Es war einmal, in einer kleinen Stadt, ganz weich und weiß. Der Schnee lag wie Zucker auf den Dächern. Die Nacht trug ein warmes Tuch. In einem Fenster saß ein kleines Mädchen. Sie war drei Jahre alt und hieß Lina.
Leise fällt der Schnee. Ding, ding, klingen die kleinen Glocken. Der Tannenbaum duftet nach Wald. Die Kerzen leuchten wie Honig.
Lina hielt ihren Teddy. Sie sah auf den Tannenbaum. Sie liebte das Grün. Sie liebte die roten Äpfel am Baum. Sie liebte die stillen Kerzen. Und sie liebte die Lichtergirlande am Fenster. Sie war wie ein kleiner Sternenfluss.
Doch heute war die Girlande still. Ein Stück hing schief. Ein Sternchen war dunkel. „Oh“, sagte Lina leise. „Mein Lichtchen schläft.“
„Nicht schlimm,“ sagte Mama sanft. „Wir schauen. Wir finden es.“ Mama lächelte. Ihr Lächeln war wie eine warme Decke.
Leise fällt der Schnee. Ding, ding, klingen die kleinen Glocken. Der Tannenbaum duftet nach Wald. Die Kerzen leuchten wie Honig.
Lina legte ihren Teddy neben sich. Sie strich über die Girlande. „Hallo, kleine Lichter,“ flüsterte sie. „Ich möchte, dass ihr wieder glüht. Für alle. Für Frau Blau nebenan. Für den Postboten. Für die Katze von oben. Für die Nacht.“ Die Girlande raschelte, ganz leise. Als ob sie zuhörte.
„Ich will helfen,“ sagte Lina. Ihre Augen waren rund und hell. Mama nickte. „Du kannst mit den Bändchen helfen. Ganz ruhig. Ganz sachte.“
Lina holte ein rotes Band aus der Schublade. Das Band duftete nach Zimt. „Band, du bist wie ein kleiner Arm,“ flüsterte Lina. „Halt die Sterne fest.“ Sie band einen kleinen Knoten. Ein Knoten wie ein Umarmung.
Da fiel eine Schneeflocke ans Fenster. Sie blieb kleben und glitzerte. „Psst,“ sagte die Flocke, als wäre sie eine Freundin. „Langsam. Wie ein Lied.“ Lina lächelte. „Wie ein Lied,“ wiederholte sie.
Leise fällt der Schnee. Ding, ding, klingen die kleinen Glocken. Der Tannenbaum duftet nach Wald. Die Kerzen leuchten wie Honig.
Ein kleines Glöckchen hing am Ast. Es klang ganz fein. „Ding-ding,“ sagte es, „ich kann zeigen, wo es wackelt.“ Das Glöckchen tippte mit einem Ton. Da sah Lina es: Ein Sternchen saß schief in seiner kleinen Hülle. Das Sternchen blinzelte müde. „Ich bin hier,“ schien es zu sagen.
„Ich halte dich,“ flüsterte Lina. Sie legte zwei Finger auf das Sternchen. Ganz, ganz zart. „Nur sachte,“ flüsterte Mama. „Wie eine Feder.“ Lina drückte den Stern gerade. „So,“ sagte sie. „So ist gut.“
Die Kerzen flackerten freundlich. Eine Flamme nickte. „Bravo,“ flüsterte die Flamme. Ihre Stimme war warm wie Milch. Lina lächelte. „Danke,“ sagte sie zur Flamme, zum Glöckchen, zur Schneeflocke, zur Girlande.
„Bist du bereit?“ fragte Mama. „Ich stecke jetzt den Stecker ein.“ Lina nickte. Ihr Herz klopfte weich und froh. „Ja. Für alle,“ sagte sie. „Für Frau Blau, die immer winkt.“ Sie winkte zum Nachbarfenster. Und wirklich: Da stand Frau Blau im Licht. Sie strahlte und winkte zurück.
Mama steckte den Stecker ein. Ein Atemzug Licht lief durch die Girlande. Erst ein Punkt. Dann zwei. Dann viele, viele. Die Lichter waren wie kleine Sterne, die tanzen. Sie tanzten am Fenster. Sie tanzten in Linas Augen.
Leise fällt der Schnee. Ding, ding, klingen die kleinen Glocken. Der Tannenbaum duftet nach Wald. Die Kerzen leuchten wie Honig.
„Es leuchtet! Es leuchtet für alle!“ rief Lina. Sie klatschte. Teddy klatschte auch, so gut er konnte. Draußen blieb ein Mann mit Schal stehen. Er lächelte. Ein Kind zeigte mit dem Finger. „Schau, ein Sternenfluss!“ rief es. Lina nickte stolz. „Es ist unsere Girlande,“ sagte sie leise. „Sie teilt ihr Licht.“
„Das ist schön,“ sagte Mama. „Wenn wir helfen, wird es hell. Licht ist wie Freude. Es ist mehr, wenn wir es teilen.“ Lina legte ihre kleine Hand in Mamas Hand. „Ich mag teilen,“ sagte sie. „Ich teile Licht. Ich teile Plätzchen. Ich teile Lieder.“
Mama holte eine kleine Dose. „Hier sind Sterne aus Plätzchenteig,“ sagte sie. „Sollen wir ein paar für Frau Blau bringen?“ Lina nickte. „Ja. Für Frau Blau. Für den Postboten. Für die Katze gibt es ein Streicheln.“
Sie gingen zur Tür. Der Schnee war weich und leise. Vor der Tür roch es nach Tanne und Zucker. Lina und Mama legten ein paar Plätzchen auf einen Teller. Sie stellten ihn vor Frau Blaus Tür. Lina klingelte. „Frohes Licht,“ sagte sie, als die Tür aufging. Frau Blau lachte. „Frohes Licht, mein Sternchen,“ sagte sie. „Die Girlande ist so schön.“
Leise fällt der Schnee. Ding, ding, klingen die kleinen Glocken. Der Tannenbaum duftet nach Wald. Die Kerzen leuchten wie Honig.
Wieder drinnen, sah Lina zum Fenster. Die Lichter funkelten sanft. Sie waren wie Augen, die freundlich gucken. Sie waren wie Hände, die sagen: Komm, es ist warm hier. Die Nacht war hell und mild. Der Mond war eine weiße Scheibe. Der Himmel war ein blaues Tuch.
Lina legte den Kopf an Mamas Schulter. Teddy legte seine Stoffpfote auf Linas Arm. „Heute haben wir geholfen,“ flüsterte Lina. „Heute haben wir geteilt.“ Mama nickte. „Ja, mein Herz. So wird die Welt hell.“
Die Girlande summte ein leises Lied. Der Baum roch nach Wald. Die Kerzen atmeten ruhig. Und der Schnee fiel, weich, still, schön.
Leise fällt der Schnee. Ding, ding, klingen die kleinen Glocken. Der Tannenbaum duftet nach Wald. Die Kerzen leuchten wie Honig.
Lina schloss die Augen. Sie lächelte im Schlaf. Die Nacht deckte sie zu, ganz sanft. Draußen lächelte die Welt zurück. Und alles war gut und still.