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Weihnachtsgeschichte 3/4 Jahre Lesen 7 min.

Die Postkarte im Schnee und das geteilte Licht

Der kleine Emil findet an Heiligabend eine Postkarte im Schnee, die eine Botschaft von Freundlichkeit und Zusammensein trägt. Zusammen mit seinen Eltern und der nachbarschaftlichen Hilfe erlebt er einen warmen, besinnlichen Abend.

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Ein vierjähriger Junge mit kurzen blonden Haaren und geröteten Wangen steht staunend am geschmückten Weihnachtsbaum und hält behutsam eine leicht feuchte, glänzende Weihnachtskarte; rechts kniet die Mutter (ca. 30–35, braune zusammengebundene Haare, warmes Lächeln) und trocknet die Karte mit einem Tuch, vor dem Baum sitzt der Vater (ca. 30–35, leichter Bart, roter Pullover) mit freundlichem Blick und Hand auf dem Knie, in der Tür steht die Nachbarin Frau Linde (60–70, lange rote Schal, dunkler Wintermantel) mit der Türschnalle in der Hand und leicht verschneiter Silhouette draußen; innen ein gemütliches Wohnzimmer mit beleuchtetem grünen Baum, Kerzen auf dem Couchtisch, dicker beiger Teppich, Girlanden und einer kleinen roten Holzscheinkasten auf einer Kommode, gefrostetem Fenster mit Schneeflocken — intime, warme Szene: die Familie lächelt, die Nachbarin hat die Karte aus der Kälte hereingebracht, goldenes Kerzenlicht kontrastiert mit dem blauen Schnee draußen. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Es war einmal ein kleiner Junge, vier Jahre alt. Er hieß Emil. Draußen fiel Schnee, leise, leise, wie Zucker vom Himmel. Drinnen war es warm. Der Tannenbaum stand im Zimmer wie ein grüner Riese im Sonntagsmantel. Kleine Kerzen flackerten und tanzten, als würden sie ein Schlaflied singen.

„Schnee, Schnee, leise wie Zehen“, sagte Emil, denn er mochte kleine Reime.

Im Flur hing ein Mantel. Auf dem Tisch lagen Nüsse. Und neben der Tür stand ein roter Briefkasten aus Holz, ganz klein, nur für Kinderpost. Den hatte Mama hingestellt.

„Heute möchte ich eine Postkarte bekommen“, sagte Emil. „Eine echte.“

Mama lächelte. „Vielleicht kommt sie. Vielleicht braucht sie nur ein bisschen Zeit.“

Emil nickte. Zeit war für ihn wie ein langsamer Schlitten: Er kommt, er kommt, er kommt.

Draußen hörte man Glocken. Bing-bang, bing-bang. Als ob ein Rentier irgendwo leise lachte. Emil drückte seine Nase an die Fensterscheibe. Die Scheibe war kalt wie ein Eisbonbon.

„Glocken, Glocken, klingeling“, flüsterte Emil. „Baum und Kerzen, warmes Ding.“

Da klopfte es. Ganz sanft. Nicht laut. Nur: klopf, klopf.

Papa öffnete die Tür. Kälte schlüpfte kurz herein, aber gleich danach kam ein warmer Duft von Schnee und Tannenzweigen. Vor der Tür stand Frau Linde aus dem Haus nebenan. Sie trug einen Schal, der aussah wie ein langer, roter Streifen Abendsonne.

„Guten Abend“, sagte Frau Linde. „Ich habe etwas gefunden. Im Schnee, direkt vor dem Tor.“

In ihrer Hand war eine Postkarte. Sie war ein bisschen feucht, aber noch ganz.

Emils Augen wurden rund wie zwei kleine Kugeln aus Licht. „Eine Karte? Für mich?“

Frau Linde beugte sich. „Sie ist an euch. Schau, da steht eure Adresse.

Emil nahm sie vorsichtig, als wäre sie ein kleiner Vogel. Die Karte zeigte einen Weihnachtsmann mit einem Sack und vielen Sternen. Die Sterne glitzerten wie Zucker.

„Schnee, Schnee, leise wie Zehen“, murmelte Emil wieder, weil es ihm Mut gab.

Mama tupfte die Karte mit einem Tuch trocken. Papa setzte sich neben Emil auf den Teppich. Der Teppich war weich wie ein ruhiger Hund.

„Willst du sie öffnen?“, fragte Mama.

„Ja“, sagte Emil. „Ganz langsam.“

Emil drehte die Karte um. Da waren viele Buchstaben. Emil konnte noch nicht alle lesen. Buchstaben waren für ihn wie kleine Ameisen, die in Reihen laufen.

„Ich lese“, sagte Mama. Ihre Stimme war warm wie Kakao. „‚Liebe Emil-Familie, frohe Weihnachten! Wir denken an euch.‘“

„Wer?“, fragte Emil.

Mama schaute genauer. „Von Opa und Oma.“

Emil lächelte. Opa und Oma waren wie zwei große Kissen, in die man sich fallen lassen konnte. Sie wohnten nicht weit, aber heute waren sie zu Hause, weil der Schnee so dicht fiel.

