Kapitel 1
„Mama, ich will morgen nicht in den Kindergarten gehen“, sagt Mia leise und hält den Kopf gesenkt.
Mama kniet sich zu Mia hinunter und streicht ihr sanft über das Haar. „Warum möchtest du nicht gehen, Mia?“
Mia schaut Mama mit großen Augen an. „Ich habe Angst. Morgen darf ich ein Bild zeigen. Alle Kinder schauen mich dann an. Ich habe Angst, dass ich etwas Falsches sage.“
Mama lächelt warm. „Oh Mia, das verstehe ich. Es ist manchmal komisch, wenn viele Menschen zuhören. Was macht dir denn am meisten Angst?“
Mia überlegt kurz. „Dass ich vergesse, was ich sagen will. Oder dass ich mich verspreche. Dann lachen die Kinder vielleicht.“
Mama nimmt Mias Hände in ihre. „Weißt du, Mia, auch Erwachsene sind manchmal aufgeregt, wenn viele zuhören. Aber du bist nicht allein. Ich bin stolz auf dich, weil du es trotzdem versuchst.“
Mia flüstert: „Aber was, wenn ich es nicht schaffe?“
Mama drückt Mia sanft. „Du musst nicht alles perfekt machen. Es ist okay, wenn du mal einen Fehler machst. Die anderen Kinder machen auch Fehler. Und weißt du was? Die Erzieherin Frau Schmidt hilft dir.“
Mia nickt langsam. „Vielleicht kann ich üben?“
Mama strahlt. „Ja, das ist eine tolle Idee! Zeig mir doch mal dein Bild und erzähl mir, was du sagen möchtest.“
Mia holt ihr buntes Bild vom Tisch. „Das ist die Sonne. Und das ist unser Hund Bello. Und das ist der Baum im Garten.“
Mama schaut das Bild an. „Das ist wunderschön, Mia. Magst du mir erzählen, was Bello im Garten macht?“
Mia lächelt ein bisschen. „Bello spielt mit dem Ball. Er springt und rennt. Und ich werfe den Ball.“
Mama klatscht leise in die Hände. „Du hast das so schön erzählt! Wenn du das morgen den Kindern erzählst, freuen sie sich bestimmt.“
Mia schaut ihr Bild an. „Und wenn ich mich verspreche?“
Mama schüttelt den Kopf. „Dann ist das nicht schlimm. Du kannst einfach noch mal anfangen. Alle hören dir trotzdem zu, weil sie deine Geschichte hören wollen.“
Mia nickt. „Kannst du mit mir noch mal üben?“
Mama sagt: „Natürlich, Mia. So oft du möchtest.“
Kapitel 2
Am nächsten Morgen sitzt Mia auf ihrem Stuhl im Kindergarten. Das Bild hält sie fest in der Hand. Ihr Herz klopft ein bisschen schneller.
Frau Schmidt lächelt. „Mia, möchtest du uns heute dein Bild zeigen?“
Mia schaut zu Mama, die am Fenster winkt. Mia winkt zurück und steht langsam auf.
Alle Kinder schauen sie an. Mia atmet tief ein. Sie denkt an Mama und ihr Lächeln.
Mia hält ihr Bild hoch. „Das ist mein Bild. Das ist die Sonne. Und das ist mein Hund Bello. Er spielt mit dem Ball. Ich werfe den Ball, und Bello rennt.“
Frau Schmidt nickt freundlich. „Das hast du toll erzählt, Mia!“
Ein Junge ruft: „Ich habe auch einen Hund!“
Ein anderes Mädchen sagt: „Die Sonne auf deinem Bild ist ganz gelb!“
Mia lächelt vorsichtig. „Danke. Mein Hund ist sehr lieb.“
Frau Schmidt fragt: „Wie fühlt sich das an, Mia, wenn du vor allen sprichst?“
Mia denkt kurz nach. „Ich hatte Angst. Aber jetzt ist es schön. Die Kinder hören zu. Und ich kann noch mal erzählen, wenn ich will.“
Frau Schmidt nickt. „Du kannst immer erzählen, wenn du möchtest. Und wenn du Hilfe brauchst, sind wir alle da.“
Mia setzt sich wieder hin. Ihr Herz klopft jetzt ganz ruhig.
Kapitel 3
Nach dem Kindergarten kommt Mama und nimmt Mia in den Arm.
„Wie war es, Mia?“, fragt Mama leise.
Mia strahlt. „Ich habe mein Bild gezeigt. Ich hatte ein bisschen Angst. Aber dann war es gut. Die Kinder waren nett.“
Mama lächelt. „Ich bin sehr stolz auf dich, Mia. Du hast deine Angst angeschaut und warst mutig.“
Mia nickt. „Wenn ich noch mal Angst habe, erzähle ich es dir. Dann üben wir wieder zusammen.“
Mama drückt Mia fest. „Das machen wir, Mia. Zusammen bist du nie allein.“
Mia lächelt und denkt: „Ich kann das schaffen. Auch wenn ich mal Angst habe.“