bleib oben!“
Heute wollte Milo etwas ganz Ruhiges üben. Oma Hexe Alma sagte immer: „Ruhig zaubern ist wie leise atmen.“ Milo mochte leise atmen. Er mochte auch Kekse.
In der Hexenküche duftete es nach Vanille. Auf dem Tisch standen drei Dinge: ein Löffel, eine Tasse und ein kleiner Besen. Der Besen war so klein, dass er eher kitzelte als fegte.
„Wir machen einen Friedens-Zauber“, sagte Oma Alma. „Der macht das Herz weich und den Kopf still.“
„Still wie ein Kissen?“ fragte Milo.
„Ja, still wie ein Kissen“, sagte Oma Alma und zwinkerte.
Milo stellte sich ganz gerade hin. Der Hut machte wieder: plopp. Milo zog ihn hoch. „Ich bin bereit!“
Oma Alma legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Zauberregel Nummer eins: Wenn etwas schiefgeht, bleiben wir freundlich. Und wir sagen ehrlich: Es tut mir leid.“
Milo nickte sehr ernst. Dann grinste er. „Und dann gibt es Kekse?“
„Vielleicht“, sagte Oma Alma.
Milo nahm den Löffel. „Abraka… brumm?“ sagte er.
„Abrakadabra“, half Oma Alma.
„Abra-ka-da-bra!“ sagte Milo. Er rührte in der leeren Tasse, als wäre Suppe drin. „Bitte, Frieden im Bauch!“
Ein winziger Funken sprang aus dem Löffel. Pffft! Der Funken landete auf dem kleinen Besen.
Der Besen zuckte. Dann wackelte er. Dann hüpfte er. Er hüpfte wie ein Frosch. Boing! Boing! Boing!
„Oh!“ sagte Milo. „Besen ist ein Frosch?“
Der Besen rief: „Quiek!“ Nein, er quiekte nicht. Er machte: „Biiiip!“ Wie ein Spielzeug.
Oma Alma lachte leise. „Er ist kein Frosch. Er ist ein… Hüpfe-Besen.“
Der Hüpfe-Besen hüpfte über den Tisch. Boing! Und plopp: in die Mehl-Schüssel. Puff! Eine Mehl-Wolke stieg auf. Milo sah aus wie ein kleiner Schneemann. Nur die Nase war noch zu sehen.
Milo blinzelte. „Ich sehe aus wie Zucker.“
„Sehr süß“, sagte Oma Alma und klopfte ihm vorsichtig das Mehl vom Hut. Der Hut machte: plopp.
Der Hüpfe-Besen hüpfte weiter. Boing! Er landete auf einem Topfdeckel. Ding-dong! Der Deckel klang wie eine Glocke. Der Deckel klang so lustig, dass Milo lachen musste. Sein Lachen war wie kleine Seifenblasen.
„Stopp, Besen!“ rief Milo. „Bitte stopp!“
Der Besen hüpfte trotzdem. Boing! Boing! Er hüpfte an die Wand und zurück. Boing!
Milo atmete ein. Er wollte ruhig bleiben, wie ein Kissen. Doch sein Bauch kitzelte vor Aufregung.
„Ich glaube, ich habe zu doll gerührt“, sagte Milo.
„Das kann passieren“, sagte Oma Alma freundlich. „Was sagt man dann?“
Milo schaute den Besen an. Der hüpfte und machte: „Biiip!“
Milo legte seine Hand aufs Herz. „Es tut mir leid, kleiner Besen. Ich wollte Frieden zaubern, nicht Hopsen.“
Der Besen hielt kurz inne. Nur kurz. Dann hüpfte er weiter, aber etwas langsamer. Boing… boing…
Oma Alma nickte. „Deine Entschuldigung war echt. Das ist starke Magie.“
Milo wurde warm im Bauch. Er setzte sich auf einen Hocker. Der Hocker quietschte. Milo flüsterte: „Frieden im Bauch. Frieden im Bauch.“
Da sprang der Funken-Zauber noch einmal. Pffft! Diesmal traf er den Löffel.
Der Löffel wurde lang. Sehr lang. Er wurde so lang wie eine Schlange, aber ohne Zähne und ohne Angst. Er kringelte sich um Milos Arm und kitzelte ihn. Milo quietschte vor Lachen.