Papa las weiter: „‚Wir schicken euch diese Karte mit einem kleinen Wunsch: Seid freundlich, teilt Licht und lacht zusammen.‘“

Emil legte die Hand auf die Karte. „Ich will auch Licht teilen“, sagte er leise.

In diesem Moment machte der Baum ein kleines Geräusch. Nicht wirklich ein Geräusch, eher ein Glitzern. Die Kerzen flackerten und schienen zu nicken.

„Bäumchen, Bäumchen, grünes Kleid“, flüsterte Emil. „Kerzen, Kerzen, warmes Licht.“

Frau Linde stand noch da und rieb sich die Hände. Emil sah ihren roten Schal. Er sah ihre freundlichen Augen. Und er dachte: Freundlichkeit ist wie eine Kerze. Sie wird nicht kleiner, wenn man sie teilt. Sie wird größer im Zimmer.

„Frau Linde“, sagte Emil. „Danke, dass Sie die Karte gebracht haben.“

„Sehr gern“, sagte Frau Linde. „Sie lag so traurig im Schnee. Da wollte ich sie schnell ins Warme bringen.“

Emil stellte sich vor, wie die Karte im Schnee lag, ganz allein, und wie Frau Linde sie aufgehoben hatte. Das war ein gutes Bild. Ein gutes, helles Bild.

Mama fragte: „Möchten Sie einen Keks, Frau Linde?“

„Oh, ja“, sagte Frau Linde, „einen kleinen.“

Emil lief zum Teller. Die Kekse waren Sterne. Er nahm einen Sternkeks und gab ihn Frau Linde. Dann nahm er noch einen und gab ihn Papa. Dann noch einen und gab ihn Mama. Dann nahm er einen für sich.

„Teilen, teilen“, sagte Emil. „Wie Kerzen.“

Papa nickte. „Genau so.“

Frau Linde lächelte breit. „Du hast ein großes Herz, Emil. Ein Herz wie eine warme Laterne.

Emil verstand Laterne. Eine Laterne macht Licht in der Nacht. Er mochte das.

Als Frau Linde ging, rief Emil: „Frohe Weihnachten!“ Und Frau Linde rief zurück: „Frohe Weihnachten, ihr Lieben!“

Die Tür schloss sich leise. Draußen fiel der Schnee weiter. Leise, leise. Drinnen klangen die Glocken noch in Emils Ohren, wie ein Lied, das nicht aufhören will.

Mama stellte die Postkarte auf das Regal, neben eine kleine Krippe. „Da kann sie stehen und schauen“, sagte sie.

Emil schaute auch. Die Karte stand aufrecht wie ein kleines Fenster. Ein Fenster zu Opa und Oma, zu Sternen und Wünschen.

„Kann ich Opa und Oma auch eine Karte schicken?“, fragte Emil.

„Natürlich“, sagte Papa. „Wir können morgen eine malen.“

Emil klatschte leise in die Hände. „Ich male einen Baum. Und Kerzen. Und Schnee.“

Mama strich ihm über die Haare. „Das wird schön.“

Dann wurde es Zeit fürs Bett. Emil zog seinen Schlafanzug an, der war blau wie ein stiller Abend. Mama setzte sich zu ihm. Papa zog die Decke hoch, weich wie Wolken.

Aus dem Wohnzimmer kam ein sanftes Flackern. Kerzenlicht. Aus der Ferne: ein letztes Bing-bang der Glocken. Draußen: Schnee, Schnee, leise wie Zehen.

Emil flüsterte seinen kleinen Reim, ganz zufrieden: „Schnee und Glocken, klingeling. Baum und Kerzen, warmes Ding.“

Mama küsste seine Stirn. „Schlaf gut, mein Schatz.“

Emil hielt die Postkarte kurz in Gedanken fest, wie einen kleinen, warmen Stern in der Hand. Dann ließ er ihn los, ganz leicht. In seinem Herzen brannte eine freundliche Kerze. Und im Haus war es ruhig, hell und friedlich, wie eine Weihnachtsnacht, die lächelt.

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Das Quiz: Hast du die Geschichte gut verstanden?

Tannenbaum
Ein großer grüner Baum, den man zu Weihnachten ins Haus stellt.
Sonntagsmantel
Ein besonderer schöner Mantel, den man oft am Sonntag anzieht.
Flackerten
Die Kerzen bewegten ihr Licht schnell ein bisschen hin und her.
Rentier
Ein Tier mit Hörnern, das oft dem Weihnachtsmann beim Ziehen hilft.
Vorsichtig
Langsam und sachte handeln, damit nichts kaputtgeht oder schmutzig wird.
Krippe
Eine kleine Szene mit Figuren, die die Geburt von Jesus an Weihnachten zeigt.
Laterne
Eine Lampe mit Glas, die man tragen kann, um Licht zu haben.
Postkarte
Ein Papier mit Bild und Platz für Worte, das man per Post schickt.
Adresse
Die Straße und das Haus, wo jemand wohnt, damit die Post ankommt.
Kerzen
Wachs mit einem Docht, das man anzündet, damit Licht entsteht.

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