Teil 1
Max ist vier. Max hat Haare wie ein Busch. Max hat Augen wie zwei Kullerbonbons. Max hat eine Mission. Max will die Kissenberge flach machen.
Zu Hause ist ein Berg. Ein Berg aus Kissen. Rot, blau, gelb. Weich wie Wolken. Hoch wie ein Schloss. Groß wie ein Berg im Zimmer.
Max schaut. Max kichert. "Das ist ein Kissenberg", sagt er. "Den muss ich platt machen." Seine Stimme ist klein. Sein Mut ist groß.
Die Mutter lächelt. "Pass auf", sagt sie. "Kissenberge sind manchmal listig." Max nickt. Er hat einen Plan. Ein Plan ist wichtig. Ein Plan ist auch ein bisschen magisch.
Teil 2
Max holt seinen Zauberstab. Er ist eigentlich ein Holzlöffel mit buntem Band. "Abraka-Knusper", flüstert er. Der Löffel glitzert. Nur ganz ein bisschen. Denn in diesem Haus ist Zauber sparsam. Zauber kann kichern.
Die ersten Kissen rollen. Plopp. Sie fallen auf den Boden. Max lacht. "Ha!", ruft er. Die Kissen lachen nicht. Sie sind still. Sie sind weich.
Plötzlich hüpft ein Kissen. Es springt auf Max Kopf. "Hey!", sagt das Kissen nicht. Aber es wackelt. Max kichert. Er streicht das Kissen ab. "Sei brav", sagt er. "Sei freundlich." Max stellt das Kissen in die Reihe.
Die Kissen haben Regeln. Nicht viele. Aber sie haben Regeln. Eine Regel ist: "Gib Platz." Eine andere ist: "Teile." Max versteht das. Er will gerecht sein. Gerecht sein ist warm wie Kakao.
Max trifft den Sockenwächter. Der Sockenwächter ist ein kleiner, frecher Socken. Er trägt einen Helm. "Wer bist du?", sagt Max. Der Socken hüpft. "Ich bin Wächter", piepst er. "Ich bewache verlorene Stifte." Max schaut den Socken an. "Kannst du helfen?", fragt Max. Der Socken nickt mit einem Bein. "Ich finde Dinge", sagt er.
Sie arbeiten zusammen. Max zieht, der Socken schiebt. Die Kissen geben langsam nach. "Noch ein bisschen", sagt Max. "Noch ein bisschen", sagt der Socken. Die Kissen rutschen. Ein Kissen macht Purzelbaum. Purzelbaum ist lustig. Alle lachen.
Ein kleines Kissen bleibt oben. Es sieht stolz aus. Es heißt König Kissen. Es hat einen Fleck wie eine Krone. "Ich bleibe hier", brummt König Kissen. Er klingt ein bisschen königlich. Max setzt sich hin. "Aber hier ist zu hoch", sagt er. "Du nimmst Platz weg." König Kissen schnaubt. Er ist stur. Max denkt an Gerechtigkeit. Gerechtigkeit bedeutet teilen.
Max flüstert dem König ein Lied. Das Lied ist süß und frech. Es geht so: "Flach, flach, mein Kissen ganz sacht." Der König wackelt. Er seufzt. Er rutscht. Plopp. Jetzt ist er unten. Alle Kissen rollen leise. Der Berg schrumpft.
Doch plötzlich wirbelt ein Wind. Nicht draußen. Im Zimmer. Ein kleiner, frecher Wind. Er ist aus Papier und Lachen gemacht. Er pustet die Kissen wieder hoch. "Nein!", sagt Max. Er läuft. "Stopp, Wind!" Der Wind kichert. Er ist zum Spielen da.
Max hat eine Idee. Er baut eine Mauer aus Socken. Socken sind weich. Socken sind stark, wenn sie sich zusammenstellen. "Alle Socken, helfen!", ruft Max. Die Socken kommen. Sie formen eine weiche Mauer. Der Wind prustet. Er sagt: "Das ist jedoch sehr gerecht." Er bleibt und hilft. Manchmal ist der Wind nett.
Teil 3
Die Kissenberge sind kleiner. Stück für Stück. Max ist müde. Seine Beine sind weich wie Pudding. Aber sein Herz ist heiß. Voll Mut. Voll Lachen.
Dann trifft Max die Kissenkönigin. Sie ist ein Kissen mit Punkten. Sie winkt mit einer Ecke. "Warum bist du so mutig?", fragt sie mit sanfter Stimme. Max zuckt die Schultern. "Ich mag Ordnung", sagt er. "Und ich mag, wenn jeder genug Platz hat." Die Kissenkönigin nickt. "Gerecht", sagt sie. "Das mag ich."
Sie machen einen Plan für alle. Ein Platz für spielen. Ein Platz für ruhen. Ein Platz für Geschichten. Jeder Kissenfreund bekommt einen Platz. Jeder Sockenwächter bekommt einen Job. Jeder Wind bekommt eine kleine Tür zum Durchpusten. So ist es gerecht. So ist es schön.
Die Kissen ordnen sich. Sie legen sich flach. Wie flache Wolken. Wie weiche Teppiche. Max springt. Er hüpft. Er macht die Kissen ganz platt. "Platt!", ruft er fröhlich. Die Kissen sind glücklich. Sie sumsen fast vor Zufriedenheit.
Die Mutter kommt. Sie setzt sich auf den Boden. "Gut gemacht", sagt sie. Sie klatscht in die Hände. Der Raum riecht nach Keksen. Alle kuscheln. Max legt sich auf seinen flachen Kissenplatz. Der Sockenwächter kuschelt bei den Füßen. Der Wind ruht hinter dem Vorhang. Die Kissenkönigin rollt sich zu einem gemütlichen Haufen.
Max schließt die Augen. Seine Mission ist erfüllt. Ein Berg wurde platt. Aber nicht nur das. Alle haben Platz. Alle sind gerecht behandelt. Alle lachen. Gerecht sein ist wie ein warmes Kissen.
Max murmelt noch: "Gute Nacht, Kissen. Gute Nacht, Wind." Das Zimmer ist still. Leise wie ein Pups. Leise wie ein Schnurren. Max schläft ein. Er träumt von Kissenbergen, die kichern. Und er weiß: Morgen gibt es neue Spiele. Aber heute ist alles gut. Heute ist alles gerecht. Heute ist alles weich.