Die Zaubercitadel und der verknotete Umhang
In einer Citadel, die von weicher, silberner Nebelwolle umhüllt war, lebte eine kleine, freundliche Hexe namens Mimmi. Mimmi hatte eine runde Nase, grüne Ringelsocken und einen Umhang, der immer ein bisschen zu lang war. Die Citadel war lustig: Die Wände kicherten, wenn man sie kitzelte, und die Türen öffneten sich nur, wenn man höflich „Bitte“ sagte.
An diesem Morgen war Mimmi sehr beschäftigt. Sie wollte ihren Umhang knoten, damit er nicht mehr über den Boden schliff. Mimmi mochte es nicht, wenn sie beim Zaubern über ihren eigenen Umhang stolperte. Also setzte sie sich auf einen weichen Nebelstuhl und begann, einen festen Knoten zu machen.
„Knoten, knoten, aber nicht verfloten!“, sang sie leise und lachte, als der Umhang sich plötzlich selbst einkringelte. Doch kaum hatte sie den Knoten fertig, passierte etwas Lustiges: Ihr Zauberstab hüpfte vor Freude auf dem Tisch herum! Plötzlich hörte Mimmi ein leises Kichern aus dem großen Spiegel neben dem Fenster.
Der freche Spiegel und ein kleiner Schreck
Mimmi stand auf und ging zum Spiegel. „Na, was ist denn so lustig, Spiegelfreund?“, fragte sie. Der Spiegel grinste breit und antwortete: „Du hast deinen Umhang so fest geknotet, dass du jetzt wie eine wandelnde Brezel aussiehst!“
Mimmi kicherte. Sie drehte sich im Kreis, und tatsächlich: Der Knoten war so dick, dass ihr Umhang in der Mitte einen riesigen Knubbel hatte. „Oh je!“, rief sie. „Jetzt komme ich bestimmt nicht mehr durch die Tür!“
Die Tür hörte das und rief: „Doch, doch, ich mache mich extra breit für dich, Mimmi!“ Die Tür dehnte sich und wurde ganz rund. Mimmi probierte es aus: Sie watschelte wie eine Ente durch die Tür, der Knoten schaukelte hin und her, und alle in der Citadel lachten.
Doch plötzlich rief der Spiegel: „Achtung! Dein Zauberhut rutscht!“ Mimmi griff schnell nach ihrem Hut, aber zu spät: Der Hut plumpste auf den Boden und rollte davon – direkt in den Nebelgang.
Die Suche nach dem Zauberhut
Mimmi lief dem Hut hinterher, ihr Umhangknoten wackelte. Im Nebelgang war es wie in einem Wattewunderland. Überall schwebten kleine Nebelmäuse, die leise piepsten und lustige Grimassen schnitten.
„Habt ihr meinen Hut gesehen?“, fragte Mimmi die Nebelmäuse. Sie kicherten und zeigten auf einen Spiegel an der Wand. Der Spiegel war rund und glänzte wie ein Pfannkuchen.
Mimmi schaute hinein – und da sah sie sich selbst, aber mit drei Hüten übereinander! „Das ist ja Quatsch!“, rief sie und winkte. Der Spiegel lachte und spuckte plötzlich einen Hut aus. „Hier, dein echter Hut!“, sagte der Spiegel freundlich.
Mimmi setzte ihren Hut auf und bedankte sich. „Du bist ein echter Zauberspiegel“, sagte sie. „Aber jetzt brauche ich noch einen Zauberspruch, um meinen Umhangknoten zu lösen. Sonst bleibe ich noch stecken!“
Die lustigen Zaubersprüche
Mimmi holte ihren Zauberstab, der noch immer auf dem Tisch herumhüpfte. „Jetzt ist Schluss mit dem Gehüpfe!“, sagte sie, und der Stab blieb brav stehen.
Sie überlegte. „Was reimt sich auf Knoten?“, murmelte sie. „Knoten, Flöten, Booten…“ Da hatte sie eine Idee!
Sie schwang ihren Zauberstab und rief: „Knoten, Knoten, sei nicht verboten! Öffne dich wie ein Zauberbooten!“
PENG! Der Knoten blubberte, der Umhang drehte sich einmal im Kreis – und war wieder ganz glatt. Mimmi hüpfte vor Freude. „Hurra!“, rief sie. Die Spiegel in der Citadel klatschten Beifall, die Tür machte einen Knicks, und die Nebelmäuse tanzten einen Ringelreigen.
Ein Stern, der wacht
Am Abend saß Mimmi auf dem Dach der Citadel. Der Nebel war jetzt ganz weich und schimmerte im Mondlicht. Mimmi schaute in den Himmel. Ein großer, goldener Stern blinkte freundlich zu ihr herunter.
„Danke, lieber Stern“, flüsterte Mimmi, „dass du immer auf mich aufpasst.“ Der Stern zwinkerte, als ob er sagen wollte: „Ich bin immer hier, wenn du mich brauchst.“
Mimmi kuschelte sich in ihren Umhang. Der war jetzt perfekt geknotet, nicht zu fest, nicht zu locker. Sie fühlte sich sicher und geborgen.
Und während die Citadel leise schnarchte und die Spiegel sanft glitzerten, schlief Mimmi ein. Der freundliche Stern wachte über sie – und über alle kleinen Hexen, die manchmal ein bisschen zu fest knoten, aber immer gut lachen können.