„Löffel, du bist aber frech!“ sagte Milo.
Oma Alma tat so, als wäre sie sehr streng. „Freche Löffel gehören in die Löffel-Ecke!“
„Welche Ecke?“ fragte Milo.
„Da!“ Oma Alma zeigte auf eine Ecke, in der eine Socke lag. Nur eine.
„Das ist die Socke-Ecke“, sagte Milo.
„Dann ist es heute eben die Socke-und-Löffel-Ecke“, sagte Oma Alma.
Milo lachte wieder. Der Besen hüpfte jetzt im Takt. Boing… ding… boing… ding… Es klang wie Musik.
„Milo“, sagte Oma Alma, „wir brauchen den Frieden-Zauber. Sonst tanzen hier gleich alle Töpfe.“
Milo schaute zu den Töpfen. Ein Topf wackelte schon ein bisschen, als ob er zuhören wollte.
Milo stellte beide Füße auf den Boden. Er legte die Hände auf seinen Bauch. „Bauch, sei ruhig“, sagte er. „Kopf, sei ruhig.“
Oma Alma sprach leise mit. „Wir atmen. Ein… aus.“
Milo atmete. Ein… aus. Sein Herz machte bum-bum, aber ganz freundlich.
Dann sagte Milo ganz ruhig: „Abrakadabra, bitte bitte. Alles wird sanft und leise.“
Er pustete vorsichtig in die Tasse. Nur ein kleiner Puster, wie beim Kerzen-Ausblasen, aber ohne Kerze.
Ein weicher Glitzer floss durch die Luft. Er sah aus wie goldener Staub. Er fiel auf den Hüpfe-Besen.
Der Besen machte noch ein letztes: boing. Dann stand er still. Ganz normal. Nur ein bisschen stolz.
Der lange Löffel wurde wieder kurz. Pling! Er lag brav auf dem Tisch, als wäre nichts gewesen.
Der Topf hörte auf zu wackeln. Die Küche war wieder ruhig. Ruhig wie ein Kissen.
Milo seufzte. „Puh.“
Oma Alma streichelte ihm über den Kopf, aber der Hut rutschte wieder: plopp. Milo zog ihn hoch. „Hut, bleib oben.“
„Du hast es geschafft“, sagte Oma Alma. „Und du hast dich entschuldigt. Das macht innen drin Frieden.“
Milo fühlte nach. Sein Bauch war warm. Seine Schultern waren weich. „Ich bin ganz still“, sagte er leise. „Wie ein Kissen.“
„Genau“, sagte Oma Alma. „Und jetzt räumen wir auf. Ganz gemütlich.“
Milo nahm den kleinen Besen. Diesmal fegte er wirklich. Er fegte das Mehl zu einem Häufchen. Das Häufchen sah aus wie ein Mini-Berg.
„Berg-Mehl!“ rief Milo. „Ich bin ein Berg-Zauberer!“
„Ein sehr ordentlicher Berg-Zauberer“, sagte Oma Alma.
Als alles sauber war, stellte Oma Alma einen Teller hin. Darauf lagen Kekse. Drei Stück. Rund und goldbraun.
Milos Augen wurden groß. „Für den Frieden?“
„Für den Frieden“, sagte Oma Alma. „Und für deine gute Entschuldigung.“
Milo nahm einen Keks. Er biss hinein. Knack. Er schloss die Augen. Er kaute langsam. Sein Bauch blieb ruhig. Sein Kopf blieb ruhig.
Der kleine Besen stand neben ihm, ganz brav. Milo flüsterte: „Danke, Besen.“
Der Besen sagte natürlich nichts. Aber er sah aus, als würde er lächeln.
Oma Alma und Milo saßen zusammen am Tisch. Draußen sang ein Vogel. Drinnen roch es nach Keksen. Milo lehnte sich an Oma Alma.
„Morgen zaubern wir wieder“, murmelte Milo.
„Ja“, sagte Oma Alma. „Aber erst schlafen wir. Mit Frieden im Bauch.“
Milo nickte. Sein Hut rutschte noch einmal: plopp. Milo kicherte ganz leise. Dann war alles still und schön